Renk AG

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RENK Aktiengesellschaft

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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN DE0007850000
Gründung 1873
Sitz Augsburg, Deutschland
Leitung
  • Christian Hammel (Verwaltung und Produktion)
Mitarbeiterzahl 2.319 (2018)[1]
Umsatz 502 Mio. Euro (2018)[1]
Branche Maschinenbau
Website www.renk-ag.com

Die Renk AG (Eigenschreibweise RENK AG) mit Hauptsitz in Augsburg ist ein börsennotiertes Tochterunternehmen der Volkswagen Vermögensverwaltungs-GmbH, die 76 % der Aktien der Gesellschaft hält.[2][3] Das Unternehmen ist ein wesentlicher Anbieter hochwertiger Getriebe und Antriebstechnik für unterschiedlichste Anwendungsbereiche mit weltweiter Ausrichtung[4] und gehörte 2010 zu den zehn umsatzstärksten Unternehmen der deutschen Rüstungsindustrie.[5] Große Produktionsstandorte befinden sich in Augsburg, Rheine, Hannover und Winterthur (Schweiz) sowie – nach der 2019 erfolgten Akquisition des britischen Unternehmens Horstman Holdings Ltd. – in Bath (England) und Sterling Heights (USA).[6][7]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name des Unternehmens geht auf Johann Julius Renk (* 4. Januar 1848; † 3. November 1896) zurück. Nach Johann Renks Tod wurde der Betrieb 1897 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. 1923 kam das Unternehmen als neues Mitglied zum GHH-Konzern, aus dem der heutige MAN-Konzern hervorging. Seit 1987 lautet der Firmenname Renk Aktiengesellschaft. Durch die mehrheitliche Übernahme der MAN SE durch die Volkswagen AG ist die Renk AG seit 2011 auch Mitglied der Volkswagen-Gruppe.

19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johann Renk absolvierte seine Schlosser- und Dreher-Lehre bei der Maschinenfabrik Augsburg und arbeitete ab 1866 als Dreher bei der Maschinenfabrik L.A. Riedinger. In diesen Jahren dachte Renk über eine Maschine nach, mit der man Verzahnungen komplett mechanisch herstellen konnte. Üblich war damals maschinelles Vorarbeiten und dann mühsames Fertigfeilen der Zähne nach Schablonen. Am 1. Mai 1873 gründete Johann Renk im Augsburger Lechviertel (Am Brunnenlech 19 Standort) eine kleine mechanische Werkstatt zur maschinellen Herstellung von Zahnrädern.[8] Zunächst gelang ihm der Bau einer halbautomatischen Stirnrad-Hobelmaschine, die nach Schablonen arbeitete. 1877 folgte eine Bearbeitungsmaschine, mit der man konische Zahnräder für Kegelradgetriebe komplett herstellen konnte. Für diese Erfindung, die damals in der Fachwelt großes Aufsehen erregte, erhielt Renk 1879 das Patent DRP 8000/79.[9] Im selben Jahr zog der Betrieb auf das Gelände einer stillgelegten Ziegelei an der Gögginger Straße. Noch heute befindet sich dort der Stammsitz des Unternehmens. Zwei Jahre später gründete der Unternehmer eine Fabrikkrankenkasse für seine Belegschaft.[9]

Um die Aufträge termingerecht ausliefern zu können, wurde in den folgenden Jahren stets in zwei Schichten gearbeitet. 1888 beschäftige Renk 37 Mitarbeiter und besaß neben anderen Werkzeugmaschinen 15 selbstgebaute Räderhobelmaschinen.[8]

Als Johann Renk im November 1896 im Alter von nur 48 Jahren starb, hinterließ er einen Betrieb mit über 100 Mitarbeitern, die jährlich etwa 12.000 Zahnräder aller Art herstellten. Der Umsatz betrug rund 500.000 Mark.[8]

Nach dem Tod des Gründers wurde sein Unternehmen am 11. März 1897 in eine Aktiengesellschaft mit dem Namen Zahnräderfabrik Augsburg vorm. Joh. Renk (Act.-Ges.) umgewandelt. Die neu gegründete Gesellschaft erwarb von den Erben Johann Renks das Unternehmen einschließlich Grundbesitz, Einrichtungen und Maschinen zu einem Preis von 666.391,51 Mark.[10]

