Ahlem-Badenstedt-Davenstedt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Karte
Hannover, Stadtbezirk Ahlem-Badenstedt-Davenstedt hervorgehoben
Basisdaten
Stadtbezirk Ahlem-Badenstedt-Davenstedt (11)
Fläche 9,85 km²
Einwohner 31.626
Bevölkerungsdichte 3211 Einwohner/km²
Postleitzahl 30453, 30455
Stadtteile
  • Ahlem
  • Badenstedt
  • Davenstedt
Webpräsenz hannover.de (Memento vom 28. September 2009 im Internet Archive)
Politik
Bezirksbürgermeisterin Brigitte Schlienkamp (SPD)
Stv. Bezirksbürgermeister René Rosenzweig (Bündnis 90 / Die Grünen)
Stadtbezirksrat
(19 Sitze)
SPD: 8, CDU: 5, Grüne: 3, Linke: 1, Piraten: 1, WfH: 1

Ahlem-Badenstedt-Davenstedt ist der 11. Stadtbezirk in Hannover. Er hatte 2015 33.334 Einwohner und besteht aus den Stadtteilen Ahlem (10.566 Ew.), Badenstedt (11.932 Ew.) und Davenstedt (10.846 Ew.).

Ahlem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen Ahlem

Der Stadtteil Ahlem liegt im Norden des Stadtbezirks. Er war zunächst eine eigenständige Gemeinde und wurde am 1. März 1974 in die Stadt Hannover eingemeindet.[1]

Ahlem hat seit 1966 eine Partnerschaft mit der französischen Gemeinde Petit-Couronne im Kanton Grand-Couronne im Département Seine-Maritime in der Normandie. Am Schulzentrum Ahlem besteht ein deutsch-französischer Schüleraustausch.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ahlem entstand als Bauerndorf im Schutze der Burg des Grafen Konrad von Wunstorf. Die wehrhafte Burg wird in einer Urkunde 1187 als Castrum Limbere erwähnt. Ihre genaue Lage ist heute aber nicht mehr bekannt. Sie war namensgebend für die Siedlung Limmer. Ahlem stand kirchlich und wirtschaftlich im Schatten der Burgsiedlung Limmer. Eine erste urkundliche Erwähnung fand das Dorf 1272 und 1288. Dabei vermachten Ludolf und Johann von Roden das Ahlemer Land dem Kloster Marienwerder.

Ahlem war immer ländlich geprägt, die Dorfbewohner lebten von der Landwirtschaft. 1770 zählte das Dorf 120 Einwohner, etwa 100 Jahre später 1895 waren es rund 500. Um 1730 wurde asphalthaltiges Gestein gefunden, das aber erst Mitte des 19. Jahrhunderts wirtschaftlich genutzt werden konnte. 1897 wurde auf einem Hügel westlich des Dorfes die Ausflugsgaststätte Ahlemer Turm erbaut.

Judenhaus und Konzentrationslager[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Novemberpogrom 1938 wurden in Hannover 15 Judenhäuser eingerichtet, eines davon befand sich auf dem Gelände der ehemaligen Israelitischen Gartenbauschule Ahlem. Im September 1941 wurden mehr als 1000 Juden von der Stadtverwaltung gezwungen, innerhalb weniger Stunden, in eines der Judenhäuser zu ziehen. Später wurden die hier internierten Juden in Konzentrationslager in Osteuropa deportiert. Ende 1944 wurde in Ahlem ein Außenlager des KZ Neuengamme, das KZ Hannover-Ahlem eingerichtet, in das Insassen des KZ Stöcken (Continental) auf dem Gelände des Continentalwerks verbracht wurden. Es befand sich in der heutigen Petit-Couronne-Straße nahe der Ahlemer Höhe. Die Häftlinge, vor allem polnische Juden, bauten in einem Stollen unterirdisch Asphalt ab. Ein Großteil der Gefangenen wurde wenige Tage vor Ankunft der US-Armee auf einen Todesmarsch in das KZ Bergen-Belsen geschickt, die im Lager verblieben Häftlinge wurden am 10. April 1945 befreit.

Mahn- und Gedenkstätte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mahn- und Gedenkstätte Ahlem besteht seit 1987 auf dem Gelände der ehemaligen Israelitischen Gartenbauschule Ahlem in der Justus-von-Liebig-Schule. Sie dokumentiert im Wesentlichen die Geschichte dieses Ortes sowie die der Einwohner jüdischen Glaubens der Stadt Hannover und des ehemaligen Landkreises.[2][3] Seit 1994 erinnert ein Mahnmal an die Opfer des Konzentrationslagers.

Heute gehören zu Ahlem die Grundschule Ahlem, ein ehemaliges Schulzentrum, das seit dem Herbst 2014 temporär von der Stadt Hannover als Flüchtlingsunterkunft genutzt wird, der Stadtfriedhof Ahlem, die Mahn- und Gedenkstätte Ahlem, die evangelisch-lutherische Martin-Luther-Kirche, die katholische Maria-Trost-Kirche, ein thailändischer Tempel, die Justus-von-Liebig-Schule für Floristik, Gartenbau und Landwirtschaft, der Fachbereich Milch- und Molkereiwirtschaft der Fachhochschule Hannover, die Drogentherapieeinrichtung Haus der Hoffnung, das Pflanzenschutzamt der Landwirtschaftskammer Niedersachsen sowie Kleingarten- und Sportanlagen.

Badenstedt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Badenstedter Marktplatz

Badenstedt liegt im Süden des Stadtbezirks. Die Einwohnerschaft war früher aufgrund der Nähe zu den großen Lindener Industriegebieten durch ein traditionelles Arbeitermilieu geprägt, deshalb befinden sich hier viele Genossenschaftswohnungen. Das Wohngebiet nordöstlich des Bornumer Holzes (östlich der Güterumgehungsbahn) wird als Körtingsdorf bezeichnet. Vorgänger der neueren Siedlung nahe der Firma Körting ist eine heute nicht mehr vorhandene Arbeitersiedlung – errichtet Ende des 19. Jahrhunderts. Es konnten lediglich zwei Arbeiterhäuser gerettet werden.

Im Bereich des heutigen Turnvereins Badenstedt (TVB) befand sich bis ins 20. Jahrhundert eine von Georg Egestorff gegründete Saline, in der große Mengen Salz gewonnen wurde. 1909 wurde Badenstedt in die Stadt Linden eingemeindet.

Neben dem TVB gibt es noch einen weiteren größeren Sportverein, den Badenstedter Sportclub (BSC). Ebenfalls in Badenstedt ansässig ist der Jugend SV, der sich 1968 vom TVB abspaltete und eine jugenddominierte Sportkultur pflegen wollte.

Im September 2001 wurde beim Badenstedter Denkmal, dem zentralen Punkt des Stadtteils, ein neuer Marktplatz eingeweiht. In der Nähe befindet sich die evangelisch-lutherische Paul-Gerhardt-Gemeinde, der alte Badenstedter Friedhof und gegenüber der Badenstedter Straße der alte Dorfkern mit einzelnen sehenswerten Fachwerkhäusern. Seit Mitte der 1990er Jahre entsteht das Neubaugebiet Badenstedt-West unmittelbar am Benther Berg.

Altbau der IGS an der Diesterwegstraße

Badenstedt hat zwei Grundschulen (Gebrüder-Körting-Schule, Friedrich-Ebert-Schule). Eine Förderschule für Lernbehinderte (Astrid-Lindgren-Schule) ist im Sommer 2013 umgezogen und hat den Stadtteil verlassen. Im Schulzentrum Badenstedt befindet sich eine Haupt- und Realschule, die seit 2010 jahrgangsweise in eine Integrierte Gesamtschule umgewandelt wird. Außerdem befindet sich hier die Stadtteilbibliothek des Stadtbezirks.

Im Schulzentrum ist auch der Kulturtreff Plantage in der Plantagenstraße untergebracht. Eine weitere kulturelle Einrichtung sind die ehemaligen Fuchswerke nahe der Grenze zu Empelde. Zahlreiche Werkstätten, Ateliers, Firmen, Läden haben sich hier nach einer vorbildlichen Sanierung der ehemaligen Fabrikanlage niedergelassen. Im Badenstedter Gewerbegebiet hat sich die Firma Viscom niedergelassen, einer der größten Arbeitgeber im Stadtteil.

Die katholische Christ-König-Kirche wurde 1965 geweiht, auch eine neuapostolische Kirche befindet sich in Badenstedt. In einem Gewerbegebiet befindet sich seit 2009 mit dem Sri-Muthumariamman-Tempel der größte norddeutsche hinduistische Tempel.

Die Fösse fließt gleichsam als Grenzflüsschen zwischen Badenstedt und dem nördlichen Nachbarstadtteil Davenstedt.

