Tylsen

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Tylsen
Stadt Salzwedel
Koordinaten: 52° 48′ 56″ N, 11° 2′ 1″ O
Höhe: 32 m ü. NHN
Fläche: 8,16 km²[1]
Einwohner: 91 (2013)
Bevölkerungsdichte: 11 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Postleitzahl: 29410
Vorwahl: 039033
Ruine des Alten Schlosses (links)
Ruine des Alten Schlosses (links)
Tylsen (Sachsen-Anhalt)
Tylsen (52° 49′ 0″ N, 11° 2′ 0″O)
Tylsen
Lage von Tylsen in Sachsen-Anhalt

Tylsen ist ein Ortsteil der Kreisstadt Salzwedel im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt, Deutschland.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das altmärkische Dorf Tylsen, ein nach Süden straßendorfartig erweitertes Rundplatzdorf mit Kirche,[1] liegt etwa 10 Kilometer südwestlich von Salzwedel an der Dumme. Orte im Umkreis sind Osterwohle und Bombeck im Norden, Klein-Wieblitz im Nordosten, Groß-Wieblitz im Osten, Wallstawe im Süden und Wistedt im Westen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fachwerkhaus in der Ortsmitte
Gedenkstein 1000 Jahre Tylsen

Die Gründung des Dorfes wird den Slawen zugerechnet, die Tylsen um 800 besiedelten. Die erste urkundliche Erwähnung von Tylsen als Tulci stammt aus dem Jahre 956, als Otto I. dem Stift Quedlinburg sechs Dörfer aus der Marca Lipani schenkte.[2]

Noch 1178 befand sich Tylsen im Besitz des Stiftes, später kam das Kloster St. Ludgeri in Helmstedt hinzu und 1238 bestanden in Titole (vel Citele)[3] Lehen der Grafen von Osterburg.

Letztere wurden von den von Alvensleben abgelöst, denen schließlich 1354 die von dem Knesebeck folgten. Im Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 wird das Dorf als Tilsen aufgeführt, die von dem Knesebeck hatten hier Besitz.[4] Diese lüneburg-altmärkische Familie besaß das Rittergut Tylsen bis zur Enteignung von 1945 und brachte zahlreiche hohe preußische Beamte und Offiziere hervor.

Angelegt wurde Tylsen ursprünglich als Platzdorf, entwickelte sich aber durch den Bau einer Burg und den Zuzug von Bauern zu einem Straßendorf. Die Burg entstand von 1134 bis 1170 im Nordwesten der Ortschaft. An ihre Stelle traten später Wirtschaftsgebäude – teilweise auf Resten der „alten“ Burg gebaut[5] – und auch das 1620–21 erbaute Neue Schloss Tylsen, ein prachtvolles Renaissance-Schloss, das nach dem Zweiten Weltkrieg zerstört wurde und nur noch als Ruine vorhanden ist. Das Schloss war von einem Park umgeben, der heute nicht mehr unterhalten wird.

2014 wurde Tylsen im bundesweiten Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ mit einer Bronzemedaille ausgezeichnet.[6]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirk Tylsen aufgelöst. Der Hauptteil vom Gutsbezirk und das Vorwerk Niephagen wurden mit der Landgemeinde Tylsen vereinigt. Das Vorwerk Wötz wurde mit der Landgemeinde Leetze vereinigt und die Exklave in der Feldmark Ellenberg mit der Landgemeinde Ellenberg.[7]

Bis Ende 2009 war Tylsen mit seinem Ortsteil Niephagen eine eigenständige Gemeinde und Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Salzwedel-Land.

Durch einen Gebietsänderungsvertrag beschloss der Gemeinderat der Gemeinde Tylsen am 11. Dezember 2008, dass die Gemeinde Tylsen in die Hansestadt Salzwedel eingemeindet wird. Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Januar 2010 in Kraft.[8][9] Nach Eingemeindung der bisher selbstständigen Gemeinde Tylsen wurden Niephagen und Tylsen Ortsteile der Hansestadt Salzwedel. Für die eingemeindete Gemeinde wurde die Ortschaftsverfassung nach den §§ 86 ff. Gemeindeordnung Sachsen-Anhalt eingeführt. Die eingemeindete Gemeinde Tylsen und künftigen Ortsteile Niephagen und Tylsen wurden zur Ortschaft der aufnehmenden Hansestadt Salzwedel. In der eingemeindeten Gemeinde und nunmehrigen Ortschaft Tylsen wurde ein Ortschaftsrat mit fünf Mitgliedern einschließlich Ortsbürgermeister gebildet.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1734 015
1774 128
1789 160
1798 100
1801 137
1818 228
Jahr Einwohner
1840 294
1864 130
1871 131
1885 113
1895 085
1905 070
Jahr Einwohner
1910 064
1925 233
1939 226
1946 285
1964 214
1971 183
Jahr Einwohner
1981 152
1993 124
2006 132
1990 121
1995 135
2000 140
Jahr Einwohner
2005 133

