Culturescapes

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Culturescapes (Eigenschreibweise: CULTURESCAPES) ist ein jährlich im Herbst in der Schweiz mit Schwerpunkt in Basel stattfindendes Kulturfestival, in dem die Kulturlandschaft eines anderen Landes oder einer Region vorgestellt wird. Im Jahr 2002 gegründet, wurden zunächst vor allem osteuropäische Länder vorgestellt. Mit Ausgaben, die der Türkei, Aserbaidschan, China und Israel gewidmet waren, wurden in den letzten Jahren Schritte darüber hinaus gemacht. Mit Moskau 2012 [1] stellte Culturescapes zum ersten Mal die kulturelle Topografie einer Stadt in den Fokus des Festivals. Die Ausgabe Balkan 2013 [2] beleuchtete nicht nur ein Land, sondern eine ganze Kulturregion. Das Festival kooperiert mit bestehende Kulturinstitutionen wie dem Theater Basel, der Kaserne Basel oder dem Theaterhaus Gessnerallee, aber auch mit den offiziellen Vertretern sowohl der Schweiz, z. B. pro Helvetia, wie auch des jeweiligen Gastlandes auf Regierungsniveau. Das Festival ist vielspartig, neben darstellenden Künsten wie Musik, Theater und Tanz werden auch Film, Bildende Kunst, Handwerk, Literatur, oder Neue Medien vorgestellt. In der Sparte Fokus werden in Zusammenarbeit mit Schweizer Bildungsinstitutionen wie der Universität Basel oder der Universität Zürich Gegenwartsthemen, die Populäre Kultur, sowie die Geschichte der jeweiligen Fokusregion thematisiert und diskutiert. Kontroverse Themen werden nicht ausgelassen, sodass es schon mehrfach zu Protesten und Auseinandersetzungen kam als etwa der Armenische Genozid oder Aspekte des Nahostkonfliktes thematisiert wurden oder aserbaidschanische Regimekritiker zu Wort kamen. Gründer und Kurator aller bisherigen Ausgaben ist der niederländischen Kulturunternehmer Jurriaan Cooiman.

Idee und Perspektive[Bearbeiten]

Die Ursprungsidee von Culturescapes war, Transformationsprozessen und deren Ausdruck im zeitgenössischen Kunstschaffen in den damals nahezu unbekannten Ländern des ehemaligen Ostblocks nachzuspüren. Nach und nach löste sich dieser Bezug auf und es geriet Neues in den Fokus: „Kultur-Landschaften“ mit einer langen Tradition künstlerischer Vielfalt deren aktuelle Form durch eine spezielle Konstellation historischer, politischer, sozialer und wirtschaftlicher Spannungsfelder geprägt wird.[3]

Festivalausgaben[Bearbeiten]

Ausgabe Gastland Besonderheiten
2003 [4] Georgien 1990Georgien Georgien u. a. Gija Kantscheli als Composer in Residence
2004 [5] UkraineUkraine Ukraine Themen: Tschernobyl; Literatur aus Czernowitz, Musik von Valentin Silvestrov
2005 [6] ArmenienArmenien Armenien u.a. Erste öffentliche Konferenz zur Genozid an den Armeniern
2006 [7] EstlandEstland Estland u.a. Estland in Wandel, von Kraahl Theater, Arvo Pärt, Erkki-Sven Tüür, erster Kompositionswettbewerb
2007 [8] RumänienRumänien Rumänien u.a. Monday theatre mit Peca Stefan, Gianna Carbunariu; Stefan Niculescu, Aurel Stroe, Horatio Radulescu, Ana Blandiana
2008 [9] TurkeiTürkei Türkei u.a. Fazil Say; Mercan Dede,
2009 [10] AserbaidschanAserbaidschan Aserbaidschan Frangiz Ali-Sade, Mustafa-Zadeh, Pantomimetheater Baku, erstes Residenzprogramm für junge Künstler
2010 [11] China VolksrepublikVolksrepublik China Volksrepublik China u.a. Ko-Produktion mit Wang Jianwei; Jin Xing, Kompositionsauftrag Wang Xilin, Oper aus Hangzhou
2011 [12] IsraelIsrael Israel u.a. Batsheva Dance Company; Kompositionsauftrag an Chaya Czernowin; Ko-Produktionen Ofira Henig, Yasmeen Godder, Daniel Landau
2012 [13] Moskau Dimtri Krymov, Yuri Bashmet, Kooperation mit MUSMA (music masters on air), Kompositionsaufträge an Alexander Raskatov, Alexey Sysoev und Pavel Karmanov, Vladimir Sorokin
2013 [14] Balkan u.a. Miljenko Jergović, Dubioza Kolektiv, Oliver Frljic, EnKnapGroup, Rambo Amadeus, Vlatko Stefanovski, Damir Imamović
2014 [15] Tokio noch nicht veröffentlicht

Spielstätten (Auswahl)[Bearbeiten]

Rückspiele[Bearbeiten]

Angefangen mit der Ausgabe Aserbaidschan kam es immer mehr auch zu Rückspielen in dem Schweizer Künstler in dem jeweiligen Fokusland auftraten. So gastierte die Basel Sinfonietta 2009 in Baku, 2011 kam es zu einer „Swiss Season“ in Israel und 2012 gastierte das Symphonieorchester Basel in Moskau und St. Petersburg. Unter dem Namen „Swiss Culturescapes” wurde im Jahr 2013 aktuelles Schweizer Kunstschaffen in den acht Ländern des Westbalkans gezeigt. Unter anderem die Knabenkantorei Basel, der Musiker Nik Bärtsch mit seinem Projekt „Ronin“ oder auch „Imitation of life“ von Boris Nikitin [17]. Christoph Marthalers „King Size“ wurde mit grosser Begeisterung im International Theatre Festival, Sarajevo (MESS) [18] sowie beim World Theatre Festival in Zagreb [19] aufgenommen.

Resonanz und Kritik[Bearbeiten]

Bei der Ausgabe Armenien kam es zu verschiedene Auseinandersetzungen bis auf höchste politische Ebene wegen Thematisierung des Armenischen Genozids. Auch weitere Ausgaben waren kontrovers wegen einzelner Themen das Gastland betreffend: so bei der Ausgabe Türkei kritische Artikel in der Festivalzeitung, sowie den Spielfilm „Gitmek“[20], bei dem Festival zu Aserbaidschan die Rede- und Pressefreiheit und bei Israel, wie erwartet werden konnte, die Palästinenser-Frage, etliche Akteure in der Schweiz warben für einen kompletten Kulturboykott Israel gegenüber.

Trägerschaft und Patronat[Bearbeiten]

Culturescapes wurde in den Anfangsjahren als Label des Vereins PASS (Performing Art ServiceS, Basel) betrieben, firmiert aber seit 2009 als selbständige Stiftung Culturescapes.[21] Präsident ist Rembert Biemond, Direktor Jurriaan Cooiman. Die Schirmherrschaft übernahmen öfters die Staatspräsidenten der jeweiligen Gastländer zusammen mit einem Schweizer Bundesrat. 2008 Abdullah Gül, Türkischer Staatspräsident und Pascal Couchepin, 2010 Hu Jintao Staatspräsident der Volksrepublik China und Doris Leuthard, 2011 Micheline Calmy-Rey. Die Komponistin Sofia Gubaidulina, der Philosoph Hans Saner sowie der Basler Regierungsrat Guy Morin und der Schriftsteller Iso Camartin gehören ebenfalls zum Patronat.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Webseite Culturescapes Moskau 2012. Abgerufen am 24. Februar 2014.
  2. Webseite Culturescapes Balkan 2013. Abgerufen am 24. Februar 2014.
  3. Culturescapes-Geschichte. Webseite Culturescapes. Abgerufen am 25. Februar 2014.
  4. Flyer Culturescapes Georgien
  5. Programmübersicht Culturescapes Ukraine
  6. Programmübersicht Culturescapes Armenien
  7. Programmübersicht Culturescapes Estland
  8. Programmübersicht Culturescapes Rumänien
  9. Programm Culturescapes Türkei
  10. Programm Culturescapes Aserbaidschan
  11. Programm Culturescapes China (pdf; 6,5 MB), Pressespiegel Culturescapes China 1 (PDF; 5,3 MB), 2 (PDF; 6,4 MB), 3 (pdf; 6,1 MB)
  12. Programm Culturescapes Israel (pdf; 6,5 MB), Pressespiegel Culturescapes Israel 1 (PDF; 3,8 MB), 2 (PDF; 2,1 MB), 3 (PDF; 4,3 MB)4 (pdf; 3,4 MB)
  13. Pressespiegel Culturescapes Moskau
  14. Webseite Culturescapes Balkan 2013
  15. Webseite Culturescapes Tokio 2014
  16. Liste Partner Culturescapes Balkan 2013. Abgerufen am 24. Februar 2014
  17. Webseite Boris Nikitin. Abgerufen am 24. Februar 2014
  18. Webseite International Theatre Festival. Abgerufen am 24. Februar 2014
  19. Webseite World Theatre Festival Zagreb
  20. Gitmek in der IDMB; Filmdatabase [1]
  21. Pressemitteilung vom August 2009, abgerufen am 23. Februar 2011, online