Klein Gartz

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Klein Gartz
Stadt Salzwedel
Koordinaten: 52° 49′ 28″ N, 11° 19′ 5″ O
Höhe: 31 m ü. NHN
Fläche: 10,52 km²[1]
Einwohner: 168 (31. Dez. 2015)[2]
Bevölkerungsdichte: 16 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Postleitzahl: 29410
Vorwahl: 039037
Klein Gartz (Sachsen-Anhalt)
Klein Gartz
Klein Gartz
Lage von Klein Gartz in Sachsen-Anhalt

Klein Gartz ist eine Ortschaft und ein Ortsteil der Hansestadt Salzwedel im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das altmärkische Dorf Klein Gartz ist ein Straßenangerdorf, das durch eine reihendorfartige Anlage von Nordwesten nach Nordosten stark erweitert wurde.[1] Klein Gartz liegt 12 Kilometer südöstlich von Salzwedel.[3] Nordwestlich liegt der Bitzlebener Wald,[4] auf der topographischen Karte im Sachsen-Anhalt-Viewer irrtümlich als „Ritzlebener Wald“ bezeichnet. Nachbarorte sind Pretzier, Ritzleben, Vissum, Ortwinkel und Königstedt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1290 überließ Graf Bernhard von Dannenberg zwei Höfe in Gardiss an Heinrich von Danneberg.[5] Weitere Nennungen sind: 1291 in villa Gardiz, 1318 In villa Gardisse, 1336 in villa Gardyze, 1346 garditz. Der Name ville Groten Gardes erscheint 1350 in einer Urkunde.[6] Danach heißt es 1358 Gartze im Lande tho Soltwedel und 1362 to Gardize.[1] Im Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 wird der Ort als Gartz aufgeführt. Zum Dorf gehörten 28 Zinshufen, davon wüste 2 Hufen, ein Schulze, ein Schmied und ein Kossat, 1 Hof war wüst.[7] Im Jahr 1804 hieß das Dorf schließlich Klein Gartz.[8]

Unterscheidung Klein-, Groß Gartz und Groß Garz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Historiker Peter P. Rohrlach schreibt:[1] „Die Belege für die Orte Groß und Klein Gar(t)z in der Altmark lassen sich ziemlich sicher trennen, da Groß Garz und Klein Garz bei Seehausen durchgehend der Familie von Jagow gehörten. Betrachtet man dann die Belege für das heutige Klein Gartz bei Salzwedel, so fällt auf, daß kein einziger älterer Beleg den Zusatz »Klein« enthält; nach gegenwärtiger Kenntnis erscheint erstmals 1593 diese Ergänzung in einer Urkunde im Erbregister Salzwedel.“ Weiter schreibt er: „Möglicherweise hatte sich die Bezeichnung Klein für das ursprüngliche Groß Gartz bei Salzwedel seit dem Ende des 16. Jahrhunderts zur Unterscheidung von dem in der Tat größeren Groß Garz bei Seehausen durchgesetzt.“

Wüstung Bißleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einen Kilometer nordwestlich von Klein Gartz im Bitzlebener Wald liegt die Wüstung des Dorfes Bißleben, welches 1255 in einer Urkunde als Bitseleue erstmals genannt wurde.[9] Im Gemeindelexikon 1898 heißt der Ort Bißleben. Im Jahre 1904 wurde die wüste Feldmark von der Herrschaft Wolfsburg an mehrere Bauern in Klein Gartz und Pretzier verkauft.[10]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich gehörte das Dorf zum Salzwedelischen Kreis. Ab 1816 gehörte das Dorf und damit die spätere Gemeinde zum Kreis Salzwedel. Sie kam am 25. Juli 1952 zum Kreis Salzwedel im Bezirk Magdeburg.[11] Nach dessen Auflösung gehörte die Gemeinde seit dem 1. Juli 1994 zum Altmarkkreis Salzwedel.

Bis Ende 2009 war Klein Gartz eine eigenständige Gemeinde und Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Salzwedel-Land.

Durch einen Gebietsänderungsvertrag beschloss der Gemeinderat der Gemeinde Klein Gartz am 28. Januar 2009, dass die Gemeinde Klein Gartz in die Hansestadt Salzwedel eingemeindet wird. Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Januar 2010 in Kraft.[12][13]

Nach Eingemeindung der bisher selbstständigen Gemeinde Klein Gartz wurde Klein Gartz Ortsteil der Hansestadt Salzwedel. Für die eingemeindete Gemeinde wurde die Ortschaftsverfassung nach den §§ 86 ff. Gemeindeordnung Sachsen-Anhalt eingeführt. Die eingemeindete Gemeinde Klein Gartz und künftiger Ortsteil Klein Gartz wurde zur Ortschaft der aufnehmenden Hansestadt Salzwedel. In der eingemeindeten Gemeinde und nunmehrigen Ortschaft Klein Gartz wurde ein Ortschaftsrat mit fünf Mitgliedern einschließlich Ortsbürgermeister gebildet.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1734 127
1772 100
1789 111
1798 134
1801 112
1818 124
Jahr Einwohner
1840 204
1864 242
1871 260
1885 233
1892 227
1895 222
Jahr Einwohner
1900 231
1905 235
1910 258
1925 271
1939 264
1946 416
Jahr Einwohner
1964 310
1971 285
1981 231
1990 191
1993 189
1995 178
Jahr Einwohner
2000 172
2005 177
2006 170
2008 173
2010 171
2014 173
Jahr Einwohner
2015 168

