Hikaru Nakamura

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Hikaru Nakamura Civitanova Marche Italy 2015..jpg
Hikaru Nakamura (2015)
Verband Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Geboren 9. Dezember 1987
Hirakata
Titel Internationaler Meister (2001)
Großmeister (2003)
Aktuelle Elo‑Zahl 2792 (Juli 2017)
Beste Elo‑Zahl 2816 (Oktober 2015)
Karteikarte bei der FIDE (englisch)

Hikaru Nakamura (jap. 中村光, Nakamura Hikaru; * 9. Dezember 1987 in Hirakata, Osaka) ist ein amerikanischer Schachgroßmeister. Zudem ist er amtierender Weltmeister im Chess960. Beim Kandidatenturnier zur Schachweltmeisterschaft 2016 erreichte er den siebenten Platz.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nakamura kam als Sohn eines japanischen Vaters, Shuichi Nakamura, und einer amerikanischen Mutter, Carolyn Merrow Nakamura, in Japan zur Welt.[1][2] Als Zweijähriger kam er mit seinen Eltern in die USA. Seine Eltern ließen sich 1990 scheiden.[3] Von seinem Stiefvater, Sunil Weeramantry, einem für Sri Lanka spielenden FIDE-Meister und bekannten Schachtrainer in den USA, lernte er als Siebenjähriger (gemeinsam mit seinem älteren Bruder Asuka) die Schachregeln. Nakamura wohnt in White Plains (New York).

Frühe Schachkarriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nakamura (2003)

Sein erstes Turnier spielte Hikaru im Februar 1995. Bereits im Alter von zehn Jahren und vier Monaten wurde Nakamura Nationaler Meister und war damit der jüngste Schachmeister der USA aller Zeiten. 2001 gewann Nakamura die US-Jugendmeisterschaft in Tulsa und wurde im selben Jahr Jugendvizeweltmeister der Kategorie U14 in Oropesa del Mar. 2002 wurde er geteilter Erster auf den Bermudas, ebenso bei den Panamerikanischen Jugendmeisterschaften in La Paz. Im Jahr 2003 wurde er als 15-Jähriger der jüngste amerikanische Großmeister und unterbot damit den Rekord von Bobby Fischer aus dem Jahr 1958. Er wurde in diesem Jahr geteilter Erster beim prestigeträchtigen Foxwoods-Open in Ledyard (Connecticut). Im selben Jahr wurde er bei den Panamerikanischen Meisterschaften in Buenos Aires geteilter 3.–8. und qualifizierte sich damit für die FIDE-Weltmeisterschaft 2004 in Tripolis, wo er erst im Achtelfinale gegen den späteren Finalisten Michael Adams ausschied. Im selben Jahr besiegte er in einem Wettkampf in Cuernavaca den Ukrainer Sergei Karjakin deutlich mit 4,5:1,5 (+4, −1, =1).

Etablierung an der Spitze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nakamura (2009)
Nakamura (2012)

Das Jahr 2005 war für Nakamura besonders erfolgreich und legte den Grundstein zu seiner dauerhaften Etablierung als Spitzenspieler der USA und einer der führenden Spieler der Welt: bereits im Dezember 2004 gewann er in San Diego die Landesmeisterschaft der USA für das Jahr 2005. Er gewann erneut das Foxwoods-Open und das World-Open in Philadelphia (geteilt). Beim Jungmeisterturnier in Lausanne wurde er Zweiter nach einer Finalniederlage gegen Andrij Wolokitin. 2006 spielte Nakamura erstmals für das US-Team bei der Schacholympiade in Turin, wo sein Ergebnis am dritten Brett (7 Punkte aus elf Partien) entscheidend zur Bronzemedaille der USA beitrug. Im selben Jahr gewann er das North American Open in Las Vegas. Im Januar 2007 wurde er geteilter Zweiter (nach Wladimir Akopjan) in Gibraltar und feierte im selben Jahr im Oktober einen großen Sieg in Barcelona, wo er mit 7 Punkten aus neun Partien, ein Rundenturnier der Kategorie 15, vor Leinier Domínguez (6/9) und Vüqar Həşimov (5,5/9) gewann. Im Januar 2008 gewann er das Gibtelecom Chess Festival in Gibraltar nach Stichkampf gegen Bu Xiangzhi, im November das Schnellschach-Turnier in Cap d’Agde nach einem Finalsieg gegen Wassyl Iwantschuk. Im selben Jahr spielte er am zweiten Brett für die USA im Nationalteam bei der Schacholympiade in Dresden, wo er 6,5/10 (+5, =3, −2) erzielte. Nakamura gewann mit der US-Mannschaft erneut, wie schon 2006, die Bronzemedaille. Im Mai 2009 gewann Nakamura zum zweiten Mal die US-Meisterschaft, ausgerichtet in St. Louis. Bei den Chess Classic Mainz vom 27. Juli bis 2. August nahm er Lewon Aronjan den Chess960-Weltmeistertitel ab. Seine Klasse im Blitzschach bewies Nakamura im November bei einem Blitzturnier in Oslo, bei dem er im Finale mit 3:1 gegen Magnus Carlsen gewann. Im März 2010 gewann er das online im Internet Chess Club ausgetragene 11. Dos Hermanas Blitzturnier, bei dem die Bedenkzeit drei Minuten pro Partie betrug.[4] Im August 2010 qualifizierte sich Nakamura beim NH Chess Tournament nach Stichkampf gegen Anish Giri für das Turnier Melody Amber 2011. Im Januar 2011 gewann Nakamura das Tata-Steel-Schachturnier.[5] Im Mai 2011 gewann er in St. Louis einen Wettkampf gegen Ruslan Ponomarjow mit 6,5:3,5. Dabei wurden sechs Partien mit Turnierbedenkzeit (+2 =3 −1) und vier Schnellschachpartien (+2 =2) gespielt. Im Mai 2012 gewann er mit 8,5 Punkten aus elf Partien zum dritten Mal die US-Meisterschaft.

Partien gegen Schach-Engines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im August 2014 unterlag er in einem Wettkampf der stärksten Schach-Engine Stockfish mit 1:3. Er konnte dabei in zwei Partien das Programm Rybka nutzen, in zwei weiteren Partien erhielt er eine Bauernvorgabe. Auch im Januar 2016 gelang ihm gegen die Engine Komodo – trotz nicht unerheblicher Vorgaben – kein Sieg und er musste sich mit 1,5:2,5 geschlagen geben. Sam Copeland (Chess.comNews) verglich den „tapferen“ aber vergeblichen Widerstand mit den historischen Schlachten von Alamo und den Thermopylen.

Nationalmannschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nakamura nahm mit der Mannschaft der Vereinigten Staaten an den Schacholympiaden 2006, 2008, 2010, 2012 und 2014 teil und erreichte 2006 und 2008 mit der Mannschaft den dritten Platz.[6][7] An der Mannschaftsweltmeisterschaft nahm er 2010 und 2013 teil. Er erreichte 2010 mit der Mannschaft den zweiten Platz, während er in der Einzelwertung 2010 das beste und 2013 das zweitbeste Ergebnis jeweils am Spitzenbrett erzielte.[8]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der österreichischen Bundesliga spielte Nakamura in der Saison 2008/09 für den Meister Husek Wien, mit dem er 2009 auch am European Club Cup teilnahm.[9] In Frankreich spielte er 2008 für La Tour Sarrazine Antibes, 2009 für den Meister Évry Grand Roque. In Spanien spielte er 2010 für Sestao Naturgas Energia XT, in Italien spielt Nakamura für die Mannschaft von Obiettivo Risarcimento Padova, mit der er dreimal am European Club Cup teilnahm.[9] In der United States Chess League spielte er 2007 für die New York Knights, 2008 und 2009 für die Seattle Sluggers sowie 2010 und 2011 für die St. Louis Arch Bishops.

Spielstil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nakamura ist für seinen kompromisslosen Angriffsstil bekannt. In englischsprachigen Schachkreisen lautet sein Spitzname daher „H Bomb“.[10] Insbesondere zu Beginn seiner Karriere schreckte er auch nicht vor Eröffnungsvarianten zurück, die allgemein als zweifelhaft oder sogar schlecht angesehen werden. So begann er zum Beispiel mehrere Turnierpartien gegen Großmeister mit dem ansonsten meist von Anfängern gespielten Parhams Angriff. Nach eigener Erklärung anlässlich seines Turniersieges in Wijk aan Zee 2011 ist er aber zu ernsthafteren Eröffnungen übergegangen.[11] Anfang November 2011 wurde bekannt, dass Nakamura seit Dezember 2010 mit Garri Kasparow zusammenarbeitet, der zuvor Magnus Carlsen trainiert hatte.[12]

Nakamura gilt auf Schachservern als einer der weltbesten Bullet-Spieler. 2009 veröffentlichte er zusammen mit Bruce Harper das Buch Bullet chess (ISBN 978-1-888690-67-5).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jeff Pearlman: Only 14, Hikaru Nakamura is the best young U.S. player - 12.17.01 - SI Vault. Sportsillustrated.cnn.com. 17. Dezember 2001. Abgerufen am 2. Februar 2014.
  2. https://www.myheritage.dk/names/carolyn_nakamura
  3. Kelsey Whipple: Hikaru Nakamura is the next Bobby Fischer - and the reason St. Louis is suddenly the epicenter of American chess - - News - St. Louis. Riverfront Times. 21. Juli 2011. Abgerufen am 2. Februar 2014.
  4. Bericht im ICC, abgerufen am 4. August 2016
  5. Bericht auf der Homepage des Tata Steel Chess Tournament 2011, abgerufen 25. Juni 2015
  6. Hikaru Nakamuras Ergebnisse bei Schacholympiaden auf olimpbase.org (englisch)
  7. Ergebnisse der Mannschaft der Vereinigten Staaten bei der Schacholympiade 2014 auf chess-results.com
  8. Hikaru Nakamuras Ergebnisse bei Mannschaftsweltmeisterschaften auf olimpbase.org (englisch)
  9. a b Hikaru Nakamuras Ergebnisse bei European Club Cups auf olimpbase.org (englisch)
  10. Malcolm Pein: The H Bomb explodes, The Telegraph, 24. Oktober 2007
  11. [1] Wörtlich: “I have become more serious about chess. No more 2.Qh5, no more crazy openings for me.
  12. Now it's official: Kasparov is training Nakamura, Chessbase.com, 1. November 2011

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Howard Goldowsky: Engaging pieces. Doawood & Brighton, Canton 2007. ISBN 978-0-9790488-2-1. S. 49–64 (Interview mit Nakamura und Weeramantry)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hikaru Nakamura – Sammlung von Bildern