Horch

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Dieser Artikel behandelt den europäischen Autohersteller; zu anderen Bedeutungen siehe Horch (Begriffsklärung)
Horch-Markensignet seit 1924

Horch war der Markenname des 1904 im westsächsischen Zwickau gegründeten Luxus-Automobilherstellers, der zuerst im Zwickauer Handelsregister unter der Unternehmensbezeichnung August Horch & Cie. Motorwagenwerke AG geführt wurde.

Firmengeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründungsjahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Firmengründer August Horch in einem seiner Wagen (1908)

Der Unternehmensgründer August Horch (1868–1951) machte nach einer Schmiedelehre von 1888 bis 1890 bei Benz & Cie. in Mannheim eine Ingenieurausbildung am Technikum Mittweida. Am 14. November 1899 gründete er mit dem Geschäftsmann Salli Herz in Köln-Ehrenfeld die Firma A. Horch & Cie. an der Venloer Straße Nr. 295, wo er in einem ehemaligen Pferdestall zunächst Benz-Motorwagen reparierte. Ab Juli 1900 entstand der erste Wagen („Modell 1“), der im Januar 1901 mit einer spektakulären, nicht ganz pannenfreien Jungfernfahrt in Köln vorgestellt wurde. Eine Expansion seines Betriebes stieß in dieser Zeit auf räumliche und finanzielle Grenzen.

Mit finanzieller Unterstützung von Moritz Bauer (Plauen) beteiligte sich dessen Maschinenbauunternehmen Bauer & Lange an Horchs Firma, was im März 1901 zum Umzug nach Reichenbach im Vogtland führte. Hier stellte sich bald heraus, dass die ansässige Unternehmerschaft eine Erweiterung von Horchs Betrieb missbilligte. Mit neuen Investoren, allesamt Unternehmer, die sich 1903 im Sächsisch-Thüringischen Automobil-Club der Kreishauptmannschaft Zwickau mit dem Stadtrat Friedrich Paul Fikentscher an der Spitze zusammengefunden hatten, zog August Horch mit seinem Unternehmen nach Zwickau, dem damaligen Sitz der südwestsächsischen Oberverwaltung. Am 10. Mai 1904 wurde die August Horch & Cie. Motorwagenwerke AG ins Zwickauer Handelsregister eingetragen.[1]

Im Jahr 1906, als in Zwickau eine große Gewerbe- und Industrieausstellung stattfand, gewann der ortsansässige Rechtsanwalt Rudolf Stöss auf einem Wagen von Horch die Herkomer-Konkurrenz, die mit der heutigen Rallye-Markenweltmeisterschaft vergleichbar ist. Horch-Automobile zeichneten sich in Folge durch Qualität, Luxus und technischen Fortschritt aus.

Gründung von Audi[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Horch KL, 25 PS (1916)

Wegen Streitigkeiten mit dem Finanzvorstand musste August Horch die Horch AG verlassen. Er gründete mit befreundeten Investoren aus dem Bezirk der Kreishauptmannschaft Zwickau am 16. Juli 1909 in Zwickau die August Horch Automobilwerke GmbH. Mit seinem ehemaligen Betrieb kam es dann zu einem Rechtsstreit um die Marke „Horch“, diesen verlor August Horch in letzter Instanz vor dem Reichsgericht in Leipzig.

Daraufhin erfand ein Zwickauer Gymnasiast aus der befreundeten Unternehmerfamilie Fikentscher den Markennamen Audi – die Übersetzung des Imperativs „horch!“ oder „höre!“ ins Lateinische. Am 25. April 1910 wurde August Horchs neues Unternehmen in Audi Automobilwerke GmbH Zwickau umbenannt und 1915 zur Audiwerke AG Zwickau umgewandelt.[2]

Fusion zur Auto Union[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Horch-Kühlerfigur, (ab 1928)

Die Motorwagenwerke, August Horchs erstes Unternehmen, firmierten im Jahr 1918 mit einem Grundkapital von drei Millionen Mark zur Horchwerke AG Zwickau um. In den 1920er Jahren übernahm Moritz Straus, Eigentümer der Argus Motoren Gesellschaft in Berlin, die Aktienmehrheit der Horchwerke. Argus-Chefkonstrukteur Paul Daimler war ab 1923 für die Modellpflege der Horch-Wagen zuständig und stellte 1926 den Horch 12/60 PS (Typ 303) vor – das erste deutsche Serienfahrzeug mit Achtzylindermotor. Ab 1925 lieferten die Horchwerke pro Jahr durchschnittlich 1.300 Fahrzeuge aus. Im April 1929 gaben die Horchwerke bekannt, dass sie ihre vorherige Berliner Filiale in der Straße Unter den Linden aufgeben und in die Lennéstraße 2 umziehen, in Räumlichkeiten, die nach Entwürfen des Architekten Bruno Paul eingerichtet wurden.[3]

Horch-Kühlerfigur (um 1930)

Nachdem Paul Daimler die Argus Motoren Gesellschaft verlassen hatte, wurde im Herbst 1929 Fritz Fiedler Chefkonstrukteur in Zwickau. Er entwickelte den Zwölfzylindermotor des im Herbst 1931 in Paris vorgestellten Horch 670.[4]

Auf Initiative der Sächsischen Staatsbank erfolgte im Juni 1932 der Zusammenschluss von Horch, Audi, DKW und der Autosparte von Wanderer zur Auto Union AG mit Unternehmenssitz in Zschopau, der 1936 nach Chemnitz verlegt wurde. Horch hatte 1932 in der Klasse über 4,2 Litern Hubraum einen Zulassungsanteil von rund 44 Prozent.

Horch Pullman (1934)
Auto-Union Typ C (1936)

Unter dem Dach der Auto Union wurden alle vier Marken weitergeführt, was mit dem Signet der vier ineinander verschlungenen Ringe zum Ausdruck kam. Die bei Horch hergestellten Automobile der Luxusklasse genossen hohes gesellschaftliches Prestige und hatten in den 1930er Jahren einen Marktanteil von über 50 Prozent, womit sie die Spitzenposition unter den Wettbewerbern in Deutschland besetzten. Die in der Rennabteilung von Horch zwischen 1934 und 1939 entwickelten und gefertigten Auto-Union-Rennwagen Typ A bis D sind bis auf den heutigen Tag weltbekannte Spitzenprodukte der Automobil-Renngeschichte.[5]

„Es war der hohe Standard in der Serienfertigung der Automobilproduktion, der den so erfolgreichen Bau und Einsatz eines absoluten Spitzenproduktes der Kraftfahrzeugtechnik erlaubte, die der Rennwagen der Auto Union zweifellos war.“

Peter Kirchberg: Die Silberpfeile aus Zwickau, Audi-Video (1992)

Im Teil-Unternehmen Horch führte der Zweite Weltkrieg zu umfangreichen Veränderungen, da die Auto Union AG nun Rüstungsgüter produzierte. Torpedos, Auto Union-Kübelwagen, Panzeraggregate sowie vollständige Hanomag- und Steyr-Panzerfahrzeuge liefen nun im Werk Horch vom Fließband.[6] Nur noch in geringem Umfang fand eine nicht militärische Produktion statt.

Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Horch H3A, 3,5 Tonnen (1954)
Horch P 240 Cabriolet (1956)

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges beschädigten Bombenabwürfe das Horch-Werk in Zwickau stark. Als VEB HORCH Kraftfahrzeug- und Motorenwerke Zwickau nahm man 1948 die Produktion von Traktoren vom Typ RS01 und Lastkraftwagen vom Typ H3 wieder auf, nachdem das Unternehmen durch Volksentscheid zwangsenteignet worden war. Im Jahr 1954 begann die Produktion des Nachfolgers IFA H3A. Der 1954 bei Horch entwickelte und dann in Serie produzierte Pkw Sachsenring P 240 war zehn Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg wieder ein Oberklasse-Auto auf höchstem technischen und gestalterischem Niveau. Im Februar 1957 gab es erneut eine Änderung der Firma in VEB Sachsenring Kraftfahrzeug- und Motorenwerke Zwickau, da die Ende 1949 in Westdeutschland neu gegründete Auto Union erfolgreich gegen die weitere Nutzung des Namens „Horch“ in Zwickau geklagt hatte.[7]

Ein SED-Parteibeschluss führte am 1. Mai 1958 zur Fusion mit dem VEB Automobilwerk Zwickau (AWZ) (vormals Audi) zum VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau. Fortan zierte die letzte eigene Entwicklung von Horch, der Sachsenring P 240, statt des gekrönten H ein geschwungenes S (S als Markenzeichen für Sachsenring). So wurden zumindest die ehemaligen Institutionen der beiden einstmals von August Horch gegründeten Unternehmen vereinigt und als Produzent des Trabant zum wichtigsten Automobilhersteller der DDR, während die neu gegründete Auto Union in der Bundesrepublik die Rechtsnachfolge beanspruchte.

Heute befindet sich auf einem Teil des ehemaligen Zwickauer Audi-Werkes das August-Horch-Museum, ein Ankerpunkt der Europäischen Route der Industriekultur. Das gekrönte H, Markenzeichen von Horch, ist eine beim Deutschen Patent- und Markenamt München eingetragene Marke, deren Rechte die Volkswagen AG besitzt. Allerdings hat die Daimler-Benz AG, die 1958–1966 Eigentümerin der Auto Union war, bei deren Verkauf an VW untersagt, das Horch-Markenzeichen zu verwenden.[8]

„Der letzte Horch“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1953 bauten Mitarbeiter des Ingolstädter Auto-Union-Werkes auf dem Fahrgestell einer Vorkriegs-Pullman-Limousine vom Typ Horch 830 BL in Handarbeit eine Karosserie für ein Einzelstück auf, das dem damaligen Geschäftsführer Richard Bruhn zu Repräsentationszwecken übergeben wurde. Dieser einzige jemals in Ingolstadt gebaute sogenannte Bruhn-Horch steht nach seiner Wiederentdeckung in den USA heute in Ingolstadt im Audi museum mobile.[9] Das Horch-Werk Zwickau brachte unterdessen 1955 unter der Modellbezeichnung Horch P 240 Sachsenring noch ein letztes Serienmodell heraus, das nach dem Markenrechtsstreit von 1957 mit der in Ingolstadt neu gegründeten Auto-Union GmbH ab Anfang 1958 nur noch unter der Modellbezeichnung Sachsenring P240 weiterproduziert werden durfte.

