Joan Didion

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Joan Didion (2008)

Joan Didion (* 5. Dezember 1934 in Sacramento) ist eine amerikanische Journalistin, Schriftstellerin, Essayistin und Drehbuch-Autorin.[1] Didion schreibt regelmäßig für The New York Review of Books und The New Yorker. In Zusammenarbeit mit ihrem im Jahr 2003 verstorbenen Mann, dem Schriftsteller John Gregory Dunne, schrieb sie mehrere Drehbücher. Sie lebt in New York City.

Leben und Leistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Didion wuchs an verschiedenen Orten der USA auf. 1956 erhielt sie einen Abschluss (B.A. in Literatur) an der University of California, Berkeley. Angefangen hat sie als Promi-Reporterin bei der Zeitschrift "Mademoiselle". Danach arbeitete sie in New York für das Modemagazin Vogue. Am 30. Januar 1964 wurden Didion und Dunne in der San Juan Bautista in San Benito (Kalifornien) getraut. In der Folge arbeiteten sie eng bei der Erstellung von Drehbüchern für Fernsehfilme, Theaterstücke und Filme, wie z. B. The Panic in Needle Park (1971), A Star Is Born (1976) und True Confessions (1981) sowie einer Adaption von Novellen zusammen, die Dunne geschrieben hatte. In der Branche galten die Beiden als das Vorzeigeehepaar, das sich gemeinsam zuarbeitete. Während ihre Stärke die Recherche und Essays waren, galt er als der bessere Romanautor und Analyst menschlichen Verhaltens.

Didion ist Autorin von fünf Romanen und vielen nichtfiktionalen Büchern. In Didions Werken geht es oft um Kalifornien, speziell in den Sechzigerjahren des 20. Jahrhunderts. Ihre Schilderungen von Verschwörungstheoretikern, Paranoikern und Soziopathen (dazu zählt auch Charles Manson) gelten heute als fester Bestandteil amerikanischer Literatur. Ihre Sammlung von Essays, Slouching Toward Bethlehem (1968) und The White Album (1979) – ein Buch, das in einer Rezension als Hilfsmittel zur Definition Kaliforniens als „weltweite Hauptstadt der Paranoia“ beschrieben wurde – machte sie als Beobachterin der amerikanischen Politik und Kultur bekannt. In einem ausgeprägten Reportagestil verbindet sie persönliche Erfahrungen mit sozialen Analysen. Dadurch wird sie oft mit Vertretern des Neuen Journalismus wie Tom Wolfe und Hunter S. Thompson in Zusammenhang gebracht, obwohl diese Verbindung von ihr selbst nie als besonders eng gewertet wurde. 1981 wurde sie in die American Academy of Arts and Letters und 1989 in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. Seit 2006 ist sie gewähltes Mitglied der American Philosophical Society[2]

Didions Buch Where I Was From (2003) gilt als das Werk mit den stärksten biografischen Zügen. Es enthält sowohl gesammelte als auch neue Essays, Reflexionen und Mythen rund um Kalifornien. Ihr Buch ist eine Abrechnung mit dem Mythos vom erfolgreichen Individualismus; den Eigennutz der Kalifornier auf Staatskosten beleuchtet sie in allen Facetten.[3] Indirekt wirkt das Buch als Nachsinnen über den Mythos um die amerikanische Außengrenze, den wurzellosen, konsumorientierten Lifestyle, den Kalifornien mit vorangetrieben hat. Außerdem geht sie auf das schwierige Verhältnis zu ihrem Geburtsort und ihrer Mutter ein.

In dem autobiografischen Buch The Year of Magical Thinking aus dem Jahr 2005 verarbeitete Joan Didion den plötzlichen Tod ihres Mannes John Dunne und die lebensbedrohliche Krankheit ihrer Adoptivtochter Quintana Roo Dunne. Der Roman wurde in den USA ein Bestseller, gewann den National Book Award[4] und wurde für den Broadway umgesetzt.[5] Kurz vor Erscheinen des Buchs starb Didions Adoptivtochter mit 39 Jahren. Ihre Hoffnungslosigkeit nach dem Verlust auch ihrer Tochter beschrieb Didion in dem Buch Blue Nights aus dem Jahr 2011.[6][7]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1996 erhielt sie die Edward MacDowell-Medaille. Ihr Buch The Year of Magical Thinking gewann 2005 den National Book Award (Nonfiction).[4]

2012 wurde ihr die National Humanities Medal zugesprochen.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Romane[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sachbücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Drehbücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tracey Daugherty: The Last Love Song: A Biography of Joan Didion. St. Martin’s Press, New York 2015, ISBN 978-1-250-01002-5.
  • Sharon Felton (Hrsg.): The Critical Response to Joan Didion. Greenwood Press, Wesatport, Conn. 1994, ISBN 0-313-28534-9.
  • Ellen G. Friedman (Hrsg.): Joan Didion: Essays and Conversations. Ontario Review Press, Princeton, N.J. 1984, ISBN 0-86538-035-X.
  • Lynn Marie Houston und William V. Lombardi: Reading Joan Didion. Greenwood Press, Santa Barbara 2009, ISBN 978-0-313-36403-7.
  • Michelle C. Loris: Innocence, Loss and Recovery in the Art of Joan Didion. Peter Lang, New York 1989, ISBN 0-8204-0661-9.
  • Mark Z. Muggli: The Poetics of Joan Didion’s Journalism. In: American Literature 59:3, 1987, S. 402–421.
  • Mark Royden Winchell: Joan Didion. 2., revidierte Ausgabe. Twayne, Boston 1980, ISBN 0-8057-7535-8 (= Twayne’s United States Authors Series 370).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Joan Didion – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Naumann: "Woher ich kam": Die Party ist zu Ende. In: Die Zeit. 1. Mai 2019, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 2. Februar 2020]).
  2. Member History: Joan Didion. American Philosophical Society, abgerufen am 16. Juli 2018.
  3. Süddeutsche Zeitung: Abwegiger Glanz. Abgerufen am 2. Februar 2020.
  4. a b Susanne Weingarten: Trauer ohne Trost. In: Der Spiegel, 26. September 2006.
  5. Jesse McKinley: Year of Magical Thinking Headed for Broadway. In: New York Times, 6. Dezember 2005
  6. Susanne Mayer: Die Überlebende. In: Die Zeit. 14. September 2006. Interview mit Joan Didion über ihr Werk Das Jahr des Magischen Denkens.
  7. Jana Simon: Die Überlebende. In: ZEITmagazin. 1. März 2012, Nr. 10
  8. Louis Menand: Out of Bethlehem. The radicalization of Joan Didion. The New Yorker, August 24, 2015.
  9. Antje Rávic Strubel: In den Endlosschleifen des Leides. „Das Jahr magischen Denkens“. Die große amerikanische Intellektuelle Joan Didion verarbeitet den Schock durch den Tod ihres Mannes. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. 17. September 2006, Nr. 37, S. 63.
  10. Elisabeth Raether: Joan Didion neu übersetzt – Der Essay als Lebensform. In: die tageszeitung. 17. Juni 2008. Rezension zu „Wir erzählen uns Geschichten, um zu leben“