Bothfeld-Vahrenheide

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Karte
Hannover, Stadtbezirk Bothfeld-Vahrenheide hervorgehoben
Basisdaten
Stadtbezirk Bothfeld-Vahrenheide (3)
Fläche 30,69 km²
Einwohner 48.675
Bevölkerungsdichte 1.549 Einwohner/km²
Postleitzahl 30657, 30659
Stadtteile
  • Bothfeld
  • Isernhagen-Süd
  • Lahe
  • Sahlkamp
  • Vahrenheide
Webpräsenz www.hannover.de (Memento vom 30. Januar 2012 im Internet Archive)
Politik
Bezirksbürgermeister Harry Grunenberg (SPD)
Stadtbezirksrat
(19 Sitze)
SPD: 7, CDU: 6, Grüne: 3, AfD: 1, FDP: 1, Linke: 1

Bothfeld-Vahrenheide ist der 3. Stadtbezirk in Hannover. Er hat 48.675 Einwohner und besteht aus den Stadtteilen Bothfeld (20.476 Einwohner), Sahlkamp (13.880 Einwohner), Vahrenheide (9.650 Einwohner), Isernhagen-Süd (2.843 Einwohner) und Lahe (1.826 Einwohner) (Stand 2015).

Bothfeld[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bothfeld wird im Norden von der Autobahn 2 und im Süden vom Mittellandkanal und der Podbielskistraße begrenzt. Im Westen bilden die General-Wever-Straße und die Langenforther Straße die Grenze zum Stadtteil Sahlkamp, im Osten bilden die Straße Im Heidkampe, der Laher Graben und die Kirchhorster Straße die Grenze zum Stadtteil Lahe.

Bothfeld ist ein unterschiedlich strukturierter Stadtteil. Das älteste Gebäude ist die seit 1288 bekannte St.-Nicolai-Kirche mit ihrem im 14. Jahrhundert aus Raseneisenstein erbauten Turm. Das Kirchenschiff entstand 1911 neu nach Plänen des Architekten Eduard Wendebourg.[1] Neben dem Turm der Kirche steht seit 1941, dem 100. Jahrestag des Liedes der Deutschen, eine Eiche zum Gedenken an dessen Dichter August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, der in Bothfeld seine Familie gründete.

Die Wohngebiete bestehen überwiegend aus Einfamilien- und Reihenhäusern unterschiedlicher Bauperioden, unter anderem gibt es freistehende Häuser, Gartenhofhäuser und eine Grasdachsiedlung. Im Süden an der Podbielskistraße dominieren Büro- und Verwaltungsbauten, Einkaufszentren und Geschosswohnungsbau.

Der 1981 aufgelöste frühere Stadtteil Klein-Buchholz wurde zum größten Teil Bothfeld zugeschlagen. Seit 2003 gibt es an der Sutelstraße den Einkaufspark Klein-Buchholz. Angrenzend befindet sich der Platz der Klein-Buchholzer Bürger. Dort finden regelmäßig Veranstaltungen wie Wochenmarkt, Schützenfest und andere Feste statt.

In der Nähe der St.-Nicolai-Kirche an der Ebelingstraße liegt der alte Bothfelder Friedhof. An der Burgwedeler Straße liegen der 1924 eröffnete Jüdische Friedhof Bothfeld sowie der Stadtteilfriedhof Bothfeld, auf dem am 9. Juni 1967 Benno Ohnesorg beerdigt wurde. Gegenüber dem Stadtteilfriedhof auf der anderen Seite der Burgwedelerstraße erstreckt sich das Waldstück Große Heide bis nach Isernhagen-Süd.

Am Uslarplatz stand früher die Windmühle, die jetzt in Groß-Buchholz steht. Heute befindet sich an dieser Stelle ein Spiel- und Bolzplatz.

Durch Bothfeld verkehrt die Stadtbahnlinie 9, auf der Podbielskistraße fahren zudem die Linien 3 und 7. Der ehemalige Straßenbahn-Betriebshof Buchholz wurde von der üstra aufgegeben. Die historische Straßenbahnhalle wurde zu einem Einkaufszentrum umgebaut. Auf dem Freigelände wurde eine Abstellanlage für Stadtbahnen des Typs TW 2000 errichtet.

Im Schulzentrum am Hintzehof, bisher Ada-Lessing Hauptschule und Lotte-Kestner Realschule, wurde im August 2013 eine Integrierte Gesamtschule als Ganztagsschule eingerichtet. Im Stadtteil gibt es zudem eine Waldorfschule und die Freie Evangelische Schule Hannover.

In Bothfeld befinden sich die evangelisch-lutherischen Kirchen St. Nicolai (auch Bothfelder Kirche genannt) und St. Nathanael sowie die katholische Kirche Heilig Geist von 1963. Die neuapostolische Kirche am Prießweg wurde geschlossen, ihre Gemeinde wurde 2005 mit der Gemeinde in List zusammengelegt.

