Gerd Bosbach

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Gerd Bosbach (* 7. Dezember 1953 in Kuchenheim) ist ein deutscher Mathematiker. Er ist Professor für Statistik und Empirische Wirtschafts- und Sozialforschung an der Hochschule Koblenz, Standort Remagen (RheinAhrCampus). Zuvor war er wissenschaftlicher Mitarbeiter des Statistischen Bundesamtes und anschließend in der Statistikabteilung der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung tätig.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bosbach wurde nach Abschluss eines Mathematikstudiums (Diplom) im Bereich Statistik an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln promoviert. Anschließend war er wissenschaftlicher Mitarbeiter des Statistischen Bundesamtes, dort war vor allem in der Bonner Beratungsstelle zur Beratung des Finanz- und Wirtschaftsministeriums und der wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages tätig. Danach war Bosbach als Ausbilder von Informatik-Assistenten und in der Statistikabteilung der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung tätig. 1999 bis 2002 war er Professor an der Fachhochschule Ansbach (Franken), seither am RheinAhrCampus in Remagen (Rheinland).[1]

Forschungsschwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bosbach beschäftigt sich insbesondere mit Arbeitsmarkt-, Wirtschafts- und Bevölkerungsstatistik, mit Statistiken zur gesundheitlichen Versorgung und mit Statistik-Missbrauch. Als Kritiker der scheinbar statistisch fundierten "Katastrophenszenarien" zum demographischen Wandel und der These von einer Kostenexplosion im Gesundheitswesen ist er seit 2004 öffentlich hervorgetreten. Obwohl oft zustimmend rezipiert, haben seine Thesen keinen Wandel der öffentlichen Meinung bewirken können.[2][3][4][5]

Der These der Überalterung und der dadurch erzwungenen Hinausschiebung der Altersgrenze und der Rentenabsenkung stellt er folgende Fakten entgegen:

  • Der Zuwachs an Produktivität übertrifft selbst bei zurückhaltender Prognose (1 % pro Jahr) den Verlust an Arbeitskräften durch Geburtenrückgang und die Kostensteigerung der Renten. Zudem ist die Produktivität im Vergleich zu den USA etwa noch unterentwickelt.
  • Die Wirkung der Arbeitslosigkeit ist wesentlich stärker als die Effekte der demografischen Entwicklung, leider würden aber die meisten Arbeitssuchenden aus der Statistik herausgerechnet. Die verbleibenden Arbeitslosen würden nicht in den Arbeitsmarkt integriert. Es fehle also nicht an Kindern, sondern an der Bereitschaft, die schon existierenden Menschen zu fördern und versicherungspflichtig zu beschäftigen.
  • Die zurückgehenden Versorgungskosten der Kinder würden aus der Kostenrechnung herausgenommen, als ob nur Rentner Kosten verursachen würden. Bei dem angeblich gewünschten Bevölkerungswachstum durch Geburtensteigerung wären die Versorgungskosten für Kinder und Jugendliche erheblich. Diese werden bei Bevölkerungsrückgang eingespart.
  • Das Rentenproblem sei keine Folge des demografischen Faktors, sondern der Verteilungspolitik, die seit Jahren mehr Wert auf die Förderung der Großvermögen legt als auf die Finanzierung der Rentenversicherung, etwa durch den Arbeitgeberanteil oder die Schaffung versicherungspflichtiger Vollzeitbeschäftigung.

Auszeichnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gerd Bosbach erhielt 2006 den Ehrenpreis Die Goldene Falte des Büros gegen Altersdiskriminierung.[6]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Angaben zum Autor bei seinem Buch Lügen mit Zahlen. Wie wir mit Statistiken manipuliert werden.
  2. Gerd Bosbach: Schirrmacher, Der Spiegel und die demografische Entwicklung. Vom unsauberen Umgang mit Fakten. In: single-generation.de. 6. März 2006
  3. Gerd Bosbach & Klaus Bingler: Die Demografie als Sündenbock: Wie Rechnungen ohne den Wirt gemacht werden. Website der Bundeszentrale für politische Bildung. 23. März 2011
  4. Marcelo Peerenboom: Keine Angst vorm demografischen Wandel. In: Rhein-Zeitung. 10. Oktober 2013
  5. http://www.taz.de/!5049986/
  6. Gewinner der Goldenen Falte 2006 steht fest