Fliegerhorst Langendiebach

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Fliegerhorst Langendiebach
Hanau Army Airfield
Fliegerhorst Langendiebach Towergebaeude 2016.jpg
Langendiebach (Hanau AAF) (Hessen)
Langendiebach (Hanau AAF)
Kenndaten
ICAO-Code ETID
Koordinaten

50° 10′ 9″ N, 8° 57′ 42″ OKoordinaten: 50° 10′ 9″ N, 8° 57′ 42″ O

Höhe über MSL 112 m  (367 ft)
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 6 km nordöstlich von Hanau
Straße 4 km bis zur A66, L3193
Bahn Bahnstrecke Friedberg–Hanau
Basisdaten
Eröffnung 1939
Schließung 2007
Betreiber Luftwaffe
US Army
Fläche 240 ha
Start- und Landebahn
10/28 916 m × 22 m Asphalt

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Luftbild des Fliegerhorsts

Der frühere Fliegerhorst Langendiebach war ein Militärflugplatz westlich von Langendiebach in Hessen, der von 1939 bis 2007 in Betrieb war. Die spätere Bezeichnung bei den US-Streitkräften war Hanau AAF (US Army Airfield).[1] Der ehemalige Flugplatz liegt westlich des Erlenseer Stadtteils Langendiebach. Ein Teil des Geländes gehört zur Gemarkung der nordwestlich gelegenen Nachbarstadt Bruchköbel. Im Südosten liegt der andere Erlenseer Stadtteil Rückingen, nach Süden und Westen hin schließen ausgedehnte Wälder an. Nach Norden grenzt das Gelände an landwirtschaftlich genutztes Gebiet. Die größte Ausdehnung besteht in Nord-Süd-Richtung mit zwei Kilometern.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fliegerhorst Langendiebach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Standort Langendiebach wurde eher zufällig gewählt; durch eine Notlandung in den dortigen Wiesen wurde man 1936 auf das Gebiet aufmerksam. 1937 begannen die Bauarbeiten, 1939 konnte der Fliegerhorst eröffnet werden. Er war Heimathorst der I. Gruppe des Kampfgeschwaders 55 unter Major Max Heyna. Nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs diente der Fliegerhorst zur Schulung neuer Flugzeugführer für Lastensegler. Als die Front 1944 näher rückte, blieb der Fliegerhorst lange unerkannt, erst eine Erweiterung des Rollfeldes ließ die Tarnung auffliegen und der Standort wurde Ende 1944 bombardiert. Ju 88 des Nachtjagdgeschwaders 4 lagen hier seit Mitte 1944. Der Fliegerhorst war dadurch völlig zerstört, als ihn die Amerikaner am 29. März 1945 eroberten.

Hanau Army Airfield[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Krieg wurde Airfield Y-91, so die alliierte Bezeichnung bei Kriegsende, von den Amerikanern wieder aufgebaut, denn als Teil des Fulda Gap hatte er eine große strategische Bedeutung. So wurden dort Flugabwehrstellungen und Waffenlager aufgebaut. John F. Kennedy besuchte den Flugplatz am 25. Juni 1963. In Hanau Airfield waren 1991 über 6.400 Soldaten mit mehreren Helikopterstaffeln stationiert. Neben einigen Transporthubschraubern UH-1 und UH-60 waren die Haupteinsatzmuster die Kampfhubschrauber AH-64 und Beobachtungshubschrauber OH-58.

Von 1975 bis 1991 war auf dem Hanau Airfield auch ein US-Raketenbataillon stationiert (1st Battalion, 32nd Field Artillery Regiment), das mit Lance Kurzstreckenraketen ausgerüstet war. Diese wären im Ernstfall mit nuklearen Sprengköpfen bestückt worden, für die es westlich im Wald ein Sondermunitionslager gab. Dort lagerten auch Atomsprengköpfe für andere Waffensysteme und Atomgeschosse.[2]

Mit dem Abzug der amerikanischen Truppen wurde der Flugplatz 2007 aufgegeben.

Das ausgebrannte Gebäude vor dem Abriss 2016

Großbrand am 30. Juli 2015[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Nachmittag des 30. Juli 2015 brach im früheren Offiziersclub/Post/Uhrenturmgebäude ein Dachstuhlbrand aus, der rasch auf das gesamte Gebäude übergriff. Trotz des Einsatzes von Feuerwehren aus dem gesamten Main-Kinzig-Kreis, aus Frankfurt sowie von Wasserwerfern der Polizei konnte nicht verhindert werden, dass das gesamte denkmalgeschützte Gebäude ausbrannte.[3][4][5][6][7] Es soll nicht wieder aufgebaut werden.[8]

Konversion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Konversion und Umnutzung des Areals wurde 2011 ein Zweckverband gegründet, dem die beiden Städte Bruchköbel und Erlensee angehören.[9][10][11]

Die aktuellen Pläne sehen vor, Gewerbeunternehmen im ehemaligen Fliegerhorst anzusiedeln. Hierzu wird eine neue Zufahrt von Nordosten her eingerichtet und die bisherige Zufahrt durch die Markwald-Siedlung zurückgebaut. Ebenso soll eine neue Sportanlage für die Stadt Erlensee entstehen. Große Teile der Flächen werden renaturiert und unter anderem Start- und Landebahn entfernt. Der Südwesten des Areals mit den alten, denkmalgeschützten Offiziershäusern soll in eine Freizeitnutzung überführt werden, allerdings finden sich hierzu bisher keine Interessenten. Die Reaktivierung des Bahnanschlusses und damit eine Anbindung Erlensees an die S-Bahn Rhein-Main ist zwar theoretisch möglich, gilt aber nach aktuellem Planungsstand als sehr unwahrscheinlich.

Die Bauarbeiten beschränkten sich bisher auf die Beseitigung von Altlasten aus dem Krieg, wodurch Erlensee bereits zwei Mal evakuiert werden musste, sowie den Anschluss des Areals an die Infrastrukturnetze wie Wasser und Strom. Zudem wurde eine weitere Zufahrtsstraße von der Erlenseer Umgehung gebaut.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jens Arndt, Werner Kurz: Deckname „Briefwaage“: Der Fliegerhorst Langendiebach 1936–1945, Hrsg.: AG Militärgeschichte des Hanauer Geschichtsvereins 1844 e. V. und des Heimat- und Geschichtsvereins Erlensee e. V., Hanau, 2008, ISBN 3-935395-09-4

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Fliegerhorst Langendiebach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Military Airfield Directory: Flugplatz Hanau (US Army), abgerufen am 14. August 2012
  2. ViSdP: Xanthe Hall: Hanau-Erlensee, ehem. Atomwaffenstandort Deutschland. In: Atomwaffen A-Z. Trägerkreis Atomwaffen abschaffen, Stuttgart, Januar 2012, abgerufen am 16. Februar 2022.
  3. Feuerwehr mit Wasserwerfern im Einsatz: Millionenschaden nach Großbrand auf dem Fliegerhorst in Erlensee. In: op-online.de. Pressehaus Bintz-Verlag GmbH & Co. KG, Offenbach am Main, 30. Juli 2015, abgerufen am 16. Februar 2022.
  4. HANAU: Millionenschaden nach Großbrand auf Fliegerhorst Erlensee. In: FAZ.NET. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt am Main, 30. Juli 2015, abgerufen am 16. Februar 2022.
  5. ERLENSEE: Großbrand auf dem Fliegerhorst Erlensee. In: Hanauer Anzeiger. Hanauer Anzeiger GmbH & Co. KG, Hanau, 30. Juli 2015, abgerufen am 16. Februar 2022.
  6. ERLENSEE Großbrand Fliegerhorst: Der Tag danach. In: Hanauer Anzeiger. Hanauer Anzeiger GmbH & Co. KG, Hanau, 31. Juli 2015, abgerufen am 16. Februar 2022.
  7. Erlensee Polizei: "Fahrlässige Brandstiftung" auf Fliegerhorst. In: Hanauer Anzeiger. Hanauer Anzeiger GmbH & Co. KG, Hanau, 14. Dezember 2019, abgerufen am 16. Februar 2022.
  8. Jochen Dietz: ERLENSEE: Denkmal wird nicht aufgebaut. In: Frankfurter Rundschau. Frankfurter Rundschau GmbH, Frankfurt am Main, 2. August 2016, abgerufen am 16. Februar 2022.
  9. Gemeinsames Interesse. Zweckverband Entwicklung Fliegerhorst Langendiebach K.d.ö.R., Erlensee, abgerufen am 16. Februar 2022.
  10. Luise Glaser-Lotz: ERLENSEE: Einstiger Fliegerhorst als Logistik-Zentrum. In: FAZ.NET. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt am Main, 9. Juni 2010, abgerufen am 16. Februar 2022.
  11. Luise Glaser-Lotz: ERLENSEE: Vom Atomwaffenlager zum Logistikzentrum. In: FAZ.NET. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt am Main, 21. Oktober 2016, abgerufen am 16. Februar 2022.