Deutscher Feuerwehrverband

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Deutscher Feuerwehrverband e. V.
(DFV)
Deutscher Feuerwehrverband
Zweck: Interessenvertretung der Landesfeuerwehrverbände und 2 Bundesgruppen
Präsident: Hartmut Ziebs
Gründungsdatum: 10. Juli 1853
Mitgliederzahl: 18[1]
Sitz: Berlin DeutschlandDeutschland Deutschland
Website: www.feuerwehrverband.de
Lokomotive der Baureihe 101 als Werbeträger des Deutschen Feuerwehrverbands

Der Deutsche Feuerwehrverband e. V., kurz DFV, ist der Fachverband der deutschen Feuerwehren. Er vertritt als Dachorganisation die Interessen der 16 Landesfeuerwehrverbände sowie der beiden Bundesgruppen Werkfeuerwehr und Berufsfeuerwehr. Die Deutsche Jugendfeuerwehr (DJF) ist satzungsgemäß Teil des Deutschen Feuerwehrverbands.

Der Verband repräsentiert die deutschen Feuerwehren im Weltfeuerwehrverband CTIF (Comité technique international de prévention et d’extinction du feu) seit dessen Gründung am 16. August 1900. Der Deutsche Feuerwehrverband ist Herausgeber der Deutschen Feuerwehr-Zeitung, die monatlich in der Fachzeitschrift Brandschutz erscheint.[2]

Der Verband und seine Mitglieder sind regelmäßig im Bundestag, in Gremien, Anhörungen und Ausschüssen in ganz Deutschland präsent, um die Positionen des deutschen Feuerwehrwesens zu vertreten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Deutsche Feuerwehrverband wurde am 10. Juli 1853 auf Initiative des Ulmer Feuerwehrkommandanten Conrad Dietrich Magirus in Plochingen gegründet. Am 19. Juni hatte Magirus im Schwäbischen Merkur eine Aufforderung zu einer Zusammenkunft der Vorstände sämtlicher Feuerwehren Württembergs veröffentlicht und in den Waldhorn-Saal eingeladen. Zehn Feuerwehrkommandanten nahmen an der Versammlung teil und beschlossen die Gründung eines Vereins. Zum Meinungsaustausch sollte regelmäßig ein Feuerwehrtag stattfinden. Beim vierten Deutschen Feuerwehrtag 1860 im Mainz nahmen 45 Feuerwehren teil, beim fünften Deutschen Feuerwehrtag 1862 in Augsburg waren es bereits rund 2000 Vertreter von 135 Feuerwehren.[3]

Einen radikalen Eingriff in Aufbau und Struktur der Feuerwehren gab es in der Zeit des Nationalsozialismus mit dem Gesetz über das Feuerlöschwesen. Auf Weisung des Reichsinnenministeriums stellte der Verband im Jahr 1938 seine Tätigkeit ein. Die Neugründung nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte am 12. Januar 1952 in Fulda (Hessen).

In den 1970er Jahren bis Anfang der 1990er Jahre rief der Deutsche Feuerwehrverband mit seinen untergeordneten Verbänden jährlich zur Durchführung der bundesweiten Brandschutzwoche jeweils unter einem anderen Motto auf, um die Feuerwehr-Akzeptanz in der Bevölkerung zu verbessern.[4]

Ausgelöst durch die deutsche Wiedervereinigung gehören seit Ende 1990 auch die Landesfeuerwehrverbände von Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen dem Deutschen Feuerwehrverband an.[5]

Das Deutsche Feuerwehr-Museum in Fulda wird teilweise vom Verband finanziert.[6]

Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes ist seit 1. Januar 2016 Hartmut Ziebs, der zum Nachfolger des aus Altersgründen ausgeschiedenen Hans-Peter Kröger gewählt wurde.[7]

Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Aufgaben zählen:

Der Verband ist Mitglied im Netzwerk Europäische Bewegung.[8]

Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Finanzierung des Deutsches Feuerwehrverbands erfolgt satzungsgemäß durch Beiträge der ordentlichen Mitglieder.[9]

Organe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Organe des Deutschen Feuerwehrverbands sind:

  • Delegiertenversammlung
  • Präsidialrat
  • Präsidium
  • Beirat

Die größte repräsentative Veranstaltung des Deutschen Feuerwehrverbandes ist der „Deutsche Feuerwehrtag“, der seit dem Jahr 1854 in deutschen Großstädten stattfindet und dessen Turnus seit dem Jahr 1970 zehn Jahre beträgt.

Arbeitsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Deutsche Feuerwehrverband unterhält in Berlin-Mitte eine Bundesgeschäftsstelle mit mehreren hauptamtlichen Mitarbeitern und ein nicht-ständig besetztes Büro in Brüssel, das unter der Bezeichnung „Vertretung der deutschen Feuerwehren bei der Europäischen Union“ arbeitet.[10] Als organisierter Interessenvertreter ist der DFV sowohl in der öffentlichen Liste registrierter Verbände des Deutschen Bundestags, als auch im Transparenz-Register der Europäischen Union eingetragen. Der jährliche Finanzaufwand für Aktivitäten, die unter das Transparenz-Register fallen, wird für das Jahr 2016 mit weniger als 10.000 € angegeben.[11][12]

Die Positionen des DFV basieren auf den Ergebnissen der 12 Bereiche innerverbandlicher Facharbeit, deren Erkenntnisse sowohl der politische Verbandsarbeit, als auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.[13]

Für Aufsehen auf Bundesebene sorgte zuletzt 2016 die Stellungnahme des DFV zu einem Gesetzentwurf zur elften Verordnung zur Änderung der Fahrerlaubnis-Verordnung, die der Bundesrat zuerst anhielt und anschließend zur weiteren Beratung von der Tagesordnung nahm. Der ursprüngliche Gesetzentwurf hatte für die gängigen Fahrzeuge der Feuerwehr über 3,5 t Gesamtmasse die Führerscheinklasse D1 (statt bisher C1, C1E, C und CE) vorgesehen, was zu massiven Mehrkosten für die Träger der Feuerwehren und einen Nacherwerb der Fahrerlaubnisklasse D1 durch die meisten LKW-Maschinisten der Feuerwehr geführt hätte.[14]

Im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit standen zuletzt die Themen Europäischer Notruf 112, Integration und Frauen bei der Feuerwehr im Fokus.[15]

Ehrenpräsidenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutsche Weltmeister der Feuerwehren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

X. Internationale Feuerwehrsportwettkämpfe 1993 in Berlin, Sieger in der Disziplin Löschangriff – FF Beselich-Obertiefenbach

Bei den alle vier Jahre stattfindenden Weltmeisterschaften des Weltfeuerwehrverbandes CTIF wurden folgende deutsche Mannschaften Weltmeister:[16]

Jahr Austragungsort Feuerwehrwettbewerb Mannschaft Bundesland
1973 TschechienTschechien Brünn Feuerwehrsportwettkämpfe − Löschangriff BF DDR
1981 DeutschlandDeutschland Böblingen Feuerwehrsportwettkämpfe − Löschangriff BF DDR
1985 OsterreichÖsterreich Vöcklabruck Feuerwehrsportwettkämpfe − Löschangriff BF DDR
1985 OsterreichÖsterreich Vöcklabruck Traditionelle Feuerwehrwettbewerbe ohne Alterspunkte FF Nidderau-Eichen HE
1985 OsterreichÖsterreich Vöcklabruck Traditionelle Feuerwehrwettbewerbe mit Alterspunkten FF Friedrichsthal SL
1993 DeutschlandDeutschland Berlin Feuerwehrsportwettkämpfe − Löschangriff FF Beselich-Obertiefenbach HE
1993 DeutschlandDeutschland Berlin Feuerwehrsportwettkämpfe − 4×100-Meter-Feuerwehrstafette FF Berlin BE
1993 DeutschlandDeutschland Berlin Traditionelle Feuerwehrwettbewerbe ohne Alterspunkte FF Bundenthal RP
1993 DeutschlandDeutschland Berlin Traditionelle Feuerwehrwettbewerbe mit Alterspunkten FF Asendorf II NS
1997 DanemarkDänemark Herning Traditionelle Feuerwehrwettbewerbe mit Alterspunkten (Frauen) FF Asendorf 2 NS
2001 FinnlandFinnland Kuopio Feuerwehrsportwettkämpfe − 4×100-Meter-Feuerwehrstafette (Frauen) FF Muldentalkreis SA
2013 FrankreichFrankreich Mülhausen Feuerwehrsportwettkämpfe − Löschangriff FF Team Lausitz SA
2017 OsterreichÖsterreich Villach Feuerwehrsportwettkämpfe − Löschangriff FF Märkisch-Oderland BB

Diese Weltmeisterschaften werden seit dem Jahr 1961 ausgetragen. Anfangs gab es ausschließlich die Traditionellen Feuerwehrwettbewerbe.

Die Internationalen Feuerwehrsportwettkämpfe werden seit 1973 ausgetragen. Zunächst waren bei den Sportwettkämpfen nur Berufsfeuerwehren (BF) startberechtigt. Ab 1985 waren auch Freiwillige Feuerwehren (FF) zugelassen. In diese Männerdomäne stießen ab dem Jahr 2001 Frauengruppen hinzu.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rolf Schamberger: Einer für Alle – Alle für Einen. 150 Jahre Deutscher Feuerwehrverband. Kohlhammer, Stuttgart 2003, ISBN 3-17-018108-4.
  • Christina Terberl: Akteure des Katastrophen- und Bevölkerungsschutzes in Deutschland In: H.-J. Lange, C. Gusy (Hrsg.): Kooperation im Katastrophen- und Bevölkerungsschutz, Studien zur Inneren Sicherheit 20, Wiesbaden 2015, S. 17–63, ISBN 978-3-658-07150-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ordentliche Mitglieder des DFV. Abgerufen am 14. Februar 2016.
  2. Germany | CTIF - Comité technique international de prévention et d’extinction du Feu. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 2. September 2017; abgerufen am 2. September 2017.
  3. Feuerwehr-Jahrbuch 2003/04, Deutscher Feuerwehrverband, Bonn 2004, S. 11–14.
  4. Franz-Josef Sehr: Brandschutzwoche – Chancen nutzen. In: Florian Hessen 7–8/1989. Munkelt Verlag, Wiesbaden 1989, S. 1–3. ISSN 0936-5370.
  5. Franz-Josef Sehr: Feuerwehr-Freundschaft zwischen Obertiefenbach und der DDR. In: Jahrbuch für den Kreis Limburg-Weilburg 2019. Der Kreisausschuss des Landkreises Limburg-Weilburg, Limburg-Weilburg 2018, ISBN 3-927006-56-4, S. 45–48.
  6. Deutsches Feuerwehr-Museum besteht 50 Jahre. Deutscher Feuerwehrverband, Pressedienst, 26. Februar 2013, abgerufen am 31. März 2016.
  7. Hartmut Ziebs wird der nächste DFV-Präsident. Deutscher Feuerwehrverband, Pressedienst, 27. November 2015, abgerufen am 26. Dezember 2018.
  8. Mitgliedseite im EBD. 25. März 2015, abgerufen am 31. März 2016.
  9. Satzung des Deutschen Feuerwehrverbandes. 7. November 2009, abgerufen am 2. September 2017.
  10. Deutscher Feuerwehrverband: Bundesgeschäftsstelle. Abgerufen am 2. September 2017.
  11. Deutscher Bundestag: Aktuelle Fassung der öffentlichen Liste über die Registrierung von Verbänden und deren Vertretern. 29. August 2017.
  12. Transparency Register - Search the register. Abgerufen am 2. September 2017 (englisch).
  13. Deutscher Feuerwehrverband: Was ist Facharbeit? Abgerufen am 2. September 2017.
  14. Weiterhin kein Busführerschein für Feuerwehr nötig. (feuerwehrverband.de [abgerufen am 2. September 2017]).
  15. Deutscher Feuerwehrverband: Schwerpunkte. Abgerufen am 2. September 2017.
  16. Wilhelm Bohlmann: Feuerwehrwettbewerbe Internationale und nationale Meisterschaften. W. Bohlmann, Rostock 2018.