Bank J. Safra Sarasin

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  Bank J. Safra Sarasin AG
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Staat SchweizSchweiz Schweiz
Sitz Basel
Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN CH0038389307
IID 8750[1]
BIC SARACHBBXXX[1]
Gründung 1841
Website www.jsafrasarasin.ch
GeschäftsdatenVorlage:Infobox Kreditinstitut/Wartung/Daten veraltetVorlage:Infobox Kreditinstitut/Wartung/Jahr fehlt
Mitarbeiter 1981 (31. Dezember 2014)
Leitung
Verwaltungsrat Ilan Hayim (Präsident)
Pierre-Alain Bracher (Vizepräsident)[2]
Vorstand Edmond Michaan (CEO)
[3]

Die Bank J. Safra Sarasin AG (bis 2013 Bank Sarasin & Cie AG) ist eine 1841 gegründete Schweizer Privatbank mit Sitz in Basel, die sich im Besitz der brasilianischen Safra Group befindet.

Geschäftstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihre Kernaktivitäten bilden die Anlageberatung und die Vermögensverwaltung für private und institutionelle Kunden sowie das Anlagefondsgeschäft, unter anderem auch mit Nachhaltigkeitsfonds. Anlagestiftungen, Corporate Finance und Finanzanalyse ergänzen das Dienstleistungsangebot. Darüber hinaus ist sie mit 57,5 Prozent an der auf Anlage- und Vorsorgeberatung spezialisierten und als Produkt- und Abwicklungsplattform für Kunden von anderen Finanzdienstleistern sowie Direktkunden tätigen bank zweiplus beteiligt.

Die J. Safra Sarasin-Gruppe beschäftigte teilzeitbereinigt per Ende 2014 1981 Mitarbeitende und verwaltete per Ende 2014 147,4 Milliarden Schweizer Franken Kundenvermögen. Die Bank war von 1987[4] bis 2013 an der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange kotiert.[5]

Neben ihrem Hauptsitz in Basel verfügt die J. Safra Sarasin-Gruppe über Standorte in Bern, Genf, Lugano, Luzern, Zürich, Doha, Dubai, Dublin, Frankfurt am Main, Gibraltar, Guernsey, Hongkong, London, Luxemburg, Monaco, München, Nassau, Panama, Posen, Singapur und Warschau.

Im September 2019 hat sich die Bank als eine der 130 Erst-Unterzeichnerinnen[6] der globalen Bankeninitiative zu den «Prinzipien für Verantwortliches Bankwesen» (PRB) der Vereinten Nationen angeschlossen.[7] Damit verpflichtet sie sich den sechs Grundsätzen der Initiative, der kontinuierlichen Ausrichtung auf die UNO-Ziele für eine nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals) und dem Pariser Klimaabkommen.[8]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte der Bank begann in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Johannes Riggenbach-Huber, Sohn eines einfachen Arbeiters in einer traditionellen Basler Bandfabrik, machte Karriere im Bankhaus Ehinger vom Lehrling bis zum Teilhaber.

Am 20. Februar 1841 gründete Johannes Riggenbach sein eigenes Unternehmen, das sich dem Handel, der Spedition und dem Bankgeschäft widmete. Schon im zweiten Betriebsjahr schloss sich sein Sohn Friedrich «Fritz» Riggenbach dem väterlichen Unternehmen an, welches er nach dem Tod des Vaters ab 1860 selbst führte. Das Bankhaus florierte und konnte 1876 den Handel am Ring der Basler Börse aufnehmen.

Am 1. Januar 1900 übernahm Alfred Sarasin-Iselin das Unternehmen von Fritz Riggenbach und gründete mit Arthur Streichenberg-Mylius die Kollektivgesellschaft A. Sarasin & Cie. Seitdem blieb Sarasin erhalten als Teil der Firma.

Unter der Führung von Alfred Sarasin entwickelte sich die Bank zu einer der renommiertesten und traditionsreichsten Privatbanken auf dem Schweizer Finanzplatz.

1954 bis 2007[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alfred Emanuel Sarasin folgte in verschiedener Hinsicht dem Weg seines Grossvaters: Er engagierte sich weit über das eigene Geschäft hinaus für das Schweizer Bankwesen und präsidierte von 1965 bis 1986 die Schweizerische Bankiervereinigung.

