August Lämmle

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August Lämmle (* 3. Dezember 1876 in Oßweil, heute zu Ludwigsburg; † 8. Februar 1962 in Leonberg) war ein schwäbischer Mundartdichter.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

August Lämmle ließ sich von 1891 bis 1896 in Esslingen am Neckar und Nürtingen zum Volksschullehrer ausbilden. Anschließend versah er seinen Dienst an verschiedenen Orten (z.B. Göppingen oder Ulm).

Nach dem Ersten Weltkrieg übernahm Lämmle die Cannstatter Volkshochschule. Als Volkskundler sammelte und veröffentlichte er schwäbische Redensarten, Sagen, Sprichwörter und Volkslieder. Seit 1933 war er Mitglied der NSDAP, wo eine Parteikarriere für ihn jedoch ausgeschlossen war: Da Lämmle bis 1931 Mitglied der Stuttgarter Freimaurerloge Zu den drei Cedern, Große Loge von Hamburg, gewesen war, wurde ihm 1935 vom NSDAP-Gaugericht Württemberg-Hohenzollern die Fähigkeit zur Bekleidung eines Parteiamts auf Lebenszeit aberkannt.[1] Daneben gehörte er jedoch der Reichsschrifttumskammer und Reichskulturkammer an. Auch als Schriftleiter und Herausgeber von Württemberg. Schwäbische Monatshefte im Dienste von Volk und Heimat (seit 1929) zeigte er sich durchaus systemkonform. In einer kurzen Erzählung mit dem Titel „Fünf Jahre später“ unter dem Seitentitel „Zum 30. Januar 1938“, also dem Tag der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler, lässt er beispielsweise einen fiktiven, nach fünfjährigem Amerikaaufenthalt nach Deutschland zurückgekehrten Philosophen eine verklärende Bilanz von der Entwicklung unter Hitler ziehen und legt seiner literarischen Figur in einem „aus dem nationalsozialistischen Deutschland“ geschriebenen Brief die Worte in den Mund: „… was soll die »Demokratie«, wenn nur die wohlhabenden Schichten den Genuß vom Schatz des Landes und der Arbeit der Menschen haben?“[2] „Freuden- und Jubeltage wie seit dem 12. März 1938“, dem Tag des Anschlusses Österreichs, habe das deutsche Volk „in seiner zweitausendjährigen Geschichte nicht erlebt“, schrieb er wenig später, „ein Wiederaufstieg innerhalb weniger Jahre, bewirkt durch die Tat eines einzigen Mannes, der das Wunder vollzog …“.[3] Zudem widmete er dem Reichsstatthalter und NSDAP-Gauleiter Wilhelm Murr, dem Sohne und Führer des schwäbischen Volkes zu dessen 50. Geburtstag im Dezember 1938 eine Huldigung, in der er den Staat glücklich pries, … dem | gütige Götter gegeben | Führer und Volk aus dem ewig - | einzigen Brunnen des Bluts …[4] Nicht lange danach (1939) wurde Lämmle auf nachdrücklichen Wunsch der Gauleitung als angeblich bester Kenner des schwäbischen Volkes zum Vorsitzenden beim „Bund für Heimatschutz in Württemberg und Hohenzollern“, dem heutigen „Schwäbischen Heimatbund“, gemacht.[5] 1946 wurde er von einigen Mitgliedern des Bundes, welche die Organisation eines Neubeginns in die Hand genommen hatten, zum offiziellen Rücktritt bewegt;[6] gleichwohl findet sich sein Name in der Liste der verstorbenen Ehrenmitglieder.[7]

Nachdem im Zweiten Weltkrieg seine Cannstatter Wohnung zerstört worden war, zog er mit seiner Frau nach Leonberg. Im Zuge der Entnazifizierung wurde er 1947 als „Mitläufer“ eingestuft und zu einer Geldstrafe verurteilt.[8] 1951 erhielt er die Ehrenbürgerwürde der Stadt Leonberg, die mittlerweile wegen seiner Verstrickungen in den Nationalsozialismus umstritten ist.

August Lämmle verstarb im Alter von 85 Jahren. Sein Grab befindet sich auf dem Stuttgarter Waldfriedhof.

