Bedingrade

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Wappen von Bedingrade
Wappen der Stadt Essen

Bedingrade
Stadtteil von Essen

Lage von Bedingrade im Stadtbezirk IV Borbeck
Basisdaten
Fläche 2,93 km²
Einwohner 12.123 (30. Sep. 2017)
Koordinaten 51° 28′ 0″ N, 6° 55′ 34″ OKoordinaten: 51° 28′ 0″ N, 6° 55′ 34″ O
Höhe 92 m
Eingemeindung 1. Apr. 1915
Räumliche Zuordnung
Postleitzahl 45357, 45359
Stadtteilnummer 17
Bezirk Stadtbezirk IV Borbeck
Bild
Lutherhaus

Lutherhaus

Quelle: Statistik der Stadt Essen

Bedingrade (auf Borbecker Platt Beddingroode genannt) ist ein Stadtteil im Westen der Stadt Essen. Der Stadtteil grenzt im Norden an die Stadtteile Frintrop und Dellwig, im Osten an Borbeck-Mitte als nächstes Mittelzentrum, im Süden an Schönebeck sowie im Westen an die Nachbarstädte Oberhausen und Mülheim an der Ruhr.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bauernschaft Bettingrath wurde im 11. Jahrhundert erstmals urkundlich genannt. Die alten Höfen Heuckes, Grafschmidt, Paus, Kirchmann und Grote bestanden zum Teil über Jahrhunderte. Zusammen mit der Eingemeindung der Bürgermeisterei Borbeck wurde Bedingrade 1915 ein Stadtteil von Essen.

Markant ist das Stammhaus an der Schloßstraße 357, ein denkmalgeschütztes Fachwerkhaus, das 1604 erstmals urkundlich erwähnt wird. Am Heerweg nach Wesel gelegen, diente es dem spanischen Oberst La Valotta und dem Obristen Martin Schenk von Nideggen als Herberge.[1] Heute ist darin ein Restaurant ansässig.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Bedingrade

Blasonierung: „In Grün ein gestürzter silberner (weißer) Pflug.“ Das Wappen wurde von Kurt Schweder entworfen und hatte nie offiziellen Charakter. Ende der 1980er Jahre schuf der Heraldiker für alle Essener Stadtteile Wappen. Sie sind inzwischen von der Essener Bevölkerung gut angenommen worden.

Bedingrade stammt von Batingrotha, wie es im 11. Jahrhundert genannt wurde. Bathing ist wahrscheinlich ein Familienname, -rotha bedeutet Rodung, welches Grundlage für diese Wappengestaltung war. Nach der Rodung kommt der Pflug.[2]

Charakter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der dörfliche Charakter des Stadtteils mit Grünflächen hat sich weitgehend bis in die Gegenwart erhalten. Sonst dominiert hauptsächlich Wohnbebauung, bestehend aus Ein- und Mehrfamilienhäusern, erbaut durch private und öffentliche Bauträger. Die späten 1950er und 1960er Jahre waren von verstärktem Bau von Werkswohnungen und allgemeinem sozialen Wohnungsbau geprägt.

1962 eröffnete die evangelische Volksschule an der Lohstraße, die ein Jahr später Anne-Frank-Schule genannt worden war und 1968 Grundschule wurde. 1969 zog die Anne-Frank-Schule an der Lohstraße in ein neues Gebäude, so dass sie seitdem vom alten Gebäude, welches nunmehr als Hauptschule genutzt wurde, räumlich getrennt war.[3] 2008 ist die Grundschule vor ihrer Schließung 2010 in die Grundschule Bedingrade/Schönebeck an der Bergheimer Straße, bis dahin katholische Franziskusschule, integriert worden. Die Hauptschule an der Lohstraße wurde im Sommer 2012 geschlossen. Zwei Jahre später begann der Abriss der Schulgebäude, denn auf dem Gelände wurden von 2014 bis 2017 Einzel- und Doppelwohnhäuser sowie eine Kindertagesstätte[4] errichtet. Unweit an der Tonstraße befindet sich seit 1977 die LVR-Förderschule Essen für Schwerhörige.

Der Naherholung dient das Naturschutzgebiet zwischen Bedingrade, Schönebeck und Mülheim-Dümpten, das Sippchen oder Siepchen genannt wird. Der eigentliche Name ist Hexbachtal, ein fünf Kilometer langes Seitental der Emscher. Der Läppkes Mühlenbach fließt hier durch und bildet die natürliche Ortsgrenze zu Mülheim an der Ruhr. In den vergangenen Jahrzehnten war die Natur dieses Tales ständig in Gefahr: Ab den 1960er-Jahren bedrohte das Vorhaben der Bundesautobahn 31 Emden – Bonn („Ostfriesenspieß“) das Tal ebenso wie 1978 der Plan einer Justizvollzugsanstalt, für die 20 Hektar Land hätten geopfert werden müssen. Es folgten weitere die Natur beeinträchtigende große Planungsvorhaben: RWE-Umspannwerk (1987), 18-Loch-Golfanlage (1989), Paketverteilungszentrum (1991), Flüchtlingsheim für 600 Personen (1992), umfangreiche Kanalbauarbeiten im Zentrum des Auenwaldes (2000) und erneut Flüchtlingsheime (2015/2016). Der für den Umweltschutz sensibilisierten Öffentlichkeit zeigte für diese Projekte Alternativen auf, so dass Landschaft und Natur verschont blieben.[5]

Der Wasserturm an der Frintroper Straße 326 aus dem Jahre 1897 steht heute unter Denkmalschutz.[6] Im Volksmund wird er nach dem benachbarten Stadtteil oft als Frintroper Wasserturm bezeichnet. Das Lutherhaus ist Heimat der Evangelischen Kirchengemeinde Essen-Bedingrade-Schönebeck. Die katholische Kirche St. Franziskus, bis 2008 eigene Pfarrei, seitdem eine Filialkirche der Großpfarrei St. Josef, befindet sich ebenfalls in Bedingrade. Nicht weit von der Franziskus-Kirche liegt das Franziskus-Haus, ein ehemaliges Krankenhaus, das heute unter anderem als Altenheim genutzt wird. Östlich davon ist ein Naherholungsgebiet zu finden, Lunapark genannt, das sich bis zur Schloßstraße in Borbeck erstreckt.

Direkt am Wasserturm befindet sich eine Bezirkssportanlage, auf welcher die DJK Adler-Union Frintrop ihre Heimspiele austrägt.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Öffentlichen Nahverkehr erschließen die Straßenbahnlinie 105, die Buslinien 143, 185 und 186 sowie die Nachtexpresse NE11 und NE12 der Ruhrbahn den Stadtteil Bedingrade und bieten Direktverbindungen nach Borbeck-Mitte sowie in die Innenstädte von Essen, Bottrop und Oberhausen.[7]

Die Bundesstraße 231 verläuft als Frintroper Straße in Ost-West-Richtung quer durch den Stadtteil und verbindet Oberhausen mit der Essener Stadtmitte. Wenige Kilometer südöstlich ist Bedingrade mit der Anschlussstelle Essen-Borbeck an die A 40 angeschlossen.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Essen-Bedingrade – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stammhaus in der Denkmalliste der Stadt Essen; abgerufen am 14. Januar 2015.
  2. Vgl. dazu Johann Rainer Busch: Kurt Schweders Wappen der Essener Stadtteile, Essen 2009, S. 67.
  3. Bürger- und Verkehrsverein Frintrop: Geschichte 1900 bis 1999; abgerufen am 11. Dezember 2014.
  4. CDU Bedingrade vom 27. Oktober 2014: CDU-Bedingrade freut sich über Baufortschritt an der Lohstraße; abgerufen am 11. Dezember 2014.
  5. (Wolfgang Sykorra: Immer wieder: Das Märchen von der Alternativlosigkeit. Das Hexbachtal im Spiegel seiner Zielkonflikte, in: Borbecker Nachrichten/Essen vom 12. August 2016)
  6. Wasserturm in der Denkmalliste der Stadt Essen; abgerufen am 14. Januar 2015.
  7. Ruhrbahn