Andrea Komlosy

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Andrea Komlosy (* 24. August 1957 in Wien) ist eine österreichische Historikerin. Ihre Tätigkeit liegt in der Forschung und Lehre an der Universität Wien mit dem Schwerpunkt zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Habsburgermonarchie und ihrer Nachfolgestaaten im 18. bis 20. Jahrhundert, Migrationsforschung sowie Industrie- und Globalgeschichte (Theorie und Geschichte der Weltwirtschaft).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Komlosy wuchs in Wien auf. Nach der Volksschule in Ober Sankt Veit maturierte sie am Bundesgymnasium XIII in Hietzing. Ihr Studium der Geschichte absolvierte Komlosy an der Universität Wien von 1976 bis 1984, nach einem Auslandsstudienaufenthalt in der Bretagne an der Université de Bretagne Occidentale in Brest 1975/76. Sie begann sich hauptsächlich mit der historischen Entwicklung und den sozialen Veränderungen der Arbeitswelt auseinanderzusetzen. 1984 promovierte sie im Bereich Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Anschließend war sie Scholarin am Wiener Institut für Höhere Studien und wissenschaftliche Forschung in der Abteilung Politologie. Danach arbeitete sie in Museen (u. a. in dem Textil- bzw. Industriemuseum Weitra (Denkmallisteneintrag) und am Technischen Museum Wien) und hatte Lehrtätigkeiten in Wien sowie Linz, Graz, Innsbruck und Honolulu inne. Komlosy war bei den Nationalratswahlen 1986 Spitzenkandidatin der linken Wiener Gruppe Die Grünalternativen – Demokratische Liste (Kurzbezeichnung: GAL)[1] und erreichte 6.005 Stimmen.[2]

Ab 1993 war Komlosy als Assistentin am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Wien tätig. Von 1992 bis 1995 arbeitete sie für Forschungsprojekte zur Industriegeschichte für die Waldviertel-Akademie (Waidhofen an der Thaya); von 1996 bis 1998 leitete sie diese Akademie. Von 1995 an arbeitete sie an ihrer Habilitationsschrift zum Thema Grenze und ungleiche regionale Entwicklung. Regionale Disparitäten und Arbeitskräftewanderungen in der Habsburgermonarchie im 18. und 19. Jahrhundert; die venia docendi wurde ihr im Jänner 2002 verliehen. 2003 war sie für einen zweimonatigen Forschungsaufenthalt an der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris und 2014/15 für ein Jahr Schumpeter Fellow der Weatherhead Initiative on Global History am gleichnamigen Institute for International Affairs an der Harvard University im US-amerikanischen Cambridge, Massachusetts. Seit 2002 ist Komlosy Mitarbeiterin im Forschungsmodul Globalgeschichte an der Universität Wien. Sie ist seit 2011 Mitglied der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin. Seit 2020 publiziert sie (zusammen mit Hannes Hofbauer) auch in den verschwörungstheoretischen Blogs Rubikon[3] und Telepolis.[4]

Positionen und Standpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Coronavirus-Pandemie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2021 organisierte Komlosy an der Universität Wien die Ringvorlesung „Corona - eine transdisziplinäre Herausforderung“,[5] die bereits im Vorfeld für Kontroversen und Kritik sorgte (u. a. wegen der Einladung von Andreas Sönnichsen und Christian Schubert als Gastreferenten).[6][7] So warf die Österreichische Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft der Vorlesung vor, aufgrund von Corona-verharmlosenden Aussagen mehrerer Vortragender eine „Plattform für menschenverachtende Haltungen“ zu bieten und forderte daher deren Absetzung.[8] Komlosy selber hielt drei Vorträge und „sieht ein riesiges Profitinteresse hinter der Impfung“ und verkündete ohne medizinische Kompetenzen „die Unsicherheit des Covid-19-Impfstoffes“. Den Grünen Pass hatte sie als ein „Mittel der staatlichen Überwachung“ bezeichnet.[9][10]

In einem Gastbeitrag für die österreichische Tageszeitung Die Presse griff Komlosy die Kritik an der Vorlesung auf und verteidigte die Veranstaltung. Sie beklagte, dass „die Skandalisierung der Vortragenden“ jede Auseinandersetzung mit Argumenten abschnitt. „Stattdessen operierten die Wahrheitshüter mit Kontaktschuldvorwürfen und unterstellten Referenten sozialdarwinistisches oder rechtes Gedankengut.“[11]

Russisch-ukrainischer Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 war Komlosy mehrmals zu Gast in den von ServusTV ausgestrahlten Diskussionssendungen Talk im Hangar-7 und Links. Rechts. Mitte – Duell der Meinungsmacher. Dort vertrat sie u. a. die Meinung, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ein „ziemlicher Kriegstreiber“ ist[12], der „die Ukraine in einen noch härteren Krieg hineintreibt“, „ständig eskaliert“ und das alles „als Show aufführt“,[13] und behauptete, dass dieser „unausgebildete Frauen in den Krieg wirft“. Ihre Einschätzung zur Vorgeschichte des Krieges „selber schuld sind sie [die Ukrainer], weil sie [die Ukrainer] den Krieg begonnen haben 2014 und dieser Krieg wurde jetzt 2022 internationalisiert“ wurde von den anderen Diskussionsteilnehmern nicht geteilt.[14] In Anspielung auf das Benefizkonzert am 27. März 2022 auf dem Wiener Heldenplatz, bei dem sich der ukrainische Präsident mit einem knapp vierminütigen Videoclip an die Teilnehmer gewandt hat,[15] sagte Komlosy: „Und ich finde, ehrlich gestanden, ich bin froh, dass im österreichischen Parlament kein Selenskyj auftritt, denn ich finde das eine Kriegspropaganda sondergleichen. Ich finde es tragisch, dass unser Bundespräsident sich dafür hergibt mit dem Selenskyj da am Heldenplatz sozusagen eine Show abzuziehen.“[14]

