Jung & Naiv

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Jung & Naiv
Sprache Deutsch, Englisch
Genre Politik
Gründung 2013
Betreiber Tilo Jung, Alexander Theiler
und Hans Hütt
Verbreitungskanäle www.jungundnaiv.de
Jung & Naiv (YouTube)
Jung & Naiv (Facebook)
Abonnenten über 150.000
„Gefällt mir“-Angaben über 275.000
Website www.jungundnaiv.de

Jung & Naiv ist eine regelmäßig ausgestrahlte politische Interview-Sendung. Die erste Folge erschien unter dem ursprünglichen Titel Jung & Naiv – Politik für Desinteressierte am 7. Februar 2013 bei YouTube. Seit 28. Mai 2013 werden Inhalte des Formats auch auf Facebook veröffentlicht. In den Jahren 2013 und 2014 wurde Jung & Naiv wöchentlich vom Privatsender Joiz ausgestrahlt.

Am 18. Juli 2014 berichtete das Format unter dem Titel Naive Fragen (an Angela Merkel) erstmals von der Bundespressekonferenz. Spätestens mit dem 16. September 2015 wurde eine Bundespressekonferenz von etwa eineinhalb Stunden erstmals in voller Länge öffentlich übertragen, was seitdem regelmäßig geschieht und unter deutschen Medien ein Alleinstellungsmerkmal war und ist. Die Pressekonferenzen der Bundesregierung bilden nun eine eigene Rubrik Bundesregierung für Desinteressierte.

Seit dem 13. April 2015 (Folge 232) sind alle Folgen außerdem in der eigenen Internetpräsenz zugänglich. Produziert wird die Sendung von Tilo Jung, Alexander Theiler und Hans Hütt.

Konzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Format[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Moderator Tilo Jung spielt für seine Interviews einen naiven jungen Mann, der seinen Gästen entsprechend unvoreingenommen grundlegende Fragen stellt. Er stellt dabei „einen Durchschnittsahnungslosen auf dem intellektuellen Niveau eines 14-Jährigen“ dar, der grundsätzlich jegliche räumliche und sprachlich formale Distanz zu seinen Gesprächspartnern missachtet. So werden Interviewpartner geduzt, dürfen keine Fremdwörter benutzen und müssen Fachbegriffe von Grund auf erklären. Die Interviews werden ohne genau abgesteckten zeitlichen Rahmen aufgenommen und in voller Länge veröffentlicht. Laut Tilo Jung soll sich das Gespräch dadurch natürlich entwickeln.[1]

Jung & Naiv ging ein Format namens All You Can Ask voraus, dabei stellten die Zuschauer im Vorfeld der Sendung Fragen, die Jung an die Gäste weiterreichte. Dieses Element ist bei bekannten Interviewpartnern weitestgehend beibehalten worden und wurde als „Extra“, „Bonus“ oder „Eure naiven Fragen“ bezeichnet.

Themenschwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Bundestagswahlkampfs 2013 interviewte Tilo Jung vorwiegend kandidierende Politiker wie Sahra Wagenknecht, Erika Steinbach, Wolfgang Kubicki, Jürgen Trittin und Peer Steinbrück. Unter dem Motto „CCC für Desinteressierte“ stellte Jung Interviews vom 30. Chaos Communication Congress ins Netz. Dabei unterhielt er sich beispielsweise mit Jan Philipp Albrecht, Felix von Leitner und Tim Pritlove über Themen wie Datenschutz, den NSA-Überwachungsskandal oder über Whistleblower, wie z. B. Chelsea Manning.

Als die Maidan-Bewegung wegen der Krimkrise in den Hintergrund rückte, beschloss das „Jung & Naiv“-Team, auf eigene Kosten in die Ukraine zu reisen, um vor Ort Fragen zur Krieg in der Ukraine seit 2014 zu stellen. Dort vermittelte der ukrainische Journalist Maxim Eristavi den Kontakt zu Politikern, Journalisten und Aktivisten.[2] Anlässlich der Europawahl 2014 unternahm das Team unter dem Titel „Jung & Naiv goes Europe“ Reisen nach Griechenland, Spanien und Italien und berichtete über die dortigen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Probleme. Während des Gaza-Konfliktes 2014 wurde eine weitere Interviewreihe in Israel und Palästina aufgenommen. Dort traf das Team auf Vertreter der israelischen Politik und des Militärs, aber auch auf Aktivisten beider Seiten und Stellvertreter palästinensischer Organisationen.[3][4]

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Tilo Jung ist Erfinder des Formats. Nach einigen Folgen schloss er sich mit dem Wirtschafts- und Finanzexperten Alexander Theiler zusammen, der seither als Produzent, Kameramann und Editor fungiert.[5] Im Juli 2013 erweiterten sie ihr Team um den Journalisten und Rhetoriktrainer Hans Hütt, der bis heute Tilo Jungs Projekt als Redaktionsleiter unterstützt.[1] Seit 2015 arbeitet Juliane Marie Schreiber als Redakteurin für Jung & Naiv,[6] seit 2017 führt sie eigene Interviews.[7]

Herstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Folge zeichnete Jung noch mit seiner Handy-Kamera als ca. 30 Minuten langes One-Cut-Video auf.[8] Die weiteren Interviews filmte er mit einer Digitalkamera, was aufgrund der begrenzten Aufnahmelänge auch eine zeitliche Einschränkung von etwa 12 Minuten bedeutete.[9] Nach einer erfolgreichen Crowdfunding-Aktion und dem Zusammenschluss mit Alexander Theiler konnten sie sich neues Equipment zulegen und die Interviews mit einer oder zwei weiteren Kameras filmen. Ab Mai 2013 (erstmals Folge 53) waren die Videos nachbearbeitet, inklusive Titel- und Abspannsequenz unterlegt mit einer Titelmelodie. Das Gespräch selbst blieb weiterhin ungekürzt in Text und Länge.

Titelmelodie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab Folge 53 erhielten die Videos für den Vor- und Abspann eine eigene Titelmelodie, welche von Brent Sluders Musikprojekt Field Dress produziert wurde.[10] Seit Oktober 2014 (Folge 199) gibt es ein neues Erkennungslied namens Table Talk, erneut von Brent Sluder komponiert.[11]

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Bundestagswahlkampfs 2013 wurde „Jung & Naiv“ mit einem Stipendium von Google unterstützt.[12] Mittels Crowdfunding über die Online-Plattform Krautreporter konnte Jung mit seinem Kollegen Alexander Theiler eine Summe von 5.900 Euro sammeln, die sie in eine neue technische Ausrüstung und ein neues Design investierten.[13] Es folgte eine weitere Crowdfunding-Sammelaktion über 15.000 Euro Erlös für eine Europareise während der Europawahl 2014. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, das Team durch Spenden zu unterstützen.

Veröffentlichungen in anderen Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausstrahlung im Fernsehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach diversen Gesprächen mit Sendeanstalten des öffentlich-rechtlichen Fernsehens entschied sich Tilo Jung für den Schweizer Privatsender Joiz, der in Deutschland mit dem Ableger Joiz Germany im Sommer 2013 auf Sendung ging, da er dort keiner redaktionellen Kontrolle zustimmen musste,[5] allerdings bedeutete die Sendezeitvorgabe eine Kürzung der Interviews auf 20 Minuten.[1] Dort wurde Jung und Naiv – Politik für Desinteressierte immer montags um 20:00 Uhr ausgestrahlt, die erste Folge am 19. August 2013 war ein Interview mit dem damaligen SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück.[14]

Seit Ende September 2014 war das Politmagazin Bestandteil des Dienstagabendprogramms, einige Folgen wurden sogar live gesendet, wobei Zuschauer die Möglichkeit hatten, Fragen online zu stellen. Joiz Germany wurde allerdings am 16. September 2016 eingestellt.

Publikationen in Zeitungen und Online-Magazinen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Medienkooperationen erschienen Interviews von Jung & Naiv bei stern.de. Ein Interview mit Glenn Greenwald erschien in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.[15]

Im Blog netzpolitik.org wurden sehr viele Interviews von Jung & Naiv bereitgestellt. Neben den Videos verfasste Tilo Jung auch eine erläuternde Einleitung, mitunter fügte er Gesprächsauszüge in schriftlicher Form hinzu.[16] Seit dem Start des Onlinemagazins Krautreporter Mitte Oktober 2014 werden dort Jung & Naivs Folgen inklusive eines zumeist gekürzten Transkripts und eines Kommentarbereichs, den nur Mitglieder einsehen können, veröffentlicht.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der medienpädagogischen Facheinrichtung SIN – Studio im Netz, welches den Schwerpunkt seiner Jugendhilfe auf den Bereich digitale Medien legt, wurde die Webseite Jung & Naiv im Rahmen der Preisverleihung des Pädi 2013 das Gütesiegel „empfehlenswertes Angebot für Jugendliche“ verliehen.[17] Anfang Mai 2014 erhielt Tilo Jung als Erfinder und Anchorman des Web-TV-Formats Jung & Naiv – Politik für Desinteressierte den zweiten Platz des Axel-Springer-Preises in der Kategorie Internet.[18]

Jung und Naiv – Politik für Desinteressierte wurde Ende Juni 2014 mit dem Grimme Online Award in der Kategorie Information ausgezeichnet. In seiner Laudatio bezeichnete Jörg Thadeusz Tilo Jung scherzhaft als „hinterhältigen, bösen Kinderreporter“.[19] Mitte September desselben Jahres erhielt „Jung & Naiv“ ebenfalls in der Kategorie Beste Information eine Nominierung für den Deutschen Fernsehpreis,[20][21] konnte sich jedoch nicht gegen Hubert Seipel durchsetzen, der für sein Interview mit Edward Snowden ausgezeichnet wurde.

Episodenliste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Nathalie Mayroth: Tilo Jung: “Ich bin mein eigener Chefredakteur.” selbstdarstellungssucht.de, 9. Oktober 2013, abgerufen am 22. Oktober 2014.
  2. JUNG & naiv: Der Ukraine Road Trip. World Wide Wagner, 22. März 2014, abgerufen am 21. Oktober 2014.
  3. YouTube-Channel "Jung & Naiv": Einfache Fragen, interessante Antworten. Deutschlandfunk, 16. August 2014, abgerufen am 21. Oktober 2014.
  4. Jung & Naiv in Israel & Palestine. Youtube, abgerufen am 1. Dezember 2014.
  5. a b Mareike Nieberding: „Jung & Naiv“-Macher Tilo Jung: Ein Typ zum Kuscheln. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31. Mai 2014, abgerufen am 21. Oktober 2014.
  6. https://www.facebook.com/jungundnaiv/posts/1137864516225495, http://www.jungundnaiv.de/2016/08/29/wen-ihr-mit-eurem-geld-unterstuetzt-team-jung-naiv/
  7. https://www.youtube.com/watch?v=SKXZWee_1Ms
  8. Folge 1 – Deutsche Innen-, Netz- und Europapolitik. YouTube, 7. Februar 2013, abgerufen am 20. Oktober 2014.
  9. Jung & Naiv – Folge 44: Chemische Waffen in Syrien & WMDs in Boston? – Politik für Desinteressierte. netzpolitik.org, 29. April 2013, abgerufen am 3. Dezember 2014.
  10. Folge 53 – Eurohawk & der Verteidigungsminister. YouTube, abgerufen am 30. November 2014.
  11. Table Talk. fielddress.bandcamp.com, abgerufen am 30. November 2014.
  12. Frankfurter Allgemeine Zeitung: Google-Sprecher Ralf Bremer: Wir nennen es Sponsoring-Vertrag. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 21. September 2014, abgerufen am 25. Oktober 2014.
  13. Julia Nikschick: Tilo Jung revolutioniert den Journalismus auf Youtube. Der Tagesspiegel, 3. Juni 2013, abgerufen am 20. Oktober 2014.
  14. Alexander Krei: joiz holt Polit-Format "Jung & Naiv" ins Fernsehen. DWDL.de, 19. August 2013, abgerufen am 4. Dezember 2014.
  15. Tilo Jung, Hans Hütt: Glenn Greenwald im Gespräch mit Tilo Jung: Überwachung zielt in deine Eingeweide. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 2. Juni 2014, abgerufen am 25. Oktober 2014.
  16. Alle Beiträge des Autors Tilo Jung. netzpolitik.org, archiviert vom Original am 3. Mai 2016; abgerufen am 8. September 2017. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/netzpolitik.org
  17. SIN – Studio im Netz: Übersicht über unsere Webtipps für Jugendliche, abgerufen am 21. August 2015.
  18. Axel Springer Preis für Journalisten – 2. Preis „Internet“ (Memento des Originals vom 7. Dezember 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.axel-springer-preis.de, abgerufen am 21. Oktober 2014.
  19. Ute Zander, Rebekka Martin: Ein “süßer Opa” und die große Überraschung. In: blog.grimme-online-award.de. 28. Juni 2014, abgerufen am 25. Oktober 2014.
  20. grimme-institut.de: Grimme Online Award 2014. Preisträger 2014. In: grimme-institut.de. Archiviert vom Original am 2. Juli 2014; abgerufen am 25. Oktober 2014. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.grimme-institut.de
  21. Die Nominierungen für den Deutschen Fernsehpreis 2014. DWDL.de, abgerufen am 18. September 2014.