Im ersten Geschäftsjahr der Aktiengesellschaft bestand die Belegschaft aus 130 Mitarbeitern. Die normale Arbeitszeit betrug 60 Stunden pro Woche: werktäglich von 6.00 Uhr bis 18.00 Uhr mit einer Mittagspause von 1 Stunde und 20 Minuten; Brotzeit vormittags und nachmittags je 15 Min. Mit den Überstunden wurde von 5.00 früh bis 8.30 Uhr abends gearbeitet, bei einem Stundenlohn von durchschnittlich 40 Pfennig.[11]

20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Jahren nach der Jahrhundertwende baute das Unternehmen die Produktion aus und festigte seinen guten Ruf. Im Geschäftsjahr 1913/14 waren bereits 842 Mitarbeiter beschäftigt, die Wochenarbeitszeit betrug 58 Stunden.[11]

Um die Folgen des Ersten Weltkrieges abzuschwächen und den Fortbestand des Unternehmens zu sichern, erfolgte 1923 die Eingliederung in den Maschinenbau-Konzern Gutehoffnungshütte aus Oberhausen. Renk erhielt in den folgenden Jahren auf diese Weise sowohl wirtschaftlichen Rückhalt durch bedeutende Kunden innerhalb des Konzerns als auch durch günstige Bezugsquellen für Brennstoffe, Roheisen und Stahl.[12] Ab 1930 konzentrierte sich Renk auf die Fertigung von Großgetrieben für Walzwerksanlagen und Schiffe. In den Jahren vor und während des Zweiten Weltkrieges war das Unternehmen ein bedeutender Lieferant für die deutsche Wehrmacht.[13]

Zu den wichtigsten Kunden nach dem Zweiten Weltkrieg gehörten stahlverarbeitende Betriebe, wie etwa die Konzernschwester Schloemann. Ende der 1950er Jahre konnte der Umsatz auf etwa 50 Mio. DM gesteigert werden. Zu dieser Zeit waren bei Renk rund 1.400 Arbeiter beschäftigt.[12] In den darauffolgenden Jahrzehnten erweiterte das Unternehmen sein Produktprogramm durch die Übernahme von Konkurrenzbetrieben.[12] So kam 1975 der Produktbereich „Gleitlager und Kupplungen“ der Eisenwerke Wülfel in Hannover zu Renk. 1986 erfolgte dann eine Beteiligung an der Tacke GmbH in Rheine mit Eingliederung der Produktbereiche „Industrie- und Schiffsgetriebe“. Im gleichen Jahr wurde der Produktbereich „Regel- und Prüfsysteme“ gegründet.

1987 erhielt das Unternehmen den Namen Renk Aktiengesellschaft und wurde in die Produktbereiche „Automatische Fahrzeuggetriebe“, „Antriebselemente“ und „Prüfsysteme“ gegliedert. Die französischen Unternehmen Société Européenne d’Engrenages und Société d’Equipements, Systèmes et Mécanismes kamen 1989 zu Renk. 1995 wurde schließlich die Verschmelzung der Renk Tacke GmbH mit der Renk AG vollzogen.[14]

21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Renk übernahm im Jahr 2000 für die Geschäftseinheit „Prüfsysteme“ die Prüfstandsaktivitäten der US-amerikanischen Firma Labeco. Zur gleichen Zeit kam die Produktsparte „Gleitlager“ der A. Friedr. Flender AG zum Unternehmen. Die Umfirmierung des Bereichs „Prüfsysteme“ zu Renk Test System GmbH erfolgte 2004.

2007 geriet das Unternehmen aufgrund einer Schmiergeldaffäre in die Schlagzeilen: Ein Berufungsgericht in Paris sprach Bewährungsstrafen gegen Renk-Vorstandssprecher Hirt und seinen früheren Stellvertreter Schulze aus (Details Abschnitt „Kritik“).

Im gleichen Jahr erfolgte auch die Gründung der Renk-Maag GmbH. Sie integrierte die Geschäftstätigkeiten Turbo-Getriebe und Ersatzteile (auch für maritime Anwendungen) sowie Synchron-, Schalt- und Zahnkupplungen aus der Maag Gear AG.

Seit 2011 ist die Renk AG aufgrund der mehrheitlichen Übernahme der MAN SE durch die Volkswagen AG ein Mitglied der Volkswagen-Gruppe.[15]

2012 erfolgte die Gründung der Renk Shanghai Service and Commercial Ltd. Co. und damit die Eröffnung eines Renk-Servicestützpunktes in Shanghai. 2017 übernahm die Renk AG die niederländische Damen Schelde Gears B.V., einen Hersteller von Schiffsgetrieben.[16] Ebenfalls in diesem Jahr wurden die Tochtergesellschaften Renk Gears Private Ltd. in Indien sowie die Renk Korea Co. Ltd. in Korea gegründet[17][18].

Zum 31. Dezember 2018 wurde die Renk AG aus der MAN SE in die Volkswagen Vermögensverwaltungs-GmbH ausgegliedert.[3] 2019 kaufte die Renk AG den Federungsspezialisten Horstman Holdings Limited. Die Unternehmensgruppe ist ein Anbieter von Mobilitätslösungen für gepanzerte Rad- und Kettenfahrzeuge.[6]

Technische Meilensteine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1916 Weltweit größte Zahnradhobelmaschine (Durchmesser 7 Meter)[19]
1926 Erstmals Zahnräder mit geschliffenen Zahnflanken
1939 „Schnellstes“ Getriebe der Welt für die Luftfahrt-Industrie (36.000/min)
1943 Entwicklung der hydrostatischen Überlagerungslenkung für Kettenfahrzeuge
1956 Erstes Turbinengetriebe mit einer Wälzkreisgeschwindigkeit von 185 m/s
1961 Weltweit erste elektronische Steuerung für automatische Fahrzeuggetriebe
1964 Erste Synchronkupplung (20.000 kW)
1965 Entwicklung eines hydrostatisch-hydrodynamischen Lenkantriebes für Kettenfahrzeuge
1971 Erstes in einem Fahrzeuggetriebe integriertes Bremssystem mit Reibungs- und Strömungsbremse
1976 Weltweit erstmaliges Härten und Schleifen von Zahnrädern mit über 3 Metern Durchmesser
1982 Fertigung eines der größten Schiffsgetriebe für eisgehende Schiffe (Dieselmotor mit 40.000 kW)
1989 Herstellung eines Turbogetriebes mit der höchsten je in einem Zahneingriff übertragenen Leistung (75.000 kW)
1992 Leistungsstärkstes Planetengetriebe für Schiffsantrieb mit gegenläufigen Propellern (20.600 kW)
1994 Erstausführung des weltweit leistungsstärksten Turbogetriebes (Gasturbinenleistung 90 MW)
1997 Erstausführung des weltweit leistungsstärksten Turbogetriebes (Gasturbinenleistung von 100 MW)
1998 Kegelrad-Planetengetriebe für eine der größten vertikalen Rohmehlmühlen mit einer Leistung von 4.800 kW und einer Drehzahl von 21/min
1999 Erstausführung des weltweit leistungsstärksten Turbogetriebes mit einer Gasturbinenleistung von 140 MW; Auslieferung eines 110 Tonnen schweren Kegelrad-Planetengetriebes (Leistung bis zu 5.400 kW) für den Antrieb der leistungsstärksten Rollenmühle in einem argentinischen Zementwerk
2000 Präsentation des neu entwickelten etaX-Getriebes für höheren Wirkungsgrad
2001 Erste Codag-Anlage weltweit für den Hauptantrieb einer Fregatte (Gesamtleistung 38 MW)
2002 Entwicklung eines 5-MW-AeroGear für Windkraftanlagen
2004 Erstausführung des weltweit spezifisch leichtesten Hochleistungs-Marinegetriebes (3,6 Tonnen) in Codag-Anordnung (Gesamtleistung 6.300 kW)
2010 Entwicklung eines Mehrfachverzweigungsgetriebes für ein Abtriebs-Drehmoment von 15.000.000 Nm
2011 Abnahme des weltweit erstmals gebauten Getriebesystems für den Hybridantrieb einer Fregatte Codelag mit 30.000 kW Leistung; Lieferung einer 65-MW-Getriebeanlage für die weltweit größte Megayacht
2012 Lieferung der Elektro-Hybridgetriebe für die weltweit größte Segelyacht
2013 Bau des weltweit größten Planetengetriebes für einen Windkraftgondel-Prüfstand mit 15.000.000 Nm Drehmoment
2015 Erstausführung Zementmühlengetriebe Cope mit 8-Motoren-Antrieb und einer Leistung von 10 MW; Bau des ersten Elektro-Antriebsmoduls AED für leise Schiffsantriebe; Konstruktion des weltweit größten Stirnradgetriebes (290 Tonnen) für den Antrieb des Schneidkopfes eines Schneidkopfsaugbaggers mit 2.500.000 Nm Drehmoment; Inbetriebnahme des bislang größten WEA-Prüfstandes für komplette Windkraftgondeln; erster vollelektrischer Hubschraubergetriebe-Prüfstand für Doppel-Rotor-Anwendungen
2016 Lieferung des größten Prüfstandes für Propeller (100 MW) und des größten Lager-Prüfstandes für Windenergieanlagen; Bau des bislang weltweit größten Lager-Prüfstandes für Wälzlager; Erstausführung des schnellstlaufenden, gradverzahnten Turbogetriebes (Verzahnungsgeschwindigkeit 156 m/s, Achsabstand 1,73 m)

Unternehmensstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschäftsbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Renk AG ist in vier selbstständige strategische Geschäftseinheiten eingeteilt: Spezialgetriebe (Industrie- und Schiffsgetriebe), Fahrzeuggetriebe, Standardgetriebe und Gleitlager.[20] Darüber hinaus werden seit 1960 Prüfsysteme für Straßen- und Schienenfahrzeuge, militärische Kettenfahrzeuge, Luftfahrt und Windkraftanlagen hergestellt.[21]

Geschäftsführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vorstand ist das Leitungsorgan der Renk AG und besteht zum 31. Dezember 2017 aus zwei Mitgliedern. Die Mitglieder des Vorstandes führen alle Geschäfte des Unternehmens in gemeinschaftlicher Verantwortung. Bestellt wird der Vorstand durch den Aufsichtsrat. Grundlage der Vorstandsarbeit bildet eine Geschäftsordnung. Den Vorstand bilden Florian Hofbauer (Sprecher des Vorstands, seit 2007) und Christian Hammel (Verwaltung und Produktion, seit 2015).[22]

Aufsichtsrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 2018 gewählte Aufsichtsrat der Renk AG setzt sich aus folgenden Personen zusammen: Dr. Ingrun-Ulla Bartölke (Vorsitzende des Aufsichtsrats), Roberto Armellini (Stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats), Michael Behrendt, Hardy Brennecke, Joachim Drees, Lothar Evers (Arbeitnehmervertretung), Christiane Hesse, Thorsten Jablonski, Adela Lieb (Arbeitnehmervertretung), Klaus Refle (Arbeitnehmervertretung), Karina Schnur (Arbeitnehmervertretung) und Mario Sommer (Arbeitnehmervertretung).[23]

Arbeitnehmervertretung/Betriebsrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Betriebsräte der Renk AG existieren an den Standorten Augsburg, Rheine und Hannover. Der Augsburger Betriebsrat ist auch für die Renk Test System GmbH zuständig und fungiert gleichzeitig als Gesamtbetriebsrat für alle deutschen Standorte der Renk AG.[24][25][26][27] Er besteht insgesamt aus 12 Mitgliedern, wovon drei freigestellte Betriebsräte sind. Die Aufgaben des Betriebsrates sind:

  • die Renk AG im VW-Konzern vertreten
  • im Wirtschaftsausschuss einen Vertreter für den Aufsichtsrat stellen
  • sich um personelle und soziale Angelegenheiten kümmern

Standorte und Niederlassungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Renk AG hat Fertigungswerke in Augsburg (Fahrzeug-, Industrie- und Schiffsgetriebe, Prüfsysteme), Rheine (Industrie- und Schiffsgetriebe, Kupplungen), Hannover (Gleitlager, Kupplungen), Winterthur (Schweiz), Bath (England) und Sterling Heights (USA)[7] sowie weitere Niederlassungen in Frankreich, USA, Brasilien, Türkei, Vereinigte Arabische Emirate, Shanghai, Südkorea[28], Indien, den Niederlanden[16] und Kanada[7]. Weltweit ist die Renk AG in über 100 Ländern über Vertretungen vorzufinden.

Tochtergesellschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Renk France S.A.S., Saint-Ouen-l'Aumône, Frankreich
  • Renk Corporation, Duncan, Vereinigte Staaten
  • Renk Test System GmbH, Augsburg, Deutschland
  • Renk Systems Corporation, Camby, Vereinigte Staaten
  • Renk Shanghai Services Commercial Co. Ltd, Shanghai, Volksrepublik China
  • Renk Transmisyon Sanayi A.S., Istanbul, Türkei
  • Renk UAE LLC, Abu Dhabi, Vereinigte Arabische Emirate
  • Cofical Renk Mancais do Brasil Ltda., Guaramirim, Brasilien
  • Renk Gears India, Bengaluru, Indien
  • Renk Korea, Busan, Südkorea
  • Damen Schelde Gears B.V., Vlissingen, Niederlande[1]
  • Horstman Holdings Ltd., Bath, England
  • Horstman Inc., Sterling Heights, USA
  • Horstman Systems Inc., Woodbridge, Kanada[7]

Produktbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Renk AG lassen sich sechs Produktbereiche abgrenzen: Automatgetriebe für Kettenfahrzeuge, Industriegetriebe, Schiffsgetriebe, Kupplungen, Gleitlager und Prüfsysteme. Diese Produktbereiche sind nicht deckungsgleich mit den vier Geschäftsbereichen des Unternehmens, bei denen zwischen Fahrzeuggetrieben, Standardgetrieben, Gleitlagern und Spezialgetrieben unterschieden wird.

Automatische Lastschaltgetriebe für mittlere und schwere Kettenfahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Automatgetriebe für Kettenfahrzeuge werden in Augsburg und Saint Ouen l'Aumone[29] hergestellt. Sie sind für Dieselmotoren- und Gasturbinenantrieb geeignet, je nach Typ für Leistungen von 300 bis 1200 kW, und werden als sogenannte „T“-, „L“- oder „U“-Konfigurationen für Heck- oder Fronteinbau angeboten. Die Getriebe sind elektronisch gesteuert und überwacht[30] und beinhalten neben den lastschaltbaren Fahrgängen auch das komplette Lenk- und Bremssystem. Zusätzlich zu den Grundfunktionen eines Kettenfahrzeuggetriebes können auch andere Komponenten des Antriebsstrangs sowie Federungssysteme geliefert werden.[31][32]

Industriegetriebe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Industriegetriebe werden in Augsburg und Rheine sowie bei der Tochtergesellschaft Renk-Maag in Winterthur für viele Anwendungen entwickelt und gebaut: unter anderem Turbo-Stirnradgetriebe in Schweiß- und Gussgehäusen, verschiedene Planetengetriebe, Getriebe für Wasserkraft- und Windkraftanlagen sowie für Rollenpressen und Förderbänder. Spezialgetriebe werden auch in Einzelfertigung hergestellt, zum Beispiel für Kraftwerke, Zementfabriken, die Gummi- und Kunststoffindustrie, die Tagebau-Industrie oder für Transport- und Förderanlagen.[33]

Schiffsgetriebe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schiffsgetriebe werden in Augsburg, Rheine und Winterthur[34] gebaut. Das Spektrum der meist nach Kundenspezifikationen gefertigten Antriebe[35][36] umfasst Wendegetriebe ab 1.000 kW bis zu komplexen Getriebeanlagen für Marineschiffe mit 100.000 kW und mehr Übertragungsleistung, mit allen erforderlichen Steuerungs- und Überwachungssystemen. Hinzu kommen Gasturbinen sowie Sonderbauformen und Anlagen für Antriebe mit E-Motoren. Die Schiffsgetriebe kommen sowohl bei der Marine zum Einsatz als auch in Behördenschiffen, Yachten, Forschungsschiffen, Baggerschiffen und anderen Spezialschiffen.[37]

Kupplungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Renk-Kupplungen werden in Rheine, Hannover und Winterthur für alle Industriebereiche produziert. Zum Bauprogramm gehören unterschiedlichste Kupplungsformen, die für Drehmomente von 21 bis 1.500 kNm angeboten werden.[38]

