Zeihen

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Zeihen
Wappen von Zeihen
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Laufenburgw
BFS-Nr.: 4183i1f3f4
Postleitzahl: 5079
Koordinaten: 648702 / 25875747.4777778.084728445Koordinaten: 47° 28′ 40″ N, 8° 5′ 5″ O; CH1903: 648702 / 258757
Höhe: 445 m ü. M.
Fläche: 6.87 km²
Einwohner: 1101 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 160 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 13,3 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.zeihen.ch
Blick auf Zeihen

Blick auf Zeihen

Karte
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Zeihen (schweizerdeutsch: ˈtsæːiə)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Laufenburg des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt im Südosten der Region Fricktal, genau auf halbem Weg zwischen den Städten Basel und Zürich.

Geographie[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt in der Übergangszone vom Tafeljura zum Faltenjura und besteht aus mehreren Ortschaften. Die Hauptsiedlung Unterzeihen (historisch Niederzeihen genannt), in der etwa zwei Drittel aller Einwohner leben, liegt am Zeiherbach in einem Seitental der Sissle. Südöstlich des Dorfes ragt die steile Flanke des Chapfbüels (548 m ü. M.) empor. Der Chapfbüel bildet den westlichsten Teil der ausgedehnten Bözberg-Hochebene, welche das Tal des Zeiherbachs vom weiter östlich gelegenen Tal der Sissle trennt. Die südliche Grenze wird durch eine Hügelkette des Faltenjuras gebildet, bestehend aus dem Zeiher Homberg (782 m ü. M., nördlichste Faltenjuraerhebung des Aargaus), dem Dreierberg (758 m ü. M.) und dem Zeihergutsch (757 m ü. M.). Rund ein Kilometer südlich von Unterzeihen liegt am Zeiherbach die Ortschaft Oberzeihen (470 m ü. M.). Auf der Rütenen-Hochebene liegt der Weiler Eichwald (559 m ü. M.), am Nordwesthang des Zeihergutschs nahe der Quelle der Sissle der Weiler Iberghof (551 m ü. M.).[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 687 Hektaren, davon sind 280 Hektaren bewaldet und 59 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt liegt auf dem Gipfel des Zeiher Hombergs auf 782 Metern, der tiefste auf 420 Metern am Zeiherbach.

Nachbargemeinden sind Bözen und Effingen im Norden, Bözberg im Nordosten, Schinznach im Südosten, Thalheim im Süden, Densbüren im Südwesten, Herznach und Ueken im Westen sowie Hornussen im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Dorfzentrum
Katholische Kirche

Die Gegend um Zeihen wurde trotz ihrer Abgeschiedenheit bereits durch die Römer besiedelt, im Jahr 2002 kam bei Ausgrabungen ein Gewerbebau aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. zum Vorschein. Aus dem 7. Jahrhundert stammt ein Grab der Alamannen mit verschiedenen Beigaben. Die erste urkundliche Erwähnung von ze Eigen erfolgte 1303/08 im Habsburger Urbar. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen ze eigane und bedeutet «im Eigengut».[3] Das Gemeindegebiet war damals zum grössten Teil im Besitz des Frauenklosters in Säckingen. Allfällige frühere Dokumente sind wahrscheinlich beim Klosterbrand von 1272 vernichtet worden. Auch die im Schloss Wildegg residierende Familie Effinger verfügte über Grundbesitz.

Schutzherren und Inhaber der hohen Gerichtsbarkeit waren die Habsburger. Ab 1460 lag Zeihen an der Grenze zum Berner Aargau, nachdem die Stadt Bern die südlich gelegenen Nachbardörfer in Besitz genommen hatte. Die Habsburger verpfändeten nach dem Waldshuterkrieg von 1468 das gesamte Fricktal an Burgund. Als die Burgunder von den Eidgenossen während der Burgunderkriege vernichtend geschlagen worden waren, kam Zeihen 1477 wieder unter österreichische Herrschaft. Nach der Reichsreform des österreichischen Kaisers Maximilian I. im Jahr 1491 gehörte Zeihen zu Vorderösterreich und lag in der Landschaft Fricktal, einer untergeordneten Verwaltungseinheit der Kameralherrschaft Rheinfelden im Oberamt Breisgau.

Im 17. Jahrhundert gab es kaum längere Friedenszeiten. Der Rappenkrieg, ein Bauernaufstand, dauerte von 1612 bis 1614. Der Dreissigjährige Krieg, der zwischen 1633 und 1638 auch das Fricktal erfasste, warf das Dorf in seiner wirtschaftlichen Entwicklung zurück. Auch während des Pfälzischen Erbfolgekriegs (1688–1697) zogen fremde Truppen durch die Region. 1680 verpfändete Österreich seine herrschaftlichen Rechte über Niederzeihen, Hellikon, Hornussen, Stein und Zuzgen an das Kloster Säckingen. Erst 1740 konnte das Pfand zu einem Preis von 15.000 Gulden wieder zurückgekauft werden. Ende des 17. Jahrhunderts bis Mitte des 18. Jahrhunderts wurde im Gebiet Summerhalde Eisenerz in Form von Bohnerz abgebaut, die Abbaustellen sind heute noch sichtbar.

1797 wurde das Fricktal nach dem Frieden von Campo Formio ein französisches Protektorat. Während des Zweiten Koalitionskrieges verlief hier die Frontlinie zwischen den Armeen Frankreichs und Österreichs. Am 20. Februar 1802 wurde der Kanton Fricktal gegründet, der sich im August der Helvetischen Republik anschloss. Niederzeihen bildete eine Gemeinde im Distrikt Laufenburg, während Oberzeihen zur Gemeinde Herznach gehörte. Ab dem 19. März 1803 lagen Nieder- und Oberzeihen im Kanton Aargau. 1853 trennte sich Oberzeihen von Herznach und fusionierte mit Niederzeihen zur Gemeinde Zeihen.

Am 2. August 1875 erhielt Zeihen einen Anschluss ans Eisenbahnnetz, als die Bözbergstrecke zwischen Brugg und Basel eröffnet wurde. Doch obwohl die Bahnlinie mitten durch das Dorf verläuft, lag die Bahnstation weit abseits in Richtung Effingen. Durch den Wegfall der Fuhrdienste an der Bözbergstrasse verloren zahlreiche Familien ihr Einkommen und mussten auswandern. Während fast des gesamten 20. Jahrhunderts, als die Landwirtschaft langsam durch Kleingewerbe und Dienstleistungsbetrieben verdrängt wurde, stagnierte die Bevölkerungszahl. Der Bahnhof Effingen ist seit 1993 geschlossen. Seit der Eröffnung der nahe gelegenen Bözbergautobahn im Jahr 1996 hat sich die Bautätigkeit verstärkt und die Zahl der Einwohner steigt kontinuierlich.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Grün schwarz-gelb geschachteter Pfahl zu zwölf Plätzen, beseitet von zwei gelben Ähren.» Das Wappen wurde 1955 eingeführt. Der Pfahl symbolisiert die zwölf Verwaltungseinheiten (Höfe) des Klosters Säckingen, aus denen sich Zeihen entwickelt hat. Die Farben Schwarz und Gelb stehen für die Herrschaft der Habsburger, während die Ähren die Rodungsgemeinschaft symbolisieren.[5]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[6]

Jahr 1768 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 193 457 614 681 764 745 730 690 712 863 978

Am 31. Dezember 2013 lebten 1101 Menschen in Zeihen, der Ausländeranteil betrug 13,3 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 62,5 % römisch-katholisch, 20,3 % reformiert und 6,3 % moslemisch; 0,8 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[7] 92,6 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 4,6 % Albanisch, 0,8 % Serbokroatisch.[8]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Laufenburg zuständig. Zeihen gehört zum Friedensrichterkreis Wölflinswil.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Zeihen gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 200 Arbeitsplätze, davon 37 % in der Landwirtschaft, 20 % in der Industrie und 43 % im Dienstleistungssektor.[9] Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in den grösseren Gemeinden des Fricktals sowie in der Region Brugg.

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnhof Effingen

Das Dorf liegt abseits des Durchgangsverkehrs. Gut ausgebaute Nebenstrassen führen nach Effingen, Herznach und Hornussen. An der Strasse nach Effingen befindet sich eine Anschlussstelle zur Autobahn A3, die allerdings nur aus bzw. in Richtung Zürich befahren werden kann. Der nächste Vollanschluss befindet sich bei Frick. Die Anbindung an das Netz des öffentlichen Verkehrs erfolgt durch die Postautolinie Effingen–Zeihen–Herznach, mit guten Anschlüssen nach Frick, Aarau und Brugg. Der rund 1,5 Kilometer östlich des Dorfes gelegene Bahnhof Effingen an der Bözberglinie ist seit 1993 geschlossen. Durch Zeihen führt der Oberfricktaler Eisenweg.

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und ein Schulhaus, in dem die Primarschule und die 1. und 2. Klasse der regionalen Oberstufe (1. + 2.- Real- und Sekundarschule) unterrichtet werden. Die 3. + 4. Sekundarschule und Realschule können in Bözen besucht werden, die Bezirksschule in Frick. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Aarau.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Zeihen ist der Bürgerort des ehemaligen Bundesrates Joseph Deiss (Mitglied der Regierung von 1999 bis 2006).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Zeihen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 194–196.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1069, Swisstopo
  5.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 324.
  6. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  7. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.
  9. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.