Frutigen

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Frutigen
Wappen von Frutigen
Staat: Schweiz
Kanton: Bern (BE)
Verwaltungskreis: Frutigen-Niedersimmentalw
BFS-Nr.: 0563i1f3f4
Postleitzahl: 3714
UN/LOCODE: CH FTN
Koordinaten: 616200 / 159140Koordinaten: 46° 35′ 0″ N, 7° 39′ 0″ O; CH1903: 616200 / 159140
Höhe: 800 m ü. M.
Fläche: 71,8 km²
Einwohner: 6793 (31. Dezember 2014)[1]
Einwohnerdichte: 93 Einw. pro km²
Website: www.frutigen.ch
Sicht von der Tellenburg

Sicht von der Tellenburg

Karte
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Frutigen ist eine politische Gemeinde und der Hauptort des Verwaltungskreises Frutigen-Niedersimmental des Kantons Bern in der Schweiz.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt im Kander- und Engstligental und erstreckt sich von der Niesenkette bis zum Gehrihorn. Frutigen ist in acht Bäuerten (Ortsteile) aufgeteilt, darunter Achseten und Elsigbach im Engstligental.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Lappenaxt aus der Bronzezeit ist die erste Spur von Bewohnern in Frutigen. Münzen und eine eiserne Pflugschar belegen eine römische Besiedlung des Kandertales.

Im 8. oder im 9. Jahrhundert wurde die erste Kirche in Frutigen gebaut, der älteste Beleg einer Kirche stammt von 1228. Die heutige Kirche wurde nach einem Brand 1727 neu aufgebaut. 1234 wurde die Ortschaft als Frutingen erstmals erwähnt.[2]

Um dringende Schulden begleichen zu können, verkaufte Herr Anton von Turn im Jahr 1400 für 6200 Florentiner Gulden die Herrschaft Frutigen an den Schultheissen von Bern. Das Kandertal wurde eine Bernische Landvogtei, verwaltet durch einen Kastlane (Landvogt) mit Sitz auf der Tellenburg. Die Tellenburg wurde im 12. Jahrhundert durch Berchthold V. von Zähringen als Wehrburg gebaut und ist heute zu einer Ruine verfallen.

Wie das übrige Oberland widersetzte sich 1528 auch Frutigen der von Bern eingeführten Reformation, musste aber nach dem Zusammenbruch des Interlakner Aufstandes den neuen Glauben annehmen. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde die Gegend ein Zentrum der reformierten Erweckung im Berner Oberland.

In der Helvetischen Republik von 1798 bis 1803 war Frutigen der Hauptort des Distrikts Frutigen im Kanton Oberland. Danach war das Kandertal wieder ein bernisches Oberamt und ab 1831 ein Amtsbezirk. 1850 spaltete sich Kandergrund von Frutigen ab, das zu einer eigenen Gemeinde wurde, zu der bis 1909 auch Kandersteg gehörte.

Am 3. August 1827 zerstörte ein Dorfbrand 82 Häuser und 48 Scheunen, ausser der Kirche blieben nur sechs Wohnhäuser unversehrt.

Das Nordportal des Lötschberg-Basistunnels bei Frutigen

Ab 1804 verkehrte ein Postwagen von Frutigen nach Thun. Mit dem Ausbau der Verkehrswege öffnete sich das Kandertal dem Tourismus und der Industrialisierung. 1901 wurde Frutigen durch die Eisenbahn mit Spiez verbunden; die Weiterführung durch den Lötschbergtunnel nach Brig erfolgte 1913. 1917 verkehrte der erste Postautokurs nach Adelboden. Das Nordportal des 2007 in Betrieb genommenen Lötschberg-Basistunnels befindet sich auf Frutiger Gebiet.

Frutigen ist seit 1865 Sitz einer Sekundarschule, Berufsschulen und eines Bezirksspitals[3] (1907) sowie seit 2010 Hauptort des neu gebildeten Verwaltungskreises Frutigen-Niedersimmental.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Militärflugplatz Frutigen im Rahmen des Reduit gebaut.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie in den meisten Alpengebieten beruht die Landwirtschaft hauptsächlich auf Grasanbau und Viehwirtschaft. Frutigen hatte schon im 14. Jahrhundert einen Viehmarkt. Die Viehzucht war ein bedeutender Erwerbszweig, bis 1866 gab es eine eigene Viehrasse, den Frutigschlag.

Seit Jahrhunderten war das Kandertal das Land der Schafweiden. Sämtliche Wolle der Schafe wurde im Tal selbst verarbeitet, zum Frutigtuch, welches für Trachten im ganzen Bernbiet sehr gefragt war. Der Höhepunkt der Tuchfabrikation war im 19. Jahrhundert.

Der Anbau von Getreide war gemäss Urkunden aus dem 15. Jahrhundert nicht sehr bedeutend, es standen zwar bis ins 17. Jahrhundert zwölf Mühlen im Tal, die aber ihr Korn hauptsächlich im Unterland einkauften. Für den Anbau von Kartoffeln waren die Verhältnisse bedeutend günstiger und sie fanden deshalb rasch weiteste Verbreitung. Die ersten Kartoffeln wurden 1729 angepflanzt. Für die Anbauschlacht beim Plan Wahlen wurden die Ackerflächen noch einmal ausgedehnt. Heute gibt es in Frutigen keinen Ackerbau mehr.

Tropenhaus Frutigen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Tropenhaus Frutigen

Der Lötschberg-Basistunnel gibt auf der Nordseite pro Sekunde etwa 100 Liter rund 20 °C warmes Bergwasser ab. Die Idee, das Bergwasser für eine Störzucht und der Produktion von tropischen Früchten zu nutzen, wurde durch das 2009 eröffnete Tropenhaus umgesetzt.

Industrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 91 Industrie-Betriebe beschäftigen 2001 1096 Arbeitnehmer und sind zusammen mit dem Dienstleistungssektor (204 Betriebe mit 1476 Beschäftigten) die hauptsächlichen Arbeitgeber in Frutigen.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts hielt auch in Frutigen die Industrialisierung Einzug. Der Schieferabbau ist das älteste Bergwerksrecht und geht auf das Jahr 1486 zurück. 1937 war die Blütezeit des Schieferabbaus mit 196 Beschäftigten.

Der Landsäckelmeister Friedrich Schneider errichtete 1850 die erste Zündholzfabrik, 15 Jahre später gab es bereits 15 Betriebe mit insgesamt 332 Angestellten. 1972 wurde die Zündholzherstellung total eingestellt. Boten aus dem Zündholzzeitalter gibt es noch deren zwei. Eine davon ist die Bühler Holzspan, die ein Spanschachtelmuseum führt.

Die heutige Industrie setzt vor allem auf die Herstellung von Hydraulikteilen. Rund 700 Angestellte sind im Hydraulikbereich beschäftigt. Die Wandfluh AG zählt zu den wichtigsten Betrieben im Tal.

Gesundheitswesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frutigen verfügt über ein öffentliches Spital mit 24-Stunden-Notfallversorgung. Es gehört zum Klinikverbund der Spitäler FMI (Spitäler Frutigen, Meiringen, Interlaken).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Richtung Adelboden, am Hostalde (Hohstalden), befindet sich eine der längsten Fußgänger-Hängebrücken Europas. Die Seilbrücke überspannt seit 2006 das Tal der Engstligen in 38 Metern Höhe auf eine Länge von 153 Metern und ist mit 30 Tonnen Gewicht belastbar. Die Brücke ist tagsüber der Öffentlichkeit zugänglicher Privatbesitz. Der Innovationspreis Berglandwirtschaft des Berner Oberlandes wurde mit folgender Begründung den Eigentümern verliehen: «Es sei ein abgeschlossenes innovatives Projekt, schaffe neue Arbeitsplätze, verkaufe regionale Produkte und sei touristisch von Nutzen».[4] An dem der Straße gegenüberliegenden Brückenende besteht eine bescheidene Einkehrmöglichkeit (Beiz).

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Führungsaufgaben (Exekutive) übernehmen der Gemeinderat und der Gemeinderatspräsident. Die parteipolitische Situation im Gemeinderat setzt sich seit den Wahlen 2013 bis zur nächsten Amtsübernahme 2017 wie folgt zusammen:

Gemeinderatspräsident ist Ruedi Egger, SVP (2010–2013 und 2014–2017).

Der Gemeindepräsident hingegen gehört der Legislative an. Er hat hauptsächlich repräsentative Funktionen und ist Ombudsstelle der Gemeinde. Gemeindepräsident ist seit 2010 Kurt Zimmermann (SVP).

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Frutigen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Frutigen – Reiseführer

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen. II. Abteilung: Die Rechtsquellen des Kantons Bern. Zweiter Teil: Rechte der Landschaft. Band 2: Hermann Rennefahrt: Das Statutarrecht der Landschaft Frutigen bis 1798. Aarau 1937. (online)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Anne-Marie Dubler: Frutigen (Gemeinde) im Historischen Lexikon der Schweiz
  3. Spital Frutigen
  4. Innovationspreis für die Hängebrücke