Baucau (Gemeinde)

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Munisípiu Baukau (tetum)
Município de Baucau (port.)
IndonesienOecusse (Gemeinde)Cova LimaBobonaro (Gemeinde)Ermera (Gemeinde)Liquicá (Gemeinde)Dili (Gemeinde)Aileu (Gemeinde)Ainaro (Gemeinde)ManufahiManatuto (Gemeinde)Baucau (Gemeinde)Lautém (Gemeinde)Viqueque (Gemeinde)Lage der Gemeinde Baucau.
Über dieses Bild
Strand von Osolata, nahe Baucau
Daten
Hauptstadt Baucau
Fläche 1.504,17 km² (4.)[1]
Einwohnerzahl (2015) 123.203 (3.)[1]
Bevölkerungsdichte 81,91 Einw./km² (5.)[1]
Zahl der Haushalte (2015) 22.976 (2.)[1]
ISO 3166-2: TL-BA
Verwaltungsämter Einwohner[1] Fläche[1]
Baguia 12.962 212,18 km²
Baucau 47.294 3699,62 km²
Laga 18.359 194,07 km²
Quelicai 17.450 214,15 km²
Vemasse 9.643 358,47 km²
Venilale 17.495 155,70 km²
Karte
Verwaltungsgliederung von Baucau.

Baucau (tetum Baukau) ist eine Gemeinde von Osttimor an der Nordküste des Landes. Hauptstadt ist die gleichnamige Stadt Baucau.

1936 wurde Baucau von den Portugiesen in São Domingos umbenannt.[2] Doch der Name setzte sich nicht durch und einige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte man zum alten Namen zurück.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortschaften in Baucau

Baucau liegt im Nordosten des Landes an der Straße von Wetar, gegenüber der Insel Wetar. Im Westen grenzt er an die Gemeinde Manatuto, im Süden an die Gemeinde Viqueque und im Osten an die Gemeinde Lautém.

Die Gemeinde hat nach der Gebietsreform 2015 eine Fläche von 1.504,17 km² (davor 1.507,95 km²).[3] Bereits 2003 wurde die Grenze zum damaligen Distrikt Viqueque neu festgelegt. Die Gemeinde Baucau unterteilt sich in die Verwaltungsämter Baguia, Baucau, Laga, Quelicai, Vemasse und Venilale (ehemals Vila Viçosa).

Der größte Teil der Gemeinde liegt auf einer Meereshöhe zwischen 100 und 500 m. Nur direkt an der Küste fällt das Land schnell auf Meereshöhe. Zwischen den größeren Flüssen hebt sich das Land über 500 m zu den Massiven des Monte Mundo Perdido (Gemeinde Viqueque) im mittleren Westen und des Matebian im Südosten, der mit 2316 m der dritthöchste Berg Osttimors ist. Im Westen der Gemeinde münden die Flüsse Laleia und Manuleiden in die Straße von Wetar. Östlich des Ortes Baucau sind es die Flüsse Seiçal, Borauai, Lequinamo, Binagua und weitere kleine Flüsse. Nur der Seiçal führt ganzjährig Wasser, da er aus Viqueque im Süden gespeist wird. Baucau hat auch eine breite Küstenlinie mit Sandstränden, die sich zum Schwimmen und für anderen Wassersport eignen.

Einwohner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl in Baucau
Kinder am Strand von Osolata
Christliches Kreuz auf einem Gipfel

In der Gemeinde Baucau leben 123.203 (2015,[1] 2011: 117.348 Einwohner[4]). Die Bevölkerungsdichte beträgt 81,91 Einwohner pro Quadratkilometer.[1] Der Altersdurchschnitt liegt bei 18,5 Jahren.[3]

Im Verwaltungsamt Baucau hatte 2004 eine Frau durchschnittlich 6,62 Kinder, in Venilale 7,38, in Vemasse 7,61, in Quelicai 7,73, in Laga 8,05 und in Baguia 8,70 (Landesdurchschnitt 6,99). Zwischen 1990 und 2004 wuchs die Zahl der Einwohner jährlich um 1,07 %. Allerdings wandern viele Einwohner in andere Landesteile aus, vor allem in die Landeshauptstadt Dili. Über 12.000 der Einwohner Dilis von 2004 wurden in Baucau geboren. Daher war in den letzten Jahren die Einwohnerzahl zeitweise sogar rückläufig. Die Kindersterblichkeit lag 2002 im Verwaltungsamt Baucau bei 89 Todesfällen pro 1000 Lebendgeburten (1996: 111), in Quelicai bei 108 (141), in Venilale bei 114 (135), in Baguia bei 122 (167), in Laga 136 (155) und in Vemasse bei 147 (139). Der Landesdurchschnitt betrug 98. Vemasse ist damit eines von 14 Verwaltungsämtern, in denen sie, entgegen dem Landestrend, anstieg. Vemasse gehört mit Laga zusammen zu den acht Verwaltungsämtern mit der höchsten Kindersterblichkeit des Landes.[5]

