Andrea Saemann

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Andrea Saemann (* 12. März 1962 in Wilmington, Delaware, USA) ist eine Schweizer Performance- und Konzeptkünstlerin und Performanceorganisatorin, die sich für Architekturen von Bezügen, Sprache und Kommunikation interessiert. Sie arbeitete seit 2011 mit am Schweizer Performance Preis[1] und koordiniert den Anlass bis 2017, hat die Platform für Texte über Performance ApresPerf[2] ins Leben gerufen und ist Gründungsmitglied des Performance Art Netzwerk Schweiz PANCH[3]. Sie organisiert aktuell das Festival International Performance Art Giswil[4].

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andrea Saemann kommt nach der frühesten Jugend in den USA mit ihren Eltern und zwei Schwestern nach Basel. Sie absolviert den gestalterischen Vorkurs an der Kunstgewerbeschule in Bern von 1981–1982 und studierte von 1982–1985 Architektur an der ETH Zürich. Die folgenden zwei Jahre verbringt sie in Paris im LEM (laboratoire et études du mouvement) an der Ecole internationale de théâtre Jacques Lecoq um fünf weitere Jahre in Hamburg an der Hochschule für bildende Künste bei Marina Abramovic und B. J. Blume (Teil des Künstlerduos Anna und Bernhard Blume) Performance zu studieren und in freier Kunst zu diplomieren. Nach einer Thailandreise geht sie zurück nach Basel und installiert dort zusammen mit Pascale Grau Performance Präsentationen im Kunstraum Kaskadenkondensator und arbeitet als Archivarin bei den Architekten Herzog & de Meuron. Sie organisiert zusammen mit Lena Eriksson ein Gästeatelier und ist Teil eines Künstlerinnenwohnprojektes die Lodge, beides im Werkraum Warteck pp in Basel. Sie reist nach Asien und Südafrika und beginnt Performance zu unterrichten und als Multiplikatorin zu arbeiten.[5]

Arbeitsweise / Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andrea Saemann arbeitet als Performerin, räumlich und narrativ, mit Stockungen und Differenzen zwischen Sprache, Bild, Wahrnehmung, Erinnerung und Übersetzung. Sie interessiert sich für die Organisation von Erinnerung und die Verortung und Kontextualisierung von Ereignissen. Verena Kuni schreibt 2007 im Schweizer Kunstbulletin unter dem Titel «Eine Saga von realer Gegenwart»[6] über Andrea Saemann:

«Andrea Saemann betreibt Performance-Forschung mit künstlerischen Mitteln. Ihre Performances, in denen sie Wiederaufführungen und Variationen historischer Arbeiten mit neuen Elementen kombiniert, verbinden Vergegenwärtigung, Reflexion und Revision – und erschliessen auf diese Weise weiterführende Perspektiven.

Unter dem Arbeitstitel Generation Gap begann sie 2002 eine forschende Auseinandersetzung mit den Performances einiger Künstlerinnen jener Generation von Pionierinnen, die zweifelsohne Geschichte geschrieben haben – während ihr Werk allenfalls in Form von mehr oder weniger rudimentären Dokumentationen erhalten ist. … Gemeinsam mit ihrer Hamburger Kollegin Chris Regn nahm sie Kontakt zu den Künstlerinnen auf, deren Performances sie im Rahmen des Projekts bearbeiten wollte, um sie in Video-Interviews zu befragen und sich so eine neue Grundlage zu schaffen. … Die künstlerisch-performative Rekonstruktion einer historischen Performance – das Re-Enactment, also die Wiederaufführung – war dabei lediglich ein erster Schritt, den es dann zudem immer wieder neu in Angriff zu nehmen galt. Denn schon in dieser ersten Phase war es Saemann wichtig, Reflexionsebenen einzubeziehen: Einerseits, um ihre eigene Auffassung zu hinterfragen und für neue Perspektiven zu öffnen; zudem auch mit Blick auf eine Geschichte, die immer schon fragmentarisch ist, nach einer vielstimmigen Erzählung verlangt. So bat sie befreundete KünstlerInnen aus ihrem Netzwerk, ebenfalls Partituren für ihre Re-Enactments zu entwerfen.»

Die Kunstwissenschaftlerin Sabine Gebhardt Fink schreibt 2016 über Andrea Saemann im Auftrag des schweizerischen Institutes für Kulturwissenschaft:

«Wechselnde Kollaborationen und zugleich das Insistieren auf einer eigenständigen performativen Arbeit sind für Andrea Saemann zentral. Ihre kuratorische Arbeit und das Schaffen «konzeptueller Rahmungen» für andere Performerinnen – etwa in der Arbeit Tskaltubo Hot Pots in Georgien (2016) –, kann als «Salonology» bezeichnet werden; Konvivialität, Austausch und nicht-hierarchische Diskurse spielen dabei eine zentrale Rolle.»[5]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1999: Basler Künstlerstipendium, Kunstkredit Basel-Stadt
  • 2000: Otzenrath Stipendium
  • 2002: Förderung Forschungsprojekt «generation gap» zusammen mit Chris Regn, Performance-Wettbewerb des Kunstkredit Basel-Stadt
  • 2005: Werkbeitrag, Kunstkredit Basel-Stadt
  • 2007: Förderung Performance Saga, freie Kunstprojekte, Kunstkredit Basel-Stadt, zusammen mit Katrin Grögel
  • 2018: Atelierstipendium Buenos Aires, Atelier mondial
  • 2019: Schweizer Performance Preis / Publikumspreis[7]: Manifesto Reflex Collective, mit Monika Dillier, Iris Ganz, Sibylle Hauert, Lysann König, Fränzi Madörin, Muda Mathis, Dorothea Mildenberger, Sarah Elena Müller, Barbara Naegelin, Chris Regn, Andrea Saemann, Dorothea Schürch, Sus Zwick.

