Goddelau

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Goddelau
Stadt Riedstadt
Wappen von Goddelau
Koordinaten: 49° 50′ 7″ N, 8° 29′ 52″ O
Höhe: 89 m ü. NHN
Fläche: 8,81 km²[1]
Einwohner: 6736 (30. Jun. 2016)[2]
Bevölkerungsdichte: 765 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1973
Eingemeindet nach: Goddelau-Wolfskehlen
Postleitzahl: 64560
Vorwahl: 06158
Geburtshaus von Georg Büchner in Goddelau
Geburtshaus von Georg Büchner in Goddelau

Goddelau, ein Stadtteil von Riedstadt, liegt im Rheingraben (Oberrheinische Tiefebene) etwa zwei Kilometer vom Altrhein entfernt im südhessischen Kreis Groß-Gerau. Die nächste größere Stadt in rund zehn Kilometern Entfernung ist Darmstadt. Im lokalen Dialekt wird Goddelau auch als „Golle“ bezeichnet.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nördlich grenzt das Ortsgebiet an Wolfskehlen, westlich an Erfelden (beides Riedstadt). Südlich von Goddelau liegt der Stadtteil Crumstadt (mit Philippshospital) und östlich grenzt die Stadt Griesheim (Landkreis Darmstadt-Dieburg).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Goddelau wurde im Jahr 834 in einer Schenkungsurkunde erstmals urkundlich erwähnt, als Graf Gundram seinen Besitz „in Terminis Gotalohono“ der Abtei Fulda schenkte.[3] In den historischen Unterlagen findet Goddelau in den folgenden Jahrhunderten unter anderem mit diesen Schreibweisen der Ortsnamen Erwähnung: Gotalohono bei der Ersterwähnung im Jahre 834, Godelohen 1128, Godela 1314, Godelauwe 1426 und Godelauw 1615.[1]

Als Grundherren werden die Herren von Wolfskehlen erwähnt, bevor ab 1356 die Grafen von Katzenelnbogen das Dorf allmählich in Besitz nahmen. 1457 heiratete Anna von Katzenelnbogen, Erbtochter Philipps des Älteren, den Landgrafen Heinrich III. von Hessen. Mit dem Tode Philipps im Jahr 1479 fiel die Grafschaft Katzenelnbogen daher an die Landgrafschaft Hessen. Als Grundbesitzer in Goddelau werden 1794 das Domstift St. Viktor in Mainz sowie das Hospital Hofheim genannt.

1535 wurde von Landgraf Philipp I. von Hessen das Hohe Hospital bei Darmstadt gestiftet, das damit zu den ältesten psychiatrischen Krankenhäusern der Welt gehört. 1904 wurde es zu Ehren des Stifters in „Philippshospital“ umbenannt.

Verwaltungsmäßig gehörte Goddelau bis 1820 zum Amt Dornberg, das ab 1806 zur Provinz Starkenburg des Großherzogtums Hessen gehörte. 1821 wurden im Großherzogtum Landratsbezirke eingeführt und Goddelau dem Landratsbezirk Dornberg zugeteilt. 1832 wurden die Einheiten ein weiteres Mal vergrößert und es wurden Kreise geschaffen. Dadurch gelangte Goddelau in den Kreis Groß-Gerau. Die Provinzen, die Kreise und die Landratsbezirke des Großherzogtums wurden am 31. Juli 1848 abgeschafft und durch Regierungsbezirke ersetzt, was jedoch bereits am 12. Mai 1852 wieder rückgängig gemacht wurde. Dadurch gehörte Goddelau zwischen 1848 und 1852 zum Regierungsbezirk Darmstadt, bevor wieder der Kreis Groß-Gerau für die übergeordnete Verwaltung zuständig war. Dort verblieb der Ort durch alle weiteren Verwaltungsreformen bis heute. Die zuständige Gerichtsbarkeit war während der Zugehörigkeit zu Hessen von 1821 bis 1879 das Landgericht Großgerau und ist seit 1879 das daraus hervorgegangene Amtsgericht Groß-Gerau.[1]

Über die Jahrhunderte blieb der Ort von der Tätigkeit der Bevölkerung in Landwirtschaft und Handwerk geprägt. 1588 gab es etwa 180 Einwohner in Goddelau. Das spätere Geburtshaus Georg Büchners wurde 1665 errichtet.

Anlässlich der Gebietsreform in Hessen schloss sich Goddelau am 1. Juli 1973 freiwillig mit der Nachbargemeinde Wolfskehlen zusammen, bevor am 1. Januar 1977 kraft Gesetzes der Zusammenschluss mit den Nachbargemeinden Crumstadt, Erfelden und Leeheim zur neuen Gemeinde Riedstadt erfolgte. Seitdem ist Goddelau größter Ortsteil und Sitz der Verwaltung von Riedstadt.[4][5]

Goddelau hatte Ende 2014 6.372 Einwohner (einschließlich Philippshospital; Stand 31. Dezember 2014).[6] Überregional bekannt ist Goddelau als Geburtsort Georg Büchners (am 17. Oktober 1813) und als Sitz der psychiatrischen Klinik Philippshospital. Seit 2007 besitzt Riedstadt Stadtrechte.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1629: 0061 Hausgesesse
Goddelau: Einwohnerzahlen von 1829 bis 2017
Jahr  Einwohner
1829
  
552
1840
  
959
1846
  
1.004
1852
  
1.056
1858
  
1.116
1864
  
1.125
1871
  
1.203
1875
  
1.196
1885
  
1.250
1895
  
1.353
1905
  
1.779
1910
  
2.482
1925
  
2.629
1939
  
2.603
1946
  
2.886
1950
  
4.264
1956
  
3.645
1961
  
4.009
1967
  
4.451
1970
  
5.024
2011
  
5.995
2015
  
6.642
2017
  
6.905
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; nach 1970: Stadt Riedstadt (Siehe webarchiv)

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1961: 2934 evangelische, 1301 römisch-katholische Einwohner

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholische St.-Bonifatius-Kirche
Evangelische Kirche

Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die katholische Pfarrgemeinde St. Bonifatius, mit der gleichnamigen Kirche, kann auf eine über 1200 Jahre alte Geschichte verweisen. Im Jahr 802 wurde erstmals eine Kirche auf dem Gemeindegebiet erwähnt.[7]

Die barocke evangelische Kirche wurde 1607 erbaut.[8]

Andere Konfessionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2004 wurde die Aziz-Moschee[9] der Ahmadiyya Muslim Jamaat mit einem Minarett im Goddelauer Gewerbegebiet Südwest (Römerstraße) eröffnet. Am 17. Dezember 2012 wurde auf dem Nachbargrundstück der Neubau der Jamia (Institut für islamische Theologie und Sprachen) eingeweiht. Die ebenfalls zur Ahmadiyya gehörende Einrichtung bietet 120 Plätze für die Ausbildung zum Imam.[10][11]

Sehenswürdigkeiten und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Büchnerhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Büchnerhaus: Das Geburtshaus, ein 1665 erbautes Fachwerkhaus, erinnert an das Leben und Wirken des Dichters Georg Büchner.[12]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg-Büchner-Schule (Grundschule)[13]
  • Martin-Niemöller-Schule (Integrierte Gesamtschule)

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Goddelau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Goddelau, Landkreis Groß-Gerau. Historisches Ortslexikon für Hessen (Stand: 2. Mai 2014). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL), abgerufen am 4. November 2014.
  2. Daten / Statistiken. Riedstadt, abgerufen am 27. November 2016.
  3. Ortsgeschichte auf der Webseite von Riedstadt (abgerufen im Nov 2012)
  4. Der Hessische Minister des Inneren: Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Groß-Gerau (GVBl. II 314–32) vom 26. Juli 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 22, S. 314, § 7 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,5 MB]).
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 366.
  6. Daten und Fakten zu Riedstadt, abgerufen am 18. Juli 2011
  7. Geschichte der Pfarrei Hofheim von 802 bis 1535. (Memento des Originals vom 10. Februar 2007 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bonifatius-riedstadt.de eingesehen am 18. Juli 2009
  8. Evangelische Kirchengemeinde Goddelau. (Memento des Originals vom 4. Juni 2008 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.riedstadt.de eingesehen am 18. Juli 2009
  9. Aziz-Moschee auf der Webseite von Riedstadt (abgerufen im Nov. 2012)
  10. Riedstadt: Erste Imam-Schule in Deutschland eröffnet, Frankfurter Allgemeine Zeitung am 17. Dezember 2012
  11. Muslimische Gemeinschaft bildet Imame in Südhessen aus, Die Welt am 17. Dezember 2012
  12. Büchnerhaus. In: Portal für Groß-Gerau und Rhein-Main. Private Website, abgerufen am 24. Februar 2018.
  13. Schulen auf der Webseite von Riedstadt (abgerufen im Nov. 2012)