Pkw-Modelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Typ Bauzeitraum Zylinder Hubraum
in cm³
Leistung
in PS oder kWh
Vmax
in km/h
Bild
04–15 PS 1900–1903 2 Reihe 02,9–3,7 PS 060
10–16 PS 1902–1904 2 Reihe 07,4–8,8 PS 062
22–30 PS 1903 4 Reihe 2.725 16,2–18,4 kW
14–20 PS 1905–1910 4 Reihe 2.270 10,3–12,5 kW
18/25 PS 1904–1909 4 Reihe 2.725 16,2 kW
23/50 PS 1905–1910 4 Reihe 5.800 29 kW 100
26/65 PS 1907–1910 6 Reihe 7.800 44 kW 120
25/60 PS 1909–1914 4 Reihe 6.395 40 kW 110
10/30 PS 1910–1911 4 Reihe 2.660 18,4 kW
K (12/30 PS) 1910–1911 4 Reihe 3.177 20,6 kW 075
15/30 PS 1910–1914 4 Reihe 2.608 22 kW 080
H (17/45 PS) 1910–1919 4 Reihe 4.240 33 kW
06/18 PS 1911–1920 4 Reihe 1.588 13,2 kW
08/24 PS 1911–1922 4 Reihe 2.080 17,6 kW 070
O (14/40 PS) 1912–1922 4 Reihe 3.560 29 kW 090
Pony (5/14 PS) 1914 4 Reihe 1.300 11 kW
25/60 PS 1914–1920 4 Reihe 6.395 44 kW 110
18/50 PS 1914–1922 4 Reihe 4.710 40 kW (55 PS) 100
S (33/80 PS) 1914–1922 4 Reihe 8.494 59 kW
10 M 20 (10/35 PS) 1922–1924 4 Reihe 2.612 25,7 kW 080
10 M 25 (10/50 PS) 1924–1926 4 Reihe 2.612 37 kW 095
8 Typ 303/304 (12/60 PS) 1926–1927 8 Reihe 3.132 44 kW 100
8 Typ 305/306 (13/65 PS) 1927–1928 8 Reihe 3.378 48 kW 100
8 Typ 350/375/400/405 (16/80 PS) 1928–1931 8 Reihe 3.950 59 kW 100
8 3 Liter Typ 430 1931–1932 8 Reihe 3.009–3.137 48 kW (65 PS) 100
8 4 Liter Typ 410/440/710 1931–1933 8 Reihe 4.014 59 kW (80 PS) 100–110
8 4,5 Liter Typ 420/450/470/720/750/750B 1931–1935 8 Reihe 4.517 66 kW (90 PS) 115
8 5 Liter Typ 480/500/500A/500B/780/780B 1931–1935 8 Reihe 4.944 74 kW (100 PS) 120–125
12 6 Liter Typ 600/670 1931–1934 12 V 6.021 88 kW (120 PS) 130–140 Horch 670 Zwölfzylinder (1932)
830 1933–1934 8 V 3.004 51 kW (70 PS) 110–115
830B 1935 8 V 3.250 51 kW (70 PS) 115
830Bk/830BL 1935–1936 8 V 3.517 55 kW (75 PS) 115–120
850/850 Sport 1935–1937 8 Reihe 4.944 74 kW (100 PS) 125–130
830BL/930V 1937–1938 8 V 3.517 60 kW (82 PS) 120–125 Horch 930 V Phaeton (1939)
830BL/930V 1938–1940 8 V 3.823 67,6 kW (92 PS) 125–130
851/853/853A/855/951/951A 1937–1940 8 Reihe 4.944 74 kW (100 PS) 125–140 Horch 853 A Sport-Cabriolet (1938)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Kirchberg, Jürgen Pönisch: Horch. Typen – Technik – Modelle. Delius Klasing, Bielefeld 2006, ISBN 3-7688-1775-X.
  • Werner Oswald: Alle Horch Automobile 1900–1945. 1. Auflage, Motorbuch Verlag, Stuttgart 1979, ISBN 3-87943-622-3.
  • August Horch: Ich baute Autos. Vom Schmiedelehrling zum Autoindustriellen. Schützen-Verlag, Berlin 1937.
  • Werner Lang: „Wir Horch-Arbeiter bauen wieder Fahrzeuge“. Geschichte des Horch-Werkes Zwickau 1945 bis 1958. Bergstraße Verlagsgesellschaft mbH, Aue 2007, ISBN 978-3-9811372-1-7.
  • Wolf-Dieter Grün: Die Entwicklung der Warenzeichen von Horch und Audi. In: Ulrich Löber (Hrsg.): August Horch. Ein Automobilkonstrukteur aus Winningen. Landesmuseum Koblenz 1986, ISBN 3-925915-17-6, S. 117ff.
  • Jürgen Pönisch: 100 Jahre Horch-Automobile 1899–1999. Aufstieg und Niedergang einer deutschen Luxusmarke. Zwickau 2000, ISBN 3-933282-07-1.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Horch-Fahrzeuge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Horchwerke AG, Zwickau und Vorgänger, Bestand 31073 im Staatsarchiv Chemnitz.
  2. Audi-Automobilwerke AG, Zwickau und Vorgänger Bestand 31072 im Staatsarchiv Chemnitz
  3. Die HORCHWERKE … Vossische Zeitung, 2. April 1929, S. 3.
  4. Peter Kirchberg: Autos aus Zwickau. Transpress-Verlag, Berlin 1985, S. 37.
  5. Peter Kirchberg: Die Silberpfeile aus Zwickau. Video Audi AG, 1992.
  6. 150 Jahre
  7. Lang, Werner: „Wir Horch-Arbeiter bauen wieder Fahrzeuge“. Geschichte des Horch-Werkes Zwickau 1945 bis 1958. Bergstraße Verlagsgesellschaft mbH, Aue 2007, ISBN 978-3-9811372-1-7, Seite 101.
  8. Olaf Schiller: Die Geschichte der Audi-Markenzeichen. Delius Klasing, Bielefeld 2002, ISBN 3-7688-1415-7.
  9. Der letzte Horch