Ticușu

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Ticușu
Ticușu führt kein Wappen
Ticușu (Rumänien)
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Basisdaten
Staat: Rumänien
Historische Region: Siebenbürgen
Kreis: Brașov
Koordinaten: 45° 56′ N, 25° 6′ OKoordinaten: 45° 55′ 42″ N, 25° 6′ 1″ O
Zeitzone: OEZ (UTC+2)
Höhe: 488 m
Fläche: 69,53 km²
Einwohner: 908 (20. Oktober 2011[1])
Bevölkerungsdichte: 13 Einwohner je km²
Postleitzahl: 507232
Telefonvorwahl: (+40) 02 68
Kfz-Kennzeichen: BV
Struktur und Verwaltung (Stand: 2016)
Gemeindeart: Gemeinde
Gliederung: Ticușu Vechi, Cobor
Bürgermeister: Emil-Mircea Șchiopea (PNL)
Postanschrift: Str. Principală, nr. 198
loc. Ticușu Vechi, jud. Brașov, RO–507232
Website:

Ticușu [ˈtikuʃu] ist eine Gemeinde im Kreis Brașov, in Siebenbürgen, Rumänien. Gemeindesitz ist der Ort Ticușu Vechi (deutsch Deutsch-Tekes, ungarisch Szásztyúkos).[2]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage von Ticușu im Kreis Brașov

Die Gemeinde Ticușu liegt in der historischen Region dem Fogarascher Land im Siebenbürgischen Becken. Am Bach Ticuș, ein rechter Zufluss des Olt (Alt), und an der Kreisstraße (drum județean) DJ 104K, liegt das Gemeindezentrum etwa 35 Kilometer südwestlich von der Kleinstadt Rupea (Reps); die Kreishauptstadt Brașov (Kronstadt) befindet sich ca. 75 Kilometer südöstlich entfernt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort Ticușu Vechi wurde erstmals 1373 urkundlich erwähnt.[2] Archäologische Funde auf dem Areal des Ortes, auf einem Hügel von den Einheimischen Livadă genannt, deuten auf eine Besiedlung im 3. oder 4. Jahrhundert hin.[3] Auf dem Gebiet des eingemeindeten Dorfes Cobor – von den Einheimischen Noatlinkgraben genannt – deuten archäologische Funde bis in die Spätbronzezeit zurück. Diese sind in Museen in Hermannstadt und Sighișoara (Schäßburg) zu sehen.[4]

Im Königreich Ungarn gehörte die heutige Gemeinde im Stuhlbezirk Kőhalom (heute Rupea; Reps) dem Komitat Groß-Kokelburg, anschließend dem historischen Kreis Făgăraș und ab 1950 dem Kreis Brașov in seiner heutigen Zusammensetzung an. Bis 1925 wurde der Ort Ticușu Vechi, Ticușu Săsesc genannt.[5]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bevölkerung der Gemeinde entwickelte sich wie folgt:

Volkszählung Ethnische Zusammensetzung
Jahr Bevölkerung Rumänen Ungarn Deutsche andere
1850 2.308 287 935 907 179
1941 2.403 288 731 1.095 289
1977 1.483 289 294 718 182
2002 866 370 136 7 353
2011 908 591 110 2 (?) 205 (172 Roma)

Seit der offiziellen Erhebung von 1850 wurde auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde die höchste Einwohnerzahl (2464) 1920 ermittelt. Die höchste Zahl der Rumäniendeutsche wurde 1941, die der Magyaren 1850, die der Rumänen 2011 und die der Roma (353) wurde 2002 registriert.[6]

Die Hauptbeschäftigung der Bevölkerung ist die Forst- und Landwirtschaft.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die evangelische Kirchenburg Deutschtekes (Ticușu Vechi),[7] wurde 1694 von den Bewohnern, die in den zehn Bauernhöfen des Ortes lebten, errichtet. Die rhombenförmige Kirchenburg mit den drei bis fünf Meter hohen Wehrmauern, hat an jeder Ecke einen dreigeschossigen Wehrturm. 1802 wurde die Kirche mit ihrem Westturm von einem Erdbeben stark beschädigt und von 1823 bis 1827 in einem spätbarocken Baustil erneuert.[2] Heute steht die Kirchenburg unter Denkmalschutz.[3]
  • Im eingemeindeten Dorf Cobor (Kiewern oder auch Kiwern[8]) wurde die reformierte Kirche im 15. Jahrhundert errichtet;[3] von den Tataren 1658 und die wiederaufgebaute 1802 durch einen Brand zerstört. Die gotische Saalkirche hat eine Kassettendecke und eine hölzerne Orgelempore. Der dreigeschossige Wehrturm ist auch Glockenturm.[2] Die heutige Kirchenburg[9] steht unter Denkmalschutz.[3]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fritz Keintzel-Schön (* 31. August 1904 in Klausenburg; † 9. Juli 1971 hier in Ticușu Vechi),[10] Lehrer, Sprachwissenschaftler und Volkskundler[11][12]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ticușu – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Volkszählung 2011 in Rumänien (MS Excel; 1,3 MB)
  2. a b c d Heinz Heltmann, Gustav Servatius (Hrsg.): Reisehandbuch Siebenbürgen. Kraft, Würzburg 1993, ISBN 3-8083-2019-2.
  3. a b c d Liste historischer Denkmäler des rumänischen Kulturministeriums, 2010 aktualisiert (PDF; 7,10 MB)
  4. Institute Of Archaeology − Cobor bei cimec.ro abgerufen am 1. Oktober 2016 (rumänisch)
  5. Ticuș bei prefecturabrasov.ro abgerufen am 1. Oktober 2016 (rumänisch)
  6. Volkszählung, letzte Aktualisierung 1. November 2008 (ungarisch; PDF; 525 kB)
  7. Die Kirchenburg in Ticușu Vechi bei romanianresorts.ro abgerufen am 1. Oktober 2016 (rumänisch)
  8. Karl Putz, Viktor Morawitz: Ungarn und Siebenbürgen mit Angaben sämtlicher Gerichtshöfe, Bezirkshöfe und der Gemeinden, Wien 1872
  9. Angaben zur Kirche in Cobor bei biserici.org abgerufen am 1. Oktober 2016 (rumänisch)
  10. Hermann A. Hienz: Schriftsteller-Lexikon der Siebenbürger Deutschen. Böhlau, Köln, Weimar, Wien 2001, ISBN 3-412-15200-5.
  11. Sara Schenker: Allgemeiner Bericht über Fritz Keintzel-Schön am 15. Februar 2008 bei siebenbuerger.de abgerufen am 1. Oktober 2016
  12. Regesta Imperii: Angaben zu Fritz Keintzel-Schön