Gläser-Karosserie

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Gläser-Karosserie GmbH

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Rechtsform Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Gründung 1864
Sitz Dresden, Deutschland
Branche Karosseriehersteller

Die Gläser-Karosserie GmbH war ein bedeutender deutscher Karosseriehersteller, der sich insbesondere durch seine Cabriolet-Karosserien einen Namen machte.

Das Unternehmen wurde 1864 von Carl Heinrich Gläser in Dresden gegründet. Nach Gläsers Tod führte sein ursprünglich in Radeberg ansässiger Geschäftspartner Friedrich August Emil Heuer das Unternehmen (später zusammen mit seinen Söhnen) bis 1945. In der DDR ging der Betrieb schließlich im Volkseigenen Betrieb IFA Karosseriewerk Dresden auf, das heute als KWD Automotive AG & Co. KG firmiert.[1] Ein Sohn Heuers versuchte von der Oberpfalz aus, den Betrieb weiterzuführen, scheiterte aber bereits 1952.

Geschichte vor 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1937er Opel Gläser Super Six, 2-türiges Cabriolet im August 2009 in Utstein, Norwegen
Steyr 220 Gläser Sport Cabriolet 1937
Horch 951 A Pullman-Cabriolet von Gläser 1937,
ehemaliger Dienstwagen der deutschen Botschaft in Argentinien
Röhr 8 Typ F Cabriolet im Verkehrsmuseum Dresden

Im Jahr 1864 gründete Carl Heinrich Gläser eine Werkstätte für den Bau von Kutschwagen und Pferdeschlitten in der Rampischen Straße 6 in Dresden. Wegen der guten Qualität der von ihm gebauten Chaisen (Kutschen) und Schlitten, erhielt Gläser ab 1865 auch Aufträge vom Königlichen Marstall und vom Königlichen Oberstallamt in Dresden.[1]

In der Werkstatt Gläsers wurden die von anderen Handwerkern angelieferten Rohbauten gepolstert und lackiert. Friedrich August Emil Heuer, seit 1885 Gläsers Schwiegersohn, wurde 1898 Mitinhaber der Firma Gläser. Er betrieb eine selbstständige Schmiede- und Kutschwagenwerkstatt in Radeberg in der Nähe von Dresden und hatte Gläser bis dahin mit Rohbauten beliefert.[1] Gläser starb im Dezember 1903, Emil Heuer übernahm bereits 1902 die Geschäftsführung.[2]

Heuer baute die Firma weiter aus und im Jahr 1913 vereinte er seine sämtlichen Dresdner Betriebe auf dem Fabrikgrundstück Arnoldstraße 16/24 (Welt-Icon früher Dresdner Gardinen- und Spitzenmanufaktur) in Dresden-Johannstadt.[3]

Die Zusammenlegung des Fabrikbetriebes machte sich notwendig durch den Aufschwung und die Ausdehnung, die das Unternehmen seit 1898 unter der Leitung Heuers erreicht hatte. Die Firma beschäftigte zu dieser Zeit einschließlich ihrer in Radeberg befindlichen Rohbaufabrik über 200 Arbeiter und war mit den modernsten Einrichtungen und Hilfsmaschinen versehen. Das alte Geschäftslokal Rampische Straße 6 wurde 1913 in einen Ausstellungsraum umgestaltet, wo ständig eine reichhaltige Auswahl von Luxuswagen zu besichtigen war.[4]

Der gleichzeitige Bau von Automobilkarosserien und Kutschen war problemlos möglich, da beide sich zunächst weitgehend entsprachen. So wurde auch im Karosseriebau ein Holzskelett auf dem Fahrgestell aufgebaut und dieses mit handgefertigten Blechen verkleidet, oder nach dem „Patent Weymann“ mit Stoff bezogen. Erst Mitte der 1930er Jahre wurden insbesondere vom Karosseriebauer Ambi-Budd aus Berlin selbsttragende Ganzstahlkarosserien gefertigt. Wer sich damals einen Wagen mit der Karosserie eines renommierten Karosseriebauers leisten konnte, bestellte das Chassis (also Fahrwerk und Motor) direkt beim Hersteller und ließ dann die Karosserie entsprechend seinen Wünschen separat anfertigen.

Gläser fertigte in dieser Zeit verschiedene klassische Karosserietypen wie Phaeton, Coupé, Landaulet, Limousine, Pullman und Cabriolets.

Die beiden Söhne Heuers, Georg und Erich Heuer, führten die Geschäfte des Vaters nach dessen Tod weiter. Insbesondere Georg Heuer zeichnete verantwortlich für die Entwicklung der Automobilkarosserien. Die von ihm geschaffenen Cabriolet-Karosserien der 1930er Jahre zeichneten sich durch eine harmonische Linienführung und ihre ausgewogene Symmetrie aus. Das sechsfenstrige Pullman-Cabriolet zählt nicht nur gestalterisch, sondern auch technisch-konstruktiv zu den Meilensteinen des Karosseriebaus. Gläser war ebenfalls bekannt für seinen sehr einfach zu bedienenden Mechanismus für die Klappverdecke, wofür die Firma mehrere Patente besaß.

Altersbedingt übertrug Emil Heuer ab Mitte der 1920er Jahre die Geschäftsführung weitgehend an seinen Sohn Georg Heuer.[5]

Die Folgen der Weltwirtschaftskrise nach dem New Yorker Börsenkrach 1929 führten zu einem dramatischen Absatzeinbruch bei den Automobilherstellern und damit auch bei den Karosseriefirmen. Nach einer Stornierung eines Großauftrags von General Motors, nach der die Firma Gläser in finanzielle Schwierigkeiten geriet, schied Georg Heuer im Sommer 1932 freiwillig aus dem Leben. Emil Heuer übernahm hochbetagt erneut für kurze Zeit die Geschäftsführung. Am 3. Juli 1933 musste das Unternehmen Konkurs anmelden, Emil Heuer starb im März 1934.[6]

Bereits am 12. Juni 1933 wurde die Gläserkarosserie GmbH als Auffanggesellschaft für die insolventen Firmen gegründet. Gesellschafter waren Erich Heuer, Wilhelm Stahl und Willy Bochmann, der Schwager Erich Heuers. Heuer trat seinen Anteil an Bochmann ab, weil er mit Pfändungen rechnen musste. Willy Bochmann war gelernter Klempner und Sohn des Besitzers der kleinen Dresdener Metall- und Spielwarenfabrik von Carl Bochmann, der unter der Marke Cabo produzierte. Bereits 1935 sicherte sich Willy Bochmann Rüstungsaufträge der Wehrmacht, die bald 20 % der Gesamtproduktion ausmachten.[7]

Neben der (Klein-)Serienfertigung von Karosserien pflegte Gläser auch immer den Bau von „Modellkarosserien“. Dabei handelte es sich um sehr aufwendige und formschöne Einzelanfertigungen.

Neben seiner Tätigkeit bei der Gläserkarosserie GmbH war Willy Bochmann spätestens 1941 Besitzer der Metall- und Spielwarenfabrik Carl Bochmann in der Dammstraße 16, Dresden (Äußere Neustadt, Nähe Bischofsweg). Sein Vater Carl Bochmann war unter der gleichen Adresse als Fabrikant eingetragen.[8]

Im Zweiten Weltkrieg stellte die Gläserkarosserie GmbH, die auch ca. 1000 Zwangsarbeiter und 150 bis 180 sowjetische Kriegsgefangene beschäftigte, Rüstungsmaterial her. Darunter waren unter anderem Aufbauten für den Einheits-Kübelwagen Kfz 15 und den -Funkwagen Kfz 17, Lafetten für die Bordkanone der Messerschmitt Bf 109 und Gondeln für die Aufnahme der Triebwerke der Messerschmitt Me 262. Bei den Luftangriffen auf Dresden am 13. und 14. Februar 1945 wurde das Fertigungsgelände von Gläser in der Litzmannstraße (Arnoldstraße) und Blumenstraße größtenteils zerstört.[9]

Nach dem Einmarsch der Roten Armee begannen die Trümmerberäumungen. Willy Bochmann wurde ab Juni 1945 auf Beschluss des Betriebsrates und der Gewerkschaftsgruppe der Zugang zum Unternehmen verwehrt und seine Beschäftigung als Betriebsführer beendet. Er wurde später von den Russen verhaftet und kam 1950 in einem Lager ums Leben. Der Geschäftsführer Erich Heuer und der Prokurist Edmund Heuer, die sich bereits in Bayern aufhielten, wurden fristlos entlassen, da sie seit 1933 Mitglied der NSDAP waren.[10]

In den Betriebsübersichten der Stadt Dresden (Pass für Industrie-Unternehmen(dt.-russ.)) vom August/September 1945 wird Willy Bochmann noch als Geschäftsführer der Carl Bochmann Metallwarenfabrik, Dammweg 16 geführt.[11]

Geschichte im Osten ab 1945 – Karosseriewerk Dresden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachfolgebetrieb der Gläser-Karosserie GmbH wurde der VEB Karosseriewerk Dresden (KWD). Dieser fertigte zunächst Karosserien für den IFA F8, dem von IFA nahezu unverändert weitergebauten Vorkriegs-DKW F8 und den IFA F9, nach dem Prototyp des DKW F9 aus dem Jahr 1940. Später wurden Karosserien für den IFA Typ P 240 „Sachsenring“ und den Wartburg 311/312 sowie dessen Roadster-Variante Wartburg 313 gefertigt. Ebenfalls beteiligte man sich an der Entwicklung der Kunststoffkarosserie des AWZ P 70. 1963 erhielt das Werk eine neue Taktstraße, von der alle 36,9 min eine Camping-, Kombi-, oder Coupé-Karosserie für den Wartburg vom Band lief.[12]

Von 1968 bis 1991 wurden für den Wartburg 353 und den nachfolgenden Wartburg 1.3 Serienkarosserien des Kombis („Tourist“) gefertigt. In Dresden und Zweigbetrieben des Karosseriewerks in Rosenthal[13] und Wilsdruff fertigte man außerdem den Wohnwagen Bastei. 1994 wurde das VEB Karosseriewerk Dresden (KWD) privatisiert und arbeitet seitdem unter dem Namen Karosseriewerke Dresden GmbH (KWD) als Zulieferer für die Automobilindustrie. KWD gehört zur Schnellecke Group.

Geschichte im Westen 1945–1952[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erich Heuer verlagerte die noch vorhandenen Maschinen nach Ullersricht bei Weiden in der Oberpfalz und stellte zwischen 100 und 250 Cabriolet-Karosserien für den Porsche 356 her. Ebenfalls wurden 16 Karosserien aus Aluminium für den Porsche Typ 540 „America Roadster“ angefertigt, der eine 356er Variante in Kleinserie für den US-Markt war.[14] Jedoch musste Heuer die Fertigung wegen Fehlkalkulationen schon im November 1952 wieder einstellen.

Belieferte Fahrzeughersteller[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter anderem für folgende Fahrzeughersteller wurden bei Gläser Karosserien produziert:

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c KWD Unternehmensgeschichte. KWD Automotive AG & Co. KG, abgerufen am 21. Juli 2019.
  2. Von Kutschen zu Automobilen - 150 Jahre Karosseriebau in Dresden und Radeberg. KWD Automotive AG & Co. KG, S. 5, abgerufen am 23. Juli 2019.
  3. Von Kutschen zu Automobilen. S. 9, abgerufen am 23. Juli 2019.
  4. Dresdner Anzeiger vom 25. Dezember 1913
  5. Von Kutschen zu Automobilen. S. 13, abgerufen am 23. Juli 2019.
  6. Von Kutschen zu Automobilen. S. 14, abgerufen am 23. Juli 2019.
  7. Von Kutschen zu Automobilen. S. 15, abgerufen am 23. Juli 2019.
  8. Adressbuch der Landeshauptstadt Dresden 1941. Abgerufen am 24. Juli 2019.
  9. Von Kutschen zu Automobilen. S. 17, abgerufen am 23. Juli 2019.
  10. Von Kutschen zu Automobilen. S. 18, abgerufen am 24. Juli 2019.
  11. Pass für Industrie-Unternehmen (dt.-russ.) der Stadt Dresden vom August/September 1945. Abgerufen am 24. Juli 2019.
  12. Kraftfahrzeugtechnik im Bild. In: Kraftfahrzeugtechnik 6/1963, S. 221.
  13. Rundwanderweg im OT Bielatal – Gemeinde Rosenthal - Bielatal. In: rosenthal-bielatal.de. Abgerufen am 7. November 2018.
  14. Wallace Wyss: The Porsche Type 540 America Roadster: The OddBall Porsche. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Car Build Index. 1. Oktober 2015, archiviert vom Original am 4. Februar 2016; abgerufen am 3. Februar 2016 (englisch). i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.carbuildindex.com

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerhard Mirsching: Gläser Cabriolets. Ein Stück deutscher Automobilgeschichte. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1987, ISBN 3-613-01193-X
  • Gerhard Mirsching: Automobilkarosserien aus Dresden. Von Gläser zu KWD. Reintzsch, Leipzig 1996, ISBN 3-930846-08-X
  • Bernd Rieprich: Emil Heuer – sein Weg zum Karosseriebauer. In: Radeberger Blätter zur Stadtgeschichte, Heft 12, 2014, Hrsg.: Große Kreisstadt Radeberg in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Stadtgeschichte, S. 25ff

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gläser – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien