Kuchenheim

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Koordinaten: 50° 39′ 2″ N, 6° 49′ 41″ O

Kuchenheim
Höhe: 170 m ü. NHN
Fläche: 5,54 km²
Einwohner: 3171 (31. Dez. 2010)
Bevölkerungsdichte: 572 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1969
Postleitzahl: 53881
Vorwahl: 02251
Karte

Lage von Kuchenheim in Euskirchen

Euskirchen Kuchenheim aus westlicher Richtung
Destillierhelm

Kuchenheim (mundartl.: Kuchem; ehemals: Cuchenheim und davor Cukinheim nach dem Herren von Cukin benannt) ist ein Stadtteil von Euskirchen und liegt im Osten der Stadt. Mit seinen ca. 3.200 Einwohnern (Stand 12/2010) ist Kuchenheim der zweitgrößte eigenständige Stadtteil von Euskirchen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname ist vermutlich fränkisch und bedeutet: Heim des Kuko, und ist abgeleitet von einem mit Kun gebildeten Namen.[1]

Dittmaier hält die frühere Annahme für unwahrscheinlich, nach der in römischer Zeit ein romanisierter Germane Kuko oder Kukin sein Gut Cucinacum genannt und die Matronae Cucinehae verehrt habe, deren Name auf einem bei Zülpich gefundenen Matronenstein überliefert ist. In fränkischer Zeit sei dann aus Cucinacum Kukinheim (Kuchenheim) geworden.[2]

Gräberfelder belegen eine Besiedlung in fränkischer und karolingischer Zeit.[3] Kuchenheim ist wird 1197 als Kukinheim erwähnt.[4]

Der Ort entwickelte sich aus zwei Ortskernen. Der nördliche Teil (Unteres Kuchenheim) mit der Kirche St. Lambertus unterstand seit 1355 den Herzögen von Jülich, der südliche Teil (Oberes Kuchenheim) um die spätere Kirche St. Nikolaus unterstand den Kölner Erzbischöfen. Mit den beiden Burgen verhielt es sich anders. Die untere Burg hatte der erzbischöfliche Mundschenk Hermann von Are erbaut. Er trug sie 1259 dem Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden als Lehen und Offenhaus auf[5] und die obere Burg gehörte den Grafen bzw. Herzögen von Jülich. [3]

Die in der Nähe gelegene Burg Hardt kam 1246 durch die Hochstadensche Schenkung an das Erzstift.[6] 1341 übertrug Erzbischof Walram seinem Küchenmeister Arnold, Vogt von Bornheim und seinem Kämmerer Dietrich Pythane von Nörvenich die Hardtburg, deren Gebäude zu verfallen drohten. Sie verpflichteten sich, aus ihren Mitteln die Burg wieder aufzubauen.[7]

Burg Hardt wurde Zentrum des Amtes Hardt. Dort fanden die Versammlungen der Einwohner des Amtes statt, denen u. a. das Weistum vorgelesen wurde. Das älteste erhaltene Weistum ist das vom 1378.

Am 1. Juli 1969 wurde Kuchenheim nach Euskirchen eingemeindet.[8]

Destillierhelm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Verfüllung des Grabens an der Burg wurde ein seltsames Gerät gefunden, welches vollständig erhalten war. Es handelte sich um einen Destillierhelm, auch Alambic genannt, der zusammen mit einem Kochgefäß (Cucurbit) einen Destillierapparat bildete. Mit dieser Geräteanordnung wurde früher in einem Labor gearbeitet. Es konnte aber auch Alkohol damit hergestellt werden. Der Helm befindet sich im LVR Landesmuseum Bonn.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kuchenheim – Tuchfabrik Müller

In Kuchenheim befindet sich das LVR-Industriemuseum Tuchfabrik Müller. Neben dem Museumsgästehaus „Mottenburg“, aus Backsteinen der ehemaligen Tuchfabrik Jacob Koenen errichtet, finden sich Fragmente der mittelalterlichen Oberen Burg, die Jacob Koenen 1851 von den Erben Fingerhuth kaufte und in deren ausgedehnten Räumlichkeiten, die bis dahin der Papierfabrikation gedient hatten, seinen aufblühenden Betrieb – mit mehr als 30 „Spinnern“ und „Webern“ – zur Herstellung von Koenentuchen einrichtete. Unter der Leitung von Carl Koenen, Sohn von Jakob Koenen, stieg die Zahl der Mitarbeiter der Tuchfabrik Jakob Koenen bis 1939 auf 330 und später auf 1.024 (1958).

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitten im Ort schließt sich an den romanisch begründeten Kirchturm von St. Nikolaus, der über einer Motte errichtet ist, nach Osten hin ein klassizistisches Langhaus mit neugotischem Querhaus und Chor an. Von Friedrich Waesemann stammt der klassizistische (1818−1822) und von Dombaumeister Franz Statz der neugotische Bau (1909−1911).[9] In den Nischen der Kirchhofmauer befinden sich seit 2010 die Stationen des „Ur“-Kreuzweges als Sieben Fußfälle, die von CP Joist in Bronze geschaffen wurden.

Weitere Sehenswürdigkeiten:

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die Landesgrenzen hinaus bekannt wurde Kuchenheim durch die Handballmannschaften des im Jahre 1906 gegründeten TV Kuchenheim. Der KTV spielte in den 1960/1970er Jahren in den jeweils höchsten deutschen Spielklassen und gilt noch heute als die Hochburg im Euskirchener Handball. Bekannteste Spieler waren Nationalspieler Günter Behr, Jugendnationalspieler Toni Lingscheidt sowie die Feldhandballlegenden Hans Hackhausen und Peter Weber, der auch als Namensgeber für die Kuchenheimer Mehrzweckhalle und Heimspielstätte des KTV fungierte.

Im Süden des Ortes befindet sich die rund 500 Zuschauer fassende Peter-Weber-Halle, Heimspielstätte der Handballmannschaften des TV Kuchenheim. Die PWH wurde ab April 2010 kernsaniert und eröffnete im Januar 2011 runderneuert wieder ihre Pforten.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Überregional bekannt ist als größter Eierfärbebetrieb Europas der Eierhof Hennes. Weiterhin ist der Hauptenergieversorger von Euskirchen, die „e-regio“, dort ansässig. Viele andere Unternehmen befinden sich auch in den zwei Gewerbeparks „Grondahlsmühle“ und „Sonnenhof“.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Freiwillige Feuerwehr Euskirchen betreibt die Löschgruppe Kuchenheim, die für ein Gebiet von 4.040 km² zuständig ist und als Teil des Löschzuges 4 gemeinsam mit den Löschgruppen Billig-Kreuzweingarten-Rheder und Stotzheim für 21.197 km².

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Kuchenheim existiert eine Gemeinschaftsgrundschule sowie die 1984 nach dem katholischen Geistlichen und Judenretter Joseph Emonds benannte Hauptschule (bis 2015).

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schiene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof

Der Bahnhof Kuchenheim liegt an der Voreifelbahn (KBS 475[10]) BonnEuskirchen, auf der im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) die RegionalBahn 23 verkehrt.

Durchgeführt wird der Schienenpersonennahverkehr von der DB Regio NRW, die für die Voreifelbahn die Diesel-Triebwagen Alstom Coradia LINT 54 und 81 (unter dem Namen „vareo“) für Geschwindigkeiten bis zu 140 km/h einsetzt.

Für den Öffentlichen Schienenpersonennahverkehr gilt der Tarif des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg (VRS) und tarifraumüberschreitend der NRW-Tarif.

Straße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Kuchenheim verlaufen die Bundesstraßen 56 und 266 sowie die Kreisstraße 1. Östlich führt außerdem die Landesstraße 210 am Ort vorbei.

Die B 51 soll nach Norden verlegt werden und damit als Ortsumfahrung von Euskirchen samt Kuchenheim dienen und gleichzeitig eine günstigere Verkehrsanbindung des Industriegebiets IPAS an die A 1 ermöglichen.

Wegen der Thematisierung der Straßennamen in Euskirchen wurden viele Straßen in Kuchenheim seit 1969 nach berühmten Komponisten benannt.

Söhne des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jacob Koenen (1820–1896), Tuchfabrikant, brachte die 1808 von Anton Koenen gegründete Tuchfabrik zur Blüte
  • Franz Joseph Schorn (1834–1905), Orgelbauer
  • Carl Koenen (1872–1959), Tuchfabrikant, Ehrenbürger der Stadt Euskirchen
  • Heinrich Ruster (1884–1942), Schriftsteller und katholischer Oppositioneller
  • Willi Graf (1918–1943), Mitglied der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“
  • Gerd Bosbach (* 1953), Mathematiker und Statistiker

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Clemens Frhr. v. Fürstenberg: 150 Jahre Tuchfabrik Jacob Koenen in Kuchenheim. In: Heimatkalender des Kreises Euskirchen 1961. Euskirchen 1960, S. 167–169 (online [abgerufen am 6. Januar 2016]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kuchenheim – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heinrich Dittmaier: Die linksrheinischen Ortsnamen auf- dorf und -heim. Röhrscheid Verlag. Bonn 1979, S. 84.
  2. Gerhard Mürkens: Die Ortsnamen des Kreises Euskirchen. Euskirchen 1958, S. 40–41.
  3. a b F. Bartsch und H. Wiskirchen: St. Nikolaus in Euskirchen Kuchenheim. In: Rheinische Kunststätten. Heft 488, S. 3.
  4. Theodor Joseph Lacomblet: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins. Band I Nr. 389.
  5. Richard Knipping: Die Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter. Dritter Band. Bonn 1909. Nr. 2086.
  6. Richard Kinipping: Die Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter. Dritter Band. Nr. 1229.
  7. Wilhelm Janssen: Regesten der Erzbischöfe von Köln. Band V . Köln-Bonn 1973. Nr. 793.
  8. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 86.
  9. Conrad-Peter Joist: Baugeschichte der Pfarrkirche St. Nikolaus. In: Cuchenheim 1084–1984. Bd. II. Euskirchen 1984. S.365–384.