Bönnigheim

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Bönnigheim
Bönnigheim
Deutschlandkarte, Position der Stadt Bönnigheim hervorgehoben
Koordinaten: 49° 2′ N, 9° 6′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Ludwigsburg
Höhe: 221 m ü. NHN
Fläche: 20,14 km²
Einwohner: 7360 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 365 Einwohner je km²
Postleitzahl: 74357
Vorwahl: 07143
Kfz-Kennzeichen: LB, VAI
Gemeindeschlüssel: 08 1 18 010
Stadtgliederung: 3 Teilorte
Adresse der
Stadtverwaltung:
Kirchheimer Straße 1
74357 Bönnigheim
Webpräsenz: www.boennigheim.de
Bürgermeister: Kornelius Bamberger
Lage der Stadt Bönnigheim im Landkreis Ludwigsburg
Erdmannhausen Erdmannhausen Remseck am Neckar Schwieberdingen Marbach am Neckar Marbach am Neckar Marbach am Neckar Marbach am Neckar Oberstenfeld Oberstenfeld Mundelsheim Mundelsheim Affalterbach Asperg Benningen am Neckar Besigheim Besigheim Bönnigheim Erligheim Freudental Gemmrigheim Großbottwar Großbottwar Hessigheim Löchgau Murr (Gemeinde) Murr (Gemeinde) Pleidelsheim Pleidelsheim Steinheim an der Murr Tamm Walheim Ingersheim Freiberg am Neckar Bietigheim-Bissingen Bietigheim-Bissingen Ditzingen Eberdingen Kornwestheim Möglingen Oberriexingen Sersheim Vaihingen an der Enz Sachsenheim Korntal-Münchingen Ludwigsburg Markgröningen Hemmingen Gerlingen Kirchheim am NeckarKarte
Über dieses Bild
Ruine der Ganerbenburg
Logo der Stadt, das die Vierteilung durch die Ganerben aufgreift
Stadtplan von 1832 mit den Ganerben-Vierteln A–D

Bönnigheim ist eine Stadt im Norden des Landkreises Ludwigsburg, am Rande des Strombergs und des Zabergäus gelegen. Die nächstgelegenen größeren Städte sind Ludwigsburg und Heilbronn.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Bönnigheim gehören die ehemals selbstständigen Gemeinden Hofen und Hohenstein. Zur Stadt Bönnigheim in den Grenzen von 31. Dezember 1971 gehörten die Stadt Bönnigheim und das Haus Burgermühle sowie die abgegangene Ortschaft Birlingen. Zur ehemaligen Gemeinde Hofen gehörte das Dorf Hofen. Zur ehemaligen Gemeinde Hohenstein gehörte das Dorf Hohenstein.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklung der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Nennung Bönnigheims findet sich im Lorscher Codex. In einer auf 16. Februar 793 datierten Urkunde vermachte die Nonne Hiltburg die Gemeinden Bönnigheim, Erligheim und Alt-Cleebronn dem Kloster Lorsch. Durch diese Schenkung kam Bönnigheim später mit dem Kloster an das Hochstift Mainz.

Die 1188 „castrum Bieneke“ genannte Burg befand sich zur Zeit Kaiser Friedrichs I. in staufischer Hand.[3]

Zwischen 1235 und 1252 hatten die Pfalzgrafen von Tübingen Zugriff auf Höfe in Bönnigheim, die um 1235 einen Hof an das Kloster Bebenhausen übertrugen.[4] 1284 verkauften Abt Volland und der Konvent von Kloster Hirsau „um ihrer Schulden willen“ ihren Besitz in Bönnigheim und Botenheim ans Kloster Bebenhausen.[5]

1276 nannte sich der Sohn des edelfreien Albert junior von Roßwag „Werner von Bönnigheim“, als er auf Burg Magenheim dem Kloster Herrenalb alle seine Äcker und Wiesen in Aurich verkaufte.[6] Er könnte Vasall der Grafen von Grüningen gewesen sein, die sich nach der Schlacht bei Frankfurt im schwäbischen Unterland Zugriff auf Reichs- und staufische Hausgüter verschafft hatten, bis König Rudolf von Habsburg dem Grafen Hartmann III. von Grüningen den unrechtmäßigen Zugewinn 1280 wieder abnahm und diese Güter vorerst seinem Reichslandvogt Albrecht II. von Hohenberg überantwortete. So trat der Hohenberger Graf am 3. Februar 1286 als „advocatus et dominus civitatis Bunnenkain“ bzw. Vogt und Herr des 1284 von König Rudolf zur Stadt erhobenen Bönnigheims auf.[7] 1291 übergab der König die junge Stadt seinem Sohn Albrecht von Löwenstein-Schenkenberg.

Ganerbentum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Erbschaft, Heirat und Kauf kam es bald darauf zu einer Zersplitterung der Besitzrechte an Stadt und Burg, aus dem das Ganerbentum hervorging, das bis 1750 Bestand hatte. Während dieser Zeit wurde der Besitz der immer noch unter Mainzer Oberlehensherrschaft stehenden Stadt auf vier Adelsgeschlechter (Herren von Sachsenheim, Herren von Liebenstein, Herren von Gemmingen und Herren von Neipperg) aufgeteilt. Jedem Ganerben stand ein entlang der Mittelachsen des quadratischen Stadtgrundrisses abgegrenztes Viertel zu.[8] Diese Ganerbenverhältnisse galten auch im benachbarten Erligheim.

Es ist nicht möglich, eine Stadt in vier Sektoren zu gliedern, ohne dass es zu Einschnitten im gesellschaftlichen Leben kommt. Auch sind Streitereien unter den Erben bei einer solchen Situation kaum etwas Besonderes. Aus diesem Grund wurde 1388 der Burgfrieden geschlossen, mit dem Bönnigheim seine erste Stadtordnung bekam. Im Burgfrieden legten die Ganerben fest, aus ihren Reihen alle zwei, später alle drei Jahre einen Baumeister zu wählen, der für die Verwaltung der Stadt verantwortlich war. Der jeweilige Baumeister bezog seinen Wohnsitz in der Burg. Weiterhin geregelt waren darin die Wahlen von Stadtrat und Bürgermeister, sowie die Bestellung eines Amtmannes.

Im Bauernkrieg wurde die Burg niedergebrannt, 1546 wieder aufgebaut, 1697 jedoch teilweise wieder eingerissen. In diesem Zustand ist sie heute noch erhalten.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1750 kaufte Graf Friedrich von Stadion die gesamte Stadt und beendete damit das Ganerbentum. 1756 ließ er das prachtvolle Schloss bauen. 1785 wurde die Stadt an Herzog Carl Eugen von Württemberg verkauft. In Württemberg gehörte sie fortan zum Oberamt Besigheim, das 1938 im Landkreis Ludwigsburg aufging.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der evangelischen und der römisch-katholischen Kirche ist auch eine neuapostolische Gemeinde im Ort vertreten.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg[9] (nur Hauptwohnsitze).

Jahr Einwohner
1. Dezember 1871 ¹ 3233
1. Dezember 1880 ¹ 3381
1. Dezember 1890 ¹ 3567
1. Dezember 1900 ¹ 3382
1. Dezember 1910 ¹ 3213
16. Juni 1925 ¹ 3170
16. Juni 1933 ¹ 3425
17. Mai 1939 ¹ 3584
13. September 1950 ¹ 4738
Jahr Einwohner
6. Juni 1961 ¹ 5215
27. Mai 1970 ¹ 6120
31. Dezember 1980 6225
27. Mai 1987 ¹ 6186
31. Dezember 1990 6853
31. Dezember 1995 6815
31. Dezember 2000 7317
31. Dezember 2005 7487
31. Dezember 2010 7520

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommunalwahl 2014
 %
40
30
20
10
0
33,16 %
31,70 %
18,91 %
16,24 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-8,28 %p
+4,08 %p
+0,27 %p
+3,94 %p
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Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der letzten Kommunalwahl am 25. Mai 2014 hat der Gemeinderat 18 Mitglieder. Die Wahlbeteiligung lag bei 52,37 %. Die Wahl brachte folgendes Ergebnis:

  Freie Wählervereinigung/CDU 6 Sitze
  Unabhängige Wählergemeinschaft Bönnigheim 6 Sitze
  SPD 3 Sitze
  B90/GRÜNE     3 Sitze

Zusätzliches stimmberechtigtes Mitglied und Vorsitzender des Gemeinderates ist der Bürgermeister.

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister ist Kornelius Bamberger. Bei der letzten Bürgermeisterwahl am 18. April 2010 erhielt er 96,49 Prozent der Stimmen.[10]

Wappen und Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hohenstein

Das Wappen zeigt in Rot ein sechsspeichiges, silbernes Rad sowie einen darunter liegenden gesichteten silbernen Mond. Das Wappen spiegelt damit die Geschichte der Stadt wider, indem als Elemente das Mainzer Rades auftauchen, sowie der Mond als Teil des Wappens der Herren von Magenheim, die als Gründer von Bönnigheim gelten.

Die Bönnigheimer Stadtfarben sind Weiß-Rot; sie sind seit mindestens 1921 in Gebrauch.

Die Wappen der eingemeindeten Orte sind:

Hofen

Hofen: In Rot eine silberne Kirche mit linkshin stehendem Turm, rechts oben ein doppelarmiges silbernes Kreuz; Flagge weiß-rot; genehmigt am 7. Oktober 1966.

Wappen Hohenstein

Hohenstein: In Silber auf einem mit fünf aneinander gereihten silbernen Rauten belegten grünen Berg eine zweitürmige bezinnte rote Burg; Flagge rot-weiß; genehmigt am 19. August 1965.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rathaus von Bönnigheim

Bönnigheim unterhält freundschaftliche Beziehungen zu

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bönnigheim liegt an der Württemberger Weinstraße, die an vielen Sehenswürdigkeiten vorbeiführt.

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schwäbisches Schnapsmuseum und Museum Arzney-Küche

Um Alkohol geht es in diesen beiden benachbarten Museen. Das Schwäbische Schnapsmuseum besitzt die größte alkoholgeschichtliche Sammlung Deutschlands. Seit 2013 wird dort außerdem eine Ausstellung zum Thema Nachgeburtsbestattung gezeigt. Das Museum Arzney-Küche ist ein Apothekenmuseum. Es wurde in einem historischen Apothekenlabor aus dem Jahr 1831 eingerichtet, das 1987 in einem baufälligen Schuppen entdeckt und aufwändig restauriert wurde. Die Ausstellung widmet sich dem Thema Alkohol in der Pharmazie - als Wirkstoff, Lösungsmittel und Konservierungsstoff.[11]

  • Museum Charlotte Zander (Naive Kunst) im Stadionschen Schloss
  • Museum Sophie La Roche (der Autorin des ersten deutschen Frauenromans gewidmet)
  • Sudetendeutsche Heimatstube

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Köllesturm
Friedhofskapelle

Bönnigheim besitzt zahlreiche sehenswerte, denkmalgeschützte Gebäude. Der ausgeschilderte historische Rundgang durch die Stadt führt entlang von knapp 50 Bauwerken.

  • Die Ganerbenburg
Burg Bönnigheim bildete die nordwestliche Begrenzung der mittelalterlichen Stadt und wurde im Bauernkrieg zerstört, danach wiederaufgebaut und im 17. Jahrhundert größtenteils abgerissen. Von ihr ist noch ein Turm sowie ein massives Steinhaus erhalten. Von der mittelalterlichen Stadtmauer, deren Gesamtlänge rund 1150 Meter betrug und die bis zu 9,10 Meter hoch und 1,40 Meter stark war, bestehen noch Reste westlich des Schlosses.
  • Der Köllesturm
ist ein Torturm der früheren Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert. Außerhalb der Stadtmauer führte eine Brücke über den trockenen Stadtgraben zu diesem Turm, der mit Flügel- und Zugtor verschlossen war. Seine heutige Dachform erhielt der Turm bei einer Renovierung nach einem Brand im späten 18. Jahrhundert.
  • Der Diebsturm
ist ein halbrunder Turm, der 1458 an die Stadtmauer angebaut wurde.
Stadionsches Schloss
  • Das Stadionsche Schloss
wurde 1756 von Baumeister Anton Haaf für Friedrich Graf Stadion errichtet. In seiner wechselvollen Geschichte diente das Gebäude u. a. von 1828 bis 1888 als Forstamt, später als königliche Taubstummenanstalt und als Schiller-College für amerikanische Studenten. Seit 1996 befindet sich im Schloss das Museum Charlotte Zander für Naive Kunst und Art Brut.
  • Der Kavaliersbau
mit markantem Staffelgiebel an der Stadtmauer ist der letzte noch bestehende Teil des Liebensteiner Schlösschens, an dessen Stelle später das Stadionsche Schloss errichtet wurde. In dem Gebäude befindet sich u. a. die städtische Musikschule und das Jugendcafé.
  • Das Forstgefängnis
zwischen Schloss und Kavaliersbau wurde als Gefängnis für Wilddiebe und Forstfrevler im 19. Jahrhundert errichtet. Heute befindet sich dort das Museum Sophie La Roche.
  • Der Georgsbrunnen
mit der Figur des mit einem Drachen kämpfenden heiligen Georg wurde 1549 errichtet, sein Brunnentrog stammt von 1816 und ist mit den Namen der damaligen Räte der Stadt beschriftet. Der vor dem Schloss befindliche Brunnen diente lange Zeit als Löschwasserspeicher.
Cyriakuskirche
geht auf eine romanische Basilika zurück und wurde 1100 erstmals erwähnt. Auf dem Kirchplatz befindet sich eine Spiegel-Installation der Bönnigheimer Künstlerin Margit Stäbler-Nicolai (* 1956).
  • Das Cyriakuspfründehaus
beim Kirchplatz war bis 1869 Wohnhaus des ersten Pfarrers und später das Ortsgefängnis. Im benachbarten Stelzenhaus wurde in dem durch einen überkragenden und auf Holzpfosten ruhenden Oberstock mehr Wohnraum geschaffen.
  • Der Bebenhäuser Hof
war ein Hof des Klosters Bebenhausen, das bereits 1103 Besitz in Bönnigheim hatte. Das Gebäude datiert um 1620, es weist einen Neidkopf auf und seine Gefachbemalungen zeigen zeitgenössische Liedtexte. Heute beherbergt das 1983 renovierte Gebäude ein Hotel.
  • Der Mainzer Hof
am Meierhof 7 ist ein frühgotisches, zweigeschossiges Steinhaus aus dem Ende des 13. Jahrhunderts.
  • Der Maulbronner Hof
wurde als Hofgut des Klosters Maulbronn 1581 errichtet. Das Gebäude wurde inzwischen als Wohn- und Geschäftshaus umgebaut.
Gemminger Kelter
  • Die Neipperger Kelter und die Gemminger Kelter
sind massive Keltergebäude aus dem Jahr 1600, die auf die Herren von Neipperg bzw. die Herren von Gemmingen zurückgehen, denen vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert jeweils ein Viertel der Stadt Bönnigheim gehörte. Die Gemminger Kelter wurde zu einem zeitgemäßen Geschäfts- und Wohngebäude modernisiert, die Neipperger Kelter ist äußerlich unsaniert und beherbergt das Clublokal eines Sportvereins. Die anderen beiden Kelter der Herren von Sachsenheim und Liebenstein wurden beim Bau der Genossenschaftskelter 1949 abgerissen. Diese hat einen Uhrenturm mit den Wappen der früheren vier Ganerbenfamilien und wurde später zeitweise als Supermarkt umfunktioniert.
  • Das ehemalige Gemminger Amtshaus
befindet sich nahe der Kirche. Das zum Wohn- und Geschäftshaus umgebaute Gebäude lässt nur noch schwerlich seinen historischen Kern erkennen.
  • Der Ganerbenbrunnen
in der Ortsmitte zeigt auch die Wappen der vier Ganerbenfamilien und erinnert an die Einteilung des Ortes in Viertel.
Fachwerkhaus am Markt
  • Das frühere Stadtschreiberhaus
an der Kirchstraße 22 weist Reste spätgotischer Ausmalung von 1541/42 auf.
  • Die Stadtapotheke
an der Kirchgasse 2 wurde 1764 im spätbarocken Stil errichtet, eine Apotheke befindet sich seit 1848 in dem Haus. Die alte Einrichtung kann durch neue Schaufenster besichtigt werden.
  • Im Ort befinden sich außerdem zahlreiche weitere historische Fachwerkbauten, darunter auch historische Gasthöfe wie das Gasthaus Bären von 1766. Hervorzuheben sind das Weingärtnerhaus von 1810 und das Wohnhaus von 1757 in der Grabengasse sowie das Ackerbürgerhaus von 1630 mit seinen insgesamt neun Dachfeldern in der Schloßstraße.
  • Die Villa Ammann
in der Kirchheimer Straße 15 wurde im Jahre 1900 errichtet.
Klösterle
  • Rund 1,5 km südwestlich des Stadtkerns befindet sich am Rande der Weinberge die Ruine des Klösterle. Um 1435 wurde dort eine Kapelle erbaut, die der „seligsten Jungfrau Maria“ geweiht war. In Verbindung mit der Quelle, bei der sie sich befand, wurde sie zu einer Pilgerstätte. Von 1477 bis zur Reformation lebten dort Barfüßermönche. Nach der Reformation wurde das Kloster aufgegeben. Die Steine wurden teilweise für Bauten in Bönnigheim verwendet. Die Überreste waren schließlich völlig von Erdreich bedeckt. 1975 wurden bei Flurbereinigungsarbeiten die erhaltenen Reste der Anlage wiederentdeckt und freigelegt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weinbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Weinbau ist schon seit der ersten urkundlichen Nennung in Bönnigheim bekannt.

Die Strombergkellerei baut als Erzeugergenossenschaft die Weine der Orte Bönnigheim, Kirchheim am Neckar, Hohenhaslach und Erligheim aus. Überregional bekannt als Weingut speziell für Spätburgunder und Lemberger von hoher Qualität ist das Weingut Ernst Dautel.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bönnigheim und seine Ortsteile sind nicht direkt mit dem Fernstraßennetz verbunden; die nächste Bundesstraße ist die B 27 in Kirchheim am Neckar (via K 1679) bzw. in Richtung Lauffen am Neckar (via L 2254), die nächste Autobahn die A 8 an der Anschlussstelle Mundelsheim. Weiterhin existieren Kreis-/Landesstraßen nach Botenheim, Meimsheim, Walheim (über den Ortsteil Hofen), Erligheim, Freudental, Treffentrill und Cleebronn.

Der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) und der Heilbronner Hohenloher Haller Nahverkehr (HNV) betreiben Buslinien, die Bönnigheim mit den umliegenden Städten und Dörfern verbinden. Bönnigheim selbst liegt im Bereich des VVS und wird von diesem mit den Linien 554 nach Untermberg (Bietigheim-Bissingen) über Bietigheim-Bissingen und 574(A) nach Besigheim bedient.

Der nächstgelegene Bahnhof bietet in Kirchheim am Neckar Anschluss an die Frankenbahn Richtung Heilbronn bzw. Stuttgart. Alternativ kann per Busverbindung der Bahnhof in Bietigheim-Bissingen erreicht werden, wo Anschluss an die S-Bahn Stuttgart und die Stadtbahn Karlsruhe (letztere auch über Heilbronn erreichbar) besteht.

Industrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das industrielle Zeitalter kam relativ spät nach Bönnigheim. Erst am 1. November 1854 gründeten Alois Amann (1824–1892) und Immanuel Böhringer (1822–1906) eine Firma für die Fabrikation von gezwirnter und gefärbter Seide in einem Gebäude, das früher ein Knabeninstitut war.[12]

Am 1. Dezember 1854 waren bereits neben einer Zwirnmaschine zwei Wind- und eine Putzmaschine in Betrieb. Die bescheidene Produktion der neuen Firma wurde mit etwas auswärts gekauften Zwirnen vorerst in der Färberei von Rau in Berg gefärbt und anschließend nach Bönnigheim gebracht dort von zwölf Frauen überarbeitet und auf eine Haspel gehaspelt. Die Antriebskraft lieferten zwei Radtreiber, die ein großes Schwungrad beschwerlich drehten. Die Kraft dieser Männer erwies sich jedoch bis 1855 infolge der weiteren aufgestellten Maschinen als unzureichend und ihre menschliche Leistung wurde daher durch ein von zwei Eseln (später zwei Ochsen) getriebenes Göpelwerk ersetzt. Im Jahre 1855 wurde die Schwarzfärberei in eigener Regie betrieben; zusätzliche Maschinen verschiedener Arten wurden gekauft. 1856 kamen vier neue Zwirnmaschinen, sechs weitere Windmaschinen und weitere Spul- und Haspelmaschinen zum Einsatz. Alle Maschinen wurden durch eine Vier-Pferdestärke-Dampfmaschine angetrieben, die die Ochsen ersetzte. Im Jahr 1857 waren zwischen 90 und 100 Arbeiterinnen beschäftigt.[13]

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg (1870–1871) florierte und expandierte die Firma und eine größere Dampfmaschine wurde in Betrieb genommen. Im Jahre des 25-jährigen Jubiläums 1879 galt die Firma Amann und Böhringer als führendes Unternehmen unter den deutschen Nähseidenzwirnereien.[14]

1880 wurde die bedeutende Konkurrenzfabrik Payr und Mayer in Augsburg und deren Tochtergesellschaft in Mossingen aufgekauft und das Führungspersonal nach Bönnigheim versetzt. 1880 zog sich Immanuel Böhringer ins Privatleben zurück und Alois Amann übernahm das Geschäft, bis er von seinen Söhnen, Emil Amann (1862–1935) und Alfred Amann (1863–1942), unterstützt wurde, worauf die Firma Amann und Söhne hieß. Emil unternahm Versuche mit der Herstellung von synthetischen Fasern, kam aber schließlich zu dem Urteil, dass die Naturseide noch durch nichts Gleichwertiges zu ersetzen sei.[15] Es folgte der Erwerb von zwei Fabriken in Oberitalien in Seriate und Telgate. Emil Amann bereiste Deutschland und die fernsten europäischen Staaten um den Absatz der Fabriken zu erweitern, während sein Vater und sein Bruder sich auf die Leitung des Unternehmens konzentrierten.[16]

Eine eigene Couleurfärberei wurde 1884 in Betrieb genommen, da die bisher auswärts eingefärbte Seide immer wieder zu Reklamationen Anlass gegeben hatte.[14] Da kein Fluss durch Bönnigheim fließt, wurde im Werksgelände nach Wasser für den Färbeprozess gebohrt.[15] Alfred Amann legte eine Lehre in Lyon, London und Krefeld ab, bevor er zur Firma zurückkehrte, um den Posten als Technischer Direktor zu bekleiden.[14] Nach dem Tode von Alois Amann 1892 übernahmen die Söhne die Firma und blieben weiterhin in Geschäftspartnerschaft bis 1917, als Emil aus dem Werk ausschied und als Privatier nach Wiesbaden übersiedelte.[14]

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus Bönnigheim berichtet die Bönnigheimer Zeitung, eine Lokalausgabe der Südwest-Presse. Einmal wöchentlich erscheint mit einer Auflage von 7000 Exemplaren das Nachrichtenblättle. Es berichtet aus den Rathäusern von Bönnigheim, Kirchheim und Erligheim.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt ein Alten- und Pflegeheim der kreiseigenen Kleeblatt Pflegeheime.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Alfred-Amann-Gymnasium, der Sophie La Roche-Realschule und der Ganerbenschule, einer Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule, sind alle Segmente des dreigliedrigen Schulsystems in Bönnigheim vertreten. Außerdem gibt es drei städtische, zwei evangelische und einen römisch-katholischen Kindergarten sowie eine städtische Musikschule.

Ver- und Entsorgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stromnetz in der Stadt wird von der EnBW Regional AG betrieben. Die Stadtwerke Bönnigheim versorgen die Stadt mit Wasser und Gas sowie das Baugebiet Schloßfeld mit Fernwärme. Die Abfallentsorgung wird von der Abfallverwertungsgesellschaft des Landkreises Ludwigsburg mbH (AVL) übernommen, einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft des Landkreises Ludwigsburg. Die AVL ist beauftragt, die Aufgaben zur Vermeidung, Verwertung und Beseitigung von Abfällen im Auftrag des Landkreises Ludwigsburg zu erfüllen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonstige mit Bönnigheim verbundene Personen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Baden-Württemberg I. Deutscher Kunstverlag, 1993, S. 90.
  • Josef Kurz, Kurt Sartorius, Werner Holbein, Dieter Gerlinger: Die wechselvolle Geschichte einer Ganerbenstadt – Bönningheim, Hohenstein, Hofen. Stadt Bönnigheim, Bönnigheim 1984.
  • Karl Eduard Paulus: Bönnigheim. In: Beschreibung des Oberamts Besigheim, hrsg. vom Königlichen statistisch-topographischen Bureau. Müller, Stuttgart 1853, S. 137–160.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden Baden-Württembergs 2014 (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2. S. 396–399
  3. WUB Band II, Nr. 457, S. 256–260 WUB online.
  4. Vgl. WUB Band V, Nr. N39, S. 428 WUB online, und WUB Band IV, Nr. 1227, S. 295–296 WUB online.
  5. WUB Band VIII, Nr. 3375, S. 476–477 WUB online.
  6. WUB Band VII, Nr. 2549, S. 410 WUB online.
  7. Karl Friedrich Haug (Hrsg.): Chronici Sindelfingensis quae supersunt e manuscriptis Crusianis et Gabelcoverianis collecta atque digesta. Tübingen 1836, S. 37.
  8. Im Stadtplan von 1832 mit A bis D gekennzeichnet.
  9. Bevölkerungsentwicklung in Baden-Württemberg von 1871 bis 2012
  10. http://www.wahlen.kdrs.de/118010m.htm
  11. Eckart Roloff und Karin Henke-Wendt: Alkohol, Genussmittel und Therapeutikum zugleich. (Museum Arzney-Küche) In: Besuchen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Eine Tour durch Deutschlands Museen für Medizin und Pharmazie. Band 2, Süddeutschland. Verlag S. Hirzel, Stuttgart 2015, S. 33–35, ISBN 978-3-7776-2511-9
  12. Josef Kurz, Kurt Sartorius, Werner Holbein, Dieter Gerlinger: Die wechselvolle Geschichte einer Ganerbenstadt – Bönningheim, Hohenstein, Hofen. Stadt Bönnigheim, Bönnigheim 1984, S. 164–165.
  13. Josef Kurz u. a.: Die wechselvolle Geschichte einer Ganerbenstadt. S. 165
  14. a b c d Jörg Alexander Mann: Die Villa des Fabrikanten Alfred Amann in Bönnigheim: Ein Landhaus im Chalet-Stil als Beispiel der malerischen Architektur in Württemberg an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert (German) Fakultät für Architektur, Institut für Baugeschichte (IFB), University of Karlsruhe. 15. Januar 2007. Abgerufen am 6. Januar 2011.
  15. a b Josef Kurz u. a.: Die wechselvolle Geschichte einer Ganerbenstadt. S. 168
  16. Josef Kurz u. a.: Die wechselvolle Geschichte einer Ganerbenstadt. S. 169
  17. Karl Seeger: Pfarrer Ernst Mayer (1893–1963), der Stadtchronist von Bönnigheim. In: Ganerbenblätter. Nr. 6, 1983, S. 23–28.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bönnigheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien