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Kvilda

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Kvilda
Wappen von Kvilda
Kvilda (Tschechien)
Kvilda (Tschechien)
Basisdaten
Staat: Tschechien Tschechien
Region: Jihočeský kraj
Bezirk: Prachatice
Fläche: 4518[1] ha
Geographische Lage: 49° 1′ N, 13° 35′ OKoordinaten: 49° 1′ 5″ N, 13° 34′ 50″ O
Höhe: 1062 m n.m.
Einwohner: 133 (1. Jan. 2023)[2]
Postleitzahl: 384 93
Kfz-Kennzeichen: C
Verkehr
Straße: RejštejnHorní Vltavice
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 5
Verwaltung
Bürgermeister: Václav Vostradovský (Stand: 2018)
Adresse: Kvilda 17
384 93 Kvilda
Gemeindenummer: 550337
Website: www.sumava.net/kvilda
Lage von Kvilda im Bezirk Prachatice

Kvilda (deutsch Außergefild) ist eine im Okres Prachatice gelegene Böhmerwald-Gemeinde. Sie liegt in der Südböhmischen Region zirka 80 km von deren Hauptstadt České Budějovice entfernt.

Kvilda liegt 7 km östlich der Grenze zu Bayern bei Finsterau/Bučina. Der dortige Grenzübergang, der nicht mit Kraftfahrzeugen befahren werden darf, ist bei Touristen sowohl im Sommer als auch im Winter sehr beliebt. Die Quelle der Warmen Moldau, einer der drei Quellflüsse der Moldau, ist von hier bequem zu erreichen (6 km Waldwanderung). Der nächstgelegene Grenzübergang für Kraftfahrzeuge ist Philippsreut an der B 12 bzw. I/4 (FreyungStrakonice), etwa 22 km südöstlich. 5 km nördlich von Kvilda liegt die Gemeinde Horská Kvilda.

Gemeindegliederung

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Die Gemeinde Kvilda besteht aus den Ortsteilen Bučina (Buchwald), Františkov (Franzensthal), Hraběcí Huť (Grafenhütte), Kvilda und Vydří Most (Wiederbruck).[3] Zu Kvilda gehören außerdem die Wohnplätze Hamerské Domky (Hammerhäuser), Lesní Chalupy (Waldhäuser) und Vilémov (Wilhelmswald) sowie die Wüstungen Chaloupky (Hüttel), Na Mlýnské Mýtině (Froschau, auch Mühlreuterhäuser), Tobiášova huť (Tobiashütte, auch Tafelberger Hütte) und U Tremlů (Tremlhof). Grundsiedlungseinheiten sind Bučina und Kvilda.[4]

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Bučina u Kvildy und Kvilda.[5]

Nachbargemeinden

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Horská Kvilda Nové Hutě
Modrava Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt Borová Lada
Mauther Forst (D)
Kvilda im Böhmerwald

Kvilda liegt am Goldenen Steig, an dem es Ende des 15. Jahrhunderts gegründet wurde.

Nachdem man zuvor zur Pfarrei Unterreichenstein gehört hatte, wurde 1765 die katholische Pfarrkirche gebaut, die St. Stephan geweiht ist. Die Gemeinde wurde zunächst von einem Kaplan-Administrator geleitet. 1786 wurde eine Lokalie eingerichtet.[6] Wie viele Gemeinden in dieser Gegend hatte auch Kvilda seit 1794 ein Glaswerk.

Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden im Ort zwei Betriebe, die bald weit über die Grenzen des Böhmerwalds hinaus bekannt waren. 1820 begann Peter Strunz wegen der außergewöhnlichen Höhenlage des Ortes Resonanzholz für Musikinstrumente herzustellen und wurde bald zum weltweiten Lieferanten für derartige Spezialhölzer und ihre Weiterverarbeitungsprodukte. Um 1850 gründete der aus Kočevje in der Krain stammende Johann Verderber eine Manufaktur für Hinterglasmalerei in Außergefild. Sie produzierte insbesondere Hinterglasbilder mit religiösen Motiven. Im Jahr 1854 erhielt der Ort eine eigene katholische Pfarrei.[6] Die Hinterglas-Manufaktur ging, nach einem Brand 1881, kurze Zeit später 1884 an Gabriel Schuster über. 1889 kam es zu einem Großbrand, dem die Kirche zum Opfer fiel. Nach dieser Katastrophe wurden Kvilda und seine Kirche (diese dann im neugotischen Stil) bis 1894 wieder errichtet.

In Franzensthal befand sich während des Zweiten Weltkrieges eine unterirdische Fertigungsstätte der Messerschmitt AG, die 1941 in der ehemaligen Papierfabrik unter dem Tarnnamen Möbelwerke Franzensthal errichtet wurde.[7] 1945/46 wurden die meisten deutschsprachigen Bewohner vertrieben. Die Firma Strunz siedelte sich nach der Vertreibung 1946 im niederbayerischen Pocking an.

Der Todesmarsch ehemaliger Insassen des Konzentrationslagers Helmbrechts führte am 1. Mai 1945, von Unterreichenstein kommend, vorbei an den Dörfern Innergefild und Wiederbruck nach Außergefild. Auf dem Weg dorthin waren zahlreiche Tote zu beklagen, die etwas abseits des Weges nur verscharrt wurden. Nach der Besetzung des Ortes durch die US-Armee am 8. Mai 1945 mussten am 11. Mai 1945 Bewohner von Außergefild die Leichen ausgraben, in Särge legen und in einem groß angelegten Massengrab bestatten. Der Ort des Geschehens liegt auf dem Wegstück zwischen der Kapelle St. Stephan bzw. dem Treml-Hof und dem Ortseingang Außergefild. Es wurde von der US-Armee auch filmisch dokumentiert.[8]

Seit 1991 liegt die Gemeinde im Nationalpark Šumava, der hier in Ortsmitte ein Informationszentrum betreibt.[9]

Im Rahmen eines Kooperationsprojekts mit dem nahegelegenen Schönbrunn am Lusen wurde in den 2010er Jahren das Ortsmuseum „Muzeum Kvilda“ gegründet, das der Geschichte des Ortes und insbesondere der Hinterglasmalerei gewidmet ist. Sie befindet sich in der ehemaligen Schule neben der Kirche, welche heute als Rathaus dient.[10]

Bis 2013 stand vor der örtlichen Kirche eine 26,5 m hohe Fichte, die der größte lebende Weihnachtsbaum Tschechiens war.[11] Durch Borkenkäferbefall starb diese im Juli 2019 und wurde 2020 durch den Künstler Jiří Nekola zur ca. 3 m hohen Skulptur Šumava umgearbeitet.[12]

Politische und wirtschaftliche Entwicklung

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Gefilde bezeichnet ursprünglich eine im zentralen Böhmerwald gelegene unbesiedelte und mit Wald bedeckte Hochebene.

In der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts vereinigten die Johanniter von Strakonitz das Gebiet um Groß-Zdikau. Bei Groß-Zdikau blieb der größere Teil der Gefilde und bildete mit diesem die Domaine Groß-Zdikau, zu der später Außergefild gehörte. Der kleinere Teil gehörte seit Ende des 14. Jahrhunderts zur freien Bergbaustadt Bergreichenstein, wozu der Ort Innergefild zählte.

Schon früh wurden die Bäche der Umgebung für die Goldgewinnung genutzt, wie auf die dort noch vorhandenen sog. Seifenhügel zurückzuführen ist. Doch eine Besiedlung kam erst mit dem Salzhandel von Bayern nach Böhmen zustande. Das Salz wurde über Passau auf den sog. „Goldenen Steigen“ nach Böhmen transportiert, die quer durch den Böhmerwald führten. Einer dieser Steige ging Richtung Bergreichenstein, und entlang dieses Transportweges ist die Besiedlung der Gefilde anzusetzen.[13]

Außergefild als Teil der Domaine Groß-Zdikau gehörte bis Ende des 19. Jahrhunderts zum Besitz der Herren Mallowetz von Chejnow, auf deren Initiative auch die Ortsgründung beruhte.

Als ältester Ortsteil ist das am Seebach gelegene „Dörfl“ anzusehen, wo den Säumern auf ihrem beschwerliche Weg ein Zwischenaufenthalt geboten wurde. Neben einem Gastwirt hatten sich ein Hufschmied, ein Bäcker, ein Schneider, ein Schuhmacher und ein Müller niedergelassen. Die Siedler waren Deutsche und kamen aus dem nahegelegenen Bayern.

Als gegen Ende des 17. Jahrhunderts das Geschäft mit den Säumern aus Passau von der k.k. Monarchie weitgehend unterbunden wurde, verlor der Ortsteil „Dörfl“ seine Bedeutung. Das Wirtshaus und die Handwerksbetriebe wurden allmählich in das höher gelegene „Dorf“ verlegt, waren aber weiterhin als Erwerbszweige wichtig für die Menschen. Um das Jahr 1700 hielt der Gewerbezweig der Weberei seinen Einzug, was wiederum bedeutete, dass jetzt in der Umgebung Flachs angebaut und in sog. „Brechhäusln“ verarbeitet wurde.[14]

Ackerbau konnte in den Gefilden wegen der klimatischen Verhältnisse auf einer Höhenlage von über 1000 m nur in beschränktem Maße betrieben werden, lediglich Viehzucht spielte eine gewisse Rolle. Deshalb war auch weiterhin die Ansiedlung von Gewerbebetrieben notwendig.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts entstanden auf dem Gebiet der Gemeinde mehrere Glashütten, so die „Bruckhäuserhütte“ (ca. 1765–1820) an der Grenze zu Innergefild, die „Tobiashütte“ oder „Antonihütte“ (1796–1816) südlich von Außergefild, die Grafenhütte (1802–1804 und 1870–1882) und die „Biertopferhütte“ in Franzensthal (1802 – ca. 1820). In diesem Zusammenhang muss auch die im Jahre 1818 von dem aus Krain zugezogenen Michael Verderber und dessen Sohn Johann gegründete Manufaktur für Hinterglasmalerei genannt werden, die den Ort weithin bekannt machte und bis 1881 Bestand hatte.

Holz aus den ausgedehnten Wäldern war der wichtigste Rohstoff für die Bewohner und ihre Gewerbe. Die Wälder waren zwar zunächst ausschließlich im Besitz der adeligen Grundherren, doch wurden den Bauern gewisse Nutzungsrechte zugestanden. Nach der Aufhebung der Patrimonialherrschaft 1848 wurden diese Nutzungsrechte durch Übertragung von Waldbesitz auf die Bauern abgelöst.

In Außergefild entstanden im Laufe der Zeit eine Reihe von Sägewerken, in denen die Stämme zu Schnittholz verarbeitet wurden. Von Bedeutung waren vor allem die Anfang des 19. Jahrhunderts gegründeten Holzwerke Strunz, wo u. a. Tonholz für den Bau von Musikinstrumenten erzeugt wurde. Erwähnt werden muss vor allem die Gründung einer Papierfabrik im Ortsteil Franzensthal im 19. Jahrhundert, die bis in die 30er Jahre Bestand hatte und bis dahin zahlreiche Arbeiter beschäftigte. Auch wurde Holz in Schreinereien und Drechslereien genutzt.

Trotz dieser Entwicklung veranlassten unbefriedigende Erwerbsverhältnisse einen Teil der Bevölkerung eine Beschäftigung in der Fremde zu suchen. So wanderte schon um das Jahr 1840 eine Gruppe von Außergefildern in die Bukowina aus. Später bildeten die Industriezentren von Nordböhmen oder Südwestdeutschland Zielorte für Abwanderer, und auch die Hauptstadt Wien hatte eine erhebliche Anziehungskraft für Arbeitssuchende.

Erwähnt werden muss noch der Zuzug von Mitbewohner jüdischen Glaubens, die hauptsächlich im Handelsgewerbe tätig waren, allerdings gab es bis zu Beginn des 1. Weltkrieges auch einen Arzt der, wie es hieß, mosaischen Glaubens war. Das Ende der jüdischen Ortsbewohner kam mit dem Einmarsch Hitlers in das Sudetenland 1938.[13]

1945/46 endete die deutsche Besiedlung Außergefilds und damit auch deren Gewerbetätigkeit vor Ort. Da kaum neue Ansiedler gefunden werden konnten, änderte sich die wirtschaftliche Struktur des Ortes grundlegend. Gegenwärtig spielt vor allem der Fremdenverkehr eine bedeutende Rolle.[15]

Glashütten im Bereich Außergefild

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Die Bruckhäuserhütte im Ortsteil Wiederbruck
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In dem Buch „Die Glasmacher im Böhmer- und Bayerwald“ von Josef Blau ist die Rede von zwei Mitgliedern der bekannten Glasmacher-Familie Adler, Ignaz und Benedikt, die sich im Jahre 1764 in einer Glashütte bei Innergefild befanden[16]. Da es in Innergefild zu dieser Zeit keine Glashütte gab, kann nur die später so genannte Bruckhäuserhütte, ein paar Schritte von der Grenze zu Innergefild entfernt, aber auf Malowetzer Gebiet gelegen, gemeint sein.

Weiterhin sind in den Matriken von Unterreichenstein, wohin die Gefilde damals kirchlich gehörten, Einträge über einen Johann Josef Fuchs zu verzeichnen, der erstmals 1772 als lat. „vitrarius“ (Glasmacher) in Außergefild 39 (später Wiederbruck 50) eingetragen ist. Dieser Johann Josef Fuchs betrieb zunächst zusammen mit den Adler-Brüdern die dortige Glashütte. Nach dem Wegzug der Familie Adler wurde die Glashütte in Wiederbruck zu einem Familienunternehmen des Johann Josef Fuchs und seiner Nachkommen.[17]

In den Matriken von Klein-Zdikau (Zdikovec) gibt es einen Eintrag vom 27. Juni 1768 über die Eheschließung des Johann Josef Fuchs aus „Gefild“ mit Maria Anna Woldrich aus Stachau. Das Ehepaar wohnte in Wiederbruck 39 (ab 1805 Nr. 50) und hatte zahlreiche Nachkommen.

Dass es sich bei der oben genannten Glashütte in der Folgezeit um ein Familienunternehmen handelte, geht aus der Tatsache hervor, dass zum einen die Söhne Adalbert, Johann Georg und Johann die Berufsbezeichnung „Glasmacher“ oder „Tafelmacher“ tragen und zeitweise auf der Bruckhäuserhütte beschäftigt waren, dass zum andern die Töchter Theresia und Anna Maria „Glasmacher“ oder „Tafelmacher“ heirateten; die Folge war, dass auch die Schwiegersöhne Josef Salveter und Georg Strohmeyer in das Geschäft der Glasherstellung eingebunden waren.[18]

Neben der Glashütte wurde ab dem Jahre 1800 in Wiederbruck auch ein Wirtshaus betrieben. Es trug die Hausnummer 55 (ab 1805: 51). Der erste Wirt war ebenfalls ein Schwiegersohn des Johann Josef Fuchs, nämlich der Ehemann der ältesten Tochter Katharina, Jakob Bauer.

Johann Josef Fuchs starb im Jahre 1805. Doch die Glasmachertradition wurde noch etwa zwei Jahrzehnte von den Söhnen bzw. Schwiegersöhnen weitergeführt. Der jüngste Sohn und letzter Glasmacher und Schankwirt Johann Fuchs von Nr. 51 wird noch 1823 erwähnt. Er wanderte 1827 nach Bayern ab.[19]

Die Tobiashütte oder Tafelberghütte
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Eine andere Glashütte der Familie Adler entstand in einem Waldgebiet südlich von Außergefild. An einer abgelegenen Stelle südöstlich, 3 km von Außergefild entfernt, errichtete im Jahre 1796 Tobias Rafael Adler eine Glashütte, nach dem Pfarrgedenkbuch wurde sie am 22. November des Jahres geweiht.[20] Am bekanntesten ist sie bis heute unter dem Namen des Erbauers als Tobiashütte. Die Hütte stand an erhabenem Orte 1100 m über dem Meeresspiegel am rechten Ufer des Buchwaldbaches gegen Westen des Tafelberges. Im Verzeichnis der Bewohner von der Pfarrgemeinde von Außergefild des Kaplans Josef Dont wird der Name Tafelberghütte verwendet. Häufig wird sie auch unter dem Namen Antonihütte nach dem Namen des Sohnes von Tobias, Anton Adler, benannt. Produziert wurde Hohlglas, auch bemalter Schmuck, einer der Glasmaler war Franz Oppitz. Die in der abgelegenen Hütte erzeugten Gläser waren vor allem für den Export bestimmt. Tobias Rafael Adler starb im Wohnhaus der Hütte am 26. August 1810. Die Glaserzeugung endete von diesem Zeitpunkt an allmählich, die Bemühungen des Anton Adler um Erneuerung der Pacht waren vergeblich. Seit dem Jahre 1816 sind Anton Adler und Frau Juliana mit zwei Kindern aus dem Verzeichnis der Bewohner Außergefilds gestrichen.[14] Die Fläche, auf der die Glashütte betrieben wurde, blieb frei von Wald, sie wurde bis Ende des 19. Jahrhunderts als Wohnbereich und dann bis 1945 als landwirtschaftliche Fläche genutzt.[15]

Die Grafenhütte
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Die Erschließung dieses an der Moldau in östlicher Richtung gelegenen Gewerbegebietes beginnt im Jahre 1802. Im Pfarrgedenkbuch von Außergefild gibt es in diesem Jahre folgenden Eintrag: „In diesem Jahre wurden zwei neue Glashütten errichtet, die eine Außergefildhütte, die andere Biertopfhütte genannt, durch den Grafen von und zu Sickingen, der im Jahre 1799 diese Herrschaft von dem Baron Johann von Malowetz übernommen hatte.“[20] Nach dem Namen des Gründers erhielt der Ortsteil den Namen Grafenhütte.

Doch bereits zwei Jahre nach ihrer Eröffnung war die Grafenhütte wieder erloschen. Der Grund für ihr rasches Ende geht aus folgendem Eintrag aus dem Pfarrgedenkbuch aus dem Jahre 1803 hervor: „In diesem Jahr übernahm der freie Baron, Jakob Wimmer, die Herrschaft über Groß Zdikau von dem Grafen von und zu Sickingen.“ Der neue Grundherr zeigte kein Interesse mehr an der Gründung seines Vorgängers, sodass die Glashütte wieder geschlossen wurden. Grafenhütte wurde in der Folgezeit von Waldarbeitern besiedelt.[13]

Auf dem Gebiet der Siedlung Grafenhütte wurde 1871 eine weitere Glashütte unter dem Namen Aussergefildhütte gegründet. Ihre Gründer waren Johann Kralik, der Kaufmann Michael Roth und der Fabrikbesitzer Josef Strunz. Ab 1875 wird nur noch Josef Strunz erwähnt. Die Glashütte produzierte Flachglas. Strunz betrieb sie bis 1880, danach führte die Firma Johann Lötz Witwe, Klostermühl bei Unterreichenstein die Glasproduktion fort. Diese Firma betrieb die Glashütte bis zu ihrer Stilllegung im Jahre 1888.[21]

Die Biertopfhütte oder Franzensthal
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Die Erschließung dieses an der Moldau in westlicher Richtung gelegenen Gewerbegebietes geschah im Jahre 1802 durch den Grundherrn Graf von Sickingen. Dieser gründete neben der Grafenhütte auch an dieser Stelle eine Glashütte, die Biertopfhütte. Diese existierte noch bis 1818, aber nach 1804 nur mit erheblich verminderter Leistung. Dann war der Ort für längere Zeit unbewohnt.

1852 ließ der neue Domänenbesitzer Franz Graf von Thun-Hohenstein eine neue Hütte erstellen, die jetzt zwei Öfen zur Hohlglaserzeugung heizte. Von dieser nach dem Grafen benannten „Franzenshütte“ leitete sich der Name „Franzensthal“ für die ganze Siedlung ab.

Nachdem die Hütte 1853 abgebrannt und im selben Jahre wieder aufgebaut worden war, wurde sie an die Firma Meyer’s Neffen in Winterberg auf die Dauer von 24 Jahren vom 1. Januar 1854 bis Ende 1877 verpachtet. Bis zum Jahre 1873 hat sie auf einem Ofen Tafelglas und auf dem zweiten Hohlglas erzeugt. 1873 jedoch brannte die Glashütte zum zweiten Male ab. 1876/77 wurde die Franzenthaler Hütte wieder aufgebaut und von dem Winterberger Glasherrn Wilhelm Kralik, Ritter von Mayrswalden, weiter betrieben, dieser starb im Jahre 1877. Die Glashütten Adolf, Franzensthal und Kaltenbach bekamen als Erbe dessen Söhne Karl und Hugo. Nach dem Tode von Hugo von Kralik war Karl von Kralik alleiniger Besitzer der drei Glashütten. Unter dessen Sohn Albert wurden die Hütten von Franzensthal und Kaltenbach aufgelassen. Im Jahre 1890 löschte die Franzensthaler Glashütte für immer ihre Schmelz- und Glasöfen.[22]

Auf dem Gelände der ehemaligen Glashütte wurde zwischen 1897 und 1930 eine Papierfabrik und zwischen 1942 und 1945 eine Fabrik der Messerschmitt-Werke in Regensburg betrieben.[13]

Papierfabrik Franzensthal

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In den Gebäuden der ehemaligen Glashütte Franzensthal begann Jakob Kraus aus Wien 1895 mit der Papiererzeugung. Zwischen 1895 und 1897 ließ er ein neues Fabrikgebäude erbauen. Nach 1912 wurde die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und hieß nun „Vereinigte Papier- und Ultramarinfabriken A. G. Jakob Kraus, Joh. Setzer und N. Schneider“ mit dem Sitz in Wien. 1922 erfolgte die Verlegung der Verwaltung des böhmischen Teiles der Firma nach Prag. Die Gebäude der Firma standen auf zwei Markungen: die Holzschleiferei, das Gasthaus mit Metzgerei und die Arbeiterwohnhäuser standen auf der Markung Außergefild, die Fabrik, das Sägewerk und das Herrenhaus hingegen auf der Gemarkung Kaltenbach. Die Zahl der Beschäftigten schwankte zwischen 170 und 200 Arbeitern und Angestellten. Zugunsten der Waldwirtschaft bezog die Fabrik 10 000-15 000 Raummeter Schleifholz jährlich, und Mitte der zwanziger Jahre belief sich die Kapazität auf durchschnittlich 12 Tonnen Papier pro Tag. Hergestellt wurden die verschiedensten Papiere, darunter auch Buntpapier.

Am 30. April 1930 wurde in Franzensthal das letzte Papier erzeugt. Der damalige Verwaltungsrat in Prag legte den Betrieb still. Das ganze Kontingent wurde an ein Kartell verkauft, welches die Produktion ins Landesinnere der tschechoslowakischen Republik verlegte.[13]

Die Holzwerke Strunz

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Das bekannteste Unternehmen in Außergefild waren die „Holzwerke Strunz“. Als im Jahre 1820 die Zollstelle Richtung Bayern von Außergefild nach Buchwald/Bucina verlegt wurde, erwarb Peter Strunz (1795–1869) aus dem zur Gemeinde Buchwald gehörenden Ort Hüttl/Chaloupky das ehemalige Zollgebäude an der Moldau und errichtete an dieser Stelle eine Brettsäge, aus der die Strunz-Werke von Außergefild hervorgingen. Aus bescheidenen Anfängen heraus baute Peter Strunz sein Unternehmen erfolgreich aus. Um den Absatz seiner Produkte zu fördern knüpfte er Geschäftskontakte bis nach Wien, Leipzig und Hamburg. Sein Sohn Josef Strunz (1856–1895) sowie sein Enkel Adolf Strunz (1895–1938) entwickelten das Werk erfolgreich weiter.

Die Fabrikation war vielseitig, und die Holzwaren fanden im In- und Ausland Absatz. Der Schwerpunkt der Produktion lag auf der Verarbeitung von Klangholz, also Holz für Klavier- und andere Saiteninstrumente, welches auch in größeren Mengen exportiert wurde. Weltbekannte Klavierbauer wie Steinway in Hamburg und New York oder Bechstein in Berlin, Wien und Pilsen und auch Firmen in Frankreich, in der Schweiz, in England, Schweden und anderen Ländern bezogen Tonhölzer von der Firma Strunz. Bei Fachmessen bekamen deren Erzeugnisse Auszeichnungen wie z. B. im Jahre 1890 den Staatspreis in Wien. Daneben gehörten zu den Erzeugnissen der Holzwarenfabrik Bau- und Fichtenschnittholz aller Art, Bretter, Dachschindeln, Siebränder, Holzdraht, Jalousiebrettchen, Rouleauxstäbe, Post- und Bahnkisten, Wagenfett- und Fischkistchen und anderes mehr. Von der Domaine Groß-Zdikau bezog die Firma im Durchschnitte jährlich 70 bis 80 Klafter Resonanz- und 30 bis 40 Klafter Klaviatur- und Siebreifenholz in Stammausschnitten von 2,5 bis 6 Fuß Länge.

Als Antrieb der Gatter- und Kreissägen diente zunächst das Wasser der Moldau, ab 1903 eine Dampfmaschine, die in einem angebauten Gebäude stand. Auch ein großer Holzplatz für die Stapelung des Roh- und Langholzes und ein anderer für die Aufschlichtung der Fertigwaren wurden angelegt. Die Fertigwaren wurden zuerst mit Pferdekutschen, später mit Lastkraftwagen direkt an den Bestimmungsort oder zur nächsten Bahnstation transportiert.

1895 übernahm Sohn Adolf den Besitz. Er vergrößerte und modernisierte die Fabrik. Um- und Ausbauten veränderten 1912 das äußere Bild des Betriebes. Neue Maschinen wie Hobel-, Nagel-, Druck-, Heft- und Schleifmaschinen, Bandsägen und zwei- bis dreispurige Schnittautomaten hielten Einzug mit einer ebenfalls verbesserten Antriebskraft. Zu einer neuen und viel leistungsfähigeren Dampfmaschine kamen Aggregate und eine Turbine zur eigenen Stromerzeugung. Als ältester Betrieb in der Tonholzbranche des Böhmerwaldes spezialisierte man sich auf die Herstellung von Rippenstäben, Rippenholz und Klaviaturholz ausgesuchter Qualität. Die Erzeugnisse der nunmehrigen „Holzwerke Adolf Strunz“ erfuhren abermals höchste Prämierungen. Die Beziehungen zu den Firmen im In- und Ausland wurden verbessert und der Kundenkreis erweitert. Die Firma beschäftigte in erfolgreichen Jahren bis zu 150 Personen.

Im Jahre 1938, kurz vor dem Anschluss des Sudetenlandes an das Deutsche Reich, verstarb Adolf Strunz. Da ein männlicher Nachkomme fehlte, hinterließ er den gesamten Besitz seiner Tochter Herta und ihrem Manne Carl Hilz aus Neuhütte bei Mauth. Als Sohn einer angesehenen Familie in Bayern erschloss dieser neue Wirtschaftsbeziehungen und entwickelte eine moderne innerbetriebliche Organisation.[13][23]

1945 wurden die deutschen Besitzer vom tschechoslowakischen Staat enteignet. Der Betrieb wurden zunächst von tschechischen Verwaltern weiter betrieben. 1947 brach ein Feuer aus, wodurch nicht nur die wichtigsten Gebäude, sondern auch die Lagerbestände vernichtet wurden. Zwar wurde ein neues Werk errichtet, welches aber wegen unbefriedigender Ergebnisse 1951 geschlossen wurde.[24]

Wenn auch das Stammhaus in Außergefild einen solchen Niedergang erfahren musste, so bedeutete dies noch nicht den Untergang der Firma selbst. Der frühere Inhaber Carl Hilz erwarb im Jahre 1950 in Pocking in Niederbayern ein Grundstück und errichtete eine neue Fabrik, die Resonanzböden aller Art, Klaviaturentafeln, Stimmstöcke, Resonanz-, Rippen- und Klaviaturenholz, also vornehmlich Tonhölzer, produziert. Wie im Böhmerwald firmierte sie wieder unter „Holzwerke Adolf Strunz, Inh. Carl Hilz, Pocking“, und konnte im Jahre 2020 auf ein 200-jähriges Bestehen zurückblicken.[13]

Die Hinterglasmalerei Verderber

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Der Ort Außergefild wurde im 19. Jahrhundert durch die hier betriebene Hinterglasmalerei weithin bekannt. Ein aus Krain in Slowenien stammender Hausierer namens Michael Verderber wurde im Jahre 1792 durch Heirat am Ort Außergefild sesshaft. 1793 wurde Johann, der einzige Sohn der Familie geboren. Bis zum Jahre 1803 war Michael Verderber als Waldaufseher bei der Herrschaft von Groß Zdikau angestellt. Doch war die Familie zwischen 1803 und 1818 an einen anderen Ort gezogen. Vater und Sohn hatten in dieser Zeit Kontakt mit Hinterglasmalern aus dem bayerischen Raimundsreuth aufgenommen und dort das Handwerk der Hinterglasmalerei erlernt, denn im Jahre 1818 erschien die Familie wieder in Außergefild im Haus Nr. 9 und später im Haus Nr. 14, und Vater und Sohn trugen jetzt die Bezeichnung „Bildermaler“, das heißt sie hatten gemeinsam eine Werkstatt für Hinterglasmalerei errichtet. Da Vater Michael bereits 1843 verstarb, wurde die Werkstatt von Johann Verderber allein weitergeführt.[14]

Inhalt der erzeugten Bilder waren religiöse Motive nach der Bibel oder nach Überlieferungen aus dem Leben der Heiligen, welche von den „Künstlern“ phantsievoll entworfen und ausgestaltet wurden. Die Bilder waren von einfachen Leuten geschätzt und wurden an diese in großer Zahl von Hausierern, den sog. „Kranern“, veräußert. Eine Vielzahl der Bilder wurde von den Bewohnern des Ortes in Heimarbeit hergestellt. Allerdings hat der Schriftsteller Josef Meßner (1822–1862) eine Beschreibung hinterlassen, wie Bilder auch von Behinderten serienmäßig in der Verderberschen Werkstatt produziert wurden.

„(…) Ein Teil der so Beschäftigten war demnach als ‚Umrisszeichner, Verzierer und Entwerfer‘ tätig, ein anderer ‚als Ausfüller‘, und zwar also: Einer oder mehrere haben die grüne Farbe auf die Ritterstiefel, einige die auf das Gras und die Bäume, einige die auf die Helmfedern, andere die rote zu den Backen, andere zu den Mänteln, andere zu den blutenden Wunden usw.; einige malen bloß Augen, einige malen bloß Nasenlöcher, andere Finger, andere Haare, manche Ohren, manche Heiligenscheine usw.; Jeder hat sein Fach und die Bildelfabrik des Herrn Verderber ist so eingerichtet, dass, wenn ein Besucher bei der Türe der Anstalt eintritt, wo die leeren Ausschusstafeln aus-, und die bemalten Bildeln eingepackt werden, er zuerst zu den Rahmenleistenmachern kommt, von denen er, fortgehend von einem der Künstler zum anderen, das Wachsen und Gedeihen des Bildes verfolgen kann, bis er ohne anzuhalten wieder zugleich mit dem vollendeten Gemälde an der Türe ankommt. (...)“[25]

Nach dem Tod von Johann Verderber im Jahre 1870 führte Sohn Franz das Geschäft bis 1881 weiter, als ein Brand das Anwesen Verderber einäscherte und damit dem Unternehmen „Hinterglasmalerei von Außergefild“ ein Ende bereitete. Von der Familie Verderber blieb nur noch der Name in Erinnerung. Doch die zwischen 1818 und 1881 betriebene Hinterglasmalerei hatte den Ort Außergefild weithin bekannt gemacht, und die Bilder sind inzwischen auch in Museen als Gegenstände der religiösen Volkskunst geschätzt.[26]

Kirchliche Verhältnisse

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Das gegen Ende des 16. Jahrhunderts gegründete Dorf Außergefild gehörte kirchlicherseits zunächst zur Gemeinde von Bergreichenstein, nach 1680 zu Unterreichenstein. Organisation und Aufsicht lagen bei der Diözese Prag, ab 1786 bei neu gegründeten Diözese Budweis.

Da der Weg zur Kirche nach Unterreichenstein für die Bewohner sehr beschwerlich war, wurde 1765 in Außergefild die erste hölzerne Kirche ganz erbaut, nachdem schon 1709 wurde zwischen Außergefild und Innnergefild eine Kapelle errichtet worden war. Beide Gotteshäuser waren dem Hl. Stephan geweiht. Mit dem Bau der Kirche ging die Gründung einer Lokalie einher, die ab 1784 eigene Matriken führen durfte und 1854 zur Pfarrei erhoben wurde.

Durch die Gründung weiterer Ortschaften und Glashütten in der Umgebung breitete sich der Seelsorgebereich der Gemeinde immer weiter aus; neben den neu entstandenen Dominikaldörfern Buchwald und Wiederbruck mussten auch die Orte Innergefild, Philippshütte, Mader sowie die neu entstandenen Glashütten von Antigl, Goldbrunn, Biertopfhütte, Antonihütte und Grafenhütte betreut werden. Zwischen 1794 und 1804 gehörte sogar die Gemeinde Chinitz-Tettau zur Lokalie von Außergefild, welche dann aber wegen der kürzeren Entfernung zu Rehberg geschlagen wurde. Buchwald gehörte ab 1827 zur Gemeinde Fürstenhut.

1889 zerstörte ein Dorfbrand die alte hölzerne Kirche. An ihre Stelle trat schon 1892 ein Neubau im neugotischen Stil, der heute noch besteht.[20]

Mit der der Abschiebung der Deutschen 1945/46 wurde auch das Ende der Kirchengemeinde von Außergefild eingeläutet. Die Kirche war zunächst dem Verfall preisgegeben, wurde zu Anfang der Siebzigerjahre jedoch restauriert, nachdem bereits 1960 die genannte Kapelle nach 250-jährigem Bestehen abgerissen und 1978 der Friedhof eingeebnet worden waren. Nach den politischen Veränderungen von 1989/90 wurden die noch vorhandenen Grabsteine wieder auf dem ehemaligen Friedhof platziert. Heute dient die Kirche als Raum für Gottesdienste und Konzerte.

Die älteste Nachricht über eine Schule in Außergefild geht auf einen Eintrag des Kaplans Joseph Thomas Waniek im Pfarrgedenkbuch aus dem Jahre 1768 zurück: „Errichtet wurde unter meiner Mitwirkung auf Kosten der Gemeinde an diesem Ort eine Schule zur Unterweisung und Erziehung der Kinder, denn zuvor unterrichtete der Lehrer in den Häusern und Hütten der Bewohner des Ortes Außergefild.“[20] Das Schulgebäude wurde direkt neben der 1765 erbauten Kirche erbaut und erhielt die Haus-Nr. 17.

Unter Kaiserin Maria Theresia trat 1774 in Kraft die „Allgemeine Schulordnung für Österreich“ in Kraft, die die Errichtung von „Trivialschulen (ein- und zweiklassige Landschulen) bei jeder Pfarre und abgelegenen Filialkirche“ forderte. Das Reichsvolksschulgesetz vom Jahre 1869 modernisierte das Schulwesen in der k.k Monarchie. Es hat mit der achtjährigen allgemeinen Schulpflicht auch die Bürgerschule eingeführt.

Um den Kindern aus dem mehrere Kilometer entfernten Franzensthal den langen Schulweg zu ersparen, wurde hier im Jahre 1860 eine Expositur errichtet, wo in den folgenden Jahren von November bis April der Unterricht stattfand. 1874 wurde im Haus Nr. 34 ein zusätzlicher Schulraum geschaffen.

1887 wurde in Außergefild das alte Schulhaus neben der Kirche abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt, der mehr Raum für weitere Klassenräume bot, welcher zwar beim Großbrand 1889 zerstört, aber bald darauf wieder aufgebaut und aufgestockt wurde, sodass in vier Klassen zu jeweils zwei Abteilungen unterrichtet werden konnte. Das auf den vorhandenen Grundfesten aufgestockte neue Schulgebäude bekam 1892 die Form, wie sie nach einer 1930 erfolgten Instandsetzung bis 1945 erhalten blieb. Es umfasste auch eine Lehrerwohnung und ein Lehrmittelzimmer mit Bücherei. 1934 wurde für die am Ort ansässigen tschechische Kinder im Saal des Gemeindehauses eine tschechische Minderheitsschule eingerichtet, die bis 1938 bestand.[13]

Nachdem 1945 die deutsche Schule endgültig geschlossen worden war, wurde erneut eine tschechische Schule eingerichtet, die bis 1994 bestand. Das Gebäude wird seitdem als Gemeindeamt genutzt, die Außergefilder Kinder werden an einem anderen Ort unterrichtet.[15]

Volkszählungsergebnisse

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In den Volkszählungen von 1869 bis 1930 wurden zwischen 1426 und 1768 Einwohner in 113 bis 193 Häusern auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde gezählt. Wobei um 1000 davon in Kvilda und um 400 davon in Bučina wohnten.[27]

In der Volkszählung 1950 wurden 204 Einwohner gezählt. Nach einem kurzen Ansteigen auf 227 Einwohner 1961 ging diese anschließend immer weiter zurück bis auf 163 im Jahr 2011. Diese wohnen praktisch vollständig im Dorf Kvilda.[27] Im Gegensatz dazu steht die Entwicklung im Tourismus. Hier stieg die Anzahl der Übernachtungsmöglichkeiten von 573 Betten in 17 Betrieben im Jahr 2012[28] auf Bis634 Betten in 20 Betrieben 2023 an.[29] Die Übernachtungs- und Gästezahlen stiegen im gleichen Zeitraum von 33.019 bzw. 10.369 auf 42.860 bzw. 13.548 an.[30]

Schloss Wilhelmswald

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Die Gegend um Außergefild gehörte seit dem 16. Jahrhundert zur Herrschaft der Malowetzer von Groß-Zdikau. Im Jahre 1799 wurde der Besitz der Malowetzer in ein sog. Allodialgut umgewandelt. Von da an wechselte das Gut mehrmals den Besitzer. Ihre Namen: Graf von Sickingen, Jakob Wimmer, Graf Palffy u. a., zuletzt ab 1846 Graf Thun von Hohenstein, der den Besitz bis zur Bodenreform nach dem Ersten Weltkrieg innehatte.

Im Jahre 1837 kaufte der oben genannte Graf Palffy von Erdöd den Besitz, von ihm gelangte das Gut am 12. Mai 1841 an Wilhelm Graf Wurmbrandt-Stuppach. Der neue Besitzer begann mit dem Bau der Landstraße von Neuhof über Planie nach Außergefild und ließ links der Moldau am südlichen Hang ein hölzernes Jagdschlösschen erbauen. Das zweigeschossige Schloss, ganz aus Holz und Glas, bekam nach dem Erbauer den Namen Wilhelmswald (Vilémov). Doch schon kurz nach Beendigung der Bauten am Schloss brannte ein ganzer Flügel nieder, und nach dessen Wiederherstellung kam es im Jahre 1872 zu einem weiteren Brand, als ein Teil des Wohngebäudes und der Ställe vernichtet wurde.

Im Jahre 1846 ging die Herrschaft von Groß-Zdikau auf Graf Franz Thun-Hohenstein über. Dieser verkaufte das beschädigte Schloss im Jahre 1889 an den ortsansässigen Unternehmer Josef Strunz, der das Holz aus dem