Elnhausen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Elnhausen
Stadt Marburg
Koordinaten: 50° 48′ 36″ N, 8° 41′ 26″ O
Höhe: 224 (222–275) m ü. NHN
Fläche: 9,18 km²[1]
Einwohner: 1191 (31. Dez. 2010)[2]
Bevölkerungsdichte: 130 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 35041
Vorwahl: 0 64 20
Karte
Lage von Elnhausen in Marburg
Luftaufnahme von Elnhausen
Luftaufnahme von Elnhausen

Elnhausen ist ein Stadtteil von Marburg an der Lahn im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf. Das Dorf, in dem heute rund 1200 Einwohner leben, liegt in der Elnhausen-Michelbacher Senke etwa drei Kilometer (Luftlinie) westlich der Kernstadt von Marburg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort besteht aus einem alten Dorfkern mit dem Schloss, der Kirche und Bauernhöfen sowie mehreren im 20. Jahrhundert erschlossenen Neubaugebieten.

Westlich von Elnhausen liegt der seit der Steinzeit von Menschen genutzte Stöckelsberg (oder Stackelberg), der an seinen südlichen und westlichen Ausläufern vom alten und neuen Steinbruch begrenzt wird. Im Norden bildet er einen Kamm, der den Kalderischen Grund formt. Auf dem Kamm liegt noch ein alter Steinbruch.

Blick von Südwesten auf Elnhausen. Im Hintergrund Dagobertshausen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schloss

Obwohl erst 1234 erstmals urkundlich erwähnt, ist das Dorf doch bereits älter als 1000 Jahre.[3]

Das barocke Schloss Elnhausen wurde in den Jahren 1707 bis 1717 von Hermann von Vultejus, seit 1687 hessen-kasselscher Vizekanzler im sogenannten Oberfürstentum, an der Stelle einer im Dreißigjährigen Krieg teilweise zerstörten und seitdem vernachlässigten Wasserburg erbaut.

Am 1. Juli 1974 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Elnhausen im Zuge der Gebietsreform in Hessen in die Stadt Marburg eingegliedert.[4]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Elnhausen unterstand im Überblick:[5][6]

Gerichte seit 1821[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Nun waren Justizämter für die erstinstanzliche Rechtsprechung zuständig, die Verwaltung wurde von Landkreisen übernommen. In Marburg wurde der Kreis Marburg für die Verwaltung eingerichtet und das Landgericht Marburg war als Gericht in erster Instanz für Elnhausen zuständig. 1850 wurde das Landgericht in Justizamt Marburg umbenannt. Das Oberste Gericht war das Oberappellationsgericht in Kassel. Untergeordnet war das Obergericht Marburg für die Provinz Oberhessen. Es war die zweite Instanz für die Justizämter.[10]

Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen wurde das Landgericht Marburg 1867 zum königlich Preußischen Amtsgericht Marburg. Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung in den zum vormaligen Kurfürstentum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[11] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Marburg. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Marburg und das Appellationsgericht Kassel.[12]

Auch mit dem in Kraft treten des Gerichtsverfassungsgesetzes von 1879 blieb das Amtsgericht unter seinem Namen bestehen. In der Bundesrepublik Deutschland sind die Übergeordneten Instanzen das Landgericht Marburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 1967 sind:[6]

1577: 28 Hausgesesse
1630: 25 Mannschaften (5 dreispännige, 2 zweispännige Ackerleute, 9 Einläuftige, 9 Mannschaften ohne Pferde (Kriegsverlust))
1681: 11 hausgesessene Mannschaften
1746: 215 Einwohner. Erwerbspersonen: 3 Schneider, 1 Wagner, 1 Schreiner, 3 Schmiede, 3 Leineweber, 1 Müller, 3 Wirte, 2 Spielmänner, 14 Tagelöhner.
1838: 390 Einwohner (31 nutzungsberechtigte, 31 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 12 Beisassen). Familien: 24 Ackerbau, 12 Gewerbe, 31 Tagelöhner.
1861: 504 evangelisch-lutherische, 11 evangelisch-reformierte, 7 jüdische Einwohner.
1961: 482 evangelische, 46 römisch-katholische Einwohner. Erwerbspersonen: 144 Land- und Forstwirtschaft, 95 Produzierendes Gewerbe, 32 Handel und Verkehr, 25 Dienstleistungen und sonstiges.
Elnhausen: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
408
1840
  
418
1846
  
455
1852
  
535
1858
  
523
1864
  
515
1871
  
462
1875
  
475
1885
  
470
1895
  
456
1905
  
486
1910
  
485
1925
  
471
1939
  
477
1946
  
651
1950
  
634
1956
  
541
1961
  
540
1967
  
600
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Kulturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe Liste der Kulturdenkmäler in Elnhausen

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elnhausen ist überwiegend evangelisch geprägt. Zum Kirchspiel Elnhausen gehören die Marburger Ortsteile Dagobertshausen, Wehrhausen und Elnhausen. Die beiden Ortsteile Wehrs- und Elnhausen verfügen jeweils über ein historisches Kirchengebäude (1746 Elnh.; 1470er Wehrsh.).[13]

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereinsheim TSV 1911

Es gibt im Ort eine Grundschule, einen Kindergarten, mehrere Vereine und eine Sporthalle.

Durch die Wälder in der Umgebung von Elnhausen, die überwiegend aus Buchen bestehen, führen zahlreiche Wanderwege. Auf dem Stöckelsberg steht seit mindestens 1911 das Vereinsheim des TSV Elnhausen. Der Weg auf den Berg ist als Wanderweg ausgewiesen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Elnhausen – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Marburger Zahlen von 2009-2010 auf der Website der Stadt Marburg (pdf; S. 4)
  2. Marburger Zahlen von 2009-2010 auf der Website der Stadt Marburg (pdf; S. 10)
  3. Karl-Heinz Damm et al. (Hrsg.): 775 Jahre Elnhausen: 1235 - 2010. Ein Dorf wie eine Stadt. Marburg 2010, S. 4
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 387.
  5. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  6. a b Elnhausen, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 19. Januar 2017)
  7. Georg Landau: Beschreibung des Kurfürstenthums Hessen. T. Fischer, Kassel 1842, S. 370 (online bei HathiTrust’s digital library).
  8. Kur-Hessischer Staats- und Adress-Kalender: 1818. Verlag d. Waisenhauses, Kassel 1818, S. 107 (online bei Google Books).
  9. Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August., (kurhessGS 1821) S. 223–224.
  10. Neueste Kunde von Meklenburg/ Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und den freien Städten, aus den besten Quellen bearbeitet. im Verlage des G. H. G. privil. Landes-Industrie-Comptouts., Weimar 1823, S. 158 ff. (online bei HathiTrust’s digital library).
  11. Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)
  12. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 221–224)
  13. Ev.-Luth. Pfarrkirche zu Elnhausen auf kirchspiel-elnhausen.de