Clemens Tönnies

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Clemens Tönnies, 2016

Clemens Tönnies (* 27. Mai 1956 in Rheda) ist ein deutscher Unternehmer und Sportfunktionär. Er ist Miteigentümer der Unternehmensgruppe Tönnies Lebensmittel, Alleineigentümer der Zur-Mühlen-Gruppe und seit 2001 Aufsichtsratsvorsitzender des FC Schalke 04.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tönnies wurde als Sohn eines Metzgers in Rheda geboren. Er hatte fünf Schwestern und einen Bruder. Nach der Schule machte er eine Ausbildung als Fleischtechniker und Kaufmann. Sein Bruder Bernd Tönnies gründete 1971 auch mit seinem Namen einen Fleisch- und Wurstwaren-Großhandel. Nach und nach bauten sie gemeinsam die B. & C. Tönnies Fleischwerk GmbH & Co. KG[1] (heute Tönnies Lebensmittel GmbH & Co. KG) auf. Sie wurde zu einem der größten Fleischproduzenten Europas. Bernd Tönnies, der als Präsident ebenfalls Funktionär des FC Schalke 04 war, verstarb am 1. Juli 1994 im Alter von 42 Jahren an den Folgen einer Nierentransplantation.[2]

Tönnies ist seit 1994 Mitglied des Aufsichtsrates des FC Schalke 04 und seit 2001 dessen Vorsitzender.[3] Darüber hinaus ist er erster Vorsitzender des Schützenvereins zu Rheda e. V. von 1833.

Tönnies lebt in Rheda-Wiedenbrück, ist in zweiter Ehe verheiratet und hat zwei Kinder.[4]

Laut Presseberichten ist es zwischen Clemens Tönnies und seinem Neffen Robert Tönnies zu einer Auseinandersetzung gekommen, die vor Gericht ausgetragen wird. Robert Tönnies fordert u. a., dass das Unternehmen von einem Aufsichtsrat kontrolliert wird.[5][6]

Das US-Magazin Forbes schätzt sein Vermögen auf 2,4 Milliarden US-Dollar (ungefähr 2,1 Milliarden Euro, Oktober 2015). Damit belegt er Platz 847 auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt und Platz 63 der reichsten Deutschen (Stand Oktober 2015).[7] Im Oktober 2016 gab Spiegel Online ein geschätztes Vermögen von 1,1 Milliarden Euro an.[8]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut der Zeitschrift Der Spiegel war Tönnies einer der Prominenten, die Geld mit Cum-Ex-Fonds verdienten.[9]

2016 konnte das Bundeskartellamt eine Geldbuße in Höhe von 128 Millionen Euro wegen erwiesener Preisabsprachen an die Tochterunternehmen Böklunder Plumrose und Könecke Fleischwarenfabrik nicht eintreiben, weil die Tochterfirmen rechtzeitig liquidiert wurden. Tönnies hatte die Aktivitäten der Firmen Böklunder Plumrose und Könecke Fleischwarenfabrik auf andere Gesellschaften der Zur-Mühlen-Gruppe übertragen und die Tochterfirmen anschließend liquidiert. Da die Tochterfirmen rechtlich nicht mehr existierten, gab es für die Bußgeldbescheide keinen Adressaten mehr und die Bußgeldverfahren wurden eingestellt.[10] Als Folge dieser Vorgänge verabschiedete das Bundeskabinett im September 2016 eine Novelle des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB), um diese Gesetzeslücke zu schließen.[8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Amtsgericht Wiedenbrück, HRA 5243, 19. Dezember 2007.
  2. Gestorben – Bernd Tönnies. In: Der Spiegel, Nr. 27/1994, 4. Juli 1994, S. 176. Abgerufen am 18. Oktober 2015. (Nachruf)
  3. Lars Wallrodt: Toennies will die Schale für seinen toten Bruder. In: Die Welt, 20. August 2009. Abgerufen am 18. Oktober 2015.
  4. Bernd Weber: Der Kotelett-Kaiser von Schalke. In: Bild.de, 29. Oktober 2006. Abgerufen am 18. Oktober 2015.
  5. Mario Brück, Peter Steinkirchner: Die Schlacht beim Metzger. In: Wirtschaftswoche, 13. März 2012. Abgerufen am 18. Oktober 2015.
  6. Barbara Schmid: Wurf mit dem Knochen. In: Der Spiegel, Nr. 50/2013, 9. Dezember 2013, S. 48. Abgerufen am 18. Oktober 2015.
  7. #847 Clemens Toennies. In: ForbesThe World's Billionaires. Abgerufen am 18. Oktober 2015.
  8. a b Fleischfabrikant trickst Kartellamt aus - 128 Millionen Euro weg. Spiegel Online vom 19. Oktober 2016.
  9. Martin Hesse, Gerald Traufetter: Ex und hopp. In: Der Spiegel, Nr. 39/2014, 22. September 2014, S. 66–68. Abgerufen am 18. Oktober 2015.
  10. Tönnies schreibt mit der „Wurst-Lücke“ Rechtsgeschichte. Artikel in Welt Online vom 19. Oktober 2016.