Goddelau

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Goddelau
Stadt Riedstadt
Wappen von Goddelau
Koordinaten: 49° 50′ 7″ N, 8° 29′ 52″ O
Höhe: 89 m ü. NHN
Fläche: 8,81 km²[1]
Einwohner: 6595 (31. Dez. 2018)[2]
Bevölkerungsdichte: 749 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1973
Eingemeindet nach: Goddelau-Wolfskehlen
Postleitzahl: 64560
Vorwahl: 06158
Geburtshaus von Georg Büchner in Goddelau
Geburtshaus von Georg Büchner in Goddelau

Goddelau, ein Stadtteil von Riedstadt, liegt im Rheingraben (Oberrheinische Tiefebene) etwa zwei Kilometer vom Altrhein entfernt im südhessischen Kreis Groß-Gerau. Die nächste größere Stadt in rund zehn Kilometern Entfernung ist Darmstadt. Im lokalen Dialekt wird Goddelau auch als „Golle“ bezeichnet.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nördlich grenzt das Ortsgebiet an Wolfskehlen, westlich an Erfelden (beides Riedstadt). Südlich von Goddelau liegt der Stadtteil Crumstadt (mit Philippshospital) und östlich grenzt die Stadt Griesheim (Landkreis Darmstadt-Dieburg).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Goddelau wurde im Jahr 834 in einer Schenkungsurkunde erstmals urkundlich erwähnt, als Graf Gundram seinen Besitz „in Terminis Gotalohono“ der Abtei Fulda schenkte.[3] In den historischen Unterlagen findet Goddelau in den folgenden Jahrhunderten unter anderem mit diesen Schreibweisen der Ortsnamen Erwähnung: Gotalohono bei der Ersterwähnung im Jahre 834, Godelohen 1128, Godela 1314, Godelauwe 1426 und Godelauw 1615.[1]

Als Grundherren werden die Herren von Wolfskehlen erwähnt, bevor ab 1356 die Grafen von Katzenelnbogen das Dorf allmählich in Besitz nahmen. 1457 heiratete Anna von Katzenelnbogen, Erbtochter Philipps des Älteren, den Landgrafen Heinrich III. von Hessen. Mit dem Tode Philipps im Jahr 1479 fiel die Grafschaft Katzenelnbogen daher an die Landgrafschaft Hessen. Als Grundbesitzer in Goddelau werden 1794 das Domstift St. Viktor in Mainz sowie das Hospital Hofheim genannt.

1535 wurde von Landgraf Philipp I. von Hessen das Hohe Hospital bei Darmstadt gestiftet, das damit zu den ältesten psychiatrischen Krankenhäusern der Welt gehört. 1904 wurde es zu Ehren des Stifters in „Philippshospital“ umbenannt.

Verwaltungsmäßig gehörte Goddelau bis 1820 zum Amt Dornberg, das ab 1806 zur Provinz Starkenburg des Großherzogtums Hessen gehörte. 1821 wurden im Großherzogtum Landratsbezirke eingeführt und Goddelau dem Landratsbezirk Dornberg zugeteilt.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Goddelau:

»Goddlau (L. Bez. Dornberg) luth. Pfarrdorf; liegt 2 St. von Dornberg, und hat 76 Häuser und 552 Einw., die bis auf 1 Kath. und 32 Juden lutherisch sind. In der Gemarkung sind Torfgräbereien. − Das Dorf hieß früher Gotalohano auch Godelaha. Das Kloster Lorsch besaß hier Gefälle und die Herrn von Bickenbach hatten bedeutende Güter hier. Eine adelige Familie von Godela hatte hier ihren Sitz. Johann von Wolfskehlen erhält dieses Dorf, 1401, von Graf Eberhard von Katzenellenbogen zu Lehen. Die Güter und Gefälle, welche die Herrn von Wolfskehlen hier hatten, zog Landgraf Wilhelm II. in der bairischen Fehde ein. Der Ort hatte eine eigene Kapelle mit einem Altar und einem besondern Kapellan, den der Pfarrer zu Hofheim bestellte; nachdem aber Hofheim in ein Hospital verwandelt worden war, erhielt Goddlau einen besondern Pfarrer und Erfelden zum Filial.«[4]

