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Heinrich Neisser

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Heinrich Neisser (* 19. März 1936 in Wien; † 22. August 2025 in Villach, Kärnten) war ein österreichischer Jurist und Politiker der ÖVP. Er war von 1994 bis 1999 Zweiter Nationalratspräsident im österreichischen Parlament.

Leben

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Heinrich Neisser studierte nach seiner Matura 1954 Rechtswissenschaften an der Universität Wien. Dort wurde er 1954 Mitglied der katholischen Studentenverbindung K.Ö.St.V. Rudolfina Wien im ÖCV. 1960 wurde Neisser zum Dr. iur. promoviert. Nach dem Gerichtsjahr wurde er Richteramtsanwärter und war von 1961 bis 1966 Sekretär im Präsidium des Verfassungsgerichtshofs. 1966 wurde er Beamter im österreichischen Bundeskanzleramt (zuletzt im Verfassungsdienst). Von 1974 bis 1981 leitete Neisser eine Stabsabteilung bei der Vereinigung Österreichischer Industrieller. Von 1981 bis 1984 war er Bundesgeschäftsführer des Management-Clubs. 1989 wurde Heinrich Neisser Honorarprofessor für politische Wissenschaften an der Universität Wien.

Nach seinem Ausstieg aus der aktiven Politik 1999 beschäftigte er sich an der Universität Innsbruck wissenschaftlich mit der Geschichte und der Politik der Europäischen Integration, speziell mit der Europäischen Union. Vom Wintersemester 1999/2000 bis Ende 2007 hielt er außerdem den Jean-Monnet-Lehrstuhl am Institut für Politikwissenschaften an der Universität Innsbruck (Gegenstand von Forschung und Lehre dieser Professur ist die Politik der Europäischen Integration).

Heinrich Neisser war von 1989 bis 2013 Präsident der Österreichischen Forschungsgemeinschaft (ÖFG); er war Vorsitzender des Kuratoriums des Instituts für Höhere Studien (IHS) sowie Präsident der Österreichisch-Koreanischen Gesellschaft. Neisser war zudem Vorsitzender der Europäischen Bewegung Österreich (EBÖ), des österreichischen Rats der Internationalen Europäischen Bewegung (IEB) mit Sitz in Brüssel und Obmann des Vereins Initiative Mehrheitswahlrecht und Demokratiereform.

Heinrich Neisser verunglückte am 10. August 2025 im Gemeindebereich der Gemeinde Treffen am Ossiacher See in Kärnten mit seinem Auto. Dabei war er beim Rückwärtsfahren vom Weg abgekommen und eine 50 Meter lange Böschung hinabgestürzt. Dabei hatte sich sein Auto mehrmals überschlagen. Am 22. August 2025 starb er, nach 12 Tagen im Krankenhaus von Villach, im Alter von 89 Jahren[1].

Politik

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Neissers politische Karriere reichte bis in die späten 1960er Jahre zurück. Von 1969 bis 1970 war er Staatssekretär im Bundeskanzleramt und von 1987 bis 1989 Bundesminister für Föderalismus und Verwaltungsreform in der Bundesregierung Vranitzky II. In der Zeit unmittelbar vor und nach seinem Ministeramt war er Abgeordneter zum Nationalrat (1975–1987 und 1989–1999), davon Klubobmann der ÖVP von 1990 bis 1994 und Zweiter Nationalratspräsident von 1994 bis 1999.

Auszeichnungen

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Werke (Auswahl)

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Literatur

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  • Anton Pelinka, Fritz Plasser (Hrsg.): Europäisch Denken und Lehren. Festschrift für Heinrich Neisser. Innsbruck University Press, Innsbruck 2007, ISBN 978-3-902571-36-6.
  • Peter Hilpold, Andreas Raffeiner, Walter Steinmair (Hrsg.): Rechtsstaatlichkeit, Grundrechte und Solidarität in Österreich und in Europa. facultas Verlag, Wien 2021, ISBN 978-3-7089-2069-6.
  • Peter Hilpold, Walter Steinmair, Andreas Raffeiner (Hrsg.): Österreich und die EU im Umbruch - eine Nachlese zur Festschrift für Heinrich Neisser, facultas Verlag, Wien 2022, ISBN 978-3-7089-2208-9
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Einzelnachweise

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  1. Bekannter ÖVP-Politiker starb an den Folgen eines Verkehrsunfalls. In: kleinezeitung.at. 3. September 2025, abgerufen am 3. September 2025.
  2. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB).