Bergeborbeck

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Wappen von Bergeborbeck
Wappen der Stadt Essen

Bergeborbeck
Stadtteil von Essen

Lage von Bergeborbeck im Stadtbezirk IV Borbeck
Basisdaten
Fläche 4,96 km²
Einwohner 4520 (30. Jun. 2017)
Koordinaten 51° 28′ 44″ N, 6° 58′ 35″ OKoordinaten: 51° 28′ 44″ N, 6° 58′ 35″ O
Höhe 36 m
Eingemeindung 1. Apr. 1915
Räumliche Zuordnung
Postleitzahl 45355, 45356
Stadtteilnummer 23
Bezirk Stadtbezirk IV Borbeck
Quelle: Statistik der Stadt Essen

Bergeborbeck (auf Borbecksch Platt Berge genannt) ist ein nordwestlicher Stadtteil der Stadt Essen und in seinem Stadtbezirk der flächenmäßig mit Abstand größte, jedoch einwohnerschwächste. Begrenzt wird er von den Stadtteilen Vogelheim im Osten, Bochold im Süden, Borbeck, Gerschede und Dellwig im Westen sowie den Bottroper Stadtteilen Ebel und Welheimer Mark im Norden. Bergeborbeck ist hauptsächlich von einer Vielzahl von Industriegebieten geprägt, unterbrochen von einfacher Wohnbebauung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Namensherkunft des ersten Teiles Bergeborbecks ist in einem Rittersitz der Herren op dem Berge zu finden. Eines der ältesten Zeugnisse im Stadtteil ist das Bodendenkmal des Hauses Horl, einem Rittersitz mit erster Erwähnung im Jahre 1467. Nach mehreren Eignerwechseln, sowie seit 1770 der Zugehörigkeit zum Steeler Waisenhaus, wurde es schließlich 1907 aufgrund der Erweiterung Krupp Gussstahlfabriken abgerissen. Bis heute blieb der untertägige Bereich als Bodendenkmal erhalten.

1808 wurde Borbeck zur Bürgermeisterei, wozu auch Vogelheim und damit das Gebiet des heutigen Bergeborbeck gehörten. 1846 erhielt der heute so genannte Bahnhof Essen-Bergeborbeck an der zu dieser Zeit errichteten Bahnstrecke Köln-Minden der Köln-Mindener-Eisenbahn den Namen Berge bei Borbeck, benannt nach dem in der Nähe gelegenen adeligen Rittersitz Haus Berge. Diese Bahnstrecke verlief durch das Emschertal, in dem sich der Steinkohlenbergbau mit zugehöriger Industrie rasch entwickelte. Damit begann eine große Zuwanderung von Arbeitskräften, die die Einwohnerzahl in diesem Gebiet rasant ansteigen ließ. Mit dem Bevölkerungswachstum entwickelte sich Bergeborbeck, so dass auch der Bahnhof um 1900 in Bergeborbeck umbenannt wurde. (Haus Berge und der Bahnhof liegen heute auf dem Areal des Nachbarstadtteils Bochold.)

Innerhalb der Bürgermeisterei Borbeck wurde Bergeborbeck 1915 zur Stadt Essen eingemeindet. 1934 wurde auf dem Gebiet Bergeborbecks der Essener Stadthafen am Rhein-Herne-Kanal in Betrieb genommen.

Während des Zweiten Weltkriegs, im September 1941, wurde im Hafengebiet auf Bergeborbecker Areal das Kriegsgefangenenlager Pionierpark eingerichtet.[1] Hier wurden etwa 500 Männer aus Galizien untergebracht, die nicht selbst an Kriegshandlungen beteiligt waren. Anfang 1942 lebten von diesen Menschen nur noch etwa 150, alle anderen waren verhungert oder starben an schlechter Behandlung. Weitere Zwangsarbeiterlager befanden sich in der Lüschershofstraße, am Sulterkamp und in der Spenlestraße. Die meisten Zwangsarbeiter dienten der Firma Krupp.[2]

1958 wurde im Brauk mit St. Bernhard die erste Kirche im neugegründeten katholischen Bistum Essen geweiht. Im damaligen Wohngebiet galt sie als Hoffnungsträger, doch mit dem Abstandsplan des Landes Nordrhein-Westfalen, der einen räumlichen Abstand zwischen Wohnsiedlungen und Gewerbeflächen vorsah, mussten die Anwohner weichen. Schließlich wurde die Kirche St. Bernhard am 1. März 1999 profaniert und in Folge niedergelegt. Neue Kirche der restlichen Gemeinde wurde St. Michael in Dellwig.

Am 21. Juni 1977 wurde Bergeborbeck als eigener Stadtteil von Vogelheim getrennt.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Bergeborbeck

Blasonierung: „In Silber (Weiß) über einem grünen Dreiberg, belegt mit einem silbernen (weißen) Wellenbalken, schwebend eine aufrechte rote Pferdepramme mit silbernen (weißen) Kordeln.“

Das Wappen wurde von Kurt Schweder entworfen und hatte nie offiziellen Charakter. Ende der 1980er Jahre schuf der Heraldiker für alle Essener Stadtteile Wappen. Sie sind inzwischen von der Essener Bevölkerung gut angenommen worden.

Bedeutung: Das Wappen ist ein sogenanntes "redendes Wappen"; der Dreiberg steht für "Berge-" und der Wellenbalken für "-beck" (Bach). Er bezieht sich hier auf den Borbecker Mühlenbach. Bergeborbeck entwickelte sich um den Rittersitz "op dem Berge", 1467 erstmals erwähnt, welche die Pferdepramme im Wappen führten. Ihnen gehörte auch Haus Ripshorst.[3] Die Pramme im Wappen stand für die Nutzungsrechte an der Wildbahn Emscherbruch zur Zucht der Emscherbrücher Pferde.[4]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Areal, das sich etwa zwischen der Bottroper Straße, dem Sulterkamp, der Hafenstraße und dem Rhein-Herne-Kanal erstreckt, begann sich noch vor Ende des Ersten Weltkriegs ein Zentrum der Schwerindustrie zu entwickeln. Ein infrastruktureller Vorteil war, dass die entstehende Industrie den 1914 in Betrieb genommenen Rhein-Herne-Kanal als Verkehrsweg nutzen konnte. Bereits 1917 errichtete hier die Friedrich Krupp AG ein großes Stahlwerk („Martinwerk 7“). Es folgten ein Walzwerk, die mit 15.000 Tonnen größte Schmiedepresse der Welt, die Hochofenanlage sowie Ergänzungsanlagen wie die elektrische Gasreinigung. Damit verfügte die Firma Krupp über die Möglichkeit, aus Erzen Roheisen und aus Roheisen Stahl zu erzeugen. Mit dem 1929 in Betrieb genommenen Hochofen wurde das Hüttenwerk Borbeck fertiggestellt, das zu den modernsten in Europa zählte und zum Zentrum der Edelstahlerzeugung im Konzern wurde.

Als Nachteil erwies sich, dass die Hochöfen die deutschen sauren und eisenarmen Erze nicht verhütten konnten und deshalb auf eisenreiche ausländische Erze sowie Schrott angewiesen waren. Aus diesem Grund entwickelte der Essener Konzern das so genannte Krupp-Rennverfahren, ein Eisenreduktionsverfahren, das der Verhüttung saurer und eisenarmer Erze diente. Der Regelbetrieb der Rennanlage wurde auf dem Gelände des Hüttenwerks Borbeck im Jahr 1935 aufgenommen.[5]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der gesamte Industriekomplex demontiert. Die unzerstörten Anlagen des Hüttenwerks wurden als Reparation in die Sowjetunion und die Schmiedepresse nach Jugoslawien transportiert.[6] Danach blieb das Areal mehr als ein Jahrzehnt industriell ungenutzt. In dieser Zeit entwickelten sich auf dem ehemaligen Werksgeländes Biotope.

1959 wurde mit der Rennanlage Rhein-Ruhr die industrielle Nutzung wieder aufgenommen. Nach deren aus wirtschaftlichen Gründen 1963 erfolgten Schließung siedelte sich die LMG-Aluminiumhütte an, die heutige Trimet Aluminium.

Inzwischen ist das als Econova bezeichnete Areal der Name für ein über 152 Hektar großes Industrie- und Gewerbegebiet. Zahlreiche Unternehmen unterschiedlicher Branchen, unter anderem produzierende Gewerbe und Logistikunternehmen, haben sich hier angesiedelt. Das Areal wird durch die nahe A 42, den Essener Stadthafen und einen Gleisanschluss erschlossen. Mehrere Buslinien bedienen das Gebiet. Im Südwesten des Stadtteils schließt sich das Gewerbegebiet Brauk an.[7]

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das größte Stadion Essens war das Georg-Melches-Stadion in Bergeborbeck. Es war das Heimstadion des Fußballvereins Rot-Weiss Essen und stammte aus den 1950er Jahren, in denen der Verein noch in der Fußball-Bundesliga spielte. Im August 2012 wurden nach dessen Abriss dort das angrenzende neue Stadion Essen eröffnet.

Östlich befindet sich ein Autokino, auf dessen Gelände an Wochenenden der größte private Automarkt Europas stattfindet.[8]

Des Weiteren gibt es die Turn- und Sportvereinigung 1884/1910 Bergeborbeck e.V., ein Zusammenschluss einer Turnerschaft aus dem Jahre 1884 und der Turn- und Sportvereinigung Jahn aus dem Jahre 1910.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wichtigste Verkehrsader ist die Bottroper Straße als Teil der Landesstraße 631, die im weiteren Verlauf eine direkte Anbindung an die A 42 hat.

Im ÖPNV wird Bergeborbeck durch die Straßenbahnen der Linien 101 und 106 sowie der Buslinien 140, 166 und 196 der Essener Verkehrs-AG[9] und der Linie SB16 der Busverkehr Rheinland GmbH bedient. Am S-Bahn-Haltepunkt Essen-Bergeborbeck, der tatsächlich auf Bocholder Gebiet liegt, verkehrt die S-Bahn-Linie 2.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 2010 erschien im Medienverlag Heimsheim der von 1920 bis 1936 in Bergeborbeck spielende Geschichtsroman Woanders war´s auch Scheiße des Bergeborbeckers Bernhard Bussmann.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Essen-Bergeborbeck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gedenktafel an der Hafenstraße, Ecke Wildstraße
  2. Historischer Verein für Stadt und Stift Essen e.V. – Lager in Essen
  3. Vgl. dazu: Johann Rainer Busch: Kurt Schweders Wappen der Essener Stadtteile. Essen 2009, S. 68.
  4. Wolfgang Viehweger : Spaziergang im Eichenwald...: Herrenhäuser im Emscherland, Herne : Ges. für Heimatkunde Wanne-Eickel, 2001
  5. Wolfgang Sykorra: Vom Kruppschen Hüttenwerk am Stadthafen bis zur AEG-Kanis, in: Borbecker Nachrichten / Essen vom 8. März 1990 und 15. März 1990 und Wolfgang Sykorra: Als Borbeck Industriegeschichte schrieb, in: Borbecker Nachrichten / Essen vom 13.November 2015.
  6. ThyssenKrupp, Historie, abgerufen am 6. Dezember 2015; offline
  7. Essener Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH, abgerufen am 6. Dezember 2015
  8. Der Spiegel: Schnäppchen auf vier Rädern: Europas größter Automarkt, abgerufen am 21. Juli 2017
  9. Essener Verkehrs-AG, abgerufen am 21. Juli 2017