Davenstedt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St.-Johannes-Kapelle
Das 1973 erbaute Terrassenhochhaus in der Straße Wegsfeld

Davenstedt liegt in der Mitte des Stadtbezirks. Im Bereich des Davenstedter Marktes befinden sich moderne Miet- und Eigentumswohnungen, in Davenstedt-West eine große Reihenhaussiedlung, errichtet Anfang der 1980er Jahre. Ein Denkmal der modernen Baukunst ist das 1973[4] errichtete „Terrassenhochhaus“ an der Straße Wegsfeld, im Volksmund wird es entweder mit den antiken Hängenden Gärten von Babylon verglichen oder als Schlachtschiff bezeichnet. In Davenstedt-Ost an der Davenstedter Straße ist das Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr Davenstedt.

Erstmals erwähnt wird Davenstedt als Davenstide im Marstemgau im Jahr 1022 in einer von Kaiser Heinrich II. ausgestellten Stiftungsurkunde des Hildesheimer Michaelisklosters, deren Echtheit von einigen Historikern aber angezweifelt wird. Eine zweite Erwähnung in Kirchenbüchern als Davenstede situm im Jahr 1280 ist dagegen unstrittig. 1909 wurde Davenstedt in die Stadt Linden eingemeindet.

Im alten Dorfkern befindet sich die St.-Johannes-Kapelle von 1790,[5] eine der beiden erhaltenen hannoverschen Fachwerkkapellen neben der Kapelle Wülferode. In der Nähe steht der Backsteinneubau St. Johannes im parkähnlichen Gelände verbunden mit Kindergarten, Gemeindesaal, Küster- und Pastorenhaus.

In der Nähe des ehemaligen Gemeindewaldes Davenstedter Holz am Geveker Kamp hat der Sportverein TuS Davenstedt sein Gelände. Vom Davenstedter Holz ist außer der gleichnamigen Straße nur ein kurzer Bachverlauf mit Baumbestand übrig geblieben. Im Nordosten Davenstedts steht die Grundschule In der Steinbreite.

Bezirksrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Kommunalwahl vom 11. September 2011 wurde die SPD mit 43,1 % der Stimmen wieder die stärkste Partei im Stadtbezirk und stellt mit Brigitte Schlienkamp die Bezirksbürgermeisterin. Zum stellvertretenden Bezirksbürgermeister wurde Oliver Kiaman (CDU) gewählt, dessen Partei mit 26,1 % der Stimmen zweitstärkste Partei wurde. Die SPD hatte eigentlich mit den Grünen (16,5 %) eine Absprache getroffen, wonach die Grünen die SPD-Kandidatin unterstützen sollten und die SPD im Gegenzug die Kandidatin der Grünen Ingrid Lange, die zuvor zehn Jahre lang stellvertretende Bürgermeisterin von Hannover war, mit zur stellvertretenden Bezirksbürgermeisterin wählen sollten. Während die SPD-Kandidatin mit den Stimmen der Grünen gewählt wurde, erhielt in der Wahl zum stellvertretenden Bürgermeister überraschend der CDU-Kandidat die Mehrheit. Lange legte daraufhin ihr Mandat im Bezirksrat nieder.[6] Inzwischen hat Oliver Kiaman den Stadtteil verlassen und René Rosenzweig (Bündnis 90/Die Grünen) wurde zum stellvertretenden Bezirksbürgermeister gewählt. Der Bezirksrat Ahlem-Badenstedt-Davenstedt tagt etwa achtmal im Jahr öffentlich im Bürgergemeinschaftshaus Ahlem.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Auguste Breitzke (* 1908; † 1982), sozialdemokratische Widerstandskämpferin

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ahlem-Badenstedt-Davenstedt liegt an der Güterumgehungsbahn Hannover. Dort befindet sich der Betriebsbahnhof Ahlem.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ahlem-Badenstedt-Davenstedt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 189.
  2. hannover.de: Mahn- und Gedenkstätte Ahlem (Memento vom 18. April 2009 im Internet Archive)
  3. hannover.de: Ein Rundgang durch Ahlem (Memento vom 2. August 2012 im Webarchiv archive.is)
  4. Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.): Hannover Chronik: Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Zahlen • Daten • Fakten, Schlütersche, Hannover 1991
  5. Hector Wilhelm Heinrich Mithoff: Kunstdenkmale und Alterthümer im Hannoverschen. Erster Band: Fürstenthum Calenberg, Helwingsche Hofbuchhandlung, Hannover 1871, S. 24 Digitalisat, abgerufen am 11. März 2015.
  6. Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 29. November 2011, S. 13

Koordinaten: 52° 22′ N, 9° 40′ O