Wilhelm Koppe

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Dieser Artikel behandelt den SS-Führer. Für den Geschichtswissenschaftler siehe Wilhelm Koppe (Historiker).
Wilhelm Koppe
Zur Begrüßung überreichen Kinder Blumen an Heinrich Himmler, von links: SS-Gruppenführer Wilhelm Koppe, Heinrich Himmler und der Gauleiter von Oberschlesien, Fritz Bracht

Karl Heinrich Wilhelm Koppe (* 15. Juni 1896 in Hildesheim; † 2. Juli 1975 in Bonn) war ein deutscher SS-Obergruppenführer, General der Waffen-SS und der Polizei sowie Abgeordneter des Deutschen Reichstages. Er ließ über 2.000 geistig Behinderte in Ostpreußen ermorden und war während des Zweiten Weltkriegs mitverantwortlich am Holocaust im westlichen Teil Polens.

Leben[Bearbeiten]

Jugend und Werdegang[Bearbeiten]

Wilhelm war der Sohn des Gerichtsvollziehers Robert Koppe und dessen Ehefrau Franziska, geborene Ising.

Koppe besuchte die höheren Schulen in Stolzenau an der Weser, Harburg und Wilhelmsburg. Nach dem Abitur meldete er sich während des Ersten Weltkriegs als Freiwilliger im Oktober 1914 beim Schleswig-Holsteinischen Pionier-Bataillon Nr. 9. Im Januar 1915 kam er mit der 2. Feldkompanie des Bataillons an die Westfront. Nach seiner Beförderung zum Leutnant der Reserve im Dezember 1916 wurde Koppe hier ab Januar 1917 als Bataillons-Gas-Offizier eingesetzt und während der Kämpfe in Flandern verwundet.

Nach dem Waffenstillstand von Compiègne und seiner Demobilisierung wurde Koppe im Dezember 1918 aus dem Heeresdienst entlassen. Er machte sich dann als Kaufmann und Inhaber einer Großhandlung für Lebensmittel und Tabakwaren in selbständig.

Politische Karriere[Bearbeiten]

Im September 1930 trat Wilhelm Koppe der NSDAP (Mitgliedsnr. 305.584) und 1932 der SS (SS-Nr. 25.955) bei, wo er rasch Karriere machte und es 1942 zum Rang eines SS-Obergruppenführers brachte, weil er das besondere Vertrauen Heinrich Himmlers genoss. Seit der 9. Wahlperiode 1933 bis 1945 war er als Mitglied der NSDAP Abgeordneter des Deutschen Reichstages.

1934 wurde er zum SS-Führer in der Freien Stadt Danzig ernannt.[1] Im selben Jahr wurde er zusätzlich als Mitglied des Sicherheitsdienstes des Reichsführers-SS (SD) Dresden Inspekteur der Sicherheitspolizei.[1]

Zweiter Weltkrieg, Holocaust, Verbrechen gegen die Menschlichkeit[Bearbeiten]

Nach Kriegsbeginn wurde er am 26. Oktober 1939 zum Höheren SS- und Polizeiführer (HSSPF) im Warthegau mit Sitz in Posen ernannt. Als Beauftragter Himmlers, des „Reichskommissars für die Festigung deutschen Volkstums“,[1] war Koppe hauptverantwortlich für die Deportation der Juden ins Ghetto Litzmannstadt und das Vernichtungslager Kulmhof. In einem Schreiben vom 12. November 1939 nannte er die Zahl von 100.000 Juden und 200.000 Polen, die aus seinem Bereich (v. a. aus Posen, Lodz, Gnesen und Hohensalza) vertrieben werden sollten, um für Deutsch-Balten Platz zu machen. Ende Mai/Anfang Juni 1940 organisierte er den Massenmord mittels Gaswagen an 1.558 deutschen und ca. 500 polnischen behinderten Menschen in dem ostpreußischen Durchgangslager Soldau. Ihm wurde vorgeworfen, dass er 30.000 polnische Tuberkulosepatienten ermorden ließ. Ab 10. November 1943 wurde er als Nachfolger von Friedrich-Wilhelm Krüger HSSPF sowie Staatssekretär und Stellvertreter von Hans Frank und war damit verantwortlich für nationalsozialistische Verbrechen im Generalgouvernement.[2]

