Gerbershausen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Gerbershausen
Gerbershausen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Gerbershausen hervorgehoben
Koordinaten: 51° 20′ N, 9° 59′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Eichsfeld
Verwaltungs­gemeinschaft: Hanstein-Rusteberg
Höhe: 290 m ü. NHN
Fläche: 7,55 km2
Einwohner: 594 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 79 Einwohner je km2
Postleitzahl: 37318
Vorwahl: 036081
Kfz-Kennzeichen: EIC, HIG, WBS
Gemeindeschlüssel: 16 0 61 036
Adresse der Verbandsverwaltung: Steingraben 49
37318 Hohengandern
Website: www.vg-hanstein-rusteberg.de
Bürgermeister: Johannes Döring (CDU)
Lage der Gemeinde Gerbershausen im Landkreis Eichsfeld
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Über dieses Bild
Blick über Gerbershausen
Dorfansicht von Gerbershausen im Eichsfeld

Gerbershausen ist eine Gemeinde im thüringischen Landkreis Eichsfeld. Sie gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Hanstein-Rusteberg. Zur Gemeinde gehört der Ortsteil Rothenbach.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gerbershausen liegt im Westen des Landkreises Eichsfeld in einer Tallage zwischen den Höhen des Höheberges (mit der Teufelskanzel: 452 m) im Südwesten und des Oberen Eichsfeldes (mit der Hennefeste: 446 m und dem Hamelsberg: 421 m) im Nordosten. Die Tallage um Gerbershausen selbst gehört zur Fretteröder Keupersenke. In der Ortslage entspringt der Geibbach, nebst Kälberbach, welcher bei Oberstein in den Steinsbach, einen Nebenarm der Leine, mündet. Nachbarorte sind Bornhagen im Westen, Arenshausen im Norden und Fretterode im Südosten. Der Ort ist über die Landesstraße 1002 an die Bundesstraße 80 südlich von Hohengandern angeschlossen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits im Jahr 997 wird der Name "Gerwardeshusen" in dem Urkundenbuch von Aloys Schmidt erwähnt.[2] Dabei handelt es sich aber nachweislich nicht um das hiesige Gerbershausen. Lange Zeit ging man von der urkundlichen Ersterwähnung im Jahre 1120 aus, denn im Urkundenbuch von Wenck aus dem Jahre 1789, steht folgende Überlieferung: "1120 schenkte die edle Frau Lucia dem Kloster Helmarshausen 2 Hufen Land in Gerwardeshuson."[3] Diese Jahreszahl wurde nicht nur von Prof. Dr. G. Reischel, sondern auch von Walter Rassow und Johann Wolf in ihre Werke übernommen.[4][5]

Nach Kenntnisstand von März 2017 handelt es sich aber bei beiden oben genannten Ortschaften nicht um das heutige eichsfeldische Dorf Gerbershausen. Hartmut Hoffmann beschäftigt sich in seinem Buch "Helmarshausen und Corvey" genauer mit dem Kloster Helmarshausen und seiner Umgebung. Dabei stellt er fest, dass es sich bei dem Gerwardeshuson, das in der Schenkung der Dame Lucia vorkommt, um eine Wüstung bei Friedland handelt.[6] Dr. Niels Petersen von der Universität Göttingen bestätigt dies in seinem Werk, das 2018 erscheinen soll, ebenfalls. Bereits im Jahre 1956 spricht Walter Prochaska in seinem "Eichsfelder Heimatbuch" von einer gesicherten urkundlichen Erwähnung des Dorfes Gerbershausen im Jahre 1221. Erzbischof Siegfried II von Mainz bestätigt darin in der Urkunde Nr. 213, am 11. November 1221 die Besitzungen des Klosters Beuren.[7] Hierin wird Gerwardishuen 1221 erwähnt, als ein gewisser Heinrich Hessone von Rosdorf dort Güter von Beuren zum Tausch für woanders gelegene Besitzungen erhielt.

Als gesichertes Datum der urkundlichen Ersterwähnung gilt daher das Jahr 1221.

Als kurmainzisches Lehen gelangte Gerbershausen zwischen 1348 und 1443 schrittweise an die Herren von Hanstein. Das in unmittelbarer Nachbarschaft gelegene Rothenbach gehörte bereits 1362 als hessisches Lehen den Hansteinern. Nachdem das Dorf Rothenbach aufgegeben wurde, bauten sie dort im 16. Jahrhundert ein Gut auf. Von 1578 bis 1771 war der Ort auch Gerichtssitz des Gesamtgerichts von Hanstein.[8] 1771 wurde der Gerichtssitz nach Wahlhausen verlegt. Nach der Reformation werden in Gerbershausen die evangelischen Pfarrer Johann Kramer (1585) und Georg Holzmann (1594) erwähnt, im 17. Jahrhundert wird dann wieder ein katholischer Pfarrer durch des Bischöfliche Kommissariat des Eichsfeldes eingesetzt.[9]

Der Ort war bis zur Säkularisation Teil von Kurmainz und von 1802 bis 1945 Teil der preußischen Provinz Sachsen und gehörte zwischenzeitlich von 1806 bis 1813 zum Königreiches Westphalen. Ab 1945 war Gerbershausen Teil der sowjetischen Besatzungszone und ab 1949 der DDR. Von 1961 bis zur Wende und Wiedervereinigung 1989/1990 lag der Ort nahe der Innerdeutschen Grenze im Sperrgebiet. Seit 1990 gehört der Ort zum wieder gegründeten Bundesland Thüringen.

Adelsgeschlecht von Gerbershausen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 14. und 15. Jahrhundert ist in Gerbershausen ein Adelsgeschlecht nachweisbar. 1362 geben die von Gerbershausen ihre Burg (Haus) und ihre gesamten Besitzungen an den Erzbischof Gerlach von Mainz und erhalten diese als Mannlehen zurück.[10] Wann die Adelsfamilie erloschen ist, ist nicht belegt. Vertreter der Adelsfamilie sind:

  • Konrad von Gerbershausen (Gerwordeshausen) (1362) mit seinen Söhnen Konrad, Hermann, Syman, Hans und Dyle
  • Kurt von Gerbershausen (1363)
  • Tile von Gerbershausen (1443) verkauft sein Vorwerk in Gerbershausen an Heinrich von Hanstein[11]
  • Engelhard und Tile von Gerbershausen (1486) werden vom Landgraf Wilhelm von Hessen mit Gütern in Martinfeld belehnt (ob der 1452 erwähnte eichsfeldische Oberamtmann Thilo von Gewershausen[12] dem hiesigen Adelsgeschlecht zugeordnet werden kann, ist nicht sicher)

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl (31. Dezember):

  • 1994: 686
  • 1995: 687
  • 1996: 685
  • 1997: 713
  • 1998: 729
  • 1999: 720
  • 2000: 726
  • 2001: 718
  • 2002: 698
  • 2003: 693
  • 2004: 695
  • 2005: 680
  • 2006: 679
  • 2007: 668
  • 2008: 658
  • 2009: 651
  • 2010: 646
  • 2011: 635
  • 2012: 628
  • 2013: 620
  • 2014: 614
  • 2015: 599
  • 2016: 590
Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik

Katholische Pfarrkirche St. Johannes der Täufer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Ostrand und oberhalb des Dorfes steht die in den Jahren 1777–1779[13] erbaute barocke katholische Kirche, ein dem heiligen Johannes dem Täufer geweihter Saalbau. Die Kirche wurde im Jahr 1779 durch Weihbischof Eckardt geweiht. 1934 wurde sie im Osten durch ein Querschiff und einen Chor zur Kreuzform erweitert. Der Bau ist größtenteils aus steinsichtigem Quadermauerwerk. Das rechteckige Schiff endet im Osten mit Dreiseitschluss im Chor. Im Westen erhebt sich ein schiefergedeckter Dachreiter mit Laterne. Schiff, Querhaus und Chor werden von einem Tonnengewölbe mit Stichkappen überwölbt. Die sieben Joche sind durch Gurtbögen geschieden. Der Hochaltar wurde im 19. Jahrhundert unter Verwendung von Teilen aus dem 18. Jahrhundert angefertigt. Das Gestühl ist barock mit schön geschnitzten Wangen. Die Orgel wurde um 1905 von Louis Krell aus Duderstadt gebaut und 1996 durch Karl Brode aus Heiligenstadt renoviert. In der Kirchhofmauer befindet sich der eingelassene Sturzstein eines Vorgängerbaus mit rundbogigem Gewändeansatz, dem Datum 1577 und dem Hansteiner Wappen.

Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dicke Eiche mit einem Brusthöhenumfang von 6,33 m (2014).[14]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat von Gerbershausen setzt sich aus acht Gemeinderatsmitgliedern zusammen.

(Stand: Kommunalwahl 2014)[15]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1999 bis 2010 war Werner Schmoranzer der Bürgermeister. 2010 wurde Johannes Döring (CDU) zum neuen ehrenamtlichen Bürgermeister gewählt, er wurde 2016 mit 63,8 % der Stimmen im Amt bestätigt.[16]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ramona Apel: Aus der Kirchengeschichte von Gerbershausen. In: Eichsfelder Heimatzeitschrift. Jg. 63 (2019), Heft 5/6, Mecke Druck und Verlag, Duderstadt 2019, S. 144–144

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gerbershausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung der Gemeinden vom Thüringer Landesamt für Statistik (Hilfe dazu).
  2. Aloys Schmidt: Urkundenbuch des Eichsfeldes Teil 1. Hrsg.: Selbstverlag der Historischen Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt. Magdeburg 1933.
  3. Helfrich Bernhard Wenck: Hessische Landesgeschichte. In: Urkundenbuch. Band 2, 1789.
  4. Walter Rassow: Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Heiligenstadt. Hrsg.: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und das Herzogtum Anhalt. Otto Hendel, Halle a.d.S. 1909, S. 63.
  5. Johann Wolf: Politische Geschichte des Eichsfeldes. Hrsg.: Prof. Dr. Klemens Löffler. Aloys Mecke, Duderstadt 1921, S. 38.
  6. Gerwardshausen, Werra-Meißner-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 20. Juli 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  7. Aloys Schmidt: Urkundenbuch des Eichsfeldes Teil 1. Magdeburg 1933, S. 126.
  8. Hans-Dieter von Hanstein: Burg Hanstein. Zur 700-jährigen Geschichte einer eichsfeldischen Grenzfeste. Mecke, Duderstadt 2008, Seite 159, 161
  9. Carl Philipp Emil von Hanstein: Urkundliche Geschichte des Geschlechts der von Hanstein. Reprint Duderstadt 2007, Seite 300–304
  10. RIplus Regg. EB Mainz 2,1 n. 1498, in: Regesta Imperii Online [1] (Abgerufen am 15. September 2017)
  11. Johann Wolf: Eichsfeldisches Urkundenbuch nebst der Abhandlung von dem Eichsfeldischen Adel. Göttingen, 1819, S. 13
  12. Hrsg. Gemeinde Martinfeld: Festschrift 1071–1996 925 Jahre Martinfeld. Eschwege 1996, Seite 6
  13. Originalvertrag zum Kirchenbau vom Februar 1777 ist einsehbar im Archiv des bischöfl. Kommissariats in Heilbad Heiligenstadt
  14. Eintrag im Verzeichnis Monumentaler Eichen. Abgerufen am 10. Januar 2017
  15. Gemeinderatswahl 2014 in Thüringen - endgültiges Ergebnis. Thüringer Landesamt für Statistik, abgerufen am 25. Mai 2014.
  16. Bürgermeisterwahlen in Thüringen