Michel Piccoli

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Michel Piccoli bei den Filmfestspielen von Cannes, 2011

Jacques Daniel Michel Piccoli (* 27. Dezember 1925 in Paris) ist ein französischer Theater- und Filmschauspieler. Daneben war er auch als Drehbuchautor, Regisseur und Filmproduzent tätig. Piccoli gilt als einer der bedeutendsten Charakterdarsteller Frankreichs.

Leben und Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Michel Piccoli, 2000

Michel Piccoli ist der Sohn einer Musikerfamilie italienischer Herkunft, die bereits seit mehreren Generationen in Paris lebte. Sein Vater Henri Piccoli war Violinist und seine Mutter Marcelle Expert-Bezançon Pianistin.[1] Piccoli besuchte das Collège d’Annel, die École alsacienne und das Collège Sainte-Barbe in Paris und nahm danach Schauspielunterricht bei René Simon. Als Schüler hatte er zuvor an verschiedenen Laien-Aufführungen teilgenommen.[1] Nach seiner Schauspielausbildung trat er an verschiedenen Pariser Bühnen auf und war zeitweilig Direktor des Théâtre de Babylone.

Im Jahr 1944 hatte er sein Filmdebüt. Er spielte unter namhaften Regisseuren, zunächst oft nur in kleineren Rollen, unter anderem als Hauptmann Valorgeuil in Jean Renoirs French Can Can (1954), als Maurice Rouger in Kurt Maetzigs Ernst Thälmann – Führer seiner Klasse und als James Putnam in Die Hexen von Salem (1956). Seine Verkörperung der Religion in Gestalt des Priesters Lizzardi neben Georges Marchal und Michèle Girardon in Luis Buñuels La mort en ce jardin (1956) war seine erste große Rolle. Seine erste Hauptrolle war der in Annie Cordy verliebte Music-Hall-Direktor Jacques Forestier in der Romanze Tambarin (1958). Nach einer weitern Rolle bei Buñuel in Tagebuch einer Kammerzofe ist es die Figur eines Schriftstellers Paul Javal in Die Verachtung (1963) von Jean-Luc Godard, die ihn berühmt macht. Piccoli gehört nun zu den führenden Stars. Ob sein skrupelloser Erpresser neben Catherine Deneuve in Buñuels Belle de Jour – Schöne des Tages, sein romantischer Musikladenbesitzer Simon Dame, den Danielle Darrieux in Jacques Demys Die Mädchen von Rochefort wegen seines Namens nicht heiraten will ("Madame Dame") oder sein als Spitzel verdächtigter Mann in Ein Mann zuviel von Costa-Gavras ist sein Repertoire groß.

Trotz guten Aussehens, Charme und Virilität galt Piccoli nie als Schönling wie jene Garde der Kassenstars wie Alain Delon. Alfred Hitchcock engagiert ihn 1968 für seinen Thriller Topas neben weiteren angesagten französischen Stars wie Claude Jade, Dany Robin und Philippe Noiret. Piccoli spielte darin den am Ende entlarvten Chef des Spionagerings Topas. Seine Filmpartnerin Claude Jade berichtete, dass Hitchcock es später bedauerte, Piccoli nicht die zentrale Hauptrolle gegeben zu haben, die der schöne Frederick Stafford verkörpert hatte. So ist Piccoli in jener Zeit noch der für einen Jüngeren Verlassene (von Catherine Deneuve in La Chamade – Herzklopfen). Mit Die Dinge des Lebens beginnt seine Arbeit mit dem Regisseur Claude Sautet. Er spielt bei ihm, manchmal gemeinsam mit Romy Schneider, Hauptrollen in Das Mädchen und der Kommissar, Mado, Vincent, François, Paul und die anderen. Mit Schneider bildete er auch bei anderen Regisseuren ein Filmpaar, so auch in deren letztem Film Die Spaziergängerin von Sans-Souci. Piccoli spielt ab Anfang der 1970er oft abgründige Vertreter der bürgerlichen Gesellschaft im Grenzbereich zum Anarchismus. Als eindrucksvolle Darbietungen gilt seine Rollen als anarchistischer grunzender Proletarier im wortlosen Themroc von Claude Faraldo.

Neben seiner Filmtätigkeit trat Piccoli weiterhin in Theaterproduktionen auf und war unter anderem in Inszenierungen von Luc Bondy, Peter Brook oder Robert Wilson zu sehen. 2007 wurde er in die Wettbewerbsjury der 60. Filmfestspiele von Cannes berufen und für seine Hauptrolle als Henri Husson in Manoel de Oliveiras Drama Belle toujours für den Europäischen Filmpreis nominiert.

Wie viele andere Film- und Theater-Kollegen engagiert sich auch Piccoli in der politischen Linken Frankreichs. So setzt er sich etwa für den kommunistischen und pazifistischen Mouvement de la paix ein und für Amnesty International. 2007 unterstützte er in einem Aufruf, der von 150 Intellektuellen und Künstlern unterzeichnet wurde, die sozialistische Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal.[2]

Piccolis zweite Ehefrau war von 1966 bis 1977 Juliette Gréco, seit 1980 ist er in dritter Ehe mit der Großgrundbesitzerin Ludivine Clerc verheiratet. Aus erster Ehe mit Éléonore Hirt stammt seine Tochter Anne-Cordélia.[3]

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Michel Piccoli beim Cannes-Festival, 1993

Dokumentarfilm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der erstaunliche Monsieur Piccoli. (OT: L'extravagant monsieur Piccoli.) Dokumentarfilm, Frankreich, 2016, 55:15 Min., Buch und Regie: Yves Jeuland, Produktion: Kuiv Productions, arte France, INA, Cine+, Erstsendung: 28. Mai 2017 bei arte, Inhaltsangabe von ARD.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Michel Piccoli – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b 2. November 2010 im Munzinger-Archiv, abgerufen am Internationales Biographisches Archiv 44/2010 vom 2. November 2010 (mf) (Artikelanfang frei abrufbar)
  2. Aufruf und Namensliste in: „Avant qu’il ne soit trop tard.“ In: Nouvel Observateur, 13. März 2007. („Bevor es zu spät ist.“)
  3. Michel Piccoli auf Frankreich-Sued.de