Performance und Installationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2002: Schnittstellen, Muda Mathis / Sus Zwick / Andrea Saemann, Plug in, Basel
  • 2003: Generation Gap, Andrea Saemann, Festival Hildesheim
  • 2007: The Great Songbook Of Inspired Clouds, Les Reines Prochaines u. a., Kaserne Basel
  • 2008: diese Diminutivchen, Performance, «Offene Worte – Zur Aktualisierung von Iris von Rotens Frauen im Laufgitter», Imprimerie, Basel
  • 2009: Die schwitzende Löwin, Wildwuchsfestival Kaserne Basel, Performance mit Chris Regn beim Art(en)tertainment Abend mit Les Reines Prochaines und Gästen
  • 2010: euro latin performance project, Performances mit Kunstschaffenden aus Europa und Südamerika, kuratiert von Harm Lux im Kaskadenkondensator Basel, Walcheturm Zürich, Freies Museum Berlin/D
  • 2012: Einfach Sagen, Performanceprojekt von Andrea Saemann mit Chris Regn und Martina Gmür, Theater Kaserne, Basel
  • 2013: Bericht vom Konzil, Performance mit Chris Regn, ACT Jubiläum, Kaserne Basel
  • 2014: Gottlieber Revue, mit Evi, Nic & C. Chris Regn, Evi Wiemer, Karin Kröll, Katharina Friese, Muda Mathis, Sus Zwick, Michèle Fuchs, Fränzi Madörin, Sibylle Hauert, David Kerman, Dorothea Schürch, Bärbel Schwarz, Bena Zemp, Martin Chramosta, Franziska Welti, Christoph Oertli
  • 2015: la Vie en Rosa Lu, Performance mit Chris Regn, Strasbourg, Aubette
  • 2015: ApresPerf.ch, performative Projektpräsentation mit Dorothea Schürch bei «die Sprache möchte sprechen», Act, HGK FHNW Basel
  • 2016: Akuttext zu Legs Zürich und Performance «Legs Zürich», Corner College, Zürich
  • 2016: Hot Pots, situationsspezifische Langzeitperformance im Tskaltubo Sanatorium, Georgien, April und Mai 2016
  • 2016: Der Schemel, Performance anlässlich von «Im Ungefähr», Kaskadenkondensator, Basel
  • 2017: Introducing the Figure of Spectatorship, Performance und 3 Akuttexte, Interakcje Performance Festival, Piotrków Trybunalski/Polen
  • 2017: Akuttexte zu Sympodium, Performance am trans-local Sympodium «What’s Wrong with Performance Art?», Corner College, Zürich
  • 2017: übers Kuratieren – ein saisonales Kunstlied, Chris Regn kuratiert Andrea Saemann, PPP Progr, Bern
  • 2018: per Anhalter, Performance, Beitrag zur Ausstellung, «flach gepfeffert», Ausstellung von Lex Vögtli und Tina Z’Rotz, Ausstellungsraum Klingental, Basel
  • 2018: Doce en Diciembre, Beitrag zum Performanceanlass, PROA 21, Argentinien, Buenos Aires
  • 2019: Eile mit Weile, AKKU, Luzern Emmenbrücke[8]
  • 2019: Swiss Performance Art Medley, Polen, Sokolowsko, mit Chris Regn
  • 2019: PANCH Interviewprojekt und Performance, Far Festival, Nyon
  • 2019: shift the manifesto, mit Manifesto Reflex Collective, Performancepreis  Schweiz, Aarau

Video[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Performancepreis Schweiz. Abgerufen am 2. Februar 2019 (deutsch).
  2. ApresPerf — moving performance to text. Abgerufen am 2. Februar 2019 (englisch).
  3. PANCH — Performance Art Network CH. Abgerufen am 2. Februar 2019 (englisch).
  4. International Performance Art Giswil. In: International Performance Art Giswil. Abgerufen am 2. Februar 2019 (deutsch).
  5. a b Sabine Gebhardt Fink: Saemann, Andrea. In: SIKART Lexikon zur Kunst in der Schweiz. SIK ISEA Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft, 2016, abgerufen am 31. März 2018 (deutsch).
  6. Verena Kuni: Eine Saga von realer Gegenwart. In: Schweizer Kunstverein (Hrsg.): Kunstbulletin. 11 000 Exemplare Auflage. Band 11 2007. Zürich.
  7. Performancepreis Schweiz. Abgerufen am 28. September 2019 (deutsch).
  8. Eile mit Weile – Zeit für Performance – Die andere Zeit: 16.4. bis 29.5.2019. Abgerufen am 16. Oktober 2019.