1832 wurden die Einheiten ein weiteres Mal vergrößert und es wurden Kreise geschaffen. Dadurch gelangte Goddelau in den Kreis Groß-Gerau. Die Provinzen, die Kreise und die Landratsbezirke des Großherzogtums wurden am 31. Juli 1848 abgeschafft und durch Regierungsbezirke ersetzt, was jedoch bereits am 12. Mai 1852 wieder rückgängig gemacht wurde. Dadurch gehörte Goddelau zwischen 1848 und 1852 zum Regierungsbezirk Darmstadt, bevor wieder der Kreis Groß-Gerau für die übergeordnete Verwaltung zuständig war. Dort verblieb der Ort durch alle weiteren Verwaltungsreformen bis heute. Die zuständige Gerichtsbarkeit war während der Zugehörigkeit zu Hessen von 1821 bis 1879 das Landgericht Großgerau und ist seit 1879 das daraus hervorgegangene Amtsgericht Groß-Gerau.[1]

Über die Jahrhunderte blieb der Ort von der Tätigkeit der Bevölkerung in Landwirtschaft und Handwerk geprägt. 1588 gab es etwa 180 Einwohner in Goddelau. Das spätere Geburtshaus Georg Büchners wurde 1665 errichtet.

Anlässlich der Gebietsreform in Hessen schloss sich Goddelau am 1. Juli 1973 freiwillig mit der Nachbargemeinde Wolfskehlen zusammen, bevor am 1. Januar 1977 kraft Landesgesetze der Zusammenschluss mit den Nachbargemeinden Crumstadt, Erfelden und Leeheim zur neuen Gemeinde Riedstadt erfolgte. Seitdem ist Goddelau größter Ortsteil und Sitz der Verwaltung von Riedstadt.[5][6]

Überregional bekannt ist Goddelau als Geburtsort Georg Büchners (am 17. Oktober 1813) und als Sitz der psychiatrischen Klinik Philippshospital. Seit 2007 besitzt Riedstadt Stadtrechte.

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Goddelau lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][7][8]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1629: 0061 Hausgesesse
Goddelau: Einwohnerzahlen von 1829 bis 2018
Jahr  Einwohner
1829
  
552
1834
  
959
1840
  
1.004
1846
  
1.056
1852
  
1.116
1858
  
1.125
1864
  
1.203
1871
  
1.196
1875
  
1.250
1885
  
1.353
1895
  
1.779
1905
  
2.482
1910
  
2.629
1925
  
2.603
1939
  
2.886
1946
  
4.264
1950
  
3.645
1956
  
4.009
1961
  
4.451
1967
  
5.487
1970
  
5.024
2005
  
5.788
2011
  
5.995
2015
  
6.642
2018
  
6.950
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; nach 1970 (mit Philippshospital): Stadt Riedstadt: webarchiv[9][2]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

• 1829: 519 lutheranische (= 94,02 %), 32 jüdische (= 5,80 %) und einen katholischen (= 0,18 %) Einwohner[4]
• 1961: 2934 evangelische (= 65,92 %), 1301 (= 29,23 %) römisch-katholische Einwohner[1]

Wappen und Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Banner Goddelau.svg

Wappen

DEU Goddelau COA.svg

Blasonierung: „In Gold ein schwebendes rotes Patriarchenkreuz auf breitem roten Sockel.“[10]

Das Wappen wurde der Gemeinde Goddelau im Kreis Groß-Gerau 1925 genehmigt.

In seiner heutigen Form wurde es durch den Heraldiker Georg Massoth gestaltet.

Es geht auf alte Gerichtssiegel der Gemeinde zurück. Wahrscheinlich war es auch Gemarkungszeichen. Die Farben gehen auf die Grafen von Katzenelnbogen zurück.[11]

Flagge

Die Flagge wurde der Gemeinde am 13. Oktober 1959 durch den Hessischen Innenminister genehmigt und wird wie folgt beschrieben:

„In einem von Rot und Weiß geteiltem Flaggenfeld das Wappen der Gemeinde Goddelau.“[12]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholische St.-Bonifatius-Kirche
Evangelische Kirche

Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die katholische Pfarrgemeinde St. Bonifatius, mit der gleichnamigen Kirche, kann auf eine über 1200 Jahre alte Geschichte verweisen. Im Jahr 802 wurde erstmals eine Kirche auf dem Gemeindegebiet erwähnt.[13]

Die barocke evangelische Kirche wurde 1607 erbaut.[14]

Andere Konfessionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2004 wurde die Aziz-Moschee[15] der Ahmadiyya Muslim Jamaat mit einem Minarett im Goddelauer Gewerbegebiet Südwest (Römerstraße) eröffnet. Am 17. Dezember 2012 wurde auf dem Nachbargrundstück der Neubau der Jamia (Institut für islamische Theologie und Sprachen) eingeweiht. Die ebenfalls zur Ahmadiyya gehörende Einrichtung bietet 120 Plätze für die Ausbildung zum Imam.[16][17]

Sehenswürdigkeiten und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Büchnerhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Büchnerhaus: Das Geburtshaus, ein 1665 erbautes Fachwerkhaus, erinnert an das Leben und Wirken des Dichters Georg Büchner.[18]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg-Büchner-Schule (Grundschule)[19]
  • Martin-Niemöller-Schule (Integrierte Gesamtschule)

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2016 hat Goddelau an der alle 2 Jahre stattfindenden Aktion "Der Kreis rollt" teilgenommen. Viele Vereine und Institutionen beteiligten sich mit Ständen und Ausstellungen.[20][21]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Goddelau ist gelegen an der Bahnstrecke Mannheim–Frankfurt am Main mit eigenem Regionalexpress- und S-Bahn-Halt, an der Bundesstraße 44 Mannheim-Frankfurt und an der Bundesstraße 26, die von Aschaffenburg über Darmstadt durch Griesheim nach Oppenheim führt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Goddelau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g Goddelau, Landkreis Groß-Gerau. Historisches Ortslexikon für Hessen (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL), abgerufen im Dezember 2018.
  2. a b Daten / Statistiken. In: Webauftritt. Stadt Riedstadt, archiviert vom Original; abgerufen im April 2019.
  3. Ortsgeschichte auf der Webseite von Riedstadt (abgerufen im Nov 2012)
  4. a b Georg W. Weber: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Starkenburg, Band 1 Oktober 1829, S. 85 (Online bei Google Books)
  5. Der Hessische Minister des Inneren: Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Groß-Gerau (GVBl. II 314–32) vom 26. Juli 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 22, S. 314, § 7 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,5 MB]).
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 366.
  7. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  8. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Grossherzogthums Hessen. Band 1. Darmstadt 1866, S. 43 ff. (online bei Google Books).
  9. Daten / Statistiken. In: Webauftritt. Stadt Riedstadt, archiviert vom Original; abgerufen im April 2019.
  10. Hessisches Staatsarchiv Darmstadt Bestand R 6 C Nr. 81/1-2
  11. Heraldry of the world - Goddelau
  12. Der Hessische Minister des Inneren: Genehmigung einer Flagge der Gemeinde Goddelau im Landkreis Groß-Gerau, Regierungsbezirk Darmstadt vom 13. Oktober 1959. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1959 Nr. 43, S. 1169, Punkt 1010 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,4 MB]).
  13. Geschichte der Pfarrei Hofheim von 802 bis 1535. (Memento vom 10. Februar 2007 im Internet Archive) Abgerufen am 18. Juli 2009
  14. Evangelische Kirche Goddelau. Dekanat Riedstadt der EKHN, abgerufen im Dezember 2018.
  15. Aziz-Moschee auf der Webseite von Riedstadt (abgerufen im Nov. 2012)
  16. Riedstadt: Erste Imam-Schule in Deutschland eröffnet, Frankfurter Allgemeine Zeitung am 17. Dezember 2012
  17. Muslimische Gemeinschaft bildet Imame in Südhessen aus, Die Welt am 17. Dezember 2012
  18. Büchnerhaus. In: Portal für Groß-Gerau und Rhein-Main. Private Website, abgerufen am 24. Februar 2018.
  19. Schulen auf der Webseite von Riedstadt (abgerufen im Nov. 2012)
  20. Autofrei ging‘s „Quer durchs Ried“ – Die dritte Auflage von „Der Kreis rollt“ war ein voller Erfolg. Kreisausschuss des Kreises Groß-Gerau, 29. Mai 2016, abgerufen am 4. Dezember 2018.
  21. Landrat und Sportkreis präsentieren autofreien Sonntag - Quer durchs Ried rollen. FNP, 16. April 2016, abgerufen am 4. Dezember 2018.