Gut und Gutsbezirk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1798 035
1840 096
1864 186
1871 101
Jahr Einwohner
1885 110
1895 128
1905 082
1910 120

Ortsteil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
2010 87
2014 81
2015 83

Quellen:[1][10][11][12][13]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelische Kirchengemeinde Tylsen gehörte früher zur Pfarrei Tylsen[14] und gehört heute zum Pfarrbereich Diesdorf[15] im Kirchenkreis Salzwedel im Propstsprengel Stendal-Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Letzte Bürgermeisterin war Sabine Blümel, die 2015 Bürgermeisterin von Salzwedel wurde.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorfkirche Tylsen
  • Die evangelische Dorfkirche Tylsen ist ein mittelalterlicher Feldsteinbau. Der Westquerturm mit Treppengiebeln in den Formen der norddeutschen Backsteingotik mit achteckiger Laterne auf dem First stammt von 1859/60.[1]
  • In Tylsen steht an Dorfstraße ein Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges, ein Feldsteinsockel mit aufgesetztem Findling und krönendem Adler.[16]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 2003 von neu zugezogene Dorfbewohnern gegründete Heimat- und Kulturverein Tylsen widmet sich der Förderung und Pflege von Naturschutz, Umweltschutz, Denkmalpflege und Kultur. Der Verein Lebensraum Land e.V. organisiert Schulprojekte zur Förderung von Kultur und ländlichem Leben.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedhof mit Knesebeck-Milendonk- und Schulenburg-Gräbern

In Tylsen geboren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonstige mit dem Ort verbundene Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1980er und 1990er Jahren lebte und arbeitete die Grafikerin Johanna Bartl in Tylsen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Tylsen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (= Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-3743-4, S. 2251–2255, doi:10.35998/9783830522355.
  2. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Haupttheil 1. Band 25. Berlin 1863, S. 166 (Digitalisat).
  3. Peter Wilhelm Behrens: Graf Siegfried von Osterburg und Altenhausen resigniert viele Dörfer und Grundstücke in der Altmark 1238. In: Jahresberichte des Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte. 4. Jahresbericht, 1841, S. 49 (altmark-geschichte.de [PDF]).
  4. Johannes Schultze: Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 (= Brandenburgische Landbücher. Band 2). Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, S. 408 (uni-potsdam.de).
  5. Peter Fischer: Burgen und Herrenhäuser. In: Die nordwestliche Altmark – Eine Kulturlandschaft. Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg, Gifhorn 1991, ohne ISBN, S. 101.
  6. Liste der Preisträger, abgerufen am 19. Juli 2016
  7. Regierungsbezirk Magdeburg (Hrsg.): Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg. 1928, ZDB-ID 3766-7, S. 217.
  8. Amtsblatt des Landkreises Nr. 4/2009 Seite 82–84 (Memento vom 13. Mai 2016 im Internet Archive)
  9. StBA: Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2010
  10. Jens Heymann: Kernstadt und Dörfer der Einheitsgemeinde Salzwedel legen zu. In: Altmark Zeitung, Ausgabe Salzwedel. 15. Januar 2016 (az-online.de).
  11. Wilhelm Zahn: Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, Salzwedel 1928, DNB 578458357, OCLC 614308966, S. 155.
  12. Gemeindeverzeichnis 1900 – Landkreis Salzwedel
  13. Hansestadt Salzwedel: Integriertes Stadtentwicklungskonzept 2020. Juni 2015 (salzwedel.de [PDF; abgerufen am 5. Mai 2019]).
  14. Pfarr-Almanach oder die evangelischen Geistlichen und Kirchen der Provinz Sachsen der Grafschaften Wernigerode, Rossla und Stolberg. 19. Jahrgang, 1903, ZDB-ID 551010-7, S. 100 (wiki-de.genealogy.net [abgerufen am 6. Mai 2019]).
  15. Pfarrbereich Diesdorf. Abgerufen am 6. Mai 2019.
  16. Onlineprojekt Gefallendenkmäler. In: Tylsen auf www.denkmalprojekt.org. 1. April 2018, abgerufen am 6. Mai 2019.