Gleitlager[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gleitlager werden sowohl in Standard- als auch in Spezialausführungen im Renk-Werk in Hannover hergestellt. Mithilfe teils unternehmensintern weiterentwickelter Berechnungsprogramme werden die Gleitlager kalkuliert und Betriebsparameter überprüft. 3D-CAD-Programme machen es möglich, auch auf besondere Anforderungen einzugehen.[39]

Prüfsysteme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tochtergesellschaft Renk Test System GmbH liefert Prüfsysteme für die Bereiche Forschung/Entwicklung, Produktion und Qualitätssicherung. Zum Leistungsspektrum gehören auch Service und Wartung, die Modernisierung bestehender Anlagen, Prüfstandskomponenten und eine Automatisierungssoftware für Prüfsysteme.[40]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Umstrittene Rüstungsexporte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein wesentlicher Teil des Umsatzes der Renk AG wird mit der Produktion von Getrieben für Panzer und Kriegsschiffe erwirtschaftet.[41][42] In der Vergangenheit wurde immer wieder Kritik laut, dass die von deutschen Unternehmen hergestellten Rüstungsgüter entgegen gesetzlicher Bestimmungen auch in Krisen- und Konfliktregionen exportiert werden. Insbesondere die Ausfuhr in Länder wie beispielsweise Saudi-Arabien oder Algerien wurde dabei kritisch gesehen.[41][43]

Schmiergeldaffäre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Renk AG schloss am 29. September 1993 einen Vertrag mit der Firma GIAT über die Lieferung von Getrieben für 436 Panzer vom Typ Leclerc ab.[44] Der Umsatz aus diesem Geschäft belief sich auf etwa 100 Millionen Euro. Die Panzer wurden für die Vereinigten Arabischen Emirate hergestellt.[45] Um diesen Auftrag zu bekommen, hatten Renk-Vorstandssprecher Manfred Hirt und sein Stellvertreter Norbert Schulze Bestechungsgelder in Höhe von insgesamt 5,13 Millionen DM an Jean-Charles Marchiani und dessen „Freund und Nachbar“ Yves Manuel gezahlt. Marchiani war in diesem Zeitraum Berater des französischen Innenministers Charles Pasqua und später Präfekt des Départments Var. Als Deckmantel für die Geldzahlung diente ein Beratervertrag vom 19. September 1993 mit der Firma Irish Euro Agencies Ltd. Das Geld wurde zunächst auf ein Konto bei der Westminster Bank in London eingezahlt und dann auf zwei Schweizer Konten bei Banken in Genf geleitet.[44]

Marchiani wurde wegen Bestechlichkeit zu drei Jahren Haft ohne Bewährung und 150.000 Euro Geldstrafe verurteilt. Yves Manuel erhielt wegen Komplizenschaft bei der Bestechung einer Person im öffentlichen Dienst drei Jahre Haft auf Bewährung und eine Geldstrafe über 150.000 Euro.[46][47] Auch die nach französischem Recht verhängten Urteile gegen Hirt und Schulze wurden im März 2007 durch das Pariser Berufungsgericht bestätigt. Beide erhielten 18 Monate Haft auf Bewährung und Geldstrafen in Höhe von je 100.000 Euro.[48] Manfred Hirt gab zum 31. August 2007 die Funktion des Sprechers des Vorstands der Renk AG an Florian Hofbauer ab und schied zum 31. Dezember 2007 aus dem Vorstand aus.[49]

Geschäftszahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angaben aus dem Lagebericht des Renk-Konzerns für das Geschäftsjahr 2018:[1]

  • Auftragseingang: 529 Mio. Euro (Vorjahr: 434 Mio. Euro)
  • Umsatz: 502 Mio. Euro (Vorjahr: 469 Mio. Euro)
  • Belegschaft 2.319 Mitarbeiter (Vorjahr: 2.235 Mitarbeiter)
  • Operatives Ergebnis: 60 Mio. Euro (Vorjahr: 60 Mio. Euro)
  • Operative Rendite: 12,0 % (Vorjahr: 12,8 %)
  • Ergebnis je Aktie: 6,25 Euro (Vorjahr: 6,30 Euro)
  • Netto-Cashflow: 1 Mio. Euro (Vorjahr: 1 Mio. Euro)
  • Dividendenvorschlag: Ausschüttung je Aktie 2,20 Euro (Vorjahr: 2,20 Euro)

Ausblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Renk AG plant für Anfang 2019 ein Wareneingangs- und Prüfzentrum im neu entstehenden Gewerbegebiet Oberottmarshausen. Die Grundstücksgröße beträgt dafür 6,7 ha und beinhaltet bereits Platz für Erweiterungsmöglichkeiten. Die Verkehrsanbindung nach Augsburg erfolgt über einen direkten Anschluss an der B 17. Der neue Standort liegt in einer Entfernung von 17 km zum Firmensitz an der Gögginger Straße in Augsburg.

Ziel des geplanten Wareneingangs- und Prüfungszentrums ist zum einen die Konsolidierung der heute angemieteten Außenlager (ca. 20.000 m² Lagerfläche verteilt auf sechs Lager) in ein eigenes Außenlager, zum anderen eine flächenmäßige Entlastung des Werksgeländes. Hinzu kommt der Aspekt der Ermöglichung von Wachstum im Stammwerk.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Günther Grünsteudel u. a. (Hrsg.): Augsburger Stadtlexikon. 2. Auflage. Perlach-Verlag, 1998, ISBN 3-922769-28-4, S. 749.
  • Victor-Georg Hohmann: Augsburger Wirtschaftsalmanach. Archiv Verlag, 1952.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d RENK AG Geschäftsbericht 2018. (PDF) Renk AG, abgerufen am 30. Juni 2019.
  2. Volkswagen kauft MAN und Renk. stadtzeitung.de, 26. Oktober 2018, abgerufen am 30. Juni 2019.
  3. a b Renk Aktiengesellschaft: Bekanntmachung der Einberufung zur Hauptversammlung am 07.05.2019 in Augsburg mit dem Ziel der europaweiten Verbreitung gemäß §121 AktG. DGAP News, 22. März 2019, abgerufen am 30. Juni 2019.
  4. Bundesanzeiger: Jahresabschluss zum 31. Dezember 2016
  5. Das sind Deutschlands größte Ballermänner. Handelsblatt, 19. November 2010, abgerufen am 5. November 2017.
  6. a b RENK schließt Kauf des Rüstungs-Unternehmens Horstman ab. b4bschwaben.de, 17. April 2019, abgerufen am 30. Juni 2019.
  7. a b c d Horstman Group – Contact. Horstman Defence Systems Ltd., abgerufen am 30. Juni 2019.
  8. a b c RENK Aktiengesellschaft, Geschäftsbericht 2002 (PDF), S. 75 f.
  9. a b Tina Grant: International Directory of Company Histories, Bd. 37. St. James Press, Detroit 2001, ISBN 978-1-55862-442-9 ([1]).
  10. RENK Aktiengesellschaft, Geschäftsbericht 2002 (PDF), S. 77 f.
  11. a b RENK Aktiengesellschaft, Geschäftsbericht 2002 (PDF), S. 79.
  12. a b c 125 Jahre Getriebe aus Augsburg – Firmenportrait der Renk AG, in der Zeitschrift Antriebstechnik, 1998, ISSN 0722-8546, Seiten 8–9.
  13. RENK Aktiengesellschaft, Geschäftsbericht 2002 (PDF), S. 80.
  14. Renk-Standorte: Rheine
  15. Übernahmemanöver: Volkswagen kauft Mehrheit an MAN. spiegel.de, 4. Juli 2011, abgerufen am 30. Juni 2019.
  16. a b Getriebspezialist Renk übernimmt Damen Schelde Gears B.V. (PDF) Presse-Information. Renk AG, 18. Dezember 2017, abgerufen am 7. September 2018.
  17. Renk Gears Private Ltd. connect2india.com, abgerufen am 30. Juni 2019.
  18. Antriebstechnik und Prüfsysteme für Korea. renk-ag.com, abgerufen am 30. Juni 2019.
  19. Renk Konzern. (PDF) Daten, Fakten und Produkte 2017. Renk AG, abgerufen am 7. September 2018.
  20. RENK AG Geschäftsbericht 2017. (PDF) Renk AG, abgerufen am 7. September 2018.
