Crumstadt

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Crumstadt
Stadt Riedstadt
Wappen von Crumstadt
Koordinaten: 49° 48′ 34″ N, 8° 30′ 53″ O
Höhe: 90 m ü. NHN
Fläche: 12,65 km²[1]
Einwohner: 4278 (31. Dez. 2018)[2]
Bevölkerungsdichte: 338 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Postleitzahl: 64560
Vorwahl: 06158

Crumstadt ist der südlichste Stadtteil von Riedstadt im südhessischen Kreis Groß-Gerau. Umgangssprachlich wird Crumstadt auch als „Crumscht“ bezeichnet.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Crumstadt grenzt mit seinem Ortsgebiet nördlich an den Riedstädter Stadtteil Goddelau, östlich an Eschollbrücken und Eich (beides Stadtteile von Pfungstadt, Kreis Darmstadt-Dieburg), und westlich an die Gemeinde Stockstadt am Rhein und Gernsheim, beide im Kreis Groß-Gerau.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Crumstadt liegt in einer nach Osten offenen, bis auf den Sandbach und den Lohrrain-Graben verlandeten Mäanderschleife (im Hessischen Ried), die der Neckar vor 2000 Jahren ausgebildet hatte, als er noch bei Trebur in den Rhein mündete.

Fossilienfunde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im August 1984 wurden bei den Gewinnungsarbeiten in einer Kiesgrube bei Crumstadt westlich von Darmstadt die Überreste eines großen Großsäugetieres aus dem Eiszeitalter entdeckt. Beim ersten Fund handelte es sich um einen Unterkiefer. Weitere Teile eines Skelettes wurden später geborgen. Wegen der Größe des Unterkiefers hätte man die Reste eines jungen Mammuts vermuten können. Anhand der Zähne konnte jedoch festgestellt werden, dass es sich um das Skelett eines Jungtieres eines seltenen interglazialen Waldelefanten und nicht um die Überreste eines Mammuts handelte. Ausgestellt ist der Fund im Hessischen Landesmuseum Darmstadt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Crumstadt wurde 1248 erstmals urkundlich erwähnt als Crumstadt dem Graf Dieter von Katzenelnbogen verpfändet wurde. Es ist jedoch anzunehmen, dass Crumstadt wie viele der umliegenden Ortschaften eine fränkische Siedlung war. In den historischen Unterlagen findet Crumstadt in den Jahrhunderten unter anderem mit diesen Ortsnamen Erwähnung: Crumbstat im Jahr 1248 bei der Ersterwähnung, Crvmbestat 1276, Krumstad 1394, Crumpfstat 1414, Krompstaidt 1471, Croymbstat 1509 und Crumstatt 1778.[1]

Als Grundbesitzer von Crumstadt werden genannt: Die Herren von Wolfskehlen, Kurmainz und Kurpfalz sowie das Viktorstift und das Domstift zu Mainz. Durch Verpfändung und Vererbung wurde das Reichsdorf Besitz des Grafengeschlechts von Katzenelnbogen. Nach deren Aussterben fiel das Reichslehen den Landgrafen von Hessen zu.

Verwaltungsmäßig gehört Crumstadt dann bis 1820 zum Amt Dornberg, das ab 1816 zur Provinz Starkenburg des Großherzogtums Hessen gehörte. 1821 werden im Großherzogtum Landratsbezirke eingeführt und Crumstadt dem Landratsbezirk Dornberg zugeteilt.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Crumstadt:

»Crumstadt (L. Bez. Dornberg) luth. Pfarrort; zwischen dem Rhein und dem Landbach 212 St. von Dornberg gelegen, hat 139 Häuser und 1056 Einw., die bis auf 3 Kath. und 46 Juden alle lutherisch sind. Man findet hier eine schöne Kirche, eine Synagoge und in der Nähe den großen Hof Wasserbiblos. – Ein Reichsdorf, das König Wilhelm mit andern dem Grafen Diether von Katzenellenbogen verpfändete, und welche Pfandschaft 1260 auf 50 Mark jährlicher Einkünfte angeschlagen wurde. Diese Pfandschaft kam aber wieder ab, und 1465 erkaufte Graf Philipp von Katzenellenbogen dieses inzwischen ausgelößte Dorf mit allem Zugehör von Hans Landschaden von Steinach um 800 fl. wiederlößlich. Diese Wiederlößung erfolgte aber nicht, und 1473 bestätigte Kaiser Friedrich III. den Verkauf dieses reichslehnbaren Orts. Aber nach Philipps Tode belehnte der Kaiser 1486, seinen Kämmerer, Friedrich von Niedernthor mit Crumstadt; aber Kaiser Maximilian gab dieses Lehen 1493 an Landgrafen Wilhelm, und Friedrich von Niedernthor entsagte gegen 300 fl. seinem Rechte. Im Dorfe war eine Kapelle, bis 1592 eine größere Kirche erbaut und dahin zugleich der Hof Wasserbiblos eingepfarrt wurde. Nicht unwahrscheinlich ist es, daß in den Gemarkungstheilen Buchthum und Hallert einst Dörfer dieses Namens lagen.«[3]

1832 wurden die Einheiten ein weiteres Mal vergrößert und es wurden Kreise geschaffen. Dadurch gelangt Crumstadt in den Kreis Groß-Gerau. Die Provinzen, die Kreise und die Landratsbezirke des Großherzogtums wurden am 31. Juli 1848 abgeschafft und durch Regierungsbezirke ersetzt, was jedoch bereits am 12. Mai 1852 wieder rückgängig gemacht wurde. Dadurch gehört Crumstadt zwischen 1848 und 1852 zum Regierungsbezirk Darmstadt bevor wieder der Kreis Groß-Gerau für die übergeordnete Verwaltung zuständig ist. Dort verbleibt der Ort durch alle weiteren Verwaltungsreformen bis heute.[1] Die zuständige Gerichtsbarkeit war während der Zugehörigkeit zu Hessen, von 1821 bis 1839 das Landgericht Großgerau und ab 1839 das Landgericht Gernsheim. Aus dem Landgericht Gernsheim geht 1879 das Amtsgericht Gernsheim hervor. das 1934 aufgelöst wird. Seitdem ist für Crumstadt das Amtsgericht Groß-Gerau zuständig.[1]

Bis 1945 gewahrt Crumstadt weitgehend seinen ländlichen Charakter. Erst danach erlebt der Ort durch Zuzug von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen und später durch andere Bevölkerungsteile des wirtschaftlich aufblühenden Rhein-Main-Gebietes einen großen Aufschwung. Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde Crumstadt am 1. Januar 1977 kraft Landesgesetzes mit den Nachbargemeinden Goddelau-Wolfskehlen, Erfelden und Leeheim zur Gemeinde Riedstadt zusammengeschlossen.[4][5]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Crumstadt lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][6][7]

Gerichte ab 1803[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Starkenburg wurde das „Hofgericht Darmstadt“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen. Damit war für Crumstadt das Amt Dornberg zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit Bildung der Landgerichte im Großherzogtum Hessen war ab 1821 das Landgericht Groß-Gerau das Gericht erster Instanz. Es folgten:[1]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

• 1629: 121 Hausgesesse[1]
• 1791: 852 Einwohner[9]
• 1800: 876 Einwohner[10]
• 1806: 910 Einwohner, 131 Häuser[8]
• 1829: 1056 Einwohner, 139 Häuser[3]
• 1867: 1409 Einwohner, 189 Häuser[11]
Crumstadt: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2018
Jahr  Einwohner
1791
  
852
1800
  
876
1806
  
910
1829
  
1.056
1834
  
1.149
1840
  
1.289
1846
  
1.355
1852
  
1.342
1858
  
1.368
1864
  
1.393
1871
  
1.363
1875
  
1.347
1885
  
1.320
1895
  
1.358
1905
  
1.417
1910
  
1.419
1925
  
1.482
1939
  
1.455
1946
  
2.178
1950
  
2.299
1956
  
2.185
1961
  
2.259
1967
  
2.625
1970
  
2.678
1980
  
?
1990
  
?
2001
  
2.817
2011
  
3.648
2015
  
4.160
2018
  
4.278
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; nach 1970: Stadt Riedstadt: (webarchiv)[12][2]; Zensus 2011[13]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

• 1829: 1007 lutheranische (= 95,36 %), 46 jüdische (= 4,36 %) und 3 katholische (= 0,28 %) Einwohner[3]
• 1961: 1734 evangelische (= 76,76 %), 488 römisch-katholische (= 21,60 %) Einwohner[1]

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische Kirche

Die evangelische Kirche in Crumstadt wurde von Landgraf Georg I. als protestantischer Kirchbau in Auftrag gegeben und gehört somit nach ihrer Fertigstellung im Jahr 1593 zu den ältesten evangelischen Kirchen.[14]

Neben zwei Kindergärten, einer Grundschule (Neubau 2011) mit Sporthalle existiert ein Freibad.

In Crumstadt gibt es 3 bedeutende Kneipen, in denen zur Kerwezeit zwei verschiedene Gruppierungen von Kerweborsch aktiv sind.

Die Freiwillige Feuerwehr Crumstadt sorgt für den Brandschutz und die allgemeine Hilfe in diesem Ort.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes

  • Otto Köth (1904–1981), hessischer Politiker (CDU) und ehemaliger Abgeordneter des Hessischen Landtags
  • Wolfgang Holzhäuser (* 13. Januar 1950), ehemaliger Sprecher der Geschäftsführung der Bayer 04 Leverkusen Fußball GmbH.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Crumstadt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i Crumstadt, Landkreis Groß-Gerau. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b Daten / Statistiken. In: Webauftritt. Stadt Riedstadt, archiviert vom Original; abgerufen im April 2019.
  3. a b c Georg Wilhelm Justin Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Starkenburg. Band 1. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt Oktober 1829, OCLC 312528080, S. 34 (Online bei google books).
  4. Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Groß-Gerau (GVBl. II 314–32) vom 26. Juli 1974. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 22, S. 314, § 7 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,5 MB]).
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 366.
  6. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  7. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Grossherzogthums Hessen. Band 1. Darmstadt 1866, S. 43 ff. (online bei Google Books).
  8. a b Verzeichnis der Ämter, Orte, Häuser, Einwohnerzahl. (1806)HStAD Bestand E 8 A Nr. 352/4. In: Archivinformationssystem Hessen (Arcinsys Hessen), Stand: 6. Februar 1806.
  9. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 120 (Online in der HathiTrust digital library).
  10. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1800. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1800, S. 120 (Online in der HathiTrust digital library).
  11. Ph. A. F. Walther: Alphabetisches Verzeichniss der Wohnplätze im Grossherzogtum Hessen. G. Jonghaus, Darmstadt 1869, OCLC 162355422, S. 20 (Online bei google books).
  12. Daten / Statistiken. In: Webauftritt. Stadt Riedstadt, archiviert vom Original; abgerufen im April 2019.
  13. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt;
  14. Ev. Kirchengemeinde Crumstadt: Crumstädter Kirche