Nach August Lämmle sind zum Beispiel Straßen und Wege in Affalterbach, Aidlingen, Bempflingen, Bodelshausen, Eberdingen, Fellbach, Flein, Göppingen, Großengstingen, Heilbronn, Hemmingen, Kirchberg an der Murr, Knittlingen, Korb, Kusterdingen, Leonberg, im Ludwigsburger Stadtteil Oßweil, in Maichingen, Mägerkingen, Mühlacker, Münchingen, Obersulm-Sülzbach, Remshalden-Geradstetten, Reutlingen, Roßwag, Rudersberg, Schöckingen, Trillfingen, Tuttlingen, Wangen im Allgäu und in Hepsisau in Weilheim an der Teck benannt. Schulen in Kusterdingen, Leonberg, Ludwigsburg-Oßweil und Rudersberg tragen seinen Namen.

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Schorndorfer Heimatkunde, 1909
  • Schwobabluat, 1913
  • Oiges Brot. Gedichte, Salzer, Heilbronn 1914
  • Spinnstuben-Geschichten, 1916
  • Bunte Geschichten, 1917
  • Junker Goldmacherlein und andere Erzählungen, 1918
  • Sonntich, 1919
  • Schwobaspiegel, 1922
  • Das Geschichtenbuch, 1922
  • Schwäbische Volkskunde, 1924
  • Unser Volkstum, 1925
  • Das Herz der Heimat - ein Schwabenbuch für ausgewanderte Schwaben, 1925 (gemeinsam mit Hans Reyhing)
  • Sonnenstrauß, 1926
  • Das alte Kirchlein, 1926
  • Württembergische Volkslieder, 1929
  • Bilder aus Württembergs Vergangenheit und Gegenwart, 1931
  • Schwäbisches und Allzuschwäbisches, 1936
  • Reise ins Schwabenland, 1937
  • Es leiselet im Holderbusch, 1938
  • Schwäbische Gedichte, 1938
  • Der Herrgott in Allewind, 1939
  • Der Sebulon. Geschichten von kecken Burschen, Fleischauer & Spohn, Stuttgart 1940
  • Es scheinen die Sterne so hell, 1944
  • Ein kleines Geschenk, 1948
  • Das ist mein Land, 1950
  • Unterwegs, 1951
  • Der goldene Boden, 1953
  • Greif zu mein Herz, 1956
  • Ich schaue von außen durchs Fenster, 1956
  • Schwäbische Miniaturen. Unserem Volke ins Herz und auf den Mund gesehen, Cotta, Stuttgart 1957
  • Menschen…nur Menschen, 1959
  • Ludwigsburger Erinnerungen, Stieglitz-Verlag Händle, Mühlacker 1960
  • Fünfundachtzig mal um die Sonne gefahren, 1961

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lieselotte Bühl: Lämmle, August. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 13, Duncker & Humblot, Berlin 1982, ISBN 3-428-00194-X, S. 403 f. (Digitalisat).
  • Carsten Kohlmann: Der Volkskundler August Lämmle und die Heimatschutzbewegung in Württemberg. In: Schwabenbilder. Zur Konstruktion eines Regionalcharakters. Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft der Universität Tübingen. Begleitband zur Ausstellung "Schwabenbilder" im Haspelturm des Tübinger Schlosses, 18. April bis 1. Juni 1997. Gulde-Druck Tübingen. 1997. ISBN 3-925340-97-1 (online als PDF), S.141-148.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Staatsarchiv Ludwigsburg, Personalunterlagen August Lämmle Bü 30 im Bestand PL 502/29 (Sammlungsgut der US-Militärregierung zur Dokumentation der NS-Belastung von im Kreis Stuttgart ansässigen Personen).
  2. August Lämmle: Fünf Jahre später. Zum 30. Januar 1938. In: Württemberg. Schwäbische Monatshefte im Dienste von Volk und Heimat 10 (1938), S. 2–5, S. 5.
  3. August Lämmle: „Ein einzig Zelt ob allem deutschen Land …“ Zum Tag erfüllter deutscher Sehnsucht. In: [Württemberg. Schwäbische Monatshefte im Dienste von Volk und Heimat] 10 (1938) S. 131 f. , S. 131.
  4. August Lämmle: Huldigung für Wilhelm Murr. In: Württemberg. Schwäbische Monatshefte im Dienste von Volk und Heimat 10 (1938) S. 475.
  5. Der Schwäbische Heimatbund in der NS-Zeit. Website des Schwäbischen Heimatbundes (online).
  6. Vom Bund für Heimatschutz zum Schwäbischen Heimatbund: Ein Neubeginn? Website des Schwäbischen Heimatbundes (online)
  7. Verstorbene Ehrenvorsitzende und Ehrenmitglieder. Website des Schwäbischen Heimatbundes (online).
  8. Entnazifizierungsunterlagen Bü 5249 im Bestand EL 902/14 (Spruchkammer 29 - Leonberg: Verfahrensakten) im Staatsarchiv Ludwigsburg.