Liquiçá (Gemeinde)

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Munisípiu Likisá (tetum)
Município de Liquiçá (port.)
Indonesien Oecusse (Gemeinde) Cova Lima Bobonaro (Gemeinde) Ermera (Gemeinde) Liquicá (Gemeinde) Dili (Gemeinde) Aileu (Gemeinde) Ainaro (Gemeinde) Manufahi Manatuto (Gemeinde) Baucau (Gemeinde) Lautém (Gemeinde) Viqueque (Gemeinde)Lage der Gemeinde Liquiçá
Über dieses Bild
Strand von Dato, Liquiçá
Daten
Hauptstadt Vila de Liquiçá
Fläche 559,92 km² (12.)[1]
Einwohnerzahl (2015) 71.927 (6.)[1]
Bevölkerungsdichte 128,46 Einw./km² (3.)[1]
Zahl der Haushalte (2015) 11.885 (9.)[1]
ISO 3166-2: TL-LI
Verwaltungsämter Einwohner[1] Fläche[1]
Bazartete 27.879 197,02 km²
Liquiçá 22.128 93,91 km²
Maubara 21.920 268,99 km²
Karte
Übersichtskarte der Gemeinde Liquiçá

Liquiçá (tetum Likisá; auch Liquisa) ist eine Gemeinde von Osttimor.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fazenda Algarve der Familie Carrascalão

Die Gemeinde Liquiçá hat seit der Gebietsreform 2015 eine Fläche von 559,92 km²[1] (davor 550,95 km²).[2] Hauptstadt der Gemeinde ist Vila de Liquiçá, die ihr Zentrum im Suco Maumeta hat, sich aber darüber hinausdehnt. Sie hat insgesamt 5.152 Einwohner.[3]

Liquiçá liegt im Nordwesten von Osttimor an der Sawusee. In Sichtweite befindet sich die indonesische Insel Alor. Liquiçá grenzt im Osten an die Gemeinde Dili, im Südosten an Aileu, im Süden an Ermera und im Westen an Bobonaro. Liquiçá teilt sich in die drei Verwaltungsämter Bazartete, Liquiçá und Maubara, die sich wiederum in 23 Sucos aufteilen.

In der Mitte der Gemeinde steigt das Land auf über 1000 m, fällt aber wieder zum Ufer des Flusses Lóis, der die Grenze zu Bobonaro bildet. In ihn fließt der Lauveli, der die Grenze zu Ermeras Verwaltungsämtern Hatulia und Ermera darstellt. Höchster Punkt der Gemeinde ist der Foho Cutulau (Foho Kutulau) in Bazartete mit 1410 m.[4] Der nahegelegene Berg Fatumasin (1369 m) und seine Umgebung sind ein Naturreservat und eine Important Bird Area. Hier befindet sich auch eines der drei wichtigsten Schutzgebiete für Orchideen. In der Gemeinde liegt auch der Maubarasee mit seinen Trockenwäldern. Am Bubble Beach im Suco Lauhata entweichen vulkanische Gase aus dem Meeresgrund.

Den Großteil des Jahres ist das Klima in Liquiçá heiß mit hoher Luftfeuchtigkeit, allerdings wenig Niederschlägen. Nur in der Regenzeit fällt Regen zwischen November und April. Die meisten Flüsse führen nur in dieser Zeit Wasser, dann aber tragen sie reißend Felsen und Erde mit. Der einzige Fluss, der in Liquiçá das ganze Jahr über Wasser führt, ist der Lóis, der vom Süden her gespeist wird. Die relativ trockenen Küstenebenen haben jährliche Niederschlagsmengen von 970 bis 990 mm, in den Bergen bei Fazenda, Olivea und Algarve (Verwaltungsamt Liquiçá) werden 2143 bis 2496 mm pro Jahr erreicht. In den niedrig gelegenen Gebieten fällt der Regen oft während Stürmen kurz, aber heftig, was zu Erosion und Überschwemmungen im Tiefland führt. In Maumeta misst man ein Temperaturmaximum von 32,5 °C im November und als niedrigste Temperatur 22,4 °C im Juli.[5]

Einwohner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl in Liquiçá
Die größten Sprachgruppen in den Sucos Osttimors.[6]
Frauen in traditioneller Tracht

In Liquiçá leben 71.927 Einwohner (2015,[1] 2011: 66.613 Einwohner[7]). Die Bevölkerungsdichte beträgt 128,46 Einwohner pro Quadratkilometer.[1] Die Verwaltungsämter Bazartete und Liquiçá sind dichter besiedelt als Maubara. Der Altersdurchschnitt liegt bei 18,6 Jahren.[2] In Maubara hatte 2004 eine Frau durchschnittlich 6,63, in Bazartete 8,45 und in Liquiçá 9,04 Kinder (Landesdurchschnitt 6,99). Zwischen 1990 und 2004 wuchs die Zahl der Einwohner jährlich um 1,55 %. Die Kindersterblichkeit lag 2002 in Bazartete bei 69 Todesfällen pro 1000 Lebendgeburten (1996: 103), in Maubara bei 94 (114) und in Liquiçá bei 104 (96). Liquiçá ist damit einer von 14 Verwaltungsämtern, in denen sie, entgegen den Landestrend anstieg. Der Landesdurchschnitt betrug 98.[8]

Mehrere Nationalsprachen werden in der Gemeinde als Muttersprache gesprochen. 64,0 % sprechen Tokodede (größte Volksgruppe in den Verwaltungsämtern Liquiçá und Maubara); 18,3 % sprechen Mambai; 16,4 % sprechen Tetum, meist Tetum Prasa (Verwaltungsamt Bazartete). 0,4 % sprechen Kemak und 0,2 % Bunak. Berücksichtigt man auch die Zweitsprachen, so sprachen 2015 94,5 % Tetum, 36,6 % Bahasa Indonesia, 31,1 % Portugiesisch und 13,8 % Englisch.[1]

2004 waren 95,1 % der Einwohner Katholiken, 2,5 % Protestanten, 1,8 % Anhänger der traditionellen, animistischen Religion Timors und je 0,1 % Muslime und Buddhisten.[9] Bei der Volkszählung 2015 registrierte man 96,96 % Katholiken, 2,41 % Protestanten, 0,29 % Animisten, 0,15 % Muslime und 38 Buddhisten.[1]

Von den Einwohnern, die drei Jahre oder älter sind, besuchten 2015 34,4 % eine Schule. 29,0 % hatten die Schule verlassen. Nie eine Schule besucht haben 35,2 %, was 6 % über den Landesdurchschnitt liegt. 3,3 % der Einwohner Liquiçás haben nur die Vorschule besucht, knapp ein Drittel nur die Grundschule. Weiterführende Schulen haben knapp ein Viertel der Einwohner abgeschlossen. Ein Diplom oder abgeschlossenes Studium können 3,5 % vorweisen, was der Hälfte des Landesdurchschnitts entspricht.[1] Die Analphabetenrate betrug 2015 23,0 % (Frauen: 24,1 %; Männer: 21,9 %).[1] 2004 lag sie noch bei 61,9 %.[8]

Schulbildung[1] Schulabschluss[1]
in der Schule Schule beendet nie in einer Schule Vorschule Grundschule Prä-
Sekundär
Sekundär Diplom/ Fach-
hochschule
Universität Kein Abschluss
Frauen 33,1 % 26,4 % 39,0 % 3,2 % 28,8 % 11,2 % 12,1 % 0,4 % 2,2 % 0,8 %
Männer 35,7 % 31,4 % 31,4 % 3,4 % 33,5 % 11,6 % 12,9 % 0,6 % 3,7 % 0,6 %
gesamt 34,4 % 29,0 % 35,2 % 3,3 % 31,1 % 11,4 % 12,5 % 0,5 % 3,0 % 0,7 %

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorzeit und Kolonialzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liquiçá als Lichsana auf der Karte von Antonio Pigafetta von 1521

Liquiçá, Maubara und Ulmera (Bazartete) waren traditionelle, timoresische Reiche, die von einem Liurai regiert wurden. Die Reiche erscheinen auf einer Liste von Afonso de Castro, einem ehemaligen Gouverneur von Portugiesisch-Timor, der im Jahre 1868 47 Reiche aufführte.[10][11] Zusammen mit Luca herrschte Liquiçá nach europäischen Quellen im 16. Jahrhundert über den Osten Timors. Hier wird Liquiçá als Likusaen bezeichnet. Der Name leitet sich von der alten Bezeichnung „Liku Saen“ ab, der „Python“ bedeutet.[12] Likusaen hatte sein Zentrum im Gebiet der Tokodede und der ihnen sprachlich nahen Kemak[13] und hatte auch Einfluss auf die südlich von ihnen lebenden Bunak.[14]

Fort Maubara
Ehemaliger Sitz des portugiesischen Distriktsadministrators Liquiçás in Dato

Während der Kolonialisierung Timors wurde das Gebiet des heutigen Verwaltungsamts Maubara 1667 von den Niederlanden besetzt. 1756 bauten die Holländer hier eine Festung. Im Vertrag von Lissabon vereinbarten die Niederländer 1859 im Rahmen eines größeren Gebietsaustauschs Maubara an die Portugiesen abzutreten. Die Übergabe erfolgte im April 1861.

Während der Rebellionen in Portugiesisch-Timor zwischen 1860 und 1912 war der Liurai von Liquiçá ein loyaler Verbündeter der portugiesischen Kolonialherren, der mehrmals Truppen zur Niederschlagung der Rebellionen zur Verfügung stellte.[15]

Im Frühjahr 1861 brach gegen die Zwangsarbeit an öffentlichen Projekten in Ulmera eine der Revolten von 1861 gegen die portugiesische Kolonialherrschaft aus. Gouverneur Afonso de Castro schlug sie noch im September desselben Jahres nieder.[15]

1863 kam es in Fatumasi zum Aufstand. Bei der Niederschlagung wurden die Portugiesen hier durch den Herrscher von Ermera unterstützt. 1893 revoltierte Maubara, zusammen mit Atabae, gegen die Ausweitung der militärischen und administrativen Kontrolle Portugals. Nach Ausbruch der Cholera musste der Liurai aber im November offiziell einen schriftlichen Vertrag mit Portugal über den Vasallenstatus Maubaras unterzeichnen.[15]

Ai Pelo: Ein portugiesisches Gefängnis aus dem 19. Jahrhundert im Verwaltungsamt Bazartete

Während des Zweiten Weltkriegs wurde Portugiesisch-Timor von den Japanern besetzt (siehe Schlacht um Timor). In Liquiçá und Maubara wurde ab Ende Oktober 1942 die gesamte verbliebene portugiesischstämmige Bevölkerung in Lagern interniert.[15] Nach der Kapitulation übernahmen die Portugiesen wieder die Kontrolle über ihre Kolonie.

Indonesische Besatzung und UN-Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verlauf der indonesischen Invasion (1975–1979)
Sitz der Gemeindeverwaltung (2016)

Erst nach der Nelkenrevolution 1974 sollte Osttimor auf die Unabhängigkeit vorbereitet werden. Als Indonesien aber begann die grenznahen Regionen zu besetzen, rief die FRETILIN einseitig die Unabhängigkeit aus, um internationale Unterstützung zu bekommen. Diese blieb allerdings aus. Neun Tage nach der Unabhängigkeitserklärung, begann Indonesien mit der Invasion in die restlichen Gebiete Osttimors. Beim Ponta Tibar in Bazartete landeten am 7. Dezember schwere Landungsboote, der Ort Liquiçá wurde am 25. Dezember eingenommen. Nahe Maubara verübten indonesische Soldaten Massaker an der Zivilbevölkerung. Bis Oktober 1976 befand sich fast die gesamte nördliche Küste Liquiçás unter indonesischer Kontrolle. Große Teile der Bevölkerung flohen vor den Invasoren. Im heutigen Verwaltungsamt Maubara entstand die Widerstandsbasis (base de apoio) Malehui, in der die geflohene Zivilbevölkerung von der Widerstandsbewegung FALINTIL angesiedelt wurde. Andere Einwohner flohen in die Nachbarregionen und bis nach Manufahi. Ab September 1977 begann die indonesische Armee mit der Zerstörung der Basen und der Besetzung der letzten Widerstandsgebiete in Liquiçá. Die Menschen wurden auseinandergetrieben oder gefangengenommen. Bis Februar 1978 war Liquiçá vollständig in indonesischer Hand. Zwischen Oktober 1977 und Mai 1978 sank die Bevölkerungszahl in Liquiçá nach Angaben der indonesischen Polizei von 49.798 auf 5.234. Eine offizielle Erklärung für den Bevölkerungsverlust in so kurzer Zeit bieten die Statistiken nicht.[16]

Am 29. Mai 1997 fanden Wahlen statt, bei denen Vertreter Osttimors für das indonesische Parlament gewählt werden sollten. Im Umfeld kam es landesweit zu mehreren Attacken auf die indonesische Besatzungsmacht und ihre Unterstützer. In Açumanu wurde eine Handgranate in das Wahllokal geworfen. Ein Soldat wurde verwundet.[17]

Der damalige Distrikt war bereits ab Januar 1999 während der Unruhen vor und nach dem Unabhängigkeitsreferendum Schauplatz von Einschüchterungen, Vergewaltigungen und Mord durch pro-indonesische Milizen. So überfiel die Miliz Besi Merah Putih (BMP) am 19. Januar den Ort Maubara, aus dem viele Einwohner flohen. Am 5. April wurde die Hauptstadt Vila de Liquiçá von der BMP angegriffen. Mindestens sieben Menschen starben, 150 Häuser wurden niedergebrannt, mehr als tausend Menschen suchten Schutz in der Hauptkirche und dem angrenzenden Pfarrheim, wo sie am Tag darauf von den Milizen Besi Merah Putih und Aitarak unter Beteiligung von indonesischer Polizei und Soldaten umzingelt wurden. Bei dem folgenden Kirchenmassaker von Liquiçá starben je nach Quelle zwischen 61 und 200 Menschen.[16] Am 4. Juli 1999 griff die pro-indonesische Miliz Besi Merah Putih (BMP) einen Hilfskonvoi in Liquiçá an, der von Mitarbeitern von UNAMET und dem UNHCR begleitet wurde. Von den 77 Personen im Konvoi wurden mehrere einheimische Mitarbeiter schwer verletzt und die Fahrzeuge mit Stangen und Steinen zerstört. 62 Mitglieder des Konvois retteten sich in die Polizeistation. Später konnten sie nach Dili zurückkehren. Indonesische Polizisten und Mitglieder des Geheimdienstes, die anwesend waren, griffen nicht ein. Im Gegenteil. Eine Woche nach dem Vorfall begann die indonesische Polizei mit Ermittlungen gegen einen UN-Mitarbeiter wegen angeblichen Waffenbesitz.[16][18] Am 16. Juli folgte ein Angriff der BMP auf das Lager in Faulara und am 18. Juli auf Vila de Liquiçá, worauf erneut Menschen in die Berge flohen. Lissadila, Vatuvou und Maubaralissa wurden zu Geisterstädten. 6.000 Menschen flohen nach Sare (Gemeinde Ermera), andere nach Dili und Liquiçá. Bis zu 5.100 Flüchtlinge versammelten sich in Faulara (Suco Leotala), einem Umsiedlungslager, das seit 1996 bestand und ursprünglich 1.600 Einwohner hatte. Insgesamt schätzt man, dass vor dem Referendum aus der Region Liquiçá 18.000 Menschen flohen. Ende Juli kehrten etwa 9.000 Flüchtlinge aus Liquiçá trotz der weiter angespannten Sicherheitslage in ihre Heimatorte zurück, um am Referendum teilnehmen zu können oder ließ sich in Dili registrieren. Der Tag der Abstimmung am 30. August verlief ruhig, doch nach der Verkündigung des Ergebnisses am 4. September, in dem sich die Bevölkerung klar für die Unabhängigkeit von Indonesien aussprach, brach noch einmal eine Gewaltwelle los. In Fatumasi (Bazartete) wurden 70 bis 80 % der Gebäude zerstört. Auch in der Stadt Liquiçá wurden die meisten Gebäude beschädigt. Insgesamt wurde schätzungsweise ein Drittel der Bevölkerung des damaligen Distrikts nach Atapupu (Westtimor) deportiert oder floh in die umliegenden Hügel. Am 20. September begannen sich schließlich die Milizen und die indonesischen Einheiten aus Liquiçá zurückzuziehen. Am 28. September 1999 erreichten die ersten Einheiten der internationalen Friedenstruppe INTERFET den Distrikt und sorgten wieder für Ruhe und Ordnung. Ab dem 4. Oktober begannen die Vereinten Nationen in der nahezu verlassenen Region eine Verwaltung unter der UNTAET aufzubauen. Am 13. Oktober wurde zur Sicherung eine australische Infanteriekompanie in der menschenleeren Stadt Liquiçá stationiert. Erst nach und nach kehrten die Einwohner zurück.[16] 2002 erhielt Osttimor endgültig seine Unabhängigkeit.

Liquiçá im unabhängigen Osttimor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maisanbau in Liquiçá

Am 24. Mai kam es bei Tibar während der Unruhen in Osttimor 2006 zu Gefechten zwischen Mitgliedern der Verteidigungskräfte Osttimors und meuternden Soldaten.

300 Familien wurden obdachlos, als am 1. und 2. Januar 2008 Überschwemmungen die Sucos Maumeta (Bazartete), Dato und Luculai (Liquiçá) verwüsteten. 100 Häuser wurden komplett zerstört, 90 weitere beschädigt. Die Bevölkerung konnte rechtzeitig von der Nationalpolizei evakuiert werden, so dass keine Personen zu Schaden kamen.[19]

2014 wurden die Distrikte in ganz Osttimor in „Gemeinden“ und die Subdistrikte in „Verwaltungsämter“ umgewandelt.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stärkste Partei in den einzelnen Distrikten bei den Parlamentswahlen 2017
Regierungspräsident (Bupati)  Flag of Indonesia.svg[20]
Francisco dos Santos Ribeiro (APODETI) Mai 1977–1984
Jaime Remédios de Oliveira (UDT) 1984–1989
Gaspar Sarmento (UDT) 1989–1994
Leoneto Martins (APODETI) 1994–1999
Administrador Flag of East Timor.svg
Aurora Ximenes um 2001
Leonel dos Santos um 2007
Domingos da Conceição dos Santos aktuell (Stand 2014)

Der Administrator der Gemeinde wird von der Landesregierung in Dili ernannt. 2001 war dies Aurora Ximenes,[21] 2007 Leonel dos Santos.[22] Derzeit wird das Amt von Domingos da Conceição dos Santos bekleidet (Stand Februar 2014).[23]

Bei den Wahlen zur verfassunggebenden Versammlung, aus der später das Nationalparlament hervorging, gewann die FRETILIN in Liquiçá 72,44 % der Stimmen, sodass sie das damalige Direktmandat erhielt.[24] Bei den Parlamentswahlen 2007 gelang es dem Congresso Nacional da Reconstrução Timorense (CNRT), mit 38,96 % der Stimmen die stärkste Kraft in Liquiçá zu werden.[25] Bei den Parlamentswahlen 2012 konnte der CNRT seinen Erfolg mit 41,99 % der Stimmen noch ausbauen. 2017 kam er nur noch auf 32,2 %, blieb aber stärkste Kraft.

Bei den Präsidentschaftswahlen 2007 konnte der unabhängige Kandidat und späterer Wahlsieger José Ramos-Horta in Liquiçá bereits in der ersten Runde die meisten Stimmen auf sich vereinen. In der zweiten Runde erhielt er 87,8 %. 2012 gewann Fernando de Araújo von der Partido Democrático (PD) in Liquiçá mit 27 %, musste sich aber als landesweit Viertplatzierter geschlagen geben. Die zweite Runde ging in Liquiçá an den Wahlsieger Taur Matan Ruak mit 64,2 %. Bei den Präsidentschaftswahlen 2017 holte António da Conceição von der PD in Liquiçá die meisten Stimmen, wurde landesweit aber nur zweiter.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reisanbaugebiete in Liquiçá
Fischer in Maubara
Silberschmiedearbeit aus Maubara
Füsiliere in Maubara

Laut der Volkszählung von 2010 arbeiten 40 % aller Einwohner, die zehn Jahre oder älter sind (Landesdurchschnitt: 42 %). 5 % sind arbeitslos (5 %).[26] 76,9 % der Haushalte betreiben Ackerbau, 92,2 % Viehzucht (Stand: 2010).[2] Angepflanzt werden in erster Linie Mais (von 70 % der Haushalte, Produktion 2008: 1.435 t), Maniok (65 %, 1.520 t) und Reis (5 %, 465 t). Letzterer wird vor allem an den Flüssen Lóis und Lauveli angebaut. Viele Haushalte ernten in ihren Gärten auch Gemüse (52 %) und Obst (beides zusammen: 538 t). Kokosnuss- und Bananenplantagen wurden während der Unruhen von 1999 größtenteils niedergebrannt. Inzwischen haben 61 % der Haushalte wieder Kokosnusspalmen. Die wichtigste kommerzielle Pflanze ist Kaffee. Über 50 % der Haushalte in der Gemeinde bauen Kaffee an. Er ist mit über 6000 ha Anbaufläche der viertgrößte Kaffeeproduzent des Landes. Liquiçá setzt bei seiner Kaffeeproduktion auf reinen Bioanbau. Nach der Unabhängigkeit wurde unter anderem auch mit dem Anbau von Vanille begonnen. Als Haustiere werden vor allem Hühner (47.554 in 84 % der Haushalte), Schweine (22.317 in 82 % der Haushalte), Ziegen (16.391 in 50 % der Haushalte), Rinder (8.018 in 32 % der Haushalte), Pferde (1.492 in 9 % der Haushalte), Büffel (2.355 in 6 % der Haushalte) und Schafe (744 in 1 % der Haushalte) gehalten.[26][27] Die Gewässer vor Liquiçá sind sehr fischreich, so dass auch für den Weiterverkauf gefangen werden kann.

Als große Betriebe gibt es eine Fabrik zur Weiterverarbeitung von Kaffee und eine Geflügelzucht zur Eierproduktion. In Bazartete wurde durch Hilfsorganisationene eine Ziegelfabrik gegründet und in Maubara eine Polsterfabrik. Außerdem gibt es drei Textilkooperativen. Die Waren werden in der Regel weiter nach Dili geliefert, inzwischen aber auch in die Nachbargemeinden Ermera und Bobonaro.

Liquiçá hat neben sehenswerten Gebäuden aus der portugiesischen Kolonialzeit schwarze Sandstrände, Korallenriffe und attraktive Tauchgebiete, die es für den Tourismus attraktiv machen. Dili liegt nahe genug, um die Gemeinde für Tages- und Wochenendausflüge attraktiv zu machen, es fehlt aber oft noch an geeigneten Unterkünften. Ein Strandressort gibt es am Black Beach, östlich von Vila de Liquiçá. Außerdem gibt es einige Bodenschätze, wie zum Beispiel Gold.

Der kommunale Radiosender Rádio Communidade Tokodede (RCT) sendet auf FM 92,3 MHz.[28]

Umwelt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Küste zwischen Liquiçá und Dili

Neben der natürlichen Erosion verstärkt die weitergehende Abholzung das Problem, auch wenn die kommerzielle Holzgewinnung inzwischen landesweit verboten ist. So wird Brandrodung zur Gewinnung von Ackerboden betrieben. Zudem muss in den nächsten Jahren aufgrund des Klimawandels mit häufigeren Trockenperioden gerechnet werden. In Tibar hat man mit einem Pilotprojekt zur Wiederaufforstung begonnen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Liquiçá (Gemeinde) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m n o Direcção-Geral de Estatística: Ergebnisse der Volkszählung von 2015, abgerufen am 23. November 2016.
  2. a b c Direcção Nacional de Estatística: 2010 Census Wall Chart (English) (PDF; 2,7 MB)
  3. Highlights of the 2010 Census Main Results in Timor-Leste English (PDF; 4,5 MB)
  4. Mountains Mounts
  5. Liquiçá District Development Plan 2002/2003 (englisch; PDF; 376 kB)
  6. Statistisches Amt Osttimors, Ergebnisse der Volkszählung von 2010 der einzelnen Sucos (Memento vom 23. Januar 2012 im Internet Archive)
  7. Direcção Nacional de Estatística: Timor-Leste in figures 2011 (PDF; 3,8 MB), abgerufen am 5. Mai 2013
  8. a b Census of Population and Housing Atlas 2004 (Memento vom 13. November 2012 im Internet Archive) (PDF; 14 MB)
  9. District Pritory Tables: Liquiçá 2004 (PDF; 13 MB)
  10. TIMOR LORO SAE, Um pouco de história
  11. East Timor – PORTUGUESE DEPENDENCY OF EAST TIMOR (Memento vom 21. Februar 2004 im Internet Archive)
  12. Suai Media Space: Koba Lima − Suai
  13. Antoinette Schapper: Finding Bunaq: The homeland and expansion of the Bunaq in central Timor, S. 169, in: Andrew McWilliam, Elizabeth G. Traube: Land and Life in Timor-Leste: Ethnographic Essays, 2011.
  14. Schapper: Finding Bunaq, S. 170.
  15. a b c d History of Timor – Technische Universität Lissabon (PDF; 824 kB)
  16. a b c d „Chapter 7.3 Forced Displacement and Famine“ (PDF; 1,3 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
  17. (INDONESIA-L) HRW/ASIA – East Timor Guerrilla Attacks : East Timor Guerrilla Attacks vom 4. Juni 1997 (Memento vom 19. September 2006 im Internet Archive)
  18. ETAN: July 4 Militia Attack on the Humanitarian Team in Liquiça: Another Slap in the Face to the UN (Sommer 1999) ISSN 1088-8136
  19. Relief Web, 7. Januar 2008, Timor-Leste: Humanitarian update, 21 Dec – 07 Jan 2008
  20. „Part 4: Regime of Occupation“ (PDF) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
  21. Timor-Leste, Eleições Gerais 2012 by STAE Informação Pública. Archiviert vom Original am 26. Dezember 2015, abgerufen am 23. Januar 2016.
  22. Timor-Leste ‘Work for Peace’ Project Projetu Serbisu Ba Dame, Dezember 2007 (Memento vom 22. Februar 2014 im Internet Archive) (PDF; 4,7 MB)
  23. Descentralização Administrativa na República Democrática de Timor-Leste: Liquiçá, abgerufen am 7. Februar 2014
  24. Lurdes Silva-Carneiro de Sousa: Some Facts and Comments on the East Timor 2001 Constituent Assembly Election (Memento vom 16. Oktober 2013 im Internet Archive) (RTF; 199 kB), Lusotopie 2001: S. 299-311.
  25. CNE – official results on 9th July 2007 (Memento vom 27. September 2007 im Internet Archive) (PDF; 118 kB)
  26. a b Direcção Nacional de Estatística: Suco Report Volume 4 (englisch) (PDF; 9,8 MB)
  27. Direcção Nacional de Estatística: Timor-Leste in Figures 2008 (PDF; 3,7 MB)
  28. ARKTL – Asosiasaun Radio Komunidade Timor-Leste (englisch)

Koordinaten: 9° S, 125° O