Evangelische Volkspartei

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Evangelische Volkspartei
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Gründungsdatum: 10. Mai 1919
Gründungsort: Brugg
Ideologie: Christdemokratie,
Wertkonservatismus
Präsidium: Marianne Streiff-Feller
Generalsekretär: Roman Rutz
Mitglieder: 4'600[1]
(Stand: 2015)
Frauenanteil: im Nationalrat: 50 %,
in der Partei 42 %
(Stand: 2018 (Nationalrat))
Wähleranteil: 1,9 %[2]
(Stand: Nationalratswahl 2015)
Nationalrat:
2/200
Ständerat:
0/46
Fraktion (BV): CVP-Fraktion
Kantonale Parlamente:
38/2609

(Stand: April 2019)
Kantonale Regierungen:
0/154

(Stand: Mai 2019)
Parteigliederung: 18 Kantonalparteien
Gruppierungen: *jevp
Europapartei: Europäische Christliche Politische Bewegung
Website: www.evppev.ch

Die Evangelische Volkspartei der Schweiz (französisch Parti Evangelique Suisse, italienisch Partito Evangelico Svizzero) ist eine christliche Schweizer Partei. Sie zählt sich selbst zur politischen Mitte.

Bei den Schweizer Parlamentswahlen 2015 verlor die EVP 0,1 Prozentpunkte Wähleranteil, behielt aber zwei Nationalratsmandate. Seit 2011 bilden die EVP und die CVP eine gemeinsame Fraktion.

Partei-Soziologie und Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rund 51 Prozent der EVP-Mitglieder kommen aus Freikirchen und 46,5 Prozent aus der reformierten Landeskirche. Die übrigen Mitglieder gehören der Evangelisch-methodistischen Kirche und vereinzelt der Römisch-Katholischen Kirche an.[3]

Bei Fragen der Umverteilung und der Bildung sowie bei Umweltthemen, Ausländer- und Asylpolitik steht die EVP eher links; bei Themen wie Sterbehilfe, Abtreibung oder Partnerschaftsgesetz ist sie eher konservativ. In wirtschafts- und finanzpolitischen Sachfragen vertritt die EVP Positionen der politischen Mitte.

Organisation und Mandatsträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die EVP hat 18 kantonale Sektionen und ist in neun Kantonsparlamenten vertreten (Stand April 2019). Im Mai 2004 wurde im Waadtland die erste rein französischsprachige Kantonalpartei gegründet. Seit August 2004 existiert unter dem Namen *jevp auch eine Jungpartei, das Co-Präsidium teilen sich Uriel Seibert und Dominic Täubert.

Im Nationalrat hält die EVP durch Marianne Streiff-Feller und Nik Gugger zwei Sitze. Beide haben sich der CVP-Fraktion angeschlossen.

Parteipräsidentin ist seit 2014 Marianne Streiff-Feller. Generalsekretär ist seit 2018 Roman Rutz. Die Partei ist Mitglied der Parteien-Vereinigung Europäische Christliche Politische Bewegung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 4. März 1917 wurde in der Freien Kirche Uster die «Protestantisch-christliche Partei» gegründet,[4] und 1918 in Bern die «Politische Vereinigung christlicher Bürger». Auf Initiative der Berner wurde vor den Nationalratswahlen 1919 die Evangelische Volkspartei der Schweiz in Brugg gegründet. Bei diesen Wahlen gelang der EVP der Gewinn eines Nationalratssitzes im Kanton Zürich. Diesen Sitz behielt die EVP bis zu ihrem vorübergehenden Ausscheiden aus dem nationalen Parlament 1939. Vier Jahre später gelang ihr der Rückgewinn, 1959 gewann sie einen zweiten, 1963 einen dritten Sitz. Diese Anzahl von drei Sitzen blieb unverändert, bis die EVP 1995 einen Sitzverlust verzeichnen musste, den sie aber bei den Wahlen 1999 mit einem zusätzlichen Mandat im Kanton Aargau für die folgenden acht Jahre wieder ausgleichen konnte.

