Chociwel

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Chociwel
Wappen von Chociwel
Chociwel (Polen)
Chociwel
Chociwel
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Powiat: Stargard
Gmina: Chociwel
Fläche: 3,67 km²
Geographische Lage: 53° 28′ N, 15° 21′ OKoordinaten: 53° 28′ 0″ N, 15° 21′ 0″ O
Einwohner: 3208
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 73-120
Telefonvorwahl: (+48) 91
Kfz-Kennzeichen: ZST
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 20 StargardGdynia
DW 144 Nowogard ↔ Chociwel
Schienenweg: Stargard–Gdańsk
Nächster int. Flughafen: Stettin
Sołectwo
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 20 Ortschaften
11 Schulzenämter
Fläche: 160,57 km²
Einwohner: 5999
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 37 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3214023
Verwaltung (Stand: 2009)
Bürgermeisterin: Ewa Ludwińska
Adresse: ul. Armii Krajowej 52
73-120 Chociwel
Webpräsenz: www.chociwel.pl



Chociwel (deutsch Freienwalde in Pommern) ist eine Kleinstadt und Sitz einer Stadt- und Landgemeinde im Powiat Stargardzki (Kreis Stargard in Pommern) in der polnischen Woiwodschaft Westpommern.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt in Hinterpommern, zwischen dem Freienwalder See (Jezioro Chociwe), dem Steinhöfeler See (Jezioro Kamienny Most) und dem Karkower See (Jezioro Karkowko). Westlich des Ortes verläuft der Fluss Krampehl (Krąpiel). Als nächste größere Stadt ist Stargard (Stargard in Pommern) über die Fernstraße 20 (ehemalige deutsche Reichsstraße 158) in 24 Kilometern Entfernung zu erreichen. Die Stadt liegt an der Bahnstrecke Stargard Szczeciński–Gdańsk.

Gewässer bei Freienwalde

Stadt Chociwel (Freienwalde)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freienwalde nordöstlich von Stargard in Pommern auf einer Landkarte von 1905
Freienwalder Marienkirche (bis 1945 evangelisch)

In der Nähe der Stadt wurden Reste eines slawischen Burgwalls gefunden, jedoch ist nachgewiesen, dass bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts das Gebiet wüst lag. Um 1250 entstand eine neue Siedlung mit Einwanderern aus dem Westen. Unter dem Namen Freienwalde verliehen die Brüder Wedego und Henning von Wedell dem Ort 1338 das Magdeburger Stadtrecht.

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts waren die Eigentumsrechte an Freienwalde geteilt, der Bischof von Cammin und der Markgraf von Brandenburg waren je zur Hälfte die Stadtherren. 1603 wurde Freienwalde pommersches Lehen, fiel aber nach dem Aussterben des pommerschen Herrscherhauses wieder an Brandenburg zurück. Im Dreißigjährigen Krieg fielen 95 Prozent der ehemals 760 Einwohner der Pest zum Opfer. Die Überlebenden zogen sich bis nach Polen zurück, kehrten aber nach dem Krieg in ihre Stadt zurück.

Um 1780 hatte Freienwalde zwei Stadttore und 180 Häuser, von denen zwei vor den Stadttoren lagen.[2] 1816 wurde Freienwalde mit der preußischen Verwaltungsreform in den Kreis Saatzig eingegliedert. Der Lebensunterhalt wurde hauptsächlich durch die Landwirtschaft bestritten. Erst mit dem Bau der Chaussee nach Stargard 1843 und der Errichtung der Bahnlinie Stettin–Danzig 1859 stellte sich ein wirtschaftlicher Aufschwung ein, durch den sich Freienwalde zu einem regionalen Handwerks- und Handelszentrum entwickelte. 1941 erreichte die von Berlin nach Königsberg geplante Autobahn die Stadt, vor ihren Toren wurde der Bau eingestellt.

Während der Einnahme Freienwaldes gegen Ende des Zweiten Weltkriegs durch sowjetische Truppen Anfang 1945 wurde die Altstadt mit Ausnahme der Marienkirche zerstört. Wie ganz Hinterpommern wurde die Stadt 1945 unter polnische Verwaltung gestellt. Es begann nun die Zuwanderung polnischer und ukrainischer Bürger aus Gebieten östlich der Curzon-Linie, die dort völkischen Minderheiten angehört hatten und an ihren Heimatorten von der zuständigen Sowjetkommandantur im Allgemeinen vor die Wahl gestellt worden waren, entweder eine andere Staatsangehörigkeit in Kauf zu nehmen oder auswandern zu müssen. Die angekommenen Polen und Ukrainer bemächtigten sich in Freienwalde der Behausungen und Anwesen der eingesessenen Stadtbewohner und verdrängten die Einheimischen daraus. Freienwalde erhielt den polnischen Ortsnamen Chociwel. Die Alteinwohner Freienwaldes wurden bis 1947 gewaltsam von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1740 850 [3]
1782 872 darunter 34 Juden[3]
1794 937 darunter 36 Juden[3]
1812 1.008 darunter vier Katholiken und 39 Juden[3]
1816 1.007 darunter zwei Katholiken und 33 Juden[3]
1831 1.321 darunter sechs Katholiken und 46 Juden[3]
1843 1.747 darunter neun Katholiken und 58 Juden[3]
1852 2.019 darunter vier Katholiken und 58 Juden[3]
1861 2.200 darunter drei Katholiken und 57 Juden[3]
1865 2.247 darunter 2.166 Evangelische, 14 Katholiken, drei Dissidenten und 64 Juden[4]
1875 2.293 [5]
1880 2.384 [5]
1890 2.316 darunter 13 Katholiken und 46 Juden[6]
1825 2.986 darunter 2.846 Evangelische, 47 Katholiken und 42 Juden[7]
1933 3.260 [5]
1939 3.411 [5]

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchengemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1945 waren die Einwohner Freienwaldes überwiegend evangelischer Konfession. Seit 1530 amtierten hier zwei Geistliche, wobei der Inhaber der ersten Pfarrstelle außerdem Superintendent des Kirchenkreises Freienwalde war. Der Kirchenkreis gehörte zum Westsprengel in der Kirchenprovinz Pommern der Kirche der Altpreußischen Union.

Zur Pfarrei Freienwalde gehörten zwei Filialkirchen: Karkow (heute polnisch: Karkowo) und Silbersdorf-Woltersdorf (Starzyce). Das Kirchenpatronat oblag den Gutsbesitzern der Familie von Wedel, deren Besitzungen im Kirchenkreisgebiet lagen. 1940 zählte das Kirchspiel 3.820 Gemeindeglieder. Letzte deutsche Geistliche vor 1945 waren Superintendent Hans Faiszt und Pfarrer Friedrich Nagel.

Seit 1945 nun wohnen überwiegend katholische Einwohner in Chociwel. Die Pfarrei gehört jetzt zum Dekanat Ińsko (Nörenberg) im Erzbistum Stettin-Cammin der Katholischen Kirche in Polen. Evangelische Kirchenglieder betreut das Pfarramt Stettin in der Diözese Breslau der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Stadtkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Marienkirche aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts ist eine mit einem Sterngewölbe überspannte dreischiffige Hallenkirche aus Backstein und hat einen einschiffigen Chor. Der Kirchturm ist mit Blendarkaden verziert und verjüngt sich zum Obergeschoss stark. Er brannte 1875 ab und wurde 1877 ersetzt.

Bis 1945 war die Kirche ein evangelisches Gotteshaus. Sie wurde dann zugunsten der katholischen Kirche enteignet und erneut der Maria, nun besonders der Mutter Gottes der Schmerzen geweiht.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christian von Preußen (* möglicherweise um 1180 in der Vorläufersiedlung von Freienwalde;[8] † 1245), erster Bischof von Preußen.[9]
  • Paul Steinführ (1900–1983), deutscher Gewerkschafter, Zweiter Vorsitzender des Zentralvorstandes der Industriegewerkschaft Leder im FDGB
  • Ernst Retzlaff (1902–1934), deutscher Politiker (NSDAP), Bürgermeister der Stadt Neubrandenburg
  • Siegfried Vergin (1933–2012), deutscher Politiker (SPD), Mitglied des Deutschen Bundestages
  • Herbert Hoffmann (1919–2010), deutscher Tätowierer und Fotograf

Gmina Chociwel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Chociwel umfasst eine Fläche von 160,57 km² und macht damit 10,6 % der Fläche des gesamten Powiat Stargardzki (Kreis Stargard in Pommern) aus. Mit 6.060 Einwohnern liegt sie genau im Mittelwert der Gemeinden in der Woiwodschaft Westpommern, bis 1998 noch zur Woiwodschaft Stettin gehörend. In der Gemeinde gilt die einheitliche Postleitzahl 73-120.