1987 wurde das Unternehmen A. Sarasin & Cie in eine Kommanditaktiengesellschaft mit dem Namen Bank Sarasin & Cie. umgewandelt.[9]

2002 wurde das Haus in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Die niederländische Rabo-Gruppe übernahm ein neuemittiertes Aktienpaket inklusive einer Option zum zusätzlichen Kauf eines Aktienpakets von der bestehenden Aktionärschaft. Als diese Option Ende 2006 ausgeübt wurde, hielt die Rabobank im April 2007 46,1 Prozent am Aktienkapital und mit 68,6 Prozent die Stimmenmehrheit.[9]

Übernahme durch die Safra Group und Umfirmierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 25. November 2011 wurde bekanntgegeben, dass die brasilianische Safra Group (Joseph Safra) von der niederländischen Rabobank deren Aktienpaket für 1,04 Mrd. Schweizer Franken übernehmen sollte.[10][11]

Am 3. Januar 2012 teilte Sarasin mit, dass Kundendaten von einem Mitarbeiter der Bank entwendet und unerlaubterweise an externe Dritte weitergegeben wurden. Beim geschädigten Kunden handelt es sich um die Familie des Präsidenten des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank, Philipp Hildebrand. Der Mitarbeiter, der im Bereich des IT-Supports tätig war, wurde entlassen. Er hat sich der Polizei gestellt.[12] Die Bank Sarasin reichte auch gegen Dritte eine Strafanzeige ein.[13] Diese Dokumente spielten eine Schlüsselrolle in der Affäre Hildebrand und dem Rücktritt von Philipp Hildebrand.

Der Verkauf der Mehrheitsanteile an die Safra Holding wurde Ende Juli 2012 abgeschlossen, danach hielt sie 50,15 % des Aktienkapitals und 71,01 % der Stimmrechtsanteile.[14] Ein öffentliches Kaufangebot der Safra für alle sich im Publikum befindenden Namenaktien wurde im Oktober 2012 abgeschlossen, danach hielt die Safra Aktien, die 99,47 % der Stimmrechtsanteile entsprachen. Safra stellte daraufhin eine Kraftloserklärung aller sich noch im Publikum befindenden Namenaktien, die im April 2013 erfolgt ist.[15][16] Nach Kraftloserklärung wurden die Aktien der Bank auf Antrag von Safra Group per 21. Mai 2013 an der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange dekotiert.[5]

Als Teil des anstehenden Zusammenschlusses der Bank Sarasin und der Bank Jacob Safra (Schweiz) AG zur Bank J. Safra Sarasin AG, teilte die Bank am 27. Mai 2013 mit, dass der bisherige Geschäftsführer der Bank J. Safra (Schweiz), Edmond Michaan, Sarasin-Geschäftsführer Joachim H. Strähle mit dem zukünftigen Zusammenschluss ablösen wird.[17]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sarasin hat über eigene Aktien oder Anlagen von Kunden in das Palmölunternehmen IOI investiert. Fastenopfer und Brot für alle fordern von den Banken – insbesondere von Sarasin und der Credit Suisse – die Menschenrechte und die Nachhaltigkeitsstandards einzuhalten. Und diese Einhaltung auch von den Kunden zu verlangen.[18] Die Sarasin beteiligte sich auch an Cum Ex Geschäften, mit denen durch Rückerstattung nicht gezahlter Steuern dem deutschen Fiskus hunderte Millionen entgingen. Der frühere Steuerchef der Bank bezeugte gegenüber der Staatsanwaltschaft Köln, er habe die Konstruktion für "steuerlich schwierig" und "ethisch/moralisch verwerflich" gehalten, doch seine Bedenken seien "als Geschäftsverhinderung" angesehen worden.[19]

Nach den Verwicklungen in die HVB-Steueraffäre[20][21] und den Klagen der Anleger des insolventen Windpark-Bauers Windreich[22][23] geriet das Bankhaus im Frühjahr 2014 erneut wegen umstrittener cum-ex Geschäfte (sogenanntes Dividendenstripping) in die Schlagzeilen. Die Bank hatte die steuerschädlichen Dividenden-Arbitrage-Fonds, die unter anderem durch den Berater Hanno Berger entstanden[24], vor allem an Prominente, darunter Carsten Maschmeyer, Clemens Tönnies, Erwin Müller, Veronica Ferres, Mirko Slomka, Matthias Prinz, Peter Schöffel oder den portugiesischen Milliardär Américo Amorim vertrieben, wie Anfang 2014 bekannt wurde.[25][26][27][28] Weitere Kunden waren Helmut Adler (Adler Modemärkte) und Klaus-Peter Schulenberg (CTS Eventim).[29] Die Bank steht unter Verdacht, mit fragwürdigen Geschäften auf ungerechtfertigte Steuergutschriften abgezielt zu haben. Die Risiken waren der Bank offenbar bewusst, wie interne Dokumente belegen.[30] Die Betroffenen beteuern öffentlich, nicht über die Art der Fonds aufgeklärt worden zu sein, und fühlen sich laut Medienberichten getäuscht.[31] Sie haben angekündigt, gegen die Bank zu klagen und Strafanzeige gegen handelnde Personen zu stellen.[32][33] Bestätigt fühlen sich die Geschädigten durch interne Dokumente der Bank, nach denen die Fonds „im Bereich der Steuerumgehung (…) anzusiedeln“ seien.[30] Die Süddeutsche Zeitung berichtete im April 2014, die Bank sei deswegen erpresst worden: Ein angeblicher Finanzberater namens Jürgen S. habe im Jahr 2011 eine Summe von 1,5 Millionen Euro von Sarasin gefordert. Sollte ihm das Geld nicht bezahlt werden, drohte er, die deutschen Steuerbehörden über Sarasins Börsendeals zu Lasten des Fiskus zu informieren. Eine Strafanzeige wegen Erpressung stellte Sarasin erst 2014.[34][35] Gegenüber der NZZ am Sonntag hatte sich Ilan Hayim, Präsident des Verwaltungsrats der Bank Sarasin, bezüglich der sich anbahnenden Klagewelle im Mai 2014 gelassen gegeben: „Materiell sind die Klagen irrelevant. Sie beeinträchtigen unser Geschäft nicht“.[36] Erwin Müller fordert (Stand April 2017) von der Bank 45 Millionen Euro Schadenersatz.[37] Sarasin akzeptierte die Forderung, womit sie rechtskräftig geworden ist.[38]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Eintrag im Bankenstamm der Swiss Interbank Clearing
  2. Verwaltungsrat auf der Website der Bank J. Safra Sarasin AG
  3. Geschäftsleitung auf der Website der Bank J. Safra Sarasin AG
  4. Bank Sarasin verschwindet vom Börsenzettel. In: Der Standard vom 13. November 2012
  5. a b Dekotierungsinserat Bank Sarasin & Cie AG.@1@2Vorlage:Toter Link/www.six-exchange-regulation.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. In: SIX Group vom 6. Mai 2013 (PDF-Datei; 70 kB)
  6. 130 banks around the world have signed the Principles for Responsible Banking. Signatory CEO Statements. United Nations Environment Programme - Finance Initiative, abgerufen am 22. Juni 2021 (englisch).
  7. Bank J. Safra Sarasin unterzeichnet die Prinzipien für Verantwortliches Bankwesen der UNEP FI. 23. September 2019, abgerufen am 22. Juni 2021.
  8. Simone Dettling: 130 banks holding USD 47 trillion in assets commit to climate action and sustainability. United Nations Environment Programme - Finance Initiative, 22. September 2019, abgerufen am 22. Juni 2021 (englisch).
  9. a b Ausführliche Chronik der Firmengeschichte (Oktober 2010) Eigenpublikation der Bank Sarasin, (pdf) online via (Memento vom 11. Juli 2011 im Internet Archive) (PDF; 746 kB)
  10. Bank Sarasin geht an Safra. In: NZZ Online vom 25. November 2011
  11. Safra Gruppe erwirbt Mehrheit an der Bank Sarasin. Medienmitteilung vom 25. November 2011 (PDF-Datei; 80 kB)
  12. Verletzung des Bankkundengeheimnisses durch einen Mitarbeiter der Bank Sarasin. (Memento vom 20. August 2012 im Internet Archive) Medienmitteilung vom 3. Januar 2012 (PDF-Datei; 40 kB)
  13. NZZ Online: Bank Sarasin reicht auch gegen Dritte eine Strafanzeige ein. 6. Januar 2012.
  14. Closing erfolgt, Mitteilung der Bank Sarasin, 31. Juli 2012
  15. Safra stellt Antrag auf Kraftloserklärung aller sich noch im Publikum befindenden Namenaktien B der Bank Sarasin & Cie AG. Medienmitteilung vom 23. Oktober 2012
  16. Dekotierung am 21. Mai 2013 vorgesehen: Appellationsgericht des Kantons Basel-Stadt erklärt restliche sich im Publikum befindende Namenaktien B der Bank Sarasin für kraftlos. Medienmitteilung vom 2. Mai 2013
  17. Bank Sarasin gibt die Reorganisation der Geschäftsleitung bekannt, um den Zusammenschluss zwischen der Bank Sarasin und der Bank J. Safra zur Bank J. Safra Sarasin AG erfolgreich umzusetzen. Medienmitteilung vom 27. Mai 2013
  18. Der Bund: Kirchen nehmen die Credit Suisse ins Visier In: derbund.ch am 7. März 2017, abgerufen am 12. November 2017.
  19. Der größte Steuerraub in der deutschen Geschichte, Lutz Ackermann, Benedikt Becker, Manuel Daubenberger, Philip Faigle, Karsten Polke-Majewski, Felix Rohrbeck, Christian Salewski, Oliver Schröm, Die Zeit, 8. Juni 2017
  20. sueddeutsche.de, 5. Dezember 2013: HVB-Affäre erfasst Sarasin Bank
  21. sueddeutsche.de, 5. Dezember 2012: Steinbrück sagt Vortrag bei Sarasin Bank ab
  22. finance-magazin.de, 8. Juli 2013: Windreich: Klage gegen Sarasin läuft (Memento vom 8. Mai 2014 im Internet Archive)
  23. sueddeutsche.de, 17. Februar 2014 In der Millionenfalle
  24. Die Milliardärsformel – das Cum-Ex Netzwerk weitet sich aus. Abgerufen am 11. Juni 2017.
  25. Prozessauftakt: Drogerieunternehmer will 45 Millionen Euro von Sarasin. Abgerufen am 11. Juni 2017.
  26. Umstrittene Cum-Ex-Deals: Maschmeyer verklagt Sarasin, auch Medienanwalt Prinz und weitere Prominente beteiligt. Abgerufen am 11. Juni 2017.
  27. Mit dem Siegel der Großfinanz. Abgerufen am 1. Oktober 2017.
  28. Stern.de, 19. März 2014: Die fragwürdigen Deals der Prominenten in der Schweiz (Memento vom 25. Mai 2014 im Internet Archive)
  29. Oliver Schröm, Oliver Hollenstein: Steuerexperte und Anwalt Hanno Berger: Der Mann hinter der Cum-Ex-Masche. In: Der Spiegel. Abgerufen am 26. März 2021.
  30. a b Tagesanzeiger, 6. November 2013: Die Bank Sarasin und das Projekt «Gipfelsturm»
  31. blick.ch, 20. April 2014: Krach um Millionen in der High Society
  32. manager magazin, 16. April 2014: Klagewelle rollt auf Bankhaus Sarasin zu
  33. finews.ch, 15. April 2014: Noch eine Klage gegen Sarasin in Deutschland
  34. sueddeutsche.de, 11. April 2014: Schweigegeld an ein Phantom (Memento vom 12. April 2014 im Internet Archive)
  35. Süddeutsche Zeitung, 28. März 2014, S. 25: „Schlaflose Nächte in Basel“ (Autor: Klaus Ott)
  36. NZZ, 4. Mai 2014
  37. spiegel.de
  38. Bank Sarasin wird Drogeriekönig Müller 45 Millionen zahlen. In: handelszeitung.ch. 16. November 2018, abgerufen am 16. November 2018.

Koordinaten: 47° 33′ 0,1″ N, 7° 35′ 23,1″ O; CH1903: 611376 / 266600