Atlas Network

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Das Atlas Network (zuvor Atlas Economic Research Foundation) ist eine 1981 von dem britischen Unternehmer und Wirtschaftsförderer Antony Fisher gegründete Non-Profit-Organisation mit Sitz in Arlington, Virginia, die nach eigenen Angaben zum Aufbau und zur internationalen Vernetzung klassisch-liberaler Denkfabriken gegründet wurde. Für Hayek als zentrale Netzwerk-Figur im Sinne von Adrienne Héritier stand nicht aktuelle Einwirkung auf die Tagespolitik, sondern kontinuierliche Beeinflussung der Wirtschaftswissenschaft und der öffentlichen Meinung im Vordergrund.

In der wissenschaftlichen Literatur wird das Atlas Network dem Neoliberalismus[1] bzw. dem Libertarismus zugeordnet. Nach Smith et al. agiert das Atlas Network dabei sowohl selbst wie ein Think Tank als auch als Verbindungsglied von Hunderten zumeist libertären Partnerorganisationen.[2]

Vernetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den politischen Erfolgen des Neoliberalismus in Großbritannien, Chile und den USA bis 1980 richtete sich das Augenmerk Fishers auf die globale Vernetzung von Think Tanks und den Aufbau liberaler Stiftungen auch in peripheren Regionen der Welt. Das Atlas Network koordiniert die Kommunikation zwischen ungefähr 200 Denkfabriken und half bislang rund 100 Denkfabriken bei Aufbauarbeiten. 2016 sind dadurch 451 free-market organizations (d. h. freie Marktwirtschaft fördernde Organisationen) in 95 Ländern vernetzt[3]. Das Budget der Organisation betrug 2001 etwa 2,5 Millionen US-Dollar. Atlas Network verleiht seit 1990 jährlich den Sir Anthony Fisher International Memorial Award sowie seit 2004 jährlich den nach John Marks Templeton benannten Templeton Freedom Award.[4] Benannt wurde die Organisation nach dem Roman Atlas wirft die Welt ab von Ayn Rand.[5]

Im deutschen Sprachraum arbeitet Atlas Network u. a. mit den folgenden Organisationen zusammen:

Positionen und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu dem Netzwerk gehören viele Think Tanks, die aktiv an der Verbreitung „klimaskeptischer“ Positionen arbeiten.[1][7] Gemäß Susanne Götze und Annika Joeres ist das Atlas Network „Partner von so ziemlich allen neoliberalen Think Tanks […], die klimaskeptische Thesen vertreten“.[8] Zudem gilt es als „strategischer Verbündeter“ der Tabakindustrie.[2]

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Finanziert wird das Atlas Network unter anderem von libertären Akteuren wie den Stiftungen der Brüder Charles G. Koch, David H. Koch und John Marks Templeton, die alle zu den regelmäßigen Spendern gehören. Ebenfalls erhielt das Atlas Network Geld von diversen Unternehmen wie z. B. ExxonMobil, Royal Dutch Shell, MasterCard, Pfizer und Procter & Gamble. Auch Richard Mellon Scaife trug zur Finanzierung bei.[9] Ein weiterer langjähriger Finanzier war der Tabakkonzern Philip Morris[2] weitere Gelder flossen von den Tabakkonzernen British American Tobacco und Japan Tobacco International.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Marie Laure Djelic & Reza Mousavi: „How the Neoliberal Think Tank Went Global: The Atlas Network, 1981 to the Present“, in: Plehwe, Dieter; Slobodian, Quinn & Mirowski, Philip (Hrsg.): Nine Lives of Neoliberalism, ISBN 978-1-78873-255-0, Verso Books, London u. New York/NY 2020, S. 257–282.
  • Globalization and the Opportunities for Developing Countries. In: International Monetary Fund [IMF] (Hrsg.): IMF, World Economic Outlook. Washington D.C. Mai 1997, S. 72–92.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Dieter Plehwe: Think tank networks and the knowledge–interest nexus: the case of climate change. In: Critical Policy Studies. Band 8, Nr. 1, 2014, S. 101–115, doi:10.1080/19460171.2014.883859.
  2. a b c Julia Smith et al.: The atlas network: a “strategic ally” of the tobacco industry. In: The International Journal of Health Planning and Management. 2016, doi:10.1002/hpm.2351.
  3. Stephan Schulmeister, Von der Aufklärung zur Gegenaufklärung, in Die Presse, Wien am 30. August 2016.
  4. Übersicht über die vom Atlas Network vergebenen Awards (englisch)
  5. Timothy Mitchell: How Neoliberalism Makes its World: The Urban Property Rights Project in Peru. In: Mirowski, Plehwe (Hrsg.): The Road from Mont Pelerin – The Making of the Neoliberal Thought Collective. Harvard Univ. Pr., 2009, S. 386–416, hier: S. 396.
  6. Prometheus – Lobbypedia. Abgerufen am 7. Februar 2017 (deutsch (Sie-Anrede)).
  7. Núria Almiron, Maxwell Boykoff, Marta Narberhaus, Francisco Heras: Dominant counter-frames in influential climate contrarian European think tanks. In: Climatic Change. September 2020, doi:10.1007/s10584-020-02820-4.
  8. Susanne Götze, Annika Joeres: Die Klimaschmutzlobby. Wie Politiker und Wirtschaftslenker die Zukunft unseres Planeten verkaufen. München 2020, S. 74.
  9. Sphere of Influence: How American Libertarians Are Remaking Latin American Politics. In: The Intercept, 9. August 2017. Abgerufen am 31. August 2020.
  10. Jessica Glenza, Sharon Kelly and Juweek Adolphe: Free-market groups and the tobacco industry - full database. In: The Guardian. Abgerufen am 25. Februar 2021.