Das nordöstliche Gemeindegebiet gehört zum Landschaftsschutzpark Iński Park Krajobrazowy.

Nachbargemeinden sind:

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Stadt- und Landgemeinde Chociwel gehören außer der Stadt, die Sitz der Gmina ist, elf Ortsteile bei insgesamt 22 Orten:

  • Andere Ortschaften:

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gmina Chociwel liegt an der bedeutenden und verkehrsreichen polnischen Landesstraße (DK) 20, die von Stargard (Stargard in Pommern) über Szczecinek (Neustettin) und Miastko (Rummelsburg) bis nach Gdynia (Gdingen) führt. Sie folgt damit einem langen Abschnitt der ehemaligen deutschen Reichsstraße 158, die in Berlin ihren Anfang nahm und in Lauenburg in Pommern (Lębork) endete.

Von Norden – der früheren Kreisstadt Naugard, dem heutigen Nowogard – stößt die Woiwodschaftsstraße (DW) 144 in das Gemeindegebiet und stellt eine Verknüpfung zur Landesstraße 6 (ehemalige Reichsstraße 2, heute auch Europastraße 28) her.

Noch eine dritte überregionale Straße endet im Gemeindegebiet von Chociwel. Es handelt sich um die Bezirksstraße 142, die im Südwesten der Gemeinde bei Lisowo (Voßberg) endet. Hier trifft sie – von der Autobahn 6 vom östlichen Stadtrand Stettins kommend – auf die DK 20. Die DW 142 ist ein Teilstück der Trasse der geplanten Reichsautobahn Berlin–Königsberg, deren Bau jedoch hier bei Voßberg 1941 gestoppt wurde. Nach 1945 legte man eine Verbindung zur DK 20 an.

Schienen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1859 besteht in Chociwel Anschluss an die frühere Reichsbahnstrecke von Berlin über Danzig nach Königsberg (Preußen), der heutigen PKP-Linie 202 von Stargard (Stargard in Pommern) nach Danzig. In den 1980er Jahren wurde diese Linie elektrifiziert.

In das heutige Gemeindegebiet reichte auch die 1895 eröffnete Bahnstrecke Stargard in Pommern (Stargard) – Daber (Dobra), früher von den Saatziger Kleinbahnen betrieben, 2001 von der Polnischen Staatsbahn stillgelegt. Sie hatte im Ortsteil Kannenberg (Karnia) der heutigen Gmina eine Bahnstation.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Schulz (Hrsg.): Der Kreis Saatzig und die kreisfreie Stadt Stargard – Ein pommersches Heimatbuch. Rautenberg, Leer 1984, ISBN 3-7921-0307-9.
  • Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern – Abriß ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1865, S. 141–144 (Volltext).
  • Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogthums Pommern und des Fürstenthums Rügen. Zweiten Theils vierter Band, Anklam 1868, S. 343–365 (Volltext).
  • Johannes Hinz, Pommern. Wegweiser durch ein unvergessenes Land, Augsburg, 1996.
  • Fr. Karow: Freienwalde in Pommern während des dreißigjährigen Krieges. In: Baltische Studien, Band 4, Heft 2, Stettin 1837, S. 8–17 (Online, Google).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Ludwig Wilhelm Brüggemann (Hrsg.): Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Herzogtums Vor- und Hinterpommern. II. Teil, 1. Band, Stettin 1784, S. 220–223.
  3. a b c d e f g h i Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern – Abriß ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1865, S. 143–144.
  4. Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogthums Pommern und des Fürstenthums Rügen. Zweiten Theils vierter Band, Anklam 1868, S. 343–365, insbesondere S. 349.
  5. a b c d http://www.verwaltungsgeschichte.de/saatzig.html
  6. Die Gemeinde Deep im ehemaligen Kreis Köslin in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft)
  7. Die Stadt Freienwalde i. Pom. im ehemaligen Kreis Saatzig in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft)
  8. Die Angabe des Geburtsorts Freienwalde, die sich in manchen Geschichtsbüchern findet, wurde von dem Historiker Max Toeppen als „erdichtet“ bezeichnet; vergl. Scriptores rerum Prussicarum I, Leipzig 1861. Fußnote 1) auf S. 33.
  9. Johannes Voigt: Geschichte Preußens, von den ältesten Zeiten bis zum Untergang der Herrschaft des Deutschen Ordens, 1. Band: Die Zeit des Heidentuma, Königsberg 1827, S. 430 ff..