Gansingen

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Gansingen
Wappen von Gansingen
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Laufenburgw
BFS-Nr.: 4164i1f3f4
Postleitzahl: 5272
UN/LOCODE: CH GAN
Koordinaten: 652405 / 26620147.5444418.134726382Koordinaten: 47° 32′ 40″ N, 8° 8′ 5″ O; CH1903: 652405 / 266201
Höhe: 382 m ü. M.
Fläche: 8.77 km²
Einwohner: 1002 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 114 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 7,8 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.gansingen.ch
Kirche Gansingen

Kirche Gansingen

Karte
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Gansingen (schweizerdeutsch: ˈg̥ɑnsig̥ə, in der lokalen Mundart jünger ˈg̥ɑnsiŋ̥ə, älter ˈg̥ɑusig̥ə)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Laufenburg des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt im Nordosten der Region Fricktal.

Geographie[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt im Tal des Mettauerbachs, einem Teil des Mettauertals, und besteht aus mehreren Siedlungen. Geologisch gesehen liegt das Gemeindegebiet im Übergangsbereich zwischen Tafeljura und Faltenjura. In der Hauptsiedlung leben etwa zwei Drittel aller Einwohner. Etwa einen Kilometer südlich davon liegt der Weiler Büren (410 m ü. M.). Im Zentrum von Gansingen zweigt in Richtung Südwesten das zwei Kilometer lange Seitental des Galterbachs ab, an dessen oberen Ende der Weiler Galten (480 m ü. M.) liegt.[4]

Beide Täler sind sehr eng und werden durch stellenweise steil aufragende Hügel begrenzt. Die an der westlichen Gemeindegrenze gelegenen Hügel Schlatthalde (558 m ü. M.) und Gugli (607 m ü. M.) sowie der an der östlichen Gemeindegrenze gelegene Laubberg (648 m ü. M.) gelten als Bestandteil des Tafeljuras. Die südliche Gemeindegrenze wird durch eine Kette von Hügeln gebildet, die zum Faltenjura zählen. Es sind dies die Grosshalde (698 m ü. M.) im Südwesten, der Ifang (667 m ü. M.) und die Oberegg (570 m ü. M.) im Süden sowie das Bürerhorn (671 m ü. M.) im Südosten. Zwischen dem Bürerhorn und der Oberegg liegt der Bürersteig, der Passübergang ins Aaretal.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 877 Hektaren, davon sind 332 Hektaren bewaldet und 68 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt liegt auf 698 Metern auf der Grosshalde, der tiefste auf 363 Metern am Mettauerbach.

Nachbargemeinden sind Mettauertal im Norden und Osten, Remigen im Südosten, Mönthal im Süden und Laufenburg im Westen.

Geschichte[Bearbeiten]

Im 5. oder 6. Jahrhundert, nach dem Rückzug der Römer, besiedelten die Alamannen das obere Mettauertal. Die erste urkundliche Erwähnung von Gansungen erfolgte im Jahr 1240. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen Gansingun und bedeutet «bei den Leuten des Ganso».[3] Das Dorf unterstand der Gerichtsbarkeit der jeweiligen Besitzer der Burg Bernau im nahen Leibstadt. Die Landesherrschaft ging 1386 von den Grafen von Habsburg-Laufenburg an die ältere Linie der Habsburger über. Diese verpfändeten nach dem Waldshuterkrieg von 1468 das gesamte Fricktal an Burgund. Als die Burgunder von den Eidgenossen während der Burgunderkriege vernichtend geschlagen worden waren, kam Gansingen 1477 wieder unter österreichische Herrschaft.

Nach der Reichsreform des österreichischen Kaisers Maximilian I. im Jahr 1491 gehörte Gansingen zu Vorderösterreich. Die österreichischen Behörden besassen hier über weniger Kompetenzen als in den Nachbardörfern, da die Herrschaft Bernau eine gewisse Eigenständigkeit beibehielt. Während des Schwabenkriegs von 1499 zogen Bauern aus dem Mettauertal plündernd durch die Dörfer im benachbarten Berner Aargau. Im 17. Jahrhundert gab es kaum längere Friedenszeiten. Der Rappenkrieg, ein Bauernaufstand, dauerte von 1612 bis 1614. Der Dreissigjährige Krieg, der zwischen 1633 und 1638 auch das Fricktal erfasste, traf Gansingen besonders hart: Nach dem Rückzug der Schweden standen nur noch vier Häuser und die stark beschädigte Kirche. Auch während des Pfälzischen Erbfolgekriegs (1688–1697) zogen fremde Truppen durch die Region.

1797 wurde das Fricktal nach dem Frieden von Campo Formio ein französisches Protektorat. Während des Zweiten Koalitionskrieges verlief hier die Frontlinie zwischen den Armeen Frankreichs und Österreichs. Am 20. Februar 1802 wurde Gansingen eine Gemeinde im Distrikt Laufenburg des Kantons Fricktal, der sich im August der Helvetischen Republik anschloss. Damit war die Gemeinde schweizerisch geworden. Seit dem 19. März 1803 gehört Gansingen zum Kanton Aargau.

Bei einem Grossbrand im Jahr 1814 wurden in Gansingen 29 Häuser ein Raub der Flammen, darunter das sieben Jahre zuvor errichtete Schulhaus. 1829 brannte der Weiler Galten vollständig nieder. Mitte des 19. Jahrhunderts setzte aufgrund von Missernten eine Auswanderungswelle ein, bis 1910 nahm die Bevölkerungszahl um über einen Drittel ab. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein blieb Gansingen landwirtschaftlich geprägt, daneben existierten einige Gewerbebetriebe wie z.B. eine Nagelschmiede. Die Bevölkerungszahl stagnierte bis zu Beginn der 1980er Jahre, seither ist sie wieder leicht ansteigend.

Am 21. September 2007 lehnte die Gemeindeversammlung den Antrag ab, mit Etzgen, Hottwil, Mettau, Oberhofen und Wil zur Gemeinde Mettauertal zu fusionieren. Die übrigen Gemeinden beschlossen daraufhin am 20. März 2008, vorerst ohne die Mitwirkung Gansingens zu fusionieren.[5]

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Blau auf grünem Dreiberg auffliegende, gelb bewehrte weisse Gans.» Auf den Gemeindesiegeln des 19. Jahrhunderts war die Gans noch nicht im Schild, sondern am oberen Schildrand des Kantonswappens zu sehen. Die heute verwendete Version wurde 1939 eingeführt.[6]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[7]

Jahr 1800 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 691 1053 723 706 790 698 717 741 876 927 958

Am 31. Dezember 2013 lebten 1002 Menschen in Gansingen, der Ausländeranteil betrug 7,8 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 75,8 % römisch-katholisch und 15,6 % reformiert; 1,7 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[8] 96,7 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 0,6 % Englisch.[9]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Laufenburg zuständig. Gansingen gehört zum Friedensrichterkreis Mettau.

Partnerort Gansingens ist das bayerische Dorf Gansheim in der Gemeinde Marxheim.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Gansingen gibt es gemäss Betriebszählung 2008 etwa 200 Arbeitsplätze, davon 48 % in der Landwirtschaft, 6 % in der Industrie und 46 % im Dienstleistungssektor.[10] Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in den grösseren Gemeinden des Fricktals und des unteren Aaretals.

Verkehr[Bearbeiten]

Gansingen liegt an der Hauptstrasse, die vom Rheintal bei Etzgen über den Bürersteig nach Brugg führt. Eine Nebenstrasse führt über den Weiler Galten nach Sulz. Die Anbindung an das Netz des öffentlichen Verkehrs erfolgt durch eine Postautolinie zwischen den Bahnhöfen Laufenburg und Brugg.

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und ein Schulhaus, in dem die Primarschule und die Sekundarschule unterrichtet werden. Die Realschule und die Bezirksschule können im Schulzentrum Blauen in Laufenburg besucht werden. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Aarau; aufgrund einer interkantonalen Vereinbarung können Jugendliche aus Teilen des Fricktals das Gymnasium auch in Muttenz (Kanton Basel-Landschaft) absolvieren.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gansingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 170–171. sowie laut Material des Sprachatlasses der deutschen Schweiz.
  4. a b Landeskarte der Schweiz, Blatt 1069, Swisstopo
  5. «Fünf deutliche Ja zur Fusion», Aargauer Zeitung, 21. März 2008
  6.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 162.
  7. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.
  10. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.