Schwaderloch

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Schwaderloch
Wappen von Schwaderloch
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Laufenburgw
BFS-Nr.: 4176i1f3f4
Postleitzahl: 5326
Koordinaten: 653095 / 27084047.5861058.144444321Koordinaten: 47° 35′ 10″ N, 8° 8′ 40″ O; CH1903: 653095 / 270840
Höhe: 321 m ü. M.
Fläche: 2.77 km²
Einwohner: 689 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 249 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 18,7 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.schwaderloch.ch
Karte
Deutschland Kanton Basel-Landschaft Kanton Solothurn Bezirk Aarau Bezirk Baden Bezirk Brugg Bezirk Lenzburg Bezirk Rheinfelden Bezirk Zurzach Eiken Frick AG Gansingen Gipf-Oberfrick Herznach Hornussen AG Kaisten AG Laufenburg AG Mettauertal Münchwilen AG Oberhof AG Oeschgen Schwaderloch Sisseln Ueken Wittnau AG Wölflinswil ZeihenKarte von Schwaderloch
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Schwaderloch (im regionalen Schweizerdeutsch: Schwatterle, ˈʃʋɑtːərlə)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Laufenburg des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt am Hochrhein an der Grenze zu Deutschland, im Nordosten der Region Fricktal.

Geographie[Bearbeiten]

Das Dorf besteht aus zwei Teilen, die durch die Hauptstrasse und die Eisenbahnlinie voneinander getrennt sind. Auf einer erhöht liegenden Terrasse am Nordrand des Tafeljuras liegt der ältere, in Form eines Strassendorfs gebaute Dorfteil. Nördlich davon erstreckt sich der neue Dorfteil in die flache Rheinebene. Die Ebene ist knapp ein Kilometer breit. Da der Rhein ein kurzes Stück südwärts fliesst, verengt sich die Ebene am westlichen Dorfrand zu einem schmalen Uferstreifen. An der breitesten Stelle der Ebene wächst der einzige Auenwald des Fricktals. Unmittelbar am südlichen Dorfrand steigt das Gelände steil an. Ein tief eingeschnittenes Seitental trennt die Anhöhe in zwei Hochebenen, den Ischlag (470 m ü. M.) im Südwesten und den Himmel (452 m ü. M.) im Süden. Die steil aufragende Wandfluh (530 m ü. M.) im Südosten ist von einzelnen Kalkfelsen durchzogen.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 277 Hektaren, davon sind 117 Hektaren bewaldet und 32 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt liegt auf 530 Metern an der Wandfluh, der tiefste auf 302 Metern am Rhein.

Nachbargemeinden sind Leibstadt im Osten, Mettauertal im Süden und die deutsche Gemeinde Albbruck im Norden.

Geschichte[Bearbeiten]

Im 4. Jahrhunderts bildete der Rhein die Nordgrenze des Römischen Reichs. Laut einer Steintafel, die 1892 beim Eisenbahnbau ausgegraben wurde, baute die Legio VIII Augusta im Jahr 371 einen Wachtturm, von dem einige Mauerreste erhalten geblieben sind. Die Ruine liegt heute rund einen halben Kilometer vom Flussufer entfernt, da der Wachtturm an einem nicht mehr existierenden und weiter südlich verlaufenden Flussarm errichtet wurde. Um 400 zogen sich die Römer endgültig über die Alpen zurück. Bald darauf besiedelten die Alamannen die Region.

Die erste urkundliche Erwähnung von Swatterlo erfolgte im Jahr 1318 in einem Lehensverzeichnis der Grafen von Habsburg-Laufenburg. Der Ortsname stammt vom mittelhochdeutschen (ze der) swaterenden la und bedeutet «bei der sich hin- und her bewegenden Sumpflache».[3] Das Dorf unterstand der Gerichtsbarkeit der jeweiligen Besitzer der Burg Bernau im benachbarten Leibstadt. Die Landesherrschaft ging 1386 an die ältere Linie der Habsburger über. Diese verpfändeten nach dem Waldshuterkrieg von 1468 das gesamte Fricktal an Burgund. Als die Burgunder von den Eidgenossen während der Burgunderkriege vernichtend geschlagen worden waren, kam Etzgen 1477 wieder unter österreichische Herrschaft.

Nach der Reichsreform des österreichischen Kaisers Maximilian I. im Jahr 1491 gehörte Schwaderloch zu Vorderösterreich. Die österreichischen Behörden besassen hier über weniger Kompetenzen als in den Nachbardörfern, da die Herrschaft Bernau eine gewisse Eigenständigkeit beibehielt. Im 17. Jahrhundert gab es kaum längere Friedenszeiten. Der Rappenkrieg, ein Bauernaufstand, dauerte von 1612 bis 1614. Der Dreissigjährige Krieg, der zwischen 1633 und 1638 auch das Fricktal erfasste, warf das Dorf in seiner wirtschaftlichen Entwicklung zurück. Auch während des Pfälzischen Erbfolgekriegs (1688–1697) zogen fremde Truppen durch die Region.

1797 wurde das Fricktal nach dem Frieden von Campo Formio ein französisches Protektorat. Während des Zweiten Koalitionskrieges verlief hier die Frontlinie zwischen den Armeen Frankreichs und Österreichs. Am 20. Februar 1802 wurde Schwaderloch eine Gemeinde im Distrikt Laufenburg des Kantons Fricktal, der sich im August der Helvetischen Republik anschloss. Damit war Schwaderloch schweizerisch geworden. Seit dem 19. März 1803 gehört die Gemeinde zum Kanton Aargau.

Neben der Landwirtschaft hatte während des 19. Jahrhunderts auch das Handwerk eine grössere Bedeutung; so gab es um 1850 nicht weniger als sechs Nagelschmieden. Als 1872 in Albbruck auf der deutschen Seite des Rheins eine Papierfabrik ihren Betrieb aufnahm, fanden viele Schwaderlocher dort Arbeit. Nach der Eröffnung der Bahnstrecke Stein-Säckingen–Koblenz am 1. August 1892 siedelten sich auch in Schwaderloch kleinere Industriebetriebe an. Der Personenverkehr auf der Eisenbahnlinie zwischen Laufenburg und Koblenz wurde am 28. Mai 1994 eingestellt.

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Gelb auf grünem Dreiberg drei rote Flammen.» Das heute bestehende Wappen wurde 1948 geschaffen. Die Initiative ging aber nicht vom Gemeinderat aus, sondern vom örtlichen Musikverein. Die Wappenkommission schlug der Gemeinde ein Jahr später die Flamme als Wappenmotiv vor, das Symbol des Heiligen Polykarp von Smyrna, dem Schutzpatron der Kapelle. Doch dann wurde ein aus heraldischer Sicht fragwürdiges Wappen eingeführt. 1967 kam der Gemeinderat auf seinen Entscheid zurück und erklärte den ursprünglichen Entwurf doch noch für verbindlich.[5]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[6]

Jahr 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 388 448 469 513 532 514 450 516 655 674

Am 31. Dezember 2013 lebten 689 Menschen in Schwaderloch, der Ausländeranteil betrug 18,7 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 62,1 % römisch-katholisch, 20,8 % reformiert und 4,0 % moslemisch; 0,8 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[7] 92,7 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 2,9 % Albanisch, 1,1 % Italienisch.[8]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Laufenburg zuständig. Schwaderloch gehört zum Friedensrichterkreis Mettau.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Schwaderloch gibt es gemäss Betriebszählung 2008 etwa 180 Arbeitsplätze, davon 15 % in der Landwirtschaft, 54 % in der Industrie und 31 % im Dienstleistungssektor.[9] Zahlreiche Erwerbstätige sind Wegpendler und arbeiten vor allem in den grösseren Gemeinden des Rheintals und des unteren Aaretals.

Verkehr[Bearbeiten]

Schwaderloch liegt unmittelbar an der wichtigen Hauptstrasse 7 zwischen Basel und Winterthur. Der Anschluss an das Netz des öffentlichen Verkehrs erfolgt durch eine Postautolinie, die vom Bahnhof Laufenburg aus nach Döttingen führt. Die Eisenbahnlinie zwischen Laufenburg und Koblenz ist für den Personenverkehr stillgelegt. Die Rheinbrücke Albbruck–Schwaderloch führt nach Deutschland.

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und eine Primarschule. Die Realschule und die Sekundarschule können in Leibstadt besucht werden, die Bezirksschule in Leuggern. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Aarau; aufgrund einer interkantonalen Vereinbarung können Jugendliche aus Teilen des Fricktals das Gymnasium auch in Muttenz (Kanton Basel-Landschaft) absolvieren.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schwaderloch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 391–393.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1049, Swisstopo
  5.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 272.
  6. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  7. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  9. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.