  21. Renk Prüfsysteme. Renk AG, abgerufen am 7. September 2018.
  22. Der Vorstand – RENK AG. Abgerufen am 14. Juni 2017.
  23. Der Aufsichtsrat. Renk AG, abgerufen am 7. September 2018.
  24. Lothar Evers, Rheine. (PDF) Betriebsratsvorsitzender der Renk AG, Rheine. renk-ag.com, abgerufen am 28. August 2019.
  25. Klaus Refle, Bobingen. (PDF) Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Renk AG, Betriebsratsvorsitzender der Renk AG, Augsburg. renk-ag.com, abgerufen am 28. August 2019.
  26. Firma Renk AG – Bekenntnis für Standort Hannover. In: Metallzeitung. April 2008, S. 30.
  27. IG Metall trauert um Erwin Müller. igmetall-augsburg.de, 14. Januar 2013, abgerufen am 28. August 2019.
  28. Standort Busan. Antriebstechnik und Prüfsysteme für Korea. Renk AG, abgerufen am 7. September 2018.
  29. Standort Saint Ouen l'Aumone. Herausragender Service und überlegene Produkte. Renk AG, abgerufen am 7. September 2018.
  30. Renk Getriebe-Diagnose-System. Renk AG, abgerufen am 7. September 2018.
  31. Automatische Lastschaltgetriebe für mittlere und schwere Kettenfahrzeuge. Renk AG, abgerufen am 7. September 2018.
  32. Horstman Solutions. Horstman Defence Systems Ltd., abgerufen am 30. Juni 2019.
  33. Renk Industriegetriebe. Renk AG, abgerufen am 7. September 2018.
  34. Standort Winterthur. Präzision und Ingenieurskunst aus der Schweiz. Renk AG, abgerufen am 7. September 2018.
  35. Customized Gear Units for LNG Carriers. (PDF) Dual-Fuel/Electric Propulsion. Renk AG, abgerufen am 7. September 2018 (englisch).
  36. REV/RSH Gear Boxes. (PDF) High performance, energy-efficient, reliable. Renk AG, abgerufen am 7. September 2018 (englisch).
  37. Renk Schiffsantriebe. Renk AG, abgerufen am 7. September 2018.
  38. Renk Kupplungen. Renk AG, abgerufen am 7. September 2018.
  39. Renk Gleitlager. Renk AG, abgerufen am 7. September 2018.
  40. Renk Prüfsysteme. Renk AG, abgerufen am 7. September 2018.
  41. a b Tödliche Puzzlestücke, DIE ZEIT vom 6. Juni 2013, abgerufen am 29. Oktober 2017.
  42. Großauftrag aus den USA, b4b-Nachrichten vom 20. Mai 2011, abgerufen am 29. Oktober 2017.
  43. Deutsche Waffen für Nahost, Deutschlandfunk-Magazin vom 16. März 2017, abgerufen am 29. Oktober 2017.
  44. a b Cour de cassation, criminelle, Chambre criminelle, 19 mars 2008, 07-82.124, Publié au bulletin. Urteil 07-82.124 des französischen Kassationsgerichtshofs. 19. März 2008, abgerufen am 7. September 2018 (französisch).
  45. Renk sieht trotz roter Zahlen wieder Land. In: Süddeutsche Zeitung. 6. Dezember 1993, S. 32.
  46. Prison ferme pour Jean-Charles Marchiani. Le Monde, 15. Dezember 2005, abgerufen am 7. September 2018.
  47. M. Marchiani a été doublement condamné en appel à de la prison ferme. Le Monde, 1. März 2007, abgerufen am 7. September 2018 (französisch).
  48. Bewährungsstrafen für Renk-Manager in Korruptionsaffäre bestätigt. 123recht.net, 1. März 2007, archiviert vom Original am 19. Juli 2012; abgerufen am 7. September 2018.
  49. Geschäftsbericht 2007. (PDF) Renk AG, archiviert vom Original am 4. März 2013; abgerufen am 7. September 2018.

Koordinaten: 48° 21′ 9,6″ N, 10° 53′ 3,1″ O