Charlotte Berend-Corinth

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Lovis und Charlotte Corinth im Berliner Atelier 1908

Charlotte Berend-Corinth (geboren am 25. Mai 1880 in Berlin; gestorben am 10. Januar 1967 in New York City) war eine deutsche Malerin, Lithographin, Buchillustratorin und Autorin der Moderne. Sie war zudem Schülerin, Ehefrau und häufiges Modell des Malers Lovis Corinth.

Ab 1908 präsentierte sie ihre eigenen Werke in Ausstellungen der Berliner Secession, konzentrierte sich jedoch vor allem auf ihre Familie und die Karriere ihres Ehemanns. Nach dem Tod von Lovis Corinth war sie in Deutschland und nach ihrer Emigration auch in den USA als Künstlerin erfolgreich. Sie schrieb zudem mehrere Bücher und stellte 1958 das Werkverzeichnis Die Gemälde von Lovis Corinth zusammen, das bis heute als Standard genutzt wird.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühe Jahre und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Charlotte Berend wurde als zweite Tochter des jüdischen Baumwollimporteurs Ernst Berend und seiner Frau Hedwig, geborene Gumpertz, in der Berliner Kochstraße geboren. Ernst Berend stammte aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie, die in Dessau und Hamburg lebte, während die Familie Gumpertz seit mehr als 200 Jahren in Preussen lebte und zu den ältesten Schutzjuden des Landes gehörte. Sein Geschäft befand sich am Berliner Alexanderplatz und wie viele erfolgreiche jüdische Geschäftsleute zog er 1884 in das Kaufmannsviertel am Kurfürstendamm, wo die Familie eine Wohnung in der Berggrafenstraße bezog. Gemeinsam mit ihrer älteren Alice Berend (1875–1938), die später als Schriftstellerin bekannt wurde, ging Charlotte auf die öffentliche Charlottenschule nahe dem Magdeburger Platz. Auf der Schule erhielt sie ihren ersten Zeichenunterricht bei Eva Stort, einer Privatschülerin von Max Liebermann und Karl Stauffer-Bern, und will nach ihrem Schulabschluss selbst Malerin werden.[1] Obwohl anfänglich dagegen, willigte ihr Vater aufgrund der zeichnerischen Begabung von Charlotte in ein Kunststudium seiner Tochter ein. 1898 absolvierte sie die Prüfung für die Aufnahme an der Königlichen Kunstschule zu Berlin in der Klosterstraße 75, die als „Vorschule“ der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums Berlin diente. Sie studierte dort bei Maximilian Schäfer und Ludwig Manzel. Ein Jahr später wurde sie in die Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums aufgenommen und führte ihre Studien fort. Am 28. Februar erschießt sich ihr Vater, da er bei Börsenspekulation sowohl sein eigenes Vermögen verloren wie auch treuhänderische Gelder veruntreut hatte. Hedwig Berend zieht mit ihren beiden Töchtern in eine kleine Wohnung am Halensee, Charlotte muss ihr teures Studium beenden.[1]

Ihr Leben mit Lovis Corinth[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lovis Corinth: Porträt Charlotte Berend im weißen Kleid (1902)
Lovis Corinth und Charlotte Berend 1902
Lovis Corinth: Junge Frau mit Katzen, 1904. Bei der Porträtierten handelt es sich ebenfalls um Charlotte Berend

Ab 1901 nahm Charlotte Berend als erste Schülerin Unterricht bei Lovis Corinth, der eine private „Malschule für Weiber“ gegründet hatte. Wie viele Frauen in der Kunst war Charlotte Berend gleichzeitig Malerin, Muse und Modell, teilweise auch Aktmodell. Sie stand ihm ab 1902 regelmäßig als Modell zur Verfügung, wobei das erste Bild Porträt Charlotte Berend im weißen Kleid ein Vollportät in einem hellen Kleid mit dunkler Schärpe war. Im gleichen Jahr begleitete sie ihn allein zu einer Studienreise nach Horst in Pommern, dem heutigen Niechorze. Während des Aufenthaltes in Horst vertiefte sich die Beziehung von Lovis Corinth und Charlotte Berend, und sie wurden ein Liebespaar. Charlotte Berend beschrieb in ihren Lebenserinnerungen Mein Leben mit Lovis Corinth, wie sie beide engumschlungen auf einem Steg saßen und sie ihm die Geschichte ihres ersten Heiratsantrags erzählte.[2] Während des Badeurlaubs malte Lovis Corinth das Bild Petermannchen[3] ebenso wie das Paddel-Petermannchen,[4] und Charlotte skizzierte ihren Leher in Bleistiftzeichnungen.[1]

Am 23. März 1904 fand die Hochzeit zwischen Lovis Corinth und Charlotte statt, wobei sie sich den Doppelnamen Berend-Corinth nahm. Spätere Darstellungen nennen für die Trauung of das Datum 23. März 1903, die Trauung ist jedoch beurkundet unter StA Berlin-Charlottenburg 1, Heiratsregister Nr. 57/1904. Ein möglicher Hintergrund für die spätere Vorverlegung des Datums könnte das Geburtsdatem des gemeinsamen Sohnes Thomas sein, der am 13. Oktober 1904 (Taufdatum: 4. April 1905) und damit nur sieben Monate nach der Hochzeit geboren wurde.[1] Die Tochter Wilhelmine Corinth folgte fünf Jahre später am 13. Juni 1909.

Die Malerkarriere seiner Frau wird von Lovis Corinth nur wenig unterstützt, während er zu dieser Zeit einer der bekanntesten Maler der Berliner Secession wurde. 1906 wurde Charlotte Berend-Corinth ebenfalls Mitglied der Berliner Secession und stellte 1908 ihre ersten Bilder aus. Das erste von ihr gezeigte Gemälde Die schwere Stunde beeindruckte sowohl das Publikum wie die Fachpresse, sie konzentrierte sich jedoch in der Zeit vor allem auf die Familie und darauf, als Modell für ihren Mann zur Verfügung zu stehen.[1] Nach der Abspaltung der Neuen Secession blieb sie weiterhin in der zu dem Zeitpunkt von Lovis Corinth geleiteten Secession. Ab 1909 begann sie mit verschiedenen grafischen Arbeiten in Form von lithographischen Mappenwerken und ersten Buchillustrationen.

Nach dem ersten Schlaganfall Lovis Corinths 1911 unterbrach sie ihre Arbeiten und pflegte ihren Ehemann. Im Jahr 1919 kaufte Lovis Corinth ein Grundstück in Urfeld am Walchensee, auf das seine Frau Charlotte ihm ein Haus bauen ließ. Corinth schrieb dazu: „Von allem, was du für mich getan hast, war deine größte Tat doch der Bau unseres Hauses am Walchensee“. Das Haus wurde zum Rückzugsort der Familie, an dem Corinth seine berühmten Walchensee-Bilder, Porträts und Stillleben produzierte, während seine Frau sich seinem Willen beugte und die Malerei zeitweise aufgab.[5]

Lovis Corinth malte während seines Lebens zahlreiche Porträts von seiner Frau in unterschiedlichen Lebenssituationen. Carl Georg Heise schrieb dazu 1958, dass er etwa „80 Bildnisse seiner Gattin geschaffen hat, nicht zu reden von den Werken, zu denen sie ohne bestimmte Bildabsicht Modell gestanden hat.“[6]

Nach dem Tod Corinths[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lovis Corinth starb am 17. Juli 1925 im Alter von 67 Jahren. Nach seinem Tod stellte Berend-Corinth ihre eigenen Kunstprojekte zurück und widmete sich zunächst vor allem der Sichtung und Ordnung seines Nachlasses. Im Jahr 1926 veröffentlichte sie die von ihr redigierte Autobiographie ihres verstorbenen Ehemannes. Zudem organisierte sie die erste Gedächtnisausstellung in der Alten Nationalgalerie. Im selben Jahr und begann mit den Arbeiten an dem Werkverzeichnis seiner Gemälde.

Seit 1924 gehörte sie dem Vorstand der Secession an und war auch Jurymitglied für die Kunstausstellungen. Mit ihren Mappenwerken und Buchillustrationen für Max Pallenberg, Fritzi Massary und Valeska Gert unterstützte sie in den 1920er Jahren häufig Personen des Berliner Theaterlebens. Sie porträtierte unter anderen Michael Bohnen, Werner Krauß, Paul Bildt und Paul Graetz.

Im Jahr 1927 eröffnete sie eine Schule für angehende Maler in der Klopstockstraße 48, im selben Haus von Corinths ehemaliger Schule. Sie unternahm in der Folge eine Reihe von Reisen zu Studienzwecken nach Italien, in die Türkei, nach Ägypten und nach Dänemark. Den größten Teil der dreißiger Jahre war sie, mit kurzen Unterbrechungen, in Italien wohnhaft; 1936 freundete sie sich mit einem Italiener namens Fernando an und hatte mit diesem wahrscheinlich auch eine Affäre. Dort entwickelte sie ihren sehr eigenen Stil der Landschafts-Aquarellmalerei, mit dem sie auch zu amerikanischen Ausstellungen eingeladen wurde. 1936 hatte sie ihre ersten Kollektivausstellungen in den USA, unter anderem in New York, Davenport und Scranton. Außerdem wurde sie zu internationalen Ausstellungen des Carnegie Institute in Pittsburgh, einer Galerie in New York, eingeladen.

Emigration in die USA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Zeit des Nationalsozialismus emigrierte sie 1939 als Jüdin von der Schweiz aus in die Vereinigten Staaten, wo ihr Sohn Thomas bereits seit 1931 in New York ansässig war. Sie blieb allerdings nur wenige Monate in New York, zog dann nach Santa Barbara in Kalifornien. Dort lebte sie von 1940 bis 1945, schloss enge Freundschaft mit Donald Bear, dem Direktor des Santa Barbara Museum of Art und malte zahlreiche kalifornische Landschaften. 1945 zog sie zurück nach New York und blieb dort; auch Wilhelmine und ihr Mann, die den Zweiten Weltkrieg in Hamburg überlebt hatten - Wilhelmine war vom NS-Regime als sogenannter jüdischer Mischling mit einem Berufsverbot belegt worden - zogen 1948 dorthin. Berend-Corinths Arbeiten bestanden seitdem vor allem aus Landschaftsaquarellen, Stillleben und Porträts und sie konnte zahlreiche Ausstellungen in amerikanischen Privatgalerien und Museen veranstalten.

1948 veröffentlichte sie ihre autobiografisches Buch Mein Leben mit Lovis Corinth, das sie bereits 1937 abgeschlossen hatte. 1950 folgte die Schrift Als ich ein Kind war, in der sie ihre Jugend in Berlin reflektierte. Im Folgejahr sowie 1954 reiste sie nach Europa, unter anderem auch nach Deutschland und Österreich. 1956 lebte sie kurze Zeit für einen Studienaufenthalt auf den Karibischen Inseln. Im selben Jahr reiste sie erneut nach Europa und stellte eigene Aquarelle im Kunstamt Berlin-Reinickendorf aus. Im darauf folgenden Jahr wurden ihre Werke in der Städtischen Galerie München gezeigt.

1958 veröffentlichte sie zum 100. Geburtstag Lovis Corinths das Werkverzeichnis Die Gemälde von Lovis Corinth, welches bis heute als Standardwerk betrachtet wird und 1992 von Béatrice Hernad nachbearbeitet wurde. Sie reiste nach Deutschland und veröffentlichte noch im selben Jahr ein weiteres Erinnerungsbuch mit dem Titel Lovis. 1960 und 1961 hatte sie erneut eine Reihe von Ausstellungen in amerikanischen und deutschen Privatgalerien. 1967 starb sie – noch im selben Jahr wurden ihre Werke in der Ostberliner Nationalgalerie gezeigt; Charlotte Berend-Corinth hatte an der Konzeption der Ausstellung noch mitgewirkt, die durch ihren Tod zur Gedächtnisausstellung wurde. 2016 werden einige ihrer Gemälde im Stadtmuseum Berlin in der Gemeinschaftsausstellung Berlin – Stadt der Frauen gezeigt.[5]

