Jacques Dubochet

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Jacques Dubochet (2017)

Jacques Dubochet (* 8. Juni 1942 in Aigle, VD) ist ein Schweizer Biophysiker. Er erhielt 2017 neben Richard Henderson und Joachim Frank den Nobelpreis für Chemie für das von ihm entwickelte Verfahren der Kryo-Elektronenmikroskopie zugesprochen. Heute lehrt er an der Universität Lausanne.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach zwei Jahren an der Kantonsschule Trogen legte Dubochet im Jahr 1962 die Maturität im Kanton Waadt ab. 1967 erhielt er einen Abschluss als Physikingenieur an der École polytechnique de l’Université de Lausanne (EPUL), und 1969 erlangte er einen Abschluss in Molekularbiologie an der Universität Genf. Schon damals erforschte er mit Elektronenmikroskopie die DNA und andere Zellbestandteile, was zu seinem Hauptforschungsthema wurde. 1973 wurde er in Genf und bei Eduard Kellenberger an der Universität Basel in Biophysik promoviert. Zwischen 1974 und 1978 arbeitete er zudem am Biozentrum der Universität Basel. Von 1978 bis 1987 leitete er eine Forschungsgruppe am European Molecular Biology Laboratory in Heidelberg[2], wo er die Kryo-Elektronenmikroskopie entwickelte und mit Alasdair W. McDowall 1981 publizierte. 1987 wurde er Universitätsprofessor an der Universität Lausanne in der Abteilung Ultrastrukturanalyse.[3] Von 1998 bis 2002 leitete er die Biologiefakultät. Im Jahr 2007 wurde er emeritiert.

Bei der normalen Elektronenmikroskopie wird die Probe in ein Vakuum gebracht, was bei den stets wasserhaltigen biologischen Substanzen die Beobachtung verzerrt. Dubochet fand mit anderen einen Weg, die Proben näher dem Originalzustand zu untersuchen, indem sie so schnell abgekühlt wurden, dass sich keine grossen Eiskristalle bildeten.

2015 erhielt er den ersten Lennart Philipson Award des EMBL. Er teilt sich den Nobelpreis für Chemie 2017 mit Joachim Frank (der ebenfalls ein Pionier der Kryo-Elektronenmikroskopie war) und Richard Henderson.

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jacques Dubochet ist mit einer Künstlerin und Kunsttherapeutin verheiratet; das Paar hat zwei Kinder. Er ist ausserdem Legastheniker und war gemäss eigenen Angaben während seiner Schulzeit kein guter Schüler.[4] In der Schweizer Armee war Dubochet Oberleutnant.[5]

Er sitzt für die SP im Stadtparlament von Morges.[4] Sein Urgrossvater Jacques-Julien Dubochet war Herausgeber der Zeitung L’Illustration.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit A. W. McDowell: Vitrification of pure water for electron microscopy. In: Journal of Microscopy. Band 124, 1981, S. 3–4.
  • mit A. McDowell, J. Chang, R. Freeman, J. Lepault, C. A. Walter: Electron microscopy of frozen hydrated sections of vitreous ice and vitrified biological samples. In: Journal of Microscopy. Band 131, 1983, S. 1–9.

Reportage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jacques Dubochet – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. EMBL – Office of Information and Public Affairs: Members’ Directory – EMBL. Abgerufen am 4. Oktober 2017 (englisch).
  2. EMBL Alumni News 2015: Jacques Dubochet
  3. Prof. Jacques Dubochet – Honorary Professor of biophysics (Memento vom 4. Oktober 2017 im Internet Archive). In: Website der Universität Lausanne.
  4. a b Andrea Kucera: «Ich war Legastheniker und ein sehr schlechter Schüler». In: Neue Zürcher Zeitung. 4. Oktober 2017, abgerufen am 5. Januar 2017.
  5. Christophe Passer: «Ich musste einfach auch das Innere meines Kopfes erforschen». In: Tages-Anzeiger. 7. Oktober 2017.