Hitzkirch

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Hitzkirch
Wappen von Hitzkirch
Staat: Schweiz
Kanton: Luzern (LU)
Wahlkreis: Hochdorf
BFS-Nr.: 1030i1f3f4
Postleitzahl: 6285
Koordinaten: 662376 / 23081047.2252728.262229498Koordinaten: 47° 13′ 31″ N, 8° 15′ 44″ O; CH1903: 662376 / 230810
Höhe: 498 m ü. M.
Fläche: 28.30 km²
Einwohner: 4942 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 175 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 13,8 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.hitzkirch.ch
Karte
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Hitzkirch ist eine politische Gemeinde im Wahlkreis Hochdorf des Schweizer Kantons Luzern.

Sie liegt im Luzerner Seetal zwischen Hallwilersee und Baldeggersee, rund 20 km nördlich (jeweils Luftlinie) von Luzern, 25 km südwestlich von Zürich und 60 km südöstlich von Basel. Seit der Gemeindefusion vom Jahre 2009 mit Gelfingen, Hämikon, Mosen, Müswangen, Retschwil und Sulz ist Hitzkirch mit über 4500 Einwohnern die drittgrösste Gemeinde im Seetal, flächenmässig die grösste.

Hitzkirch wurde bekannt durch die Obstverwertung Hitzkirch, später Granador AG und das Kantonale Lehrerinnen- und Lehrerseminar. Als Kulturdenkmäler gelten das Schloss Heidegg in Gelfingen, die Alte Schmitte und der Megalithturm in Richensee, die frühbarocke Pfarrkirche von Hitzkirch und die Deutschritterkommende mit dem Rittersaal. Als Aussichtspunkt, Wander- und Skilanglaufgebiet beliebt sind die Höhen des Lindenbergs in Hämikon, Müswangen und Sulz.

Geographie[Bearbeiten]

Zur früheren Gemeinde gehörten ausser dem Dorf noch die Weiler Bleulikon (700 m nördlich; 553 m. ü. M.) und Richensee (1 km südwestlich; 466–470 m. ü. M.) sowie einige Häusergruppen und Einzelgehöfte. Die Nordgrenze des Dorfs bildet der Gerbebach, die Südgrenze der Schliessbach. Westlich von Richensee fliesst der Aabach durch. Dieser Bach verlässt den Baldeggersee und fliesst nach kurzem Lauf bei Mosen in den Hallwilersee.

Der tiefste Punkt der heutigen Gemeinde liegt in Mosen (450 m. ü. M.), der höchste in Hämiker Berg (878 m. ü. M.) auf dem Lindenberg.[3] Mosen ist eine Exklave und wird durch die Gemeinden Altwis und Ermensee vom Hitzkircher Gemeindegebiet getrennt.

Von der Gemeindefläche wird 67,1 % landwirtschaftlich genutzt. Rund ein Zwölftel (genau 8,8 %) ist Siedlungsfläche und 23,8 % mit Wald und Gehölz bedeckt.[4]

Hitzkirch grenzt seit der Fusion Hitzkirchertal an Aesch, Altwis, Beromünster, Ermensee, Hohenrain, Römerswil und Schongau im Kanton Luzern sowie die Gemeinden Beinwil (Freiamt), Buttwil und Geltwil im Kanton Aargau.

Politik[Bearbeiten]

Folgende fünf Personen sind für die Legislaturperiode 2009–2012 gewählt:

  • Serge Karrer (CVP), Gemeindepräsident
  • Cornelius Müller (CVP), Bau, Umwelt, Wirtschaft
  • Luzia Ineichen (CVP), Bildung
  • Daniel Eugster (SP), Finanzen (Ersatzwahl 2015)
  • Luzia Syfrig (FDP), Soziales

Gemeindefusion[Bearbeiten]

Ein erstes Fusionsprojekt mit zehn anderen Gemeinden (Aesch, Altwis, Ermensee, Gelfingen, Hämikon, Mosen, Müswangen, Retschwil, Schongau, Sulz) wurde am 21. Mai 2006 von den Stimmbürgern in einer Urnenabstimmung abgelehnt, ein Folgeprojekt mit 7 Gemeinden (Gelfingen, Hämikon, Hitzkirch, Mosen, Müswangen, Retschwil, Sulz) am 25. November 2007 angenommen und am 1. Januar 2009 vollzogen.

Verkehr[Bearbeiten]

Hitzkirch ist gut ans Netz des öffentlichen Verkehrs angeschlossen. Es hat eine eigene Haltestation an der Bahnlinie Luzern–Lenzburg (auch Seetalbahn genannt). Die Gemeinde ist ausserdem Ausgangspunkt der Buslinien Hitzkirch–Schongau und Hitzkirch–Müswangen.

Das Dorf und der Ortsteil Richensee liegen an der Hauptstrasse von Luzern nach Lenzburg, der Weiler Bleulikon abseits der Hauptverkehrswege. Die nächstgelegenen Autobahnanschlüsse sind Sursee (A2) und Inwil (A1) sowie Emmen-Nord (A2).

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1678 413
1798 632
1850 766
1860 686
1870 779
1880 743
1888 720
1900 738
1910 819
1920 782
1930 857
1941 919
1950 1'000
1960 1'173
1970 1'468
1980 1'648
1990 2'044
2000 2'293
2002 2'213
2003 2'247
2004 2'219
2005 2'227

Die Gemeinde zählte vor der Fusion etwa 2'200 Einwohner, seither sind es über 4'500.

Geschichte[Bearbeiten]

Kirche in Hitzkirch

Die ältesten Funde stammen aus der Zeit von 8000–5000 v. Chr. Unter der Kirche von Hitzkirch wurden Reste eines römischen Gutshofs und Alemannengräber aus dem 7./8. Jahrhundert gefunden. 1084 wird ein erstes Gotteshaus erwähnt. Der Ort wird unter dem Namen Hiltis-chilche 1230 in der Heiratsgutsurkunde von Graf Hartmann dem Älteren von Kyburg erstmals unter der heutigen Bezeichnung genannt.

Die Kyburger herrschten von 1173 bis 1263. Nach ihrem Aussterben übernahmen die Habsburger die Herrschaft. Diese mussten sie 1415 endgültig abgeben, die Gegend wurde durch die Stadt Luzern erobert. Bis dahin hatte Hitzkirch zum habsburgischen Amt Richensee gehört. Bereits 1425 mussten die Luzerner ihre Vorherrschaft wieder aufgeben und der Ort kam bis 1798 zu den Freien Ämtern des Aargau.

Unter der Leitung der 1237 gegründeten Deutschordens-Kommende Hitzkirch trat 1528 das Hitzkirchertal zum neuen, reformierten Glauben über, wurde aber bereits 1532 gewaltsam wieder rekatholisiert. Seit diesem Zeitpunkt werden die Hitzkircher auch Wagglitaler genannt. 1653 beteiligte sich die Gemeinde aktiv am Grossen Bauernkrieg. Das Hitzkirchertal wird in „Harte“ und „Linde“ gespalten. 1665 brannte das Dorf ab, es gab ein Todesopfer. Heute erinnert eine Inschrift am Dorfbrunnen an dieses Ereignis.

1798 kam der Ort zum neu gegründeten Kanton Baden, wurde aber 1803 wieder im Austausch mit Merenschwand dem Kanton Luzern zugeteilt. Es erfolgte 1806 die Aufhebung der Deutschritterordenskommende (heute erinnert das Wappen von Hitzkirch noch an die Deutschritter: Es vereinigt das Luzerner Wappen mit dem schwarzen Kreuz der Deutschritter.) und einige Jahrzehnte später wurde das Lehrerseminar in den Räumlichkeiten der Kommende untergebracht.

I1832 wurde die Sekundarschule in Hitzkirch eröffnet. Der Alte Friedhof bei der Kirche wurde zu klein für die ständig wachsende Bevölkerung Hitzkirchs, also verlegte man ihn 1837 an seinen neuen Standort.

Das kantonale Lehrerseminar nahm 1868 seinen Betrieb auf. 1883 wurde die Gemeinde durch die Seetalbahn erschlossen, welche schon seit 1868 geplant war.

Die Gemeinde wurde dem neu geschaffenen Amt Hochdorf angegliedert. 1897 erfolgte der Zusammenschluss des bis dahin selbständigen Städtchens Richensee mit der Gemeinde Hitzkirch. Im Dorf wurde 1906 das elektrische Licht eingeführt.

In Richensee wurde 1972 das Zivilschutzausbildungszentrum gebaut und war noch bis Ende 2005 genutzt.

Der wirtschaftliche Aufschwung der 1970er Jahre führte zu einer starken Ausweitung des Wohngebiets. Entlang der Strasse nach Richensee entstanden erste Wohnblocks und an den Hängen des Lindenbergs oberhalb des Dorfes, vor allem Einfamilienhäuser. Etwa zur gleichen Zeit ist am westlichen Dorfrand das fünfstöckige Wohn- und Geschäftshaus „Zentrum“ mit Grossverteiler-Filiale, Kleidergeschäft und Arztpraxis gebaut worden. Waren bis Ende der 1980er Jahre die meisten Läden an der Luzerner- und Aargauerstrasse sowie unterhalb der Dorfkirche zu finden, verschob sich das Dorfzentrum in den 1990er Jahren nach dem Bau des Alters- und Pflegeheims Kreuzmatt und weiterer Wohn- und Geschäftsgebäude mit Gemeindekanzlei, Dorfcafé, Poststelle, Polizeiposten und weiterer Läden und Geschäfte endgültig in die Umgebung des „Zentrums“.

2003 feierte man die 200 Jahre beim Kanton Luzern, als jüngste Gemeinde und stellte deshalb einen Gedenkstein am Hiltiplatz auf. Im ehemaligen Seminar wurde 2007 die interkantonale Polizeischule eröffnet.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Bewohner Hitzkirchs waren in der frühen Neuzeit vor in allem Landwirtschaft, Weinbau und Kleingewerbe tätig. Im 16. und 17. Jahrhundert sind Maler, Krämer, Glaser, Uhrmacher, Schuhmacher, Gerber und Sattler nachgewiesen. Als im 18. Jahrhundert die Verkehrswege in Richtung Bern und Zürich sowie Luzern und Lenzburg an Bedeutung gewannen, liess sich auch ein Händler nieder. Carl Anton Corragioni erbaute 1761 das Barockhaus unterhalb der Dorfkirche.[5]

Nach der Eröffnung der Seetalbahn und des Bahnhofs Richensee im Jahr 1883 baute die 1902 gegründete Obstverwertungsgenossenschaft östlich des Bahnhof ihre ersten Betriebsgebäude. Die Mosterei vergrößerte sich im Laufe des 20. Jahrhunderts stark. Sie übernahm einige Getränkehersteller und fusionierte mit anderen. So entstanden 1987 die „Granador AG“ und 2005 die Unidrink. 2008 wurde die Firma in Ramseier Suisse AG umbenannt und der Sitz nach Oberkirch verlegt. Das ehemalige Granador-Gebäude steht seit damals leer. Es stehen verschiedene Lösungen zur Diskussion: vom Verkauf bis zur weiteren wirtschaftlichen Nutzung. [6]

Nach missglückter Ansiedlung einer Schuhfabrik in den 1960er Jahren liessen sich in den 1970er Jahren verschiedene Industrieunternehmen hauptsächlich an zwei Standorten nieder: Westlich der Seetalbahn bauten ein Lüftungs- und Klimagerätehersteller und ein Autohändler, im Feld an der Straße nach Ermensee entstanden die Verwaltungs- und Produktionsgebäude von Manometer AG (Messgeräteherstellung), und eines Werkes zur Herstellung und Weiterverarbeitung von Hartmetallen. Bis Ende Jahrhundert bauten diese stark aus und es folgte der Bau weiterer Betriebs- und Verwaltungsgebäude vor allem vom einheimischen Gewerbe.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hitzkirch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. http://www2.lustat.ch/download/lustat_new/gd/1030/w012_010t_gd1030_zz_d_0000_002_008.html
  3. Höhenangaben gemäss der Karte des Geoportals Kanton Luzern.
  4. lustat.ch: Gemeindeprofil Hitzkirch. (PDF 170kB), In: LUSTAT Jahrbuch 2009. S. 511, Zugriff am 26. Januar 2010
  5. Artikel Hitzkirch, „Mittelalter und Neuzeit“ im Historischen Lexikon der Schweiz.
  6. Artikel Leben in die Buden (PDF; 1,0 MB) Artikel aus dem Seetaler Bote vom 10. September 2009.