Nachkriegszeit, berufliche Karriere, Ablehnung des Prozesses[Bearbeiten]

1945 tauchte Koppe unter und nahm den Geburtsnamen seiner Frau (Lohmann) an. Beruflich knüpfte er an seine Zeit als Unternehmer an und wurde Geschäftsführer der großen Schokoladenfabrik Sarotti in Bonn. Anfang der 1960 Jahre wurde gegen ihn wegen seiner Mordaktionen im Osten ermittelt. 1960 wurde er verhaftet. 1961 machte Eichmann in seinem in Israel stattfindenden Prozess belastendende Aussagen gegen Koppe, die an die Staatsanwaltschaft Bonn übermittelt wurden. [3] Am 19. April 1962 wurde Koppe jedoch gegen Zahlung einer Kaution von DM 30.000 wieder freigelassen. 1964 wurde gegen ihn in Bonn ein Verfahren eröffnet. Unter anderem war er wegen Beihilfe zum Mord an 145.000 Menschen angeklagt. Aus „gesundheitlichen Gründen“ wurde das Verfahren ausgesetzt. Im Jahre 1966 wurde schließlich die Eröffnung des Hauptverfahrens durch das Landgericht Bonn wegen Krankheit abgelehnt. Koppe lebte dann unbehelligt bis 1975.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Tôviyyā Friedman: Der höhere SS- und Polizeiführer beim Reichsstatthalter in Posen im Wehrkreis XXI Wilhelm Koppe, SS-Obergruppenführer und General der Polizei : Dokumentensammlung. Haifa : Inst. of Documentation in Israel for the Investigation of Nazi War Crimes, 1997 DNB
  • Peter Klein, Die "Gettoverwaltung Litzmannstadt" 1940 bis 1944 : eine Dienststelle im Spannungsfeld von Kommunalbürokratie und staatlicher Verfolgungspolitik, Hamburg : Hamburger Ed. , 2009 ISBN 978-3-86854-203-5 S. 134ff
  •  Joachim Lilla, Martin Döring, Andreas Schulz: Statisten in Uniform: Die Mitglieder des Reichstags 1933–1945. Ein biographisches Handbuch. Unter Einbeziehung der völkischen und nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten ab Mai 1924. Droste, Düsseldorf 2004, ISBN 3-7700-5254-4.
  • Dermot Bradley (Hrsg.), Andreas Schulz, Günter Wegmann: Die Generale der Waffen-SS und der Polizei. Die militärischen Werdegänge der Generale, sowie der Ärzte, Veterinäre, Intendanten, Richter und Ministerialbeamten im Generalsrang. Band 2: Hachtel–Kutschera. Biblio Verlag. Bissendorf 2005. ISBN 3-7648-2592-8. S. 552–562.
  • Szymon Datner: Wilhelm Koppe : nieukarany zbrodniarz hitlerowski. Warszawa : Zachodnia Agencja Prasowa, 1963.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch Verlag, Zweite aktualisierte Auflage, Frankfurt am Main 2005, ISBN 978-3-596-16048-8, S. 330.
  2. Dieter Schenk: Hans Frank - Hitlers Kronjurist und Generalgouverneur, Frankfurt 2008, S. 318f.
  3. Werner Renz (Hrsg.): Interessen um Eichmann. Israelische Justiz, deutsche Strafverfolgung und alte Kameradschaften. Campus, Frankfurt a.M. 2012, ISBN 978-3-593-39750-4, S. 109f..
  4. Andreas Dwulecki: Das Gauehrenzeichen des Reichgaues Wartheland: Ehrenzeichen für Verdienste im Volkstumskampf. In: Internationales Militaria-Magazin Nr. 129 September / Oktober 2007