Charlotte Berend-Corinth war Mitglied des Deutschen Künstlerbundes.[7]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auswahl nach Thieme-Becker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Liebesszene (1907)
  • Hilfe (1909)
  • Die schwere Stunde (1908)
  • Portrait eines jungen Künstlers (1912)

Mappenwerke (Lithographien)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Max Pallenberg. 9 Original-Lithographien. Oesterheld & Co., Berlin 1918.
  • Fritzi Massary. 6 Original-Lithographien. Gurlitt Presse, Berlin 1919.
  • Anita Berber. 8 Original-Lithographien. Gurlitt Presse, Berlin 1919.
  • Valeska Gert. 8 Original-Lithographien. Einleitung von Oscar Bie. Bischoff, München 1920.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belege und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Martina Weinland: Charlotte Berend-Corinth (1875–1938). In: Paul Spies, Martina Weinland: Berlin – Stadt der Frauen. couragiert & feminin, 20 außergewöhnliche Biografien. Stiftung Stadtmuseum Berlin, 2016; S. 91–100. ISBN 978-3-939254-36-2
  2. Charlotte Berend-Corinth: Mein Leben mit Lovis Corinth. Paul List Verlag, München 1958; S. 116–118.
  3. Lothar Brauner: Petermannchen, 1902. In: Peter-Klaus Schuster, Christoph Vitali, Barbara Butts (Hrsg.): Lovis Corinth. Prestel München 1996; S. 149. ISBN 3-7913-1645-1.
  4. Lothar Brauner: Paddel-Petermannchen, 1902. In: Peter-Klaus Schuster, Christoph Vitali, Barbara Butts (Hrsg.): Lovis Corinth. Prestel München 1996; S. 148. ISBN 3-7913-1645-1.
  5. a b Charlotte Berend-Corinth (1880–1967), Stiftung Stadtmuseum Berlin online, abgerufen am 14. Mai 2016
  6. Carl Georg Heise: Lovis Corinth - Bildnisse seiner Frau. Werkmonographien zur bildenden Kunst in Reclams Universal-Bibliothek Nr. 26, Reclam-Verlag, Stuttgart 1958; S. 4.
  7. kuenstlerbund.de: Ordentliche Mitglieder des Deutschen Künstlerbundes seit der Gründung 1903 / Berend-Corinth, Charlotte (abgerufen am 15. Mai 2016)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Irmgard Wirth: Charlotte Berend-Corinth. Gemälde – Aquarelle – Graphik. Berlin Museum, Berlin 1969.
  • Martina Weinland: Charlotte Berend-Corinth (1875–1938). In: Paul Spies, Martina Weinland: Berlin – Stadt der Frauen. couragiert & feminin, 20 außergewöhnliche Biografien. Stiftung Stadtmuseum Berlin, 2016; S. 91–100. ISBN 978-3-939254-36-2
  • Corinth, Charlotte geb. Berend in: Thieme-Becker: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Bd. 10 (Cor-Cz) zusammen mit Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. E. A. Seemann (CD-ROM), Leipzig 2008. ISBN 978-3-86502-177-9 (S. 19)
  • Ursula El-Akramy: Die Schwestern Berend – Geschichte einer Berliner Familie. Europäische Verlagsanstalt Rotbuch Verlag, Hamburg 2002
  • Rudolf Pfefferkorn: Die Berliner Secession. Eine Epoche deutscher Kunstgeschichte. Haude & Spener, Berlin 1972.
  • Peter-Klaus Schuster, Christoph Vitali, Barbara Butts (Hrsg.): Lovis Corinth. Prestel, München 1996, ISBN 3-7913-1645-1.
  • Katja Behling, Anke Manigold: Die Malweiber. Unerschrockene Künstlerinnen um 1900. München : Elisabeth Sandmann, 2009, S. 76–78

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Charlotte Berend-Corinth – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

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