Club Bertelsmann

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Club Bertelsmann
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Rechtsform GmbH
Gründung 1. Juni 1950 von Reinhard Mohn als RM Buch und Medien Vertrieb gegründet, Teil der Club- und Direktmarketinggeschäfte von Bertelsmann.
Auflösung Dezember 2015[1]
Sitz Rheda-Wiedenbrück
Leitung Christoph Mittendorf, Anita Offel-Grohmann, Dirk Suda
Branche Medien (Buch- und Musikclubs)
Website www.derclub.de

Der Club Bertelsmann war ein Unternehmen der Direct Group Bertelsmann. Der heutige Club entstand aus dem Bertelsmann Lesering, den Reinhard Mohn am 1. Juni 1950 gründete.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Buchclubfiliale in Düsseldorf-Pempelfort (2010)

Da es in der Nachkriegszeit flächendeckend nicht genug Buchhandlungen gab, hatte Mohn die Idee, mit seinem Club Bücher auf direktem Wege zum Leser zu bringen. Der Club hatte bereits 1954 eine Million Mitglieder und verschaffte Bertelsmann durch seinen Erfolg die Möglichkeit, sein Geschäft auszubauen. 2005 hatte der Club nach eigenen Angaben rund drei Millionen Mitglieder.[2] Damit hatte sich die Mitgliederzahl seit 1992 (sechs Millionen Mitglieder[3]) halbiert.

Der Club Bertelsmann gehörte zur DirectGroup Germany, war Teil der Club- und Direktmarketinggeschäfte von Bertelsmann, das Dach für Buchclubs in verschiedenen Ländern Europas und war eine 100-prozentige Tochter der Bertelsmann SE & Co. KGaA. Die Direct Group Bertelsmann wurde im Juli 2000 gebildet und 2011 als Unternehmensbereich von Bertelsmann aufgelöst.[4] Geschäftsführer der DirectGroup Germany waren seit 1. Dezember 2014 Christoph Mittendorf, Anita Offel-Grohmann und Dirk Suda.

Im Juni 2014 gab Bertelsmann bekannt, dass der Club mit einer aktuellen Mitgliederzahl von etwa 1 Million im Laufe des Jahres 2015 eingestellt wird. Die wirtschaftliche Bedeutung für das Unternehmen sei stetig geschwunden.[5][6] 2014 gab es nur noch 52 Filialen. Am 31. März 2015 schlossen die letzten beiden Buchclub-Filialen in Gütersloh und Rheda und im Juni 2015 gab es nur noch 600.000 Club-Mitglieder.[7]

Am 23. Dezember 2015 wurde auch der Onlineshop eingestellt.[8]

Funktionsprinzip[Bearbeiten]

Der Club Bertelsmann gab Bücher mit zeitlicher Verzögerung zur Originalausgabe heraus, war damit von der Buchpreisbindung ausgenommen und konnte seinen Mitgliedern somit Bücher zu einem günstigeren Preis anbieten.[9] Die Rahmenbedingungen wurden im Potsdamer Protokoll von 1995 festgelegt und im Jahre 2004 noch einmal modifiziert.

  1. Mitgliedschaftsbindung: Die Mitgliedschaft ist eine unbedingte Voraussetzung. Ein Kunde verpflichtet sich, mindestens ein Jahr Mitglied zu bleiben und mindestens ein Produkt pro Quartal zu kaufen.
  2. Zeitabstand: Der Zeitabstand zwischen dem Erscheinen der Originalausgabe und der Club-Ausgabe wird individuell zwischen dem lizenzgebenden Verlag und dem Club Bertelsmann verhandelt, darf jedoch vier Monate nicht unterschreiten.
  3. Ausstattungsmerkmale: Die Ausgaben des Club Bertelsmann müssen sich in ihrem Erscheinungsbild von den Originalausgaben unterscheiden. Deshalb werden sie mit einem neugestalteten Einband, Schutzumschlag bzw. Cover ausgestattet.
  4. Mögliche Preisdifferenz: Erscheint das Buch mindestens vier Monate nach dem Erscheinen des Originals, so ist es dem Club Bertelsmann möglich, das Buch günstiger anzubieten.

Die Kunden wurden im Mai 2014 durch ein Netz aus 59 Filialen in ganz Deutschland betreut. Sie hatten darüber hinaus die Möglichkeit, über den monatlich erscheinenden Katalog oder im Internet Produkte zu bestellen.[10] Die letzten Filialen wurden im ersten Halbjahr 2015 geschlossen.

Medien[Bearbeiten]

Neben dem traditionellen Geschäft mit Büchern enthielt das Sortiment auch zahlreiche andere Produktgruppen:

  • Musik: Das Club-Programm umfasste knapp 70 % der aktuellen Chart-CDs, Neben Vorabveröffentlichungen stellte der Club eigene, exklusive Compilations zusammen.
  • Video, CD-Rom und Hardware: Das Video- und DVD-Programm umfasste zahlreiche Produkte. Darüber hinaus wurden CD-ROMs und Spiele für PC und Playstation sowie die passende Hardware (DVD-Player, Playstation, X-Box etc.) angeboten.
  • Kooperationsgeschäfte: Dazu gehörten Reisen, Telekommunikations- und Finanzprodukte und Strom.

Seit Anfang 2004 konnten Buchclubkunden zusätzlich aus 450.000 deutsch- und englischsprachige Titel aus dem regulären Buchhandelsangebot wählen.

Clubpremieren[Bearbeiten]

Zusätzlich zu den zeitlich verzögerten Ausgaben veröffentlichte der Club Bertelsmann im Jahr etwa 50 Premieren, die durchschnittlich erst sechs Monate später im Buchhandel erhältlich waren. Als erste Premiere eines Bestsellerautors wurde 2002 Die Farm von John Grisham herausgegeben. Im Jahre 2008 wurde Der Katalane von Noah Gordon als Club-Premiere auf den deutschen Markt gebracht. Des Weiteren wurden im Laufe der letzten Jahre Werke von David Baldacci, Paulo Coelho, Ken Follett, Charlotte Link und Nora Roberts als Premiere herausgegeben. Autoren wie Katia Fox (Das kupferne Zeichen), Linda Holeman (Smaragdvogel) und Senek Rosenblum wurden durch Club-Premieren entdeckt.

Kulturarbeit[Bearbeiten]

Autorenbeirat[Bearbeiten]

Der Club Bertelsmann rief mit Walter Kempowski, Tanja Kinkel und Gaby Hauptmann einen Autorenbeirat ins Leben. Nach eigener Aussage ging es dem Club zunächst darum, „populäre Club-Autoren im Katalog vorzustellen“. Im Laufe der Zeit verlagerte sich die Aufgabenstellung, so der Club, „in Richtung Leseförderung“. Seit 2005 empfohlen Autoren wie Amelie Fried, Thea Dorn, Wolfgang Herles, Wladimir Kaminer, Hellmuth Karasek und Ijoma Mangold Lesetipps im Club-Katalog. Als Amelie Fried und Ijoma Mangold mit der Moderation für die ZDF-Literatursendung Die Vorleser betraut wurden, beendeten die beiden ihre Tätigkeit im Autorenbeirat, um, wie sie sagten, „Interessenüberschneidungen zu vermeiden“. Ihre Nachfolger wurden Susanne Fröhlich, Jenny-Mai Nuyen und Richard David Precht. Sie sollten laut Aussage des Clubs „die Kontinuität dieser Art von Leseförderung garantieren“.

Leipzig liest[Bearbeiten]

1991 gründete der Club Bertelsmann gemeinsam mit der Leipziger Buchmesse und der Stadt Leipzig das Lesefestival „Leipzig liest“. 2009 präsentierten über 1500 Autoren an vier Messetagen ihre neuen Bücher auf dem Messegelände und an 300 unterschiedlichen Orten in der Stadt Leipzig. Zum Rahmenprogramm gehören Veranstaltungsreihen wie die „Jüdischen Lesewelten“ und der „Krimi-Club“. Unter der Überschrift „Erinnerung als Gegenwart“ stellen zeitgenössische Autoren in den „Jüdischen Lebenswelten“ unterschiedliche Erinnerungen nebeneinander. Schriftsteller wie Louis Begley, Saul Friedländer, Fritz J. Raddatz oder Senek Rosenblum lasen aus ihren Büchern und erzählten ihre Lebensgeschichten.

Krimifans treffen sich am Messe-Donnerstag und –freitag jeweils ab 19 Uhr im Leipziger Landgericht zum traditionellen „Krimi-Club“.

Aus Anlass des 40. Jahrestages der deutsch-israelischen Beziehungen gründete der Club Bertelsmann 2005 gemeinsam mit der Botschaft des Staates Israel die Lesereihe „Deutsch-Israelische Beziehungen“. Israelische Autoren wie Amos Oz, Zeruya Shalev oder David Grossman lasen neben deutschen Autoren wie beispielsweise Eva Menasse oder Gila Lustiger. Studenten des Deutschen Literaturinstitut Leipzig stellten unter dem Titel „Leseerfahrungen – Schreiberfahrungen“ aktuelle Bücher israelischer Autoren vor. Die Veranstaltungsreihe stand unter der Schirmherrschaft des israelischen Botschafters S.E. Yoram Ben-Zeev.

Das Blaue Sofa[Bearbeiten]

Das Blaue Sofa ist das gemeinsame Autorenforum vom Club Bertelsmann, dem ZDF Kulturmagazin aspekte, Deutschlandradio Kultur und der Süddeutschen Zeitung. Das Blaue Sofa präsentiert Autoren und deren Bücher auf den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig. Im Herbst 2005 feierte das Blaue Sofa Berlin seine Premiere im Berliner Ensemble.

Buch Trailer[Bearbeiten]

Der Buch Trailer war ein Nachwuchswettbewerb, der sich an kreative Studierende und Hochschulabsolventen von Film- und Medienstudiengängen in Deutschland, Österreich und der Schweiz richtete. Die Teilnehmer entwarfen Drehbücher für maximal 60 Sekunden lange Buchtrailer zu einer Buchpremiere des Club Bertelsmann. Eine Jury unter dem Vorsitz des Filmproduzenten Nico Hofmann wählte die besten drei Drehbücher aus. Die Studenten, deren Drehbücher von der Jury als beste drei Konzepte ausgewählt wurden, erhielten ein begrenztes Budget und setzten ihre Buchtrailer in Eigenregie um.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Bertelsmann gibt seinen Buchclub auf. Ende 2015 ist Schluss. In: handelsblatt.com. 17. Juni 2014, abgerufen am 21. Januar 2016.
  2. Der Club Bertelsmann in Berlin – noch attraktiver für seine Mitglieder. In: Presseaussendung des Club Bertelsmann. APA-OTS Originaltext-Service GmbH, abgerufen am 25. Januar 2010.
  3.  Jan Philip Holtmann: Pfadabhängigkeit strategischer Entscheidungen: eine Fallstudie am Beispiel des Bertelsmann-Buchclubs Deutschland. Kölner Wissenschaftsverlag, Köln 2008, ISBN 978-3-937404-57-8, S. 228.
  4. Bertelsmann ordnet Geschäfte der Direct Group neu. In: Bertelsmann.de. 15. Juni 2011, abgerufen am 17. Juli 2014.
  5. Nach 64 Jahren: Bertelsmann schließt seine Buchclubs. In: Spiegel Online. 17. Juni 2014, abgerufen am 21. Januar 2016.
  6. Bertelsmann Club wird eingestellt. Gütersloh macht das Licht aus. In: Buchreport.de. 17. Juni 2014, abgerufen am 4. Juli 2014.
  7. Ende einer Ära – Bertelsmann-Club verschickt letztes Buch. Derwesten.de, 23. Dezember 2015, abgerufen am 23. Dezember 2015.
  8. Heute schließen die letzten Club-Filialen – Offenes Ende. Börsenblatt, 31. März 2015, abgerufen am 23. Dezember 2015.
  9.  Hajo Hippner (Hrsg.): Management von CRM-Projekten: Handlungsempfehlungen und Branchenkonzepte. Gabler Verlag, Wiesbaden 2004, ISBN 3-409-12520-5, Geschäftsmodell des Club Bertelsmann, S. 456.
  10.  Dieter Ahlert: Multikanalstrategien: Konzepte, Methoden und Erfahrungen. Gabler Verlag, Wiesbaden 2003, ISBN 3-409-12292-3, S. 157.

51.9084458.418639Koordinaten: 51° 54′ 30″ N, 8° 25′ 7″ O