Ab 1951 bildete die EVP im Nationalrat eine gemeinsame Fraktion mit den Demokraten, danach zwischen 1971 und 1979 mit der Liberalen Partei, anschliessend ab 1979 bis zu dessen Auflösung 1999 mit dem Landesring der Unabhängigen. Zwischen 2003 und 2007 existierte eine Fraktion der drei EVP-Vertreter mit den zwei Nationalräten der evangelikal-konservativen EDU. Die folgenden vier Jahre schloss sich die EVP mit den Grünliberalen und der CVP zu einer gemeinsamen Fraktion zusammen. Seit die Grünliberalen 2011 alleine Fraktionsstärke erreicht haben, bilden CVP und EVP 2011 eine gemeinsame Fraktion der politischen Mitte.

Ende 1989 hatte die EVP Schweiz rund 4000 Mitglieder mit einem Durchschnittsalter von etwas über 50 Jahren. Davon gehörten 85 Prozent zur reformierten Kirche, 6 Prozent zur methodistischen Kirche, gefolgt von den Chrischona-Gemeinden und den Freien Evangelischen Gemeinden. Mehr als fünf Prozent der Mitglieder waren zu diesem Zeitpunkt selbständig erwerbend. Mehr als 40 Prozent aller Mitglieder der EVP Schweiz wohnten 1989 im Kanton Zürich, gefolgt von Bern mit mehr als 20 Prozent Anteil. Die durchschnittliche Dauer einer Mitgliedschaft betrug zu diesem Zeitpunkt 13 Jahre.[5]

Zürich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 1917 errang die «Protestantisch-christliche Partei» zwei Kantonsratsmandate. 1922 sandte die EVP den ersten Vertreter in den Grossen Gemeinderat der Stadt Zürich, in welchem sie von 1954 bis 2014 ohne Unterbruch vertreten war. Den höchsten Wähleranteil erreichte sie in den 1970er-Jahren mit 8,3 % Stimmen und der Wahl Ruedi Aeschbachers 1978 in den Stadtrat von Zürich. Später pendelte der Wähleranteil zwischen drei und sechs Prozent, bis sie 2014 in der Stadt Zürich an der zwischenzeitlich eingeführten Fünfprozenthürde knapp scheiterte.[6] Auch im Kantonsrat hat sich die Anzahl der Mandate seit Mitte der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre halbiert. Bei den Kommunalwahlen 2018 gelang der EVP dank einer Listenverbindung mit der BDP schliesslich der Wiedereinzug ins das Stadtparlament, wo sie vier Sitze erreichte.

Wahlergebnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nationalrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr % Sitze gewählt
1919 0,81 % 1 Hans Hoppeler (ZH)
1922 0,86 % 1 Hans Hoppeler (ZH)
1925 0,93 % 1 Hans Hoppeler (ZH)
1928 0,70 % 1 Hans Hoppeler (ZH)
1931 0,98 % 1 Hans Hoppeler (ZH)
1935 0,74 % 1 Hans Hoppeler (ZH)
1939 0,93 %1 0
1943 0,41 % 1 Paul Zigerli (ZH)
1947 0,94 % 1 Paul Zigerli (ZH)
1951 0,99 % 1 Paul Zigerli (ZH)
1955 1,08 % 1 Paul Zigerli (ZH)
1959 1,43 % 2 Willy Sauser (ZH)

Ernst Schmid (ZH)

1963 1,63 % 2 Willy Sauser (ZH)

Ernst Schmid (ZH)

1967 1,58 % 3 Willy Sauser (ZH)

Ernst Schmid (ZH)

Paul Aebischer (BE)

1971 2,15 % 3 Willy Sauser (ZH)

Heinrich Schalcher (ZH)

Otto Zwygart senior (BE)

1975 1,97 % 3 Willy Sauser (ZH)

Heinrich Schalcher (ZH)

Otto Zwygart senior (BE)

1979 2,22 % 3 Heinrich Schalcher (ZH)

Hans Oester (ZH)

Otto Zwygart senior (BE)

1983 2,08 % 3 Hans Oester (ZH)

Max Dünki (ZH)

Otto Zwygart junior (BE)

1987 1,93 % 3 Hans Oester (ZH)

Max Dünki (ZH)

Otto Zwygart junior (BE)

1991 1,89 % 3 Max Dünki (ZH)

Ernst Sieber (ZH)

Otto Zwygart junior (BE)

1995 1,79 % 2 Max Dünki (ZH)

Otto Zwygart junior (BE)

1999 1,83 % 3 Ruedi Aeschbacher (ZH)

Otto Zwygart junior (BE)

Heiner Studer (AG)

2003 2,28 % 3 Ruedi Aeschbacher (ZH)

Walter Donzé (BE)

Heiner Studer (AG)

2007 2,45 % 2 Ruedi Aeschbacher (ZH)

Walter Donzé (BE)

2011 2,00 % 2 Maja Ingold (ZH)

Marianne Streiff (BE)

2015 1,90 % 2 Maja Ingold (ZH, zurückgetreten November 2017)
Nik Gugger (ZH, nachgerückt November 2017)

Marianne Streiff (BE)

1 Aussagekraft begrenzt, da stille Wahl in 9 Kantonen

Kantonsparlamente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr SchweizSchweiz 
National-
rat
Kantonsparlamente
Kanton ZürichKanton Zürich 
ZH
Kanton BernKanton Bern 
BE
Kanton LuzernKanton Luzern 
LU
Kanton UriKanton Uri 
UR
Kanton SchwyzKanton Schwyz 
SZ
Kanton ObwaldenKanton Obwalden 
OW
Kanton NidwaldenKanton Nidwalden 
NW
Kanton GlarusKanton Glarus 
GL
Kanton ZugKanton Zug 
ZG
Kanton FreiburgKanton Freiburg 
FR
Kanton SolothurnKanton Solothurn 
SO
Kanton Basel-StadtKanton Basel-Stadt 
BS
Kanton Basel-LandschaftKanton Basel-Landschaft 
BL
Kanton SchaffhausenKanton Schaffhausen 
SH
Kanton Appenzell AusserrhodenKanton Appenzell Ausserrhoden 
AR
Kanton Appenzell InnerrhodenKanton Appenzell Innerrhoden 
AI
Kanton St. GallenKanton St. Gallen 
SG
Kanton GraubündenKanton Graubünden 
GR
Kanton AargauKanton Aargau 
AG
Kanton ThurgauKanton Thurgau 
TG
Kanton TessinKanton Tessin 
TI
Kanton WaadtKanton Waadt 
VD
Kanton WallisKanton Wallis 
VS
Kanton NeuenburgKanton Neuenburg 
NE
Kanton GenfKanton Genf 
GE
Kanton JuraKanton Jura 
JU
2007 2,4 5,2 0,5 5,6 * * n. a. 0,4
2008 n. a. n. a. 5,2 2,4 2,3 5,0
2009 1,8 4,5 n. a. 0,7 n. a.
2010 5,9 n. a. n. a. n. a. n. a. * n. a.
2011 2,0 3,8 n. a. 0,4 4,7 2,2 * n. a.
2012 n. a. n. a. 4,2 2,2 2,2 3,9 4,7 0,6
2013 1,4 n. a. n. a. n. a.
2014 6,4 n. a. n. a. n. a. n. a. *
2015 1,9 4,3 0,2 5,4 2,1 * n. a. n. a.
2016 n. a. 0,3 n. a. 3,5 2,4 1,7 4,0 4,9
2017 1,1 0,3 n. a. n. a.
2018 6,2 n. a. n. a. n. a. n. a. * n. a.
2019 4,2 0,6 4,9 2,6 * 0,2
Legende: * – Landsgemeinde oder Majorzwahlen/Gemeindeversammlungen in mehreren/allen Wahlkreisen; … – zuk. Wahlen im laufenden Jahr; gelb – Einzug ins Parlament; n. a. – nicht angetreten; Wahlergebnisse in Prozent; Quelle: [7]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Bund kurz erklärt 2015. (PDF; 14821 kB) (Nicht mehr online verfügbar.) Schweizerische Bundeskanzlei, 28. Februar 2014, archiviert vom Original am 26. Dezember 2015; abgerufen am 21. Dezember 2015. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bk.admin.ch
  2. Nationalratswahlen: Übersicht Schweiz. Bundesamt für Statistik, 18. Oktober 2015, abgerufen am 13. Dezember 2015.
  3. NZZ, 11. Juli 2015, Seite 11.
  4. 100 Jahre evangelische Politik : Geplant in Maur, gegründet in Uster. in: Zürcher Oberländer, 4. März 2017, Seite 9.
  5. Evangelische Volkspartei der Schweiz: Pressedienst vom 3. Januar 1990. Zürich 1990.
  6. NZZ, 15. Februar 2014.
  7. Bundesamt für Statistik: Kantonale Parlamentswahlen: Parteistärken mit Zuteilung der Mischlisten auf die Parteien

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]