Im Osten und Zentrum Baucaus ist Makasae die am häufigsten gesprochene Sprache. 60,3 % der Bevölkerung Baucaus nannten es in der Volkszählung 2015 als ihre Muttersprache. Im Westen Baucaus sprechen die meisten Einwohner Waimaha (16,7 %). Im Verwaltungsamt Venilale spricht die Bevölkerungsmehrheit Midiki (7,0 %). 13,2 % in der Gemeinde sprechen Tetum als Muttersprache. Außerdem sprechen kleinere Gruppen Naueti (1,2 %), Galoli (0,5 %) und Kairui (0,4 %). Berücksichtigt man auch die Zweitsprachen, so sprachen 2015 85,7 % Tetum, 43,7 % Bahasa Indonesia, 40,9 % Portugiesisch und 20,6 % Englisch.[1]

2004 waren 98,3 % der Einwohner Katholiken, 0,6 % Protestanten, 0,3 % Anhänger der traditionellen, animistischen Religion Timors und 0,2 % Muslime.[6] 2015 wurden in der Volkszählung 98,3 % Katholiken, 1,4 % Protestanten, 0,2 % Muslime und nur noch 36 Animisten registriert.[1] In der Stadt Baucau gibt es eine Moschee und zudem in der Gemeinde einige protestantische Kirchen. Die wenigen chinesischen Familien verfügen zumeist über einen eigenen Hausaltar.

Die meisten Schulen in der Gemeinde werden von der katholischen Kirche betrieben. Von den Einwohnern, die drei Jahre oder älter sind, besuchten 2015 39,7 % eine Schule. 27,7 % hatten die Schule verlassen. Nie eine Schule besucht haben 31,4 %, was 2,5 % über dem Landesdurchschnitt liegt. 6,2 % der Einwohner Baucaus haben nur die Vorschule besucht, knapp ein Drittel nur die Grundschule. Weiterführende Schulen haben ein Viertel der Einwohner abgeschlossen. Ein Diplom oder abgeschlossenes Studium können nur 4,9 % vorweisen; auch hier sind die Zahlen schlechter als im Landesdurchschnitt.[1] Die Analphabetenrate betrug 2015 14,2 % (Frauen: 14,1 %; Männer: 14,3 %).[1] 2004 lag sie noch bei 52,9 %.[5]

Schulbildung[1] Schulabschluss[1]
in der Schule Schule beendet nie in einer Schule Vorschule Grundschule Prä-
Sekundär
Sekundär Diplom/ Fach-
hochschule
Universität Kein Abschluss
Frauen 38,4 % 26,3 % 34,2 % 5,9 % 27,1 % 12,3 % 14,0 % 0,8 % 3,4 % 0,7 %
Männer 41,1 % 29,2 % 28,7 % 6,5 % 31,9 % 11,6 % 13,6 % 1,0 % 4,6 % 0,5 %
gesamt 39,7 % 27,7 % 31,4 % 6,2 % 29,5 % 12,0 % 13,8 % 0,9 % 4,0 % 0,6 %

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Großteil der Gemeinde Baucau war früher Teil des Königreichs von Vemasse oder stand unter dessen Einfluss. Laut mündlichen Überlieferungen waren die Mitglieder der Herrscherfamilie Topasse, die aus Larantuka an der Ostspitze der Insel Flores stammen. Über Oecussi waren sie im 18. Jahrhundert nach Osttimor gekommen, in der Erwartung, die Portugiesen würden hier ihre neue koloniale Hauptstadt auf Timor gründen, nachdem sie 1769 aus Lifau vertrieben worden waren. Im selben Jahre wurde dann aber Dili als neuer Sitz des Gouverneurs gegründet. Immerhin entwickelte sich in Baucau ein Verwaltungssitz für die Region. Ein Jahrhundert später wurde der Führer der Topasse-Familie, der Galoli sprechende Dom Domingos da Costa Freitas (auch „Gali Kai“) von den Portugiesen zum Dato-hei (timoresischer Fürst) von Vemasse gemacht.

Der alte Markt in Baucau wurde 1932 gebaut. 2014 wurde das renovierte Gebäude als Kongresszentrum neu eröffnet.

1859 führte Dom Domingos de Freitas Soares eine kleinere Revolte gegen die Portugiesen, die aber schnell niedergeschlagen wurde. Dom Domingos wurde noch im selben Jahr ins Exil nach Lissabon geschickt. Bereits im Frühjahr 1861 unterstützte Vemasse die Kolonialmacht mit Kämpfern gegen den Aufstand in Laclo. Im Juni 1863 wurde ein Aufstand der Makasae von Laga durch die Portugiesen niedergeschlagen und das Dorf niedergebrannt.[7]

Das Bündnis Vemasses mit den Portugiesen endete endgültig mit der Rebellion von 1867. Im August erhoben sich die Einwohner von Vemasse und belagerten Lalcia. Gouverneur Texeira da Silva beendete die Belagerung und schlug den Aufstand mit Hilfe verbündeter Liurais (timoresische Kleinkönige) nieder. Der Liurai von Vemasse wurde durch seinen Stellvertreter, den Dato-hei, ersetzt, der einen Bündnisschwur ablegte und friedliche Beziehungen zu den Nachbarn versprach. 1869 wurde der Sohn Gali Kais, Dom Francisco da Costa Freitas zum Liurai von Baucau ernannt, während sein Schwiegersohn, Tomas de Costa Soares, Dato-hei von Letemumo wurde.[7]

Auch Buibau und Venilale waren traditionelle Reiche Timors, die von einem Liurai regiert wurden. Sie erscheinen auf einer Liste von Afonso de Castro, einem ehemaligen Gouverneur von Portugiesisch-Timor, der im Jahre 1868 47 Reiche aufführte.[8][9]

1882 kam es zu Kämpfen zwischen Vemasse und Laleia, wofür der Kommandant der Militärkommandantur verantwortlich gemacht wurde.[7] Im April 1896 schloss der Liurai von Buibau mit Portugal einen schriftlichen Vertrag über seinen Vasallenstatus.

Schule von Venilale aus dem Jahr 1933

Enge Beziehungen herrschten mit der von den Niederlanden dominierten Insel Kisar. Regelmäßig besuchte man sich, Handel mit Gold und Wasserbüffeln wurde getrieben und der Raja von Vonreli auf Kisar zahlte einen Tribut an den Liurai von Vemasse. Erst Ende des 19. Jahrhunderts unterband der portugiesische Gouverneur Timors José Celestino da Silva (1894–1908) jeden Kontakt, da sich der Raja weigerte, vom Protestantismus zum katholischen Glauben überzutreten. Doch bereits 15 Jahre später wurden die Kontakte erneuert, als der Raja von Kisar mit einer Flotte von 20 kleinen Schiffen am Strand von Baucau anlegte.

1903 und 1912 scheiterten Aufstände Quelicais gegen die portugiesischen Kolonialherren. 1912 brach in Baucau ein Aufstand gegen die portugiesischen Kolonialherren aus, der aber schnell niedergeschlagen wurde. Dabei sollen 2.000 Menschen ums Leben gekommen sein.[7]

In der Gemeinde Venilale erinnern Tunnel der Japaner an der Straße nach Baucau, die so genannten sieben Höhlen (Gua Tuju), an die Besetzung während des Zweiten Weltkrieges. Der Administrator des damals Kreis São Domingos genannten Baucau, Leutnant Manuel Jesus Pires, floh nach Australien und kehrte mit Kampfkommandos der Alliierten zurück, um in der Schlacht um Timor gegen die Japaner zu kämpfen.[10]

Verlauf der indonesischen Invasion (1975–1979)