Über die NATO sagte sie: „Die NATO ist eigentlich der Grund, warum wir bedroht werden. Die NATO schützt uns nicht, sondern durch die Kriege, die sie in den letzten Jahren immer wieder geführt hat, ist international eine total instabile Situation entstanden.“

Zu den Sanktionen gegen Russland sagte sie: „Ich find', dass Österreich seine Neutralität nicht voll ausschöpft. Ich seh's eigentlich eher als eine Chance. Das Problem ist ja zum Beispiel, dass es bei den Sanktionen mitgestimmt hat. Meiner Meinung nach sind die Sanktionen sozusagen auch ein Element der Kriegsführung, nämlich ein Wirtschaftskrieg. Ich finde nicht, dass es einem neutralen Staat ansteht, Sanktionen mitzubeschließen. Ich bin froh, dass Österreich sich wenigstens enthalten hat bei der EU-Abstimmung über die Militärhilfe. Trotzdem zahlt Österreich zum Beispiel bei etwas mit, was ja ein ganz absurdes Wort ist, nämlich bei der sogenannten Friedens-Fazilität.“[12]

Nachdem der Ökonom Gunther Fehlinger den Luftangriff auf das Theater von Mariupol als Genozid bezeichnete, erwiderte Komlosy: „Das sind Kriegsopfer. Das hat mit Genozid überhaupt nichts zu tun. Genozid ist was ganz Spezifisches.“[12]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit Hannes Hofbauer: Das andere Österreich: Vom Aufbegehren der kleinen Leute. Geschichten aus 4 Jahrhunderten. Promedia, Wien 1987.
  • An den Rand gedrängt: Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Oberen Waldviertels. Verlag für Gesellschaftskritik, Wien 1988.
  • Waldviertler Textilstraße: Reiseführer durch Geschichte und Gegenwart einer Region. Waldviertler Textilmuseen, Groß-Siegharts 1990; 2., überarbeitete Auflage 1994.
  • Grenze und ungleiche regionale Entwicklung: Binnenmarkt und Migration in der Habsburgermonarchie. Promedia, Wien 2003 (Habilitationsschrift, Universität Wien, 2002).
  • Globalgeschichte: Methoden und Theorien. Böhlau, Wien 2011.
  • Arbeit: Eine globalhistorische Perspektive. 13. bis 21. Jahrhundert. Promedia, Wien 2014.
  • Grenzen – Räumliche und soziale Trennlinien im Zeitenlauf, Promedia, Wien 2018.
  • Zeitenwende: Corona, Big Data und die kybernetische Zukunft, Promedia, Wien 2022.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gerhard Jordan: Die Grüne Alternative – woher sie kommt. Weblog des Grünen Archivs zur Geschichte der Grünen und Alternativen in Österreich, abgerufen am 10. März 2021.
  2. Bundesministerium für Inneres: Nationalratswahl vom 23. November 1986; abgerufen am 30. Dezember 2012.
  3. https://www.rubikon.news/autoren/andrea-komlosy
  4. https://www.telepolis.de/autoren/?autor=Hannes+Hofbauer+und+Andrea+Komlosy
  5. 070262 VO Ringvorlesung - Corona - eine transdisziplinäre Herausforderung (2021W). Universität Wien, abgerufen am 7. November 2022.
  6. Irene Brickner: Corona-kritische Ringvorlesung an Uni Wien sorgt für Kritik. Complexity Science Hub Vienna, 4. Oktober 2021, abgerufen am 7. November 2022.
  7. https://fm4.orf.at/stories/3020919/
  8. Corona-Verharmlosung an Uni Wien sorgt für Wirbel. Kronen Zeitung, 7. Januar 2022, abgerufen am 7. November 2022.
  9. René Froschmayer: Aufregung an der Uni: Coronaverharmlosung im Hörsaal. FM4, 6. Januar 2022, abgerufen am 7. November 2022.
  10. Matthias Fuchs: Nach Covid-Verharmlosung: Uni macht neue Vorlesung. Kronen Zeitung, 13. Januar 2022, abgerufen am 7. November 2022.
  11. Andrea Komlosy: Umkämpfte Wissenschaft. (PDF) Die Presse, 10. März 2022, abgerufen am 7. November 2022.
  12. a b c Krieg in Europa: Sind wir schutzlos ausgeliefert? ServusTV, 27. Oktober 2022, abgerufen am 7. November 2022.
  13. Heldenhafte Ukraine: Übersehen wir die Schattenseiten? ServusTV, 19. Mai 2022, abgerufen am 7. November 2022.
  14. a b Der Talk am 27.03. ServusTV, 27. März 2022, abgerufen am 7. November 2022.
  15. Ukraine-Benefizkonzert am Heldenplatz mit Selenskyj-Video. Tiroler Tageszeitung, 27. März 2022, abgerufen am 7. November 2022.