Der TuS Bothfeld von 1904 e. V. ist mit über 2.200 Mitgliedern, davon weit über die Hälfte Kinder und Jugendliche, einer der größten Sportvereine in Hannover.

Die Schützengesellschaft Bothfeld von 1892 e. V. veranstaltet auf dem Festplatz jährlich ein Schützenfest und nimmt am Hannoverschen Schützenausmarsch teil.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Isernhagen-Süd[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Isernhagen-Süd ist der nördlichste Stadtteil Hannovers. Er grenzt im Westen an die Stadt Langenhagen, im Norden und Osten an die Gemeinde Isernhagen, im Süden bildet die A 2 die Grenze zu den Stadtteilen Sahlkamp und Bothfeld. Bis zur Eingliederung in die Landeshauptstadt, die am 1. März 1974 wirksam wurde, gehörte Isernhagen-Süd zur Niedernhägener Bauerschaft von Isernhagen.[2] Im Stadtteil stehen überwiegend Einfamilienhäuser.

Am Fasanenkrug befindet sich die Endhaltestelle der Stadtbahnlinie 9. Zu besonderen Anlässen wie dem Bothfelder Herbstmarkt oder der Nikolausfahrt verkehren historische Straßenbahnen der üstra.

Der Bürgerverein Isernhagen-Süd e. V. kümmert sich um die Erhaltung und Verschönerung des Ortsbildes. Der TSC Isernhagen Süd ist der einzige Sportverein im Stadtteil. Der Tennisverein besitzt neun Außenascheplätze, von denen einer überdacht und beheizt ist.

Lahe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

E.ON Energy from Waste GmbH in Lahe

Lahe wird im Westen begrenzt durch den Laher Graben, im Nordosten durch die Straße Varrelheide. Die Grenze verläuft im Gewerbegebiet etwas nördlich dieses Straßenzuges weiter nach Osten durch den Altwarmbüchener See bis zur A 7, danach östlich der A 37 zur Buchholzer Straße und von der Kreuzung Kirchhorster Straße entlang dieser Straße wieder bis zum Laher Graben.

Im Stadtteil befindet sich die von dem Zweckverband Abfallwirtschaft Region Hannover (aha) betriebene Deponie Hannover mit der höchsten Erhebung der Stadt (vor dem fast gleich hohen Kronsberg im Südosten), dem Nordberg, einem 118 Meter hohen Müllberg.

Am 11. Juni 2006 wurde die Stadtbahnlinie 3 nach Altwarmbüchen verlängert, wodurch Lahe und insbesondere der Stadtfriedhof Lahe einen Stadtbahnanschluss erhielt.

Durch Lahe führen die Autobahnen A 2 und A 37, die sich hier im Autobahnkreuz Hannover-Buchholz kreuzen.

Vahrenheide[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straße Alter Flughafen in Vahrenheide mit Blick auf den Wasserturm Hannover

Vahrenheide wird im Norden durch die Autobahn 2 und die Kugelfangtrift begrenzt, im Osten durch die Peter-Strasser-Allee und die Straße Holzwiesen, im Süden durch den Mittellandkanal und im Westen durch die Vahrenwalder Straße.

Der Stadtteil hat seinen Namen von der Vahrenwalder Heide. Hier soll am 18. August 1903 Karl Jatho einen der ersten Motorflüge der Welt vollbracht haben. Einige Jahre später schuf die Reichswehr hier einen Flugplatz, aus dem nach dem Ersten Weltkrieg der Flughafen Hannover-Vahrenwald entstand. 1913 wurde hier eine Luftschiffhalle errichtet. Da sie als Rüstungseinrichtung angesehen wurde, musste sie 1918 gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrages abgerissen werden. Der Flughafen wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und danach nicht wieder in Betrieb genommen. Als Ersatz wurde 1952 der Flughafen Hannover-Langenhagen eröffnet. Das 1935 errichtete Empfangsgebäude steht noch und wurde von der Bundeswehr jahrelang als Kreiswehrersatzamt genutzt.

In Vahrenheide befinden sich die evangelisch-lutherische Tituskirche und die katholische St.-Franziskus-Kirche, beide Kirchen wurden im Jahr 1964 fertiggestellt und eingeweiht. 1965 wurde eine Straßenbahnstrecke von der Vahrenwalder Straße nach Vahrenheide eröffnet. Diese Strecke wurde 1979 anlässlich der Eröffnung des Stadtbahnbetriebs zum neuen Endpunkt Alte Heide im Stadtteil Sahlkamp verlängert. Heute verkehrt hier die Stadtbahnlinie 2.

Vahrenheide-West[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadtteil wurde in den 1950er Jahren geplant. Er ist zum einen geprägt durch Reihenhäuser und Zeilenbebauung aus den 1950er und 1960er Jahren mit viel Grünanteil. Hier befinden sich Sport- und Tennisplätze, ein Reiterstadion, ein Freibad und das Gymnasium Herschelschule.

Vahrenheide-Ost[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Vahrenheide-Ost sind in den 1970er Jahren viele Hochhausbauten als Großwohnsiedlungen entstanden. Durch den hohen Anteil an Sozialwohnungen wurde das Viertel zu einem sozialen Brennpunkt. 2004 wurde ein großer Hochhauskomplex, die stadtweit bekannte, bis zu 18-geschossige Großwohnanlage Klingenthal, abgerissen. Für € 1,2 Millionen wurden 226 Wohnungen mit einer Gesamtfläche von 17.400 Quadratmetern zurückgebaut. Das Gebiet wurde mit Reihenhäusern neu bebaut, die nach Petra Kelly und Lotte Lemke benannten Straßen wurden neu angelegt. In Vahrenheide-Ost haben zwei Drittel der Bewohner einen Migrationshintergrund, die Arbeitslosenquote ist überdurchschnittlich hoch.

Sahlkamp[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Epiphaniaskirche im Sahlkamp

Sahlkamp ist überwiegend geprägt durch in den 1950er und 1960er Jahren errichtete Einfamilienhäuser. Daneben gibt es an den Straßen Hägewiesen und General-Wever-Straße Hochhäuser aus den 1970er Jahren.

Durch eine hohe Anzahl von Sozialwohnungen ist hier ein sozialer Brennpunkt entstanden. Der Anteil der Familien mit Migrationshintergrund im Stadtteil liegt bei überdurchschnittlichen 36 Prozent. Am 19. Juni 2010 kam es bei einem Straßenfest zu einem Zwischenfall: Eine Tanzgruppe der Liberalen Jüdischen Gemeinde wurde von einer antisemitische Parolen rufenden Gruppe von Kindern und Jugendlichen u.a. arabischer Abstammung mit Kieselsteinen beworfen. Eine Tänzerin wurde dadurch verletzt, so dass die Tanzvorstellung abgebrochen wurde.[3]

Für Jugendliche und Kinder gibt es als Freizeitangebote ein Jugendzentrum und einen Stadtteilbauernhof, auf dem Kinder und Jugendliche mit Tieren des Landlebens direkten Kontakt haben können. Das Gelände der ehemaligen Außenstelle des Gymnasiums Herschelschule ist heute eine Kindertagesstätte. Durch die Stadtbahnlinie 2 (Alte Heide – Rethen) ist der Sahlkamp mit der Innenstadt verbunden. Ebenso durchqueren mehrere Buslinien den Stadtteil.

Bezirksrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Kommunalwahl vom 11. September 2011 wurde die SPD mit 38,9 % der Stimmen wieder die stärkste Partei im Stadtbezirk und stellt mit Harry Grunenberg den Bezirksbürgermeister. Die Grünen wurden mit 17,7 % drittstärkste Kraft und stellen mit Lutz-Rainer Hölscher den stellvertretenden Bezirksbürgermeister. Die CDU wurde mit 35,1 % zweitstärkste Partei. Der Bezirksrat Bothfeld-Vahrenheide tagt etwa zehnmal im Jahr öffentlich meistens entweder im Stadtteiltreff Sahlkamp oder im Kulturtreff Vahrenheide.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerhard Stoffert: Von den Urzeiten bis zur Gegenwart. Chronik und Heimatbuch Klein-Buchholz mit Lahe. Buchdruckwerkstätten, Hannover 2004, ISBN 3-89384-027-3
  • Wilhelm Winkel: Bothfeld. Geschichte von Kirchspiel und Vogtei mit den Orten Bothfeld, Groß-Buchholz, Klein-Buchholz und Lahe. Nachgelassenes Manuskript bearbeitet von Ingeborg Tehnsen-Heinrich, Hannover: Heimatbund Niedersachsen 1986, ISBN 3-9800677-1-8
  • Annette Bochynek-Friske: Ein Stadtteil von Hannover. Der Sahlkamp. Unser Zuhause. Selbstverlag
  • Gerhard Stoffert, Bernd Sperlich: Von Botvelde 1274 bis Bothfeld 2009. Chronik & Heimatbuch in zwei Teilen mit 1308 Abbildungen Hannover; Selbstverlag 2009

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bothfeld-Vahrenheide – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Klaus Siegner: Architektenbiographien, in: Laves und Hannover. Niedersächsische Architektur im neunzehnten Jahrhundert, rev. Neuauflage des Kataloges zur Ausstellung (1998–1999) Vom Schloß zum Bahnhof, Bauen in Hannover hrsg. von Günther Kokkelink und Harold Hammer-Schenk, Verlag Th. Schäfer Hannover und Institut für Bau- und Kunstgeschichte der Universität Hannover, ISBN 3-88746-236-X, S. 567ff., hier: S. 571
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 189.
  3. Jüdische Tänzer beschimpft und mit Steinen beworfen. In: HAZ. 22. Juni 2010, abgerufen am 29. Januar 2012.

Koordinaten: 52° 25′ N, 9° 46′ O