Nach der Unabhängigkeitserklärung Osttimors 1975 begann Indonesien das Land zu besetzen. Am 9. Dezember 1975 besetzten die Indonesier Baucau und drangen von dort aus weiter nach Süden und in Richtung Laga und Quelicai vor.[11] Bis Oktober 1976 wurden die Küste Baucaus, die Orte Baucau und Quelicai und die Straße von Baucau nach Viqueque besetzt. Bases de apoio entstanden in Baguia und am Matebian, in denen die geflohene Zivilbevölkerung von der Widerstandsbewegung FALINTIL angesiedelt wurde. Ab September 1978 begann die indonesische Armee mit der Zerstörung der Basen und der Besetzung der letzten Widerstandsgebiete in Viqueque und Baucau. Mit der Basis am Matebian fiel die letzte am 22. November. Die Menschen wurden auseinandergetrieben oder gefangengenommen. Bis März 1979 waren die damaligen Distrikte vollständig unter indonesischer Kontrolle.[12]

In den 1980er Jahren wurde Quelicai von der indonesischen Armee im Kampf gegen die FALINTIL bombardiert und mehrfach durchkämmt, was zu Toten unter den Einwohnern führte. Am 29. Mai 1997 fanden Wahlen statt, bei denen Vertreter Osttimors für das indonesische Parlament gewählt werden sollten. Im Umfeld kam es landesweit zu mehreren Attacken auf die indonesische Besatzungsmacht und ihre Unterstützer. In Baucau wurden am 28. Mai der ehemalige Chef des Distriktsparlaments, Miguel Baptismo da Silva (1987–1992), und seine Frau ermordet. In Seiçal fand die Abstimmung mit einem Tag Verspätung am 30. Mai statt, weil das Wahllokal von Unbekannten angegriffen worden war. Dabei wurde Abinau Salay, ein Wahlhelfer und Mitglied einer Wanra, mit einer Machete verletzt. In Folge wurden zehn Personen verhaftet.[13] Am 31. Mai geriet ein indonesischer Sicherheitskonvoi in Quelicai in einen Hinterhalt. 18 indonesische Polizisten und Soldaten wurden getötet. In der Militäraktion, die darauf folgte, wurden 114 Einwohner verhaftet.

Im November 2005 starben zwei timoresische Polizisten durch eine Bombe, die in Vemasse auf ihr Fahrzeug geworfen wurde.

Nach den Parlamentswahlen 2007 kam es unter anderem in Baucau, Quelicai und Venilale während des Wahlkampfs und nach der Bekanntgabe des Ergebnisses zu gewaltsamen Ausschreitungen. Über 1.500 Menschen flohen alleine im damaligen Distrikt Baucau aus ihren Häusern. Besonders großes Aufsehen erregten ein Überfall auf ein Waisenhaus in Baguia und die Vergewaltigung von mehreren Mädchen dort.[14][15]

2014 wurden die Distrikte in ganz Osttimor in „Gemeinden“ und die Subdistrikte in „Verwaltungsämter“ umgewandelt.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwaltungssitz der Gemeinde Baucau
Administrador Konsellu Flag of Portugal.svg (sofern bekannt)
Armando Eduardo Pinto Correia 1928–1934
Manuel Jesus Pires bis 1942
Clementino dos Reis Amaral bis 1975
Regierungspräsident (Bupati)  Flag of Indonesia.svg[16]
Abel da Costa Belo (APODETI) 1976–1982
Oberst I. Gusti Ngurah O. (Militär) 1982–1987
Herman Sediono (Militär) 1988–1992
Virgílio Maria Dias Marçal (UDT) 1992–1999
Administrador Flag of East Timor.svg
Mário Nicolau dos Reis 2000–2002
Luís Aparicio Guterres 2002–Sept. 2008
António Augusto Guterres seit Sept. 2008
Stärkste Partei in den einzelnen Distrikten bei den Parlamentswahlen 2017

In der portugiesischen Kolonialzeit hatte zuletzt der spätere KOTA-Politiker Clementino dos Reis Amaral das Amt des Administrators von Baucau inne.[17] Weitere koloniale Administratoren waren Armando Eduardo Pinto Correia (1928–1934) und Manuel Jesus Pires (bis 1942).

Nach der Annexion Osttimors durch Indonesien blieb Clementino dos Reis Amaral Stellvertreter von Regierungspräsident (Bupati) Abel da Costa Belo (APODETI),[18] der von Mai 1976 bis 1982 im Amt blieb. Ihm folgten bis 1987 Oberst I. Gusti Ngurah O. und bis 1992 Herman Sediono vom indonesischen Militär. Letzter Bupati war von 1992 bis 1999 Virgílio Maria Dias Marçal (UDT). Insgeheim versteckte Marçal Anführer des osttimoresischen Widerstands.[19][16]

Der Administrator wird heute von der Landesregierung in Dili ernannt. Von 2000[20] bis 2002 war dies Mário Nicolau dos Reis.[21] Ihm folgte Luís Aparicio Guterres von der FRETILIN, der nach deren Wahlniederlage im September 2008 vom heute (Stand: 2014) amtierenden Administrator António Augusto Guterres abgelöst wurde.[22]

Stärkste Partei in der Gemeinde ist die FRETILIN. Ihr Zentrum hat in Baucau außerdem die UNDERTIM, die immer wieder in Konflikt mit der FRETILIN geriet. Bei den Wahlen zur verfassunggebenden Versammlung, aus der später das Nationalparlament hervorging, gewann die FRETILIN in Baucau 81,98 % der Stimmen. Auch das damalige Direktmandat ging an den Kandidaten der FRETILIN.[23] Bei den Parlamentswahlen 2007 erhielt die FRETILIN mit 60,66 % erneut die meisten Stimmen.[24] Bei den Parlamentswahlen 2012 erhielt sie noch immer die absolute Mehrheit mit 51,38 %. Zweite wurde die Regierungspartei Congresso Nacional da Reconstrução Timorense (CNRT) mit 23,05 %, dritte die Partei UNDERTIM mit 5,46 %, die aber an der landesweiten Dreiprozenthürde scheiterte. 2017 wurde die FRETILIN mit 42,2 % wieder stärkste Kraft. Zweiter wurde die neue Partidu Libertasaun Popular (PLP) von Taur Matan Ruak, der aus der Gemeinde Baucau stammt. Der CNRT erhielt nur noch 9,9 %. Die KHUNTO bekam in Baucau 6,3 % der Wählerstimmen.

Bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen 2007 konnte Francisco Guterres von der FRETILIN in Baucau 62,99 % der Stimmen auf sich vereinen, während der unabhängige Kandidat und spätere Wahlsieger José Ramos-Horta 26,99 % erhielt.[25] Bei der Stichwahl erhielt Guterres in Baucau 66,52 %. 2012 erhielt Guterres in Baucau 48,74 %, der aus Baguia stammende unabhängige Kandidat Taur Matan Ruak 42,21 %.[26] In der zweiten Runde bekam Guterres 52,07 %, Wahlsieger wurde aber Taur Matan Ruak.[27] Bei den Präsidentschaftswahlen 2017 holte in Baucau der landesweite Sieger Francisco Guterres von der FRETILIN die meisten Stimmen.

Symbole[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommission für Recht & Frieden der Diözese Baucau (2002)

Die Gemeinden Osttimors haben keine gesetzlichen Symbole. Allerdings erklärt das Profil von Baucau von 2012 der Direksaun Nacional Administrasaun Local, dass während der indonesischen Besatzungszeit die Jackfrucht (Kulu Gisa) das Symbol Baucaus gewesen sei. Im unabhängigen Osttimor wurde das Heilige Haus (Uma Lulik) in Baucau zum Sinnbild der heutigen Gemeinde.[28] Die Kommission für Recht & Frieden der Diözese Baucau verwendet eine rote Taube auf weißem Grund, die eine Kaibauk im Schnabel trägt.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reisabaugebiete in Baucau
Reisfelder in Baucau
Straßennetz und Topographie Baucaus
Möbelmacher in Baucau

Baucau ist für die Nahrungsmittelproduktion Osttimors bedeutend, da die Gemeinde landwirtschaftlich besonders gut entwickelt ist. 66,2 % der Haushalte betreiben Ackerbau, 86,3 % Viehzucht (Stand: 2010).[3] Laut der Volkszählung von 2010 arbeiten 41 % aller Einwohner, die zehn Jahre oder älter sind (Landesdurchschnitt: 42 %). 4 % sind arbeitslos (5 %).[29] 58 % der Haushalte in der Gemeinde baut Mais an (Produktion 2008: 4.346 t), 51 % Kokosnüsse, 51 % Maniok (2.360 t), 44 % Reis (10.142 t), 40 % Gemüse und 16 % Kaffee. Daneben liefert Baucau Bohnen, Erdnüsse, Lichtnüsse, Süßkartoffeln, Kopra und Kukui (insgesamt 2.017 t).[29][30] Ein Problem sind regelmäßige Überflutungen in der Regenzeit, die die Felder zerstören. In Baucau, Quelicai und Laga kam es deswegen 2007 zu einer Nahrungsmittelknappheit.

Der Westen Baucaus ist mit seinem Plateau im Gegensatz dazu eine der trockensten Regionen Timors.[31] Zwar gibt es entlang der Nordküste nach Westen hin noch geringere Mengen an Niederschlägen,[32] doch fehlen hier ganzjährig wasserführende Flüsse aus dem Süden, wie den Seiçal in Ostbaucau. Dies führt vor allem in der langen Trockenzeit zu Problemen bei der Nahrungsmittelversorgung. Zwischen aus dem Boden ragenden Kalksteinfelsen ist nur Platz für kleine Parzellen, auf denen Mais, Erdnüsse, Tabak, Sago, Yams, Süßkartoffeln, Tomaten, Pfeffer und Wassermelone wachsen. Das sogenannte Siam weed (Chromolaena odorata) reduziert als aggressives Unkraut die Anbauflächen noch weiter. Zusätzliche Probleme verursacht die Bodenerosion.[33]

An der Küste wird Fischerei in kleinem Maßstab betrieben. Daneben werden Büffel (14.566 von 14 % der Haushalte), die auch beim Reisanbau als Arbeitstiere verwendet werden, Hühner (84.482, 77 %), Schweine (35.490, 77 %), Schafe (25.831, 18 %; 62 % aller Schafe in Osttimor) und Ziegen (25.831, 30 %) gehalten. Rinder (6.165, 7 %) spielen hier eine relativ geringe Rolle. Im Hochland werden Pferde (12.040, 25 %) als Nutztiere gezüchtet.[29] Mangelnde Transportwege und fehlende Energieversorgung hemmen die Entwicklung kleiner Betriebe, die in den letzten Jahren entstanden.

In Triloca (Verwaltungsamt Baucau) wurde ein Testgelände errichtet, in dem neue Pflanzensorten getestet und landwirtschaftliche Methoden den Einheimischen beigebracht werden. Zudem gibt es dort eine Seidenraupenzucht und eine Baumschule für Obstbäume.

In den Verwaltungsämtern Vemasse und am Matebian finden sich Manganvorkommen. In kleinen Mengen gibt es Gold, Silber und Kupfer in Vemasse und Phosphat in Quelicai. Von Laga bis nach Lautém gibt es Erde, die zur Farbgewinnung verwendet werden kann. Nahe dem Ort Laga gibt es einen Salzsee mit einer Fläche von 150.000 m².

In der Nähe der Stadt Baucau liegt der Flughafen Baucau (IATA code: BCH), der einzige Flughafen Osttimors, auf dem größere Maschinen als die Boeing 737 landen können. Er wird in erster Linie für militärische und Versorgungsflüge genutzt. Reguläre, zivile Flugverbindungen nach Baucau sind zurzeit nicht im internationalen Buchungssystem der Fluggesellschaften vermerkt.

Seit November 2008 versorgt das erste Wasserkraftwerk Osttimors in Gariuai über eine Überlandleitung die Stadt Baucau mit Elektrizität. Es wurde mit norwegischer Hilfe vier Kilometer vom Ort entfernt errichtet. Die jährliche Leistung beträgt 1,5 GWh.[34]

In der Gemeinde gibt es zwei kommunale Radiosender. Aus dem Ort Baucau sendet Lian Matebean (FM 99,9 MHz) und aus Bucoli Radio Popular Colelemai Bucoli (FM 102,5 MHz).[35] Der FRETILIN-Sender Radio Maubere ist auf FM 96,0 MHz zu empfangen.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wasser holen in Venilale

In Buruma befindet sich eines der größten Gefängnisse des Landes.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Baucau (Gemeinde) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m n Direcção-Geral de Estatística: Ergebnisse der Volkszählung von 2015, abgerufen am 23. November 2016.
  2. Boletim Oficial, XXXVII Ano - Numero 21, Govêrno Colonial, Diploma Legislativo N°85, 27. Mai 1936.
  3. a b c Direcção Nacional de Estatística: 2010 Census Wall Chart (English) (PDF; 2,7 MB)
  4. Direcção Nacional de Estatística: Timor-Leste in figures 2011 (PDF; 3,8 MB), abgerufen am 5. Mai 2013
  5. a b Census of Population and Housing Atlas 2004 (Memento vom 13. November 2012 im Internet Archive) (PDF; 14,0 MB)
  6. District Pritory Tables: Baucau 2004 (PDF; 15,0 MB)
  7. a b c d History of Timor – Technische Universität Lissabon (PDF; 824 kB)
  8. TIMOR LORO SAE, Um pouco de história
  9. East Timor - PORTUGUESE DEPENDENCY OF EAST TIMOR (Memento vom 21. Februar 2004 im Internet Archive)
  10. Timor Tourism: Manuel Jesus Pires Monument, abgerufen am 25. November 2015.
  11. Estêvão Cabral: Life and death in the mountains of Timor-Leste: the case of Ponta Leste, abgerufen am 25. November 2016.
  12. „Chapter 7.3 Forced Displacement and Famine“ (PDF; 1,3 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch).
  13. (INDONESIA-L) HRW/ASIA - East Timor Guerrilla Attacks : East Timor Guerrilla Attacks vom 4. Juni 1997 (Memento vom 19. September 2006 im Internet Archive)
  14. UCAN:, 15. August 2007, Convent girls raped, church property destroyed as new PM takes office
  15. Internal Displacement Monitoring Centre (PDF; 464 kB)
  16. a b „Part 4: Regime of Occupation“ (PDF) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
  17. Political Parties and groupings of Timor-Leste, Mai 2007 (Memento vom 31. August 2007 im Internet Archive) (Englisch; PDF; 996 kB)
  18. Pemerintahan baru Provinsi Timor Timur (Saat berintegrasi dengan Indonesia)/The new government of East Timor (When integrated with Indonesia), 24. Januar 2013, abgerufen am 26. April 2016.
  19. Francisco da Costa Guterres, MA : Elites and Prospects of Democracy in East Timor, Department of International Business and Asian Studies, Griffith Business School, Griffith University, Januar 2006, abgerufen am 2. März 2014
  20. ON THE APPOINTMENT OF EAST TIMORESE DISTRICT ADMINISTRATORS AND DEPUTY DISTRICT ADMINISTRATORS – 26 September 2000. Abgerufen am 27. Dezember 2015 (PDF).
  21. Baucau District Administrator: The DA Is Just A Robot. Abgerufen am 7. Januar 2015.
  22. Descentralização Administrativa na República Democrática de Timor-Leste: Baucau, abgerufen am 7. Februar 2014
  23. Lurdes Silva-Carneiro de Sousa: Some Facts and Comments on the East Timor 2001 Constituent Assembly Election (Memento vom 16. Oktober 2013 im Internet Archive) (RTF; 199 kB), Lusotopie 2001: S. 299–311.
  24. CNE - official results on 9th July 2007 (Memento vom 27. September 2007 im Internet Archive) (PDF-Datei; 118 kB)
  25. Endergebnis der ersten Runde, aufgeschlüsselt auf die einzelnen Distrikte (PDF)
  26. STAE: Rezultadu Provizorio Eleisaun Prezedensial 2012 (nicht mehr abrufbar)
  27. STAE: Rezultadu Provisorio Total Huosi 13 Distritu. Archiviert vom Original am 13. Januar 2013; abgerufen am 4. Januar 2016.
  28. Profil des Distrikts Baucau 2012: 2.2. 2.1.3 Simbolo do Distrito, S. 5.
  29. a b c Direcção Nacional de Estatística: Suco Report Volume 4 (englisch) (Memento vom 9. April 2015 im Internet Archive) (PDF; 9,8 MB)
  30. Direcção Nacional de Estatística: Timor-Leste in Figures 2008 (PDF; 3,7 MB)
  31. Research School of Pacific and Asian Studies: The Waimaha language of East Timor (Memento vom 9. Juni 2012 im Internet Archive), Australian National University.
  32. Seeds of Life Timor: Rainfall Map of East Timor 2000-2050 (PDF; 1,0 MB)
  33. John Bowden und Tatiana Romanovsky: Assessing the degree of language endangerment using Rapid Rural Appraisal techniques (PDF-Datei; 161 kB)
  34. Elctricsprings: Gariuai (Memento vom 10. Januar 2011 im Internet Archive)
  35. ARKTL – Asosiasaun Radio Komunidade Timor-Leste (englisch)

Koordinaten: 8° S, 126° O