Tylsen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Tylsen
Stadt Salzwedel
Koordinaten: 52° 48′ 56″ N, 11° 2′ 1″ O
Höhe: 32 m ü. NN
Einwohner: 91 (2013)
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Postleitzahl: 29410
Vorwahl: 039033
Ruine des Alten Schlosses (links)
Ruine des Alten Schlosses (links)
Tylsen (Sachsen-Anhalt)
Tylsen
Tylsen
Lage von Tylsen in Sachsen-Anhalt
Gedenkstein 1000 Jahre Tylsen
Fachwerkhaus in der Ortsmitte
Ruine des Neuen Schlosses

Tylsen ist ein Ortsteil der Kreisstadt Salzwedel im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt, Deutschland.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das altmärkische Kirchdorf Tylsen liegt südwestlich von Salzwedel an der Dumme. Orte im Umkreis sind Osterwohle und Bombeck im Norden, Klein-Wieblitz im Nordosten, Groß-Wieblitz im Osten, Wallstawe im Süden und Wistedt im Westen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gründung des Dorfes wird den Slawen zugerechnet, die Tylsen um 800 besiedelten. Die erste urkundliche Erwähnung von Tylsen als Tulci stammt aus dem Jahre 956, als Otto I. dem Stift Quedlinburg sechs Dörfer aus der Marca Lipani schenkte.[1]

Noch 1178 befand sich Tylsen im Besitz des Stiftes, später kam das Kloster St. Ludgeri in Helmstedt hinzu und 1238 bestanden in Tylsen Lehen der Grafen von Osterburg. Letztere wurden von den von Alvensleben abgelöst, denen schließlich 1354 die von dem Knesebeck folgten. Diese lüneburg-altmärkische Familie hielt sich bis zur Enteignung von 1945 in Tylsen auf und brachte zahlreiche hohe preußische Beamte und Offiziere hervor.

Angelegt wurde Tylsen ursprünglich als Platzdorf, entwickelte sich aber durch den Bau einer Burg und den Zuzug von Bauern zu einem Straßendorf. Die Burg entstand von 1134 bis 1170 im Nordwesten der Ortschaft. An ihre Stelle traten später Wirtschaftsgebäude – teilweise auf Resten der „alten“ Burg gebaut[2] – und auch das 1620–21 erbaute „Neue Schloss“, ein prachtvolles Renaissance-Schloss, das nach dem Zweiten Weltkrieg zerstört wurde und nur noch als Ruine vorhanden ist. Das Schloss war von einem Park umgeben, der heute nicht mehr unterhalten wird.

Die Gemeinde Tylsen zählte 1910 – damals zum Landkreis Salzwedel gehörend – 64 und der gleichnamige Gutsbezirk 120 Einwohner.[3] Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirk Tylsen mit der Landgemeinde Tylsen vereinigt.[4]

2014 wurde Tylsen im bundesweiten Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ mit einer Bronzemedaille ausgezeichnet.[5]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirk Tylsen aufgelöst. Der Hauptteil vom Gutsbezirk und das Vorwerk Niephagen wurden mit der Landgemeinde Tylsen vereinigt. Das Vorwerk Wötz wurde mit der Landgemeinde Leetze vereinigt und die Exklave in der Feldmark Ellenberg mit der Landgemeinde Ellenberg.[4]

Bis Ende 2009 war Tylsen mit seinem Ortsteil Niephagen eine eigenständige Gemeinde und Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Salzwedel-Land.

Durch einen Gebietsänderungsvertrag beschloss der Gemeinderat der Gemeinde Tylsen am 11. Dezember 2008, dass die Gemeinde Tylsen in die Hansestadt Salzwedel eingemeindet wird. Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Januar 2010 in Kraft.[6][7] Nach Eingemeindung der bisher selbstständigen Gemeinde Tylsen wurden Niephagen und Tylsen Ortsteile der Hansestadt Salzwedel. Für die eingemeindete Gemeinde wurde die Ortschaftsverfassung nach den §§ 86 ff. Gemeindeordnung Sachsen-Anhalt eingeführt. Die eingemeindete Gemeinde Tylsen und künftigen Ortsteile Niephagen und Tylsen wurden zur Ortschaft der aufnehmenden Hansestadt Salzwedel. In der eingemeindeten Gemeinde und nunmehrigen Ortschaft Tylsen wurde ein Ortschaftsrat mit fünf Mitgliedern einschließlich Ortsbürgermeister gebildet.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Letzte Bürgermeisterin war Sabine Blümel, die 2015 Bürgermeisterin von Salzwedel wurde.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedhof mit Knesebeck-Milendonk- und Schulenburg-Gräbern

In Tylsen geboren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonstige mit dem Ort verbundene Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1980er und 1990er Jahren lebte und arbeitete die Grafikerin Johanna Bartl in Tylsen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Hauptteil 1. Hrsg.: Berlin. Band 25, 1863, S. 166 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10001003_00177~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  2. Peter Fischer: Burgen und Herrenhäuser. In: Die nordwestliche Altmark – Eine Kulturlandschaft. Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg, Gifhorn 1991, ohne ISBN, S. 101.
  3. Gemeindeverzeichnis 1900 – Landkreis Salzwedel
  4. a b Regierungsbezirk Magdeburg (Hrsg.): Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg. 1928, ZDB-ID 3766-7, S. 217.
  5. Liste der Preisträger, abgerufen am 19. Juli 2016
  6. Amtsblatt des Landkreises Nr. 4/2009 Seite 82-84
  7. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2010

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tylsen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien