Boot Camp (Software)

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Boot Camp
Logo von Boot Camp
Entwickler Apple
Aktuelle Version 6.0.1 (6024.35.4)
Betriebssystem macOS ab Version 10.4 (Tiger)
Kategorie Assistent
Lizenz Proprietär
deutschsprachig ja
apple.com

Boot Camp ist eine Software von Apple zur Installation von Windows neben macOS auf einem Mac mit Intel-Prozessor.

Der Computer wird so zu einem Dual-Boot-System. Vor Boot Camp war für die Nutzung von Windows auf Macs eine virtuelle Maschine notwendig. Entbehrlich wurde sie durch einen hybriden Modus der Firmware und der Partitionstabelle. Boot Camp unterstützt den Nutzer bei der Partitionierung der Festplatte und bringt die Gerätetreiber für Windows mit.

Boot Camp wird als strategisch wichtiger Schachzug von Apple gesehen, um mehr Kunden zu gewinnen, da diese nun das eigene macOS und Windows wechselweise auf demselben Rechner ohne Geschwindigkeitsverluste betreiben können.[1]

Funktionsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Hochfahren von macOS erfolgt mittels Extensible Firmware Interface (EFI) und GUID Partition Table. Um Kompatibilität zu älteren Windows-Versionen herzustellen, ergänzte Apple sein EFI um eine Emulation eines BIOS, das mit einer zweiten Partitionstabelle (Master Boot Record) in der ersten arbeitet.

Der Boot-Camp-Assistent hilft bei der Installation von Windows. Voraussetzung ist, dass macOS auf nur einer einzigen Partition installiert wurde. Der Assistent ist dann in der Lage, die mit dem Dateisystem HFS+, angezeigt als „Mac OS Extended,“ existierende Partition von macOS zu verkleinern und den frei gewordenen Bereich mit einer zusätzlichen mit dem Dateisystem FAT32 formatierten Partition zu ergänzen. Diese erhält die Bezeichnung BOOTCAMP und muss für die Installation von Windows auf der Festplatte als Installationsziel ausgewählt werden, wobei sie als NTFS neu formatiert werden muss.[2] Nach der Installation kann der Nutzer beim Neustart des Rechners durch Drücken der Wahltaste zwischen beiden Betriebssystemen wechseln oder die mitgelieferte ebenfalls „Boot Camp“ genannte Software unter Windows bzw. den Punkt „Startvolume“ in den Systemeinstellungen von macOS zum Festlegen der Startpartition nutzen.[3]

Teile der Boot-Camp-Software können auch auf Nicht-Apple-PCs installiert werden. Damit sind in Verbindung mit der Apple-Tastatur einige spezielle Apple-Funktionen möglich, etwa Steuerung der Lautstärke, des Media-Players, Ausfahren der Laufwerkschublade usw.

Einschränkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Boot Camp unterstützt nur Windows ab Windows XP (Home oder Professional ab SP 2). Andere Betriebssysteme werden offiziell nicht unterstützt, sind aber teilweise (oft mit Einschränkungen wegen fehlender Treiber) möglich.

Auch ist es mit Boot Camp nicht möglich, mehr als zwei Betriebssysteme zu installieren. Das liegt daran, dass Windows auf dem Mac durch Verwendung des im EFI enthaltenen englisch Compatibility Support Module (CSM) gestartet wird. Das CSM stellt BIOS-Funktionen zur Verfügung, sodass auch Windows wie auf einem PC mit BIOS gestartet wird und daher einen Master Boot Record (MBR) erwartet. Der Boot-Camp-Assistent legt dafür mithilfe von diskutil von Mac OS X/​OS X/​macOS einen Hybrid-MBR an, welcher bedingt durch dessen Aufbau auf vier Partitionen beschränkt ist. Zählt man die EFI System Partition (ESP) und die macOS-Wiederherstellungspartition dazu, bleiben lediglich je eine Partition für die Betriebssysteme macOS und Windows.[4]

Zum Wechsel zwischen den installierten Betriebssystemen muss der Computer bei Nutzung von Boot Camp neu gestartet werden.

Auf einem Macs mit PowerPC-Prozessor kann Boot Camp nicht genutzt werden. Hier muss auf einen Emulator zurückgegriffen werden.

Alternativen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Man kann andere Betriebssysteme auch ohne Boot Camp-Hilfe installieren und sogar macOS entfernen, was jedoch Systemkenntnisse erfordert. Dazu muss ein alternativer Bootlader, wie z. B. rEFIt oder rEFInd installiert werden.

Eine weitere Möglichkeit, andere Betriebssysteme auf einem Intel-Mac zu nutzen, bietet sich durch Virtualisierungs-Software. Diese hat gegenüber Boot Camp den Vorteil, dass zwei Betriebssysteme zugleich laufen können, ohne dass ein Neustart erforderlich ist, allerdings müssen sich die Betriebssysteme Ressourcen wie Rechenleistung und Arbeitsspeicher teilen. Bekannte Virtualisierungs-Lösungen sind Parallels Desktop, VMWare Fusion oder VirtualBox. Mit Microsoft Virtual PC war es möglich, Windows-Betriebssysteme auf PowerPC-Macs zu benutzen; auf Macs mit Intel-Prozessoren läuft dieses Programm jedoch nicht mehr.

Außerdem ist es mit Wine und dessen Forks wie CrossOver möglich, Windows-Programme auf anderen Betriebssystemen auszuführen, ohne Windows zu installieren. Dazu wurden große Teile der Windows-API nachprogrammiert. Allerdings ist dies bisher nicht vollständig geschehen. Einige Multimedia-Funktionen werden noch nicht unterstützt, sodass solche Programme nicht verwendet werden können.

Systemanforderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Apple-Mac-Computer mit einem Intel-Prozessor und aktueller Firmware
  • Betriebssystem Mac OS X Leopard (Leopard) oder höher
  • mindestens 10 GB freier Festplatten-Speicher (5 GB für die Windows-Partition, 5 GB müssen frei bleiben)
  • Ab Mac OS X 10.5 befindet sich auf der Installations-DVD eine Windows-Partition für die benötigten Windows-Treiber.
  • Eine Windows-Installations-CD (Windows XP ab Service Pack 2, Windows Vista oder Windows 7) und einen gültigen Product-Key[5]

Versionsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Boot Camp war seit April 2006 als zeitlich begrenzte Beta-Version erhältlich; mit dem Erscheinen von Mac OS X Leopard am 26. Oktober 2007 können diese nicht mehr zur Neueinrichtung von Windows-Partitionen genutzt werden.[6] Bestehende Windows-Installationen funktionieren jedoch problemlos weiter. Boot Camp ist seitdem Teil des Betriebssystems macOS und nicht mehr separat erhältlich.

Seit August 2010 ist Bootcamp in Mac OS X Server nicht mehr enthalten.[7]

Version Erscheinungsdatum Anmerkungen
1.0 (Public Beta) 5. April 2006 Erste Veröffentlichung. Unterstützt Windows XP (Home und Professional) mit SP2.
1.1 (Public Beta) August 2006 Enthält weitere Gerätetreiber, u. a. für integrierte iSight-Webcams.
1.2 (Public Beta) 28. März 2007 Unterstützt Windows Vista (32bit).
1.3 (Public Beta) 8. Juni 2007 Enthält weitere Gerätetreiber, u. a. für die Tastatur-Hintergrundbeleuchtung auf dem MacBook Pro.
1.4 (Public Beta)[8] 9. August 2007 Enthält verbesserte Gerätetreiber.
2.0 26. Oktober 2007 Bestandteil von Mac OS X Leopard, nicht mehr separat erhältlich.
2.1[9] 24. April 2008 Unterstützt Windows XP (Home und Professional) mit SP3, Windows Vista (64bit).
3.0 28. August 2009 Direkte Dateiübertragung zwischen Mac OS X- und Windows-Partition ist möglich.
3.1[10] 19. Januar 2010 Unterstützt Windows 7.
4.0 20. Juli 2011 Windows XP und Windows Vista werden nicht mehr unterstützt.[11]
5.0 25. Juli 2012 Unterstützt Windows 7 und Windows 8.[12]
5.1 11. Februar 2014 Unterstützt Windows 7 bis Windows 8.1 ("Core"; Pro und Enterprise) nur 64-bit
6.0 12. August 2015 Unterstützt Windows 8.1 ("Core"; Pro und Enterprise) und Windows 10 alle Versionen nur 64-bit

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Antoni Nadir Cherif: Windows auf dem Macintosh – Mac OS X 10.5, Boot Camp & Co. SmartBooks, Baar (Schweiz) 2008, ISBN 978-3-908497-77-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Spiegel Online: Apple öffnet Mac-Rechner für Windows 5. April 2006, abgerufen am 15. September 2011
  2. Eine Windows-Partition auf Ihrem Mac einrichten. Apple, Inc., 10. Juni 2015, abgerufen am 23. Mai 2017.
  3. OS X Mountain Lion: Starten mit OS X oder mit Windows. Apple, Inc., 31. Juli 2012, abgerufen am 23. Mai 2017.
  4. Christoph Pfisterer: Myths and Facts About Intel Macs. In: The rEFIt Project. 9. Dezember 2006, abgerufen am 11. April 2017 (englisch).
  5. Apple: Boot Camp: Systemanforderungen für Microsoft Windows abgerufen am 15. September 2011
  6. Apple.com: When does Boot Camp Beta expire?; abgerufen am 5. August 2011
  7. http://www.linux-community.de/Internal/Nachrichten/Apple-streicht-Boot-Camp-fuer-Server-Maschinen
  8. Boot Camp 1.4: Apple verbessert Windows-Unterstützung. golem.de, 9. August 2007, abgerufen am 5. August 2011.
  9. Boot Camp 2.1 macht Macs kompatibel zu Windows XP SP3. golem.de, 24. April 2008, abgerufen am 5. August 2011.
  10. Boot Camp 3.1 bringt Windows 7 auf Macs. golem.de, 20. Januar 2010, abgerufen am 5. August 2011.
  11. Apple.com: Boot Camp 4.0, OS X Lion: Frequently asked questions, 1. August 2011
  12. Apple.com: Boot Camp 5.0: Frequently asked questions, aufgerufen am 6. Dezember 2013