Quellen:[1][14][2][15]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelische Kirchengemeinde Klein Gartz gehörte früher zur Pfarrei Klein Gartz.[16] Die Evangelischen aus Klein Gartz gehören heute zum Pfarrbereich Salzwedel-St. Georg[17] im Kirchenkreis Salzwedel im Propstsprengel Stendal-Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Die historische Überlieferungen in Kirchenbüchern für Klein Gartz beginnen im Jahre 1631. Der bekannteste Pfarrer in Klein Gartz war Johann Christian Lüdeke. Er wirkte 1751 bis etwa 1800.[18] In seinem Heft „Alt-Märckisches Oeconomisch-physicalisches Magazin“ beschreibt er, selbst auch Landwirt, die damalige Wirtschaftsweise in der Langstreifenflur.[19]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hermann Meyer war letzter Bürgermeister der Gemeinde und ist heute ehrenamtlicher Ortsbürgermeister.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die evangelische Dorfkirche Klein Gartz ist dreiteiliger Feldsteinbau aus dem 13. Jahrhundert.[20]
  • Der Ortsfriedhof ist auf dem Kirchhof.
  • An der Kirchenmauer steht ein Denkmal für die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges.[21]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nördlich des Dorfes liegt ein Flugplatz für Segel- und Ultraleichtflugzeuge, der „Segelflugplatz Salzwedel“. Er wird vom Luftsportverein Salzwedel e.V. betrieben.[22]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-2235-5, S. 736–740.
  2. a b Jens Heymann: Kernstadt und Dörfer der Einheitsgemeinde Salzwedel legen zu. In: Altmark Zeitung, Ausgabe Salzwedel. 15. Januar 2016 (az-online.de).
  3. Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)
  4. Messtischblatt 1610: Deutsch-Pretzier. Reichsamt für Landesaufnahme, 1902, abgerufen am 19. April 2019.
  5. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Haupttheil 1. Band 14. Berlin 1857, S. 36 (Digitalisat).
  6. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Haupttheil 1. Band 14. Berlin 1857, S. 96 (Digitalisat).
  7. Johannes Schultze: Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 (= Brandenburgische Landbücher. Band 2). Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, S. 392 (uni-potsdam.de).
  8. Friedrich Wilhelm August Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. Für Statistiker, Geschäftsmänner, besonders für Kameralisten. Band 1. Berlin 1804, S. 341 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10000735~SZ%3D00363~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  9. Hermann Krabbo: Regesten der Markgrafen von Brandenburg aus askanischem Hause. Hrsg.: Verein für Geschichte der Mark Brandenburg. 1. Lieferung. Duncker & Humblot, Leipzig 1910, S. 182, Nr. 875 (uni-potsdam.de).
  10. Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-2235-5, S. 252.
  11. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7, S. 359.
  12. Amtsblatt des Landkreises Nr. 5/2009 Seite 126–128 (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive)
  13. StBA: Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2010
  14. Wilhelm Zahn: Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, G.m.b.H., Salzwedel 1928, DNB 578458357, S. 141.
  15. Hansestadt Salzwedel: Integriertes Stadtentwicklungskonzept 2020. Juni 2015, S. 65 (salzwedel.de [PDF; abgerufen am 5. Mai 2019]).
  16. Pfarr-Almanach oder die evangelischen Geistlichen und Kirchen der Provinz Sachsen der Grafschaften Wernigerode, Rossla und Stolberg. 19. Jahrgang, 1903, ZDB-ID 551010-7, S. 27 (wiki-de.genealogy.net [abgerufen am 19. April 2019]).
  17. Pfarrbereich Salzwedel-St. Georg. Abgerufen am 14. April 2019.
  18. Verein für Pfarrerinnen und Pfarrer in der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen e. V. (Hrsg.): Pfarrerbuch der Kirchenprovinz Sachsen (= Series Pastorum. Band 10). Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2009, ISBN 978-3-374-02142-0, S. 368.
  19. Johann Christian Lüdeke: Alt-Märckisches Oeconomisch-physicalisches Magazin. 1774 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D_Ik-ZLxtXTEC~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  20. Thomas Hartwig: Alle Altmarkkirchen von A bis Z. Elbe-Havel-Verlag, Havelberg 2012, ISBN 978-3-9814039-5-4, S. 257.
  21. Onlineprojekt Gefallendenkmäler. In: Klein Gartz auf www.denkmalprojekt.org. 1. April 2018, abgerufen am 19. April 2019.
  22. Luftsportverein Salzwedel auf lsv-salzwedel.de. Abgerufen am 19. April 2019.