Wölflinswil

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Wölflinswil
Wappen von Wölflinswil
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Laufenburgw
BFS-Nr.: 4182i1f3f4
Postleitzahl: 5063
Koordinaten: 642328 / 25700947.4624978.000006437Koordinaten: 47° 27′ 45″ N, 8° 0′ 0″ O; CH1903: 642328 / 257009
Höhe: 437 m ü. M.
Fläche: 9.51 km²
Einwohner: 980 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 103 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 6,8 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.woelflinswil.ch
Dorfplatz von Wölflinswil, im Hintergrund die klassizistische Pfarrkirche St. Mauritius (1821)

Dorfplatz von Wölflinswil, im Hintergrund die klassizistische Pfarrkirche St. Mauritius (1821)

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Wölflinswil (schweizerdeutsch: ˌvœlflisˈʋiːl)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Laufenburg des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt im Süden der Region Fricktal und grenzt an den Kanton Solothurn.

Geographie[Bearbeiten]

Das Gemeindegebiet liegt in der Übergangszone zwischen dem Tafeljura im Norden und dem Faltenjura im Süden. Das Dorf selbst befindet sich im engen Tal nördlich des Benkerjochs, welches auf beiden Seiten von Hügeln begrenzt ist. Diese ragen im unteren Bereich steil auf und gehen dann im oberen Bereich in ausgedehnte Hochebenen über. Dabei handelt es sich um den Altenberg (579 m ü. M.) im Westen und den Fürberg (536 m ü. M.) im Osten, die beide intensiv landwirtschaftlich genutzt werden. Im Dorfzentrum zweigen zwei Seitentäler ab, das eine führt in Richtung Südwesten hinauf zur Burg (790 m ü. M.), das zweite in Richtung Südosten zur rund 580 Meter hoch gelegenen Strihenmatt. Dort beginnt der steile Anstieg hinauf zum Strihe (867 m ü. M.), dem höchsten ganz im Kanton Aargau gelegenen Berg und zweithöchsten Punkt des Kantons.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 951 Hektaren, davon sind 295 Hektaren bewaldet und 61 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt liegt auf dem Grat des Strihe auf 865 Metern, der tiefste auf 400 Metern an der nördlichen Gemeindegrenze.

Nachbargemeinden sind Gipf-Oberfrick im Norden, Herznach im Nordosten, Densbüren im Osten, Oberhof im Süden Kienberg im Westen und Wittnau im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung der Kirche von Wulfliswile erfolgte 1180 in einem Urbar der Grafen von Homberg-Tierstein. Der Ortsname stammt vom mittelhochdeutschen Wulfineswilere und bedeutet «Hofsiedlung des Wulfin».[3] Zu Beginn des 13. Jahrhunderts ging das Dorf in den Besitz der Habsburger über, die nach dem Waldshuterkrieg von 1468 das gesamte Fricktal an Burgund verpfändeten. Als die Burgunder von den Eidgenossen während der Burgunderkriege vernichtend geschlagen worden waren, kam Wölflinswil 1477 wieder unter österreichische Herrschaft.

Nach der Reichsreform des österreichischen Kaisers Maximilian I. im Jahr 1491 gehörte Wölflinswil zu Vorderösterreich und lag in der Landschaft Fricktal, einer untergeordneten Verwaltungseinheit der Kameralherrschaft Rheinfelden im Oberamt Breisgau. Im 17. Jahrhundert gab es kaum längere Friedenszeiten. Der Rappenkrieg, ein Bauernaufstand, dauerte von 1612 bis 1614. Der Dreissigjährige Krieg, der zwischen 1633 und 1638 auch das Fricktal erfasste, traf Wölflinswil besonders hart. Das Dorf wurde von schwedischen Truppen verwüstet. Gebäude, welche diese Zerstörungen überstanden, werden heute noch «Schwedenhäuser» genannt. Auch während des Pfälzischen Erbfolgekriegs (1688–1697) zogen fremde Truppen durch die Region.

1797 wurde das Fricktal nach dem Frieden von Campo Formio ein französisches Protektorat. Während des Zweiten Koalitionskrieges verlief hier die Frontlinie zwischen den Armeen Frankreichs und Österreichs. Am 20. Februar 1802 erfolgte die Gründung des Kantons Fricktal, der sich im August der Helvetischen Republik anschloss. Das im Distrikt Frick gelegene Dorf war somit schweizerisch geworden. Seit dem 19. März 1803 gehört Wölflinswil zum Kanton Aargau. Im selben Jahr trennte sich Oberhof, welches seither eine eigenständige Gemeinde ist.

Während des gesamten Mittelalters spielte der Abbau von Eisenerz eine bedeutende Rolle, die Erzgruben von Wölflinswil galten als besonders ertragreich. Die Erzgewinnung wurde schliesslich 1743 eingestellt. Die Posamenterei, das Weben von Seidenbändern in Heimarbeit, bot während des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen bescheidenen Nebenverdienst zur Landwirtschaft. Dennoch zwangen die fehlenden wirtschaftlichen Möglichkeiten zahlreiche Bewohner zur Auswanderung. Die Bevölkerungszahl stagnierte während Jahrzehnten; erst seit dem Ausbau der Benkerjoch-Passstrasse im Jahr 1977 steigt sie wieder leicht an.

Wappen[Bearbeiten]

Ehemalige Mühle (1674)

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Gelb stehender rücksehender roter Wolf.» Die Einführung des Wappens erfolgte 1939, der Wolf war jedoch in Braun gehalten, was den heraldischen Farbregeln widerspricht. 1953 wurde das Tier rot eingefärbt.[5]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[6]

Jahr 1768 1800 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 498 806 739 656 613 641 639 655 738 721 784 984

Am 31. Dezember 2013 lebten 980 Menschen in Wölflinswil, der Ausländeranteil betrug 6,8 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 67,5 % römisch-katholisch, 17,6 % reformiert, 2,2 % moslemisch und 1,5 % christlich-orthodox; 0,5 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[7] 96,2 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 1,8 % Albanisch.[8]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Laufenburg zuständig. Auf kommunaler Ebene gibt es einen Friedensrichter, der auch für die Gemeinden Herznach, Oberhof, Ueken, Wittnau und Zeihen verantwortlich ist.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Wölflinswil gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 280 Arbeitsplätze, davon 42 % in der Landwirtschaft, 22 % in der Industrie und 36 % im Dienstleistungssektor.[9] Eine wichtige Rolle spielen Betriebe der Holzverarbeitung und des Baugewerbes. Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in den grösseren Gemeinden des Fricktals sowie in der Region Aarau.

Verkehr[Bearbeiten]

Wölflinswil liegt an der nördlichen Zufahrt der Benkerjoch-Passstrasse, der mittleren der drei Verbindungen zwischen Aarau und dem Fricktal. Acht Kilometer von Wölflinswil entfernt befindet sich bei Frick ein Autobahnanschluss der A3. Die Anbindung an das Netz des öffentlichen Verkehrs erfolgt durch eine Postautolinie, die von Aarau über das Benkerjoch nach Frick führt. In Wölflinswil beginnt der Oberfricktaler Eisenweg.

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und ein Schulhaus, in dem die Primarschule unterricht wird. Die Realschule und die Sekundarschule können in Gipf-Oberfrick besucht werden, die Bezirksschule in Frick. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Aarau.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wölflinswil – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 478–479.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1069, Swisstopo
  5.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 321.
  6. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  7. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.
  9. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.