Dilschhausen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dilschhausen
Stadt Marburg
Koordinaten: 50° 49′ 4″ N, 8° 39′ 28″ O
Höhe: 257 m ü. NHN
Fläche: 6,27 km²[1]
Einwohner: 188 (31. Dez. 2010)[2]
Bevölkerungsdichte: 30 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 35041
Vorwahl: 06420
Karte
Lage von Dilschhausen in Marburg
Bild von Dilschhausen

Dilschhausen ist mit rund 190 Einwohnern der kleinste dörfliche Außenstadtteil der mittelhessischen Universitätsstadt Marburg.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorf und Gemarkung Dilschhausen werden von den Bergen und Hügelkuppen namens Bernhard, Störner (Staatswald), Calderische Höhe, Koppe, Mittelberg, Stackelberg, Auersberg, Nesselberg und Rotlaub umgeben (von Nordwest ausgehend nach Ost usw.).[3]

Das Tal wird von zwei Bächen durchflossen. Von Nordwest nach Osten fließt der Wältersbach, von Nord nach Süd der Calderbach. Der letztere, kleinere mündet zwischen Ortskern und Bubenmühle in den Wältersbach. Die Quelle des Hauptfließgewässers liegt auf dem bewaldeten Hügelland namens Störner.

Nach Osten grenzt Elnhausen, nach Süden Nesselbrunn, nach Westen Damshausen, gen Norden Caldern an das Dorf. Die Kernstadt Marburg ist laut einem Dokument aus 1747 gute zwei Stunden Fußweg entfernt.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Dilschhausen im Jahr 1259.[5] Auf Grund alter Funde wird jedoch davon ausgegangen, dass bereits im 10. Jahrhundert Menschen im Gebiet des heutigen Ortes lebten.

Dilschhausen bestand jahrhundertelang als eine Doppelsiedlung aus Ober- und Unterdorf, die unterschiedliche Feudaleigentümer, Gerichtszuständigkeiten und Pfarrzugehörigkeiten aufwiesen. Erst mit der napoleonischen Besetzung im frühen 19. Jahrhundert ergab sich erstmals die verwaltungstechnische Einheit beider Ortsteile. Ab August 1821 war auch die unterschiedliche Gerichtsbarkeit beider Dorfteile, nämlich das Gerichte Weitershausen (auch Reizberg genannt) und Caldern, Vergangenheit.[6] Kirchenrechtlich war das Unterdorf der über eine Stunde Fußweg entfernten Pfarrei Michelbach zugeordnet, das Oberdorf gehörte zur Kirchgemeinde Weitershausen. Ab 15. Juli 1816 erreichten die Unterdilschhäuser Bürger eine Übertragung der Küster-Kirchamtspflichten an ihren Dorflehrer. Erst am 28. Mai 1856 erreichten die Dilschhäuser eine Vereinigung von Ober- und Unterdorf zu einer eigenständigen Filialgemeinde der Pfarrei Weitershausen.[7]

Geografisch waren die beiden Häusergruppen des Dorfes getrennt durch den Wälterbach mit seinen sumpfigen Auen. Heute zieht sich anstelle der Bachaue die Trasse der Kreisstraße 72, die Teil der am 18. August 1979 eingeweihten Umgehungsstraße ist, als „trennendes Band“[8] durch das Dorf. Trotz geschwindigkeitsbegrenzender Beschilderung gab es sogar Schlagzeilen in der Lokalzeitung Oberhessische Presse vom 30. Juli 1987 über die als „Rennstrecke“ missbrauchte Straße.[9]

Am 1. Juli 1974 wurde Dilschhausen im Zuge der Gebietsreform in Hessen mit damals 134 Einwohnern sowie zwölf weitere Dorfgemeinden als Stadtteile nach Marburg eingegliedert.[10] Im Jahr 2009 wurde mit großer Feier das 750-jährige Bestehen des Dorfes begangen.

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Dilschhausen unterstand im Überblick:[11][12]

Gerichte seit 1821[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Nun waren Justizämter für die erstinstanzliche Rechtsprechung zuständig, die Verwaltung wurde von Landkreisen übernommen. In Marburg wurde der Kreis Marburg für die Verwaltung eingerichtet und das Landgericht Marburg war als Gericht in erster Instanz für Dilschhausen zuständig. 1850 wurde das Landgericht in Justizamt Marburg umbenannt. Das Oberste Gericht war das Oberappellationsgericht in Kassel. Untergeordnet war das Obergericht Marburg für die Provinz Oberhessen. Es war die zweite Instanz für die Justizämter.[16]

Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen wurde das Landgericht Marburg 1867 zum königlich Preußischen Amtsgericht Marburg. Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung in den zum vormaligen Kurfürstentum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[17] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Marburg. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Marburg und das Appellationsgericht Kassel.[18]

Auch mit dem in Kraft treten des Gerichtsverfassungsgesetzes von 1879 blieb das Amtsgericht unter seinem Namen bestehen. In der Bundesrepublik Deutschland sind die Übergeordneten Instanzen das Landgericht Marburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 1967 sind:[12]

1577: 18 Hausgesesse
1630: 12 Hausgesessene (2 dreispännige, 6 zweispännige, 1 einspännige Ackerleute, 3 Einläuftige)
1681: 3 hausgesessene Mannschaften
1747: 115 Einwohner. Erwerbspersonen: 1 Leineweber, 1 Schneider, 1 Wagner, 1 Mühlenarzt, 1 Müller, 2 Tagelöhner.
1838: 137 Einwohner (12 nutzungsberechtigte, 9 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 1 Beisasse). Familien: 11 Ackerbau, 3 Gewerbe, 7 Tagelöhner.
1861: 152 evangelisch-lutherische, 3 evangelisch-reformierte Einwohner
1961: 130 evangelische, 7 römisch-katholische Einwohner. Erwerbspersonen: 64 Land- und Forstwirtschaft, 15 Produzierendes Gewerbe, 1 Handel und Verkehr, 25 Dienstleistungen und Sonstiges.
Dilschhausen: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
131
1840
  
141
1846
  
163
1852
  
161
1858
  
154
1864
  
152
1871
  
151
1875
  
136
1885
  
161
1895
  
157
1905
  
140
1910
  
146
1925
  
138
1939
  
139
1946
  
209
1950
  
186
1956
  
158
1961
  
137
1967
  
136
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche
Ehemalige Kornmühle

Als besonders sehenswert gilt die etwa zeitgleich mit der Marburger Elisabethkirche im 13. Jahrhundert erbaute kleine spätromanische, heute evangelische Wehrkirche aus Bruchsteinmauerwerk.[19]

Neben der Kirche war seit 1747 das Gemeindebackhaus die „Dorfzentrale“.[20] Die Abschaffung der Privatbacköfen auf fürstliche Verordnung hin diente der Brandverhütung und der Holzeinsparung.[21] Zum Backen wurde in früheren Zeiten das halb im Souterrain liegende Untergeschoss aus Mauerwerk genutzt. Diese Nutzung besteht seit Jahrzehnten nicht mehr; das Haus ist in Privatbesitz. Im Geschoss darüber gibt es eine kleine, über eine steile Freitreppe erreichbare Mietwohnung aus Fachwerk.[22]

Das „Dorf in der Stadt“ Dilschhausen bestand 2009 aus vier Straßen mit 46 Hausnummern. Die Weitershäuser Straße umfasst mit 31 Häusern den Großteil. Sie verbindet das Unter- mit dem Oberdorf. Die Straße Bubenmühle im Unterdorf umfasst sechs Häuser und führt in Richtung Elnhausen zu der ehemaligen landgräflichen, um 1527 erbauten Kornmühle. Dieses etwa 700 Meter außerhalb des Kerndorfes liegende zweistöckige Fachwerkgebäude (Dorfname Millisch) wird seit Aufgabe des Mühlenbetriebs Ende der 1950er Jahre als Wohnhaus genutzt.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor allem in Anbetracht der geringen Einwohnerzahl des Ortes existiert in Dilschhausen ein reges Vereinsleben. Neben einer Freiwilligen Feuerwehr, von deren Mitgliedern jedes Frühjahr ein Theaterstück präsentiert wird, gibt es einen Kirchenchor, eine Dorf-Burschen- und Mädchenschaft sowie seit Januar 1991 einen Damengymnastikverein.

Im 1926 gegründeten Kirchenchor sowie im Gymnastikverein sammeln sich die älteren Bürger des Dorfes. Laut Angaben im Stadtschriftenband umfasste der Chor 2009 15 Sänger, die Gymnastik-Gruppe 27 aktive und passive Vereinsmitglieder.

Die Dorfburschenschaft sammelt die Jungen im Dorf. Ab Vollendung des 15. Lebensjahrs dürfen die Jugendlichen vor Ort mitmachen. Formell gegründet als Verein wurde die Gruppe 1980. Zuvor waren 1974 und 1978 jeweils ein Burschenkirmes-Dorffest organisiert worden. Seit 1990 gibt es ein von der Burschenschaft ausgerichtetes jährliches Straßen-Dorffest mit einem schön gelegenen überdachten Festplatz auf einem früheren Maissilo. Weitere Aktivitäten sind Fußballturnierteilnahme, Polterabende, gemeinsame Fahrten, ein jährliches Skatturnier zwischen den Jahren, die Brauchaktivitäten rund um den alljährlichen Maibaum. Ein eigener Grenzgang wurde 1988 und 1989 durchgeführt, danach aber wieder fallengelassen.[23]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Vergangenheit war das Dorf ausschließlich von landwirtschaftlichen Betrieben geprägt. Die kleineren Hofbesitzer gingen nebenher noch einer handwerklichen Tätigkeit nach. Es gab einen Stellmacher, einen Schmied, einen Müller. Außerdem gab es ehemals zwei Gaststätten im Ort.

Zu Beginn der 1950er gab es elf landwirtschaftliche Vollerwerbsbetriebe. Die Betriebsgrößen von 12 bis 30 Hektar Nutzfläche wurden für den Anbau von Getreide, Kartoffeln, Futterrüben, Klee oder Luzerne sowie die Haltung von Milchvieh, Schweinen und Hühnern genutzt. Zusätzlich zur Nutzfläche hatten die Bauernhöfe zumeist Waldbesitz.

2009 gab es noch zwei Landwirte im Vollerwerb sowie vier Nebenerwerbsbetriebe. Alle waren Mitglied im Wasser- und Bodenverband Marburger Land, so dass Großmaschinen wie der Mähdrescher überbetrieblich genutzt werden können. Absehbar erscheint, dass die Zahl der Landwirtschaftsunternehmen künftig noch weiter zurückgehen wird.[24]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dilschhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Marburger zahlen von 2009-2010 auf der Website der Stadt Marburg (pdf; S. 4)
  2. Marburger zahlen von 2009-2010 auf der Website der Stadt Marburg (pdf; S. 10)
  3. Ulrich Hussong S. 409; Kapitel Die Landschaft
  4. Ulrich Hussong S. 409; Kapitel Die Landschaft
  5. Die Urkunde liegt als Depositum des Klosters Haina im Hessischen Staatsarchiv Marburg. Eigentumsrechtlich gehört sie laut den Recherchen des Marburger Stadtarchivars Ulrich Hussong dem Landeswohlfahrtsverband Hessen als Rechtsnachfolger des Klosters Haina. In Band 93 der Marburger Stadtschriften findet sich ein neunseitiger Text über diese Urkunde.
  6. Stadtschriftband S. 3
  7. Stadtband S. 8
  8. Stadtband S. 9
  9. Stadtband S. 1
  10. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 387.
  11. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  12. a b Dilschhausen, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  13. a b Georg Landau: Beschreibung des Kurfürstenthums Hessen. T. Fischer, Kassel 1842, S. 370 (online bei HathiTrust’s digital library).
  14. Kur-Hessischer Staats- und Adress-Kalender: 1818. Verlag d. Waisenhauses, Kassel 1818, S. 107 (online bei Google Books).
  15. Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August., (kurhessGS 1821) S. 223–224.
  16. Neueste Kunde von Meklenburg/ Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und den freien Städten, aus den besten Quellen bearbeitet. im Verlage des G. H. G. privil. Landes-Industrie-Comptouts., Weimar 1823, S. 158 ff. (online bei HathiTrust’s digital library).
  17. Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)
  18. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 221–224)
  19. Vgl. Siegfried Beckers Forschungsbericht S. 19–80 des Stadtschriftenbands
  20. Prof. Siegfried Becker
  21. s. Ulrich Hussong S. 81–91, Kapitel: Das Gemeindebackhaus
  22. s. Ulrich Hussong S. 252
  23. s. Ulrich Hussong S. 461–468 Kapitel Burschenschaft
  24. s. Ulrich Hussong S. 454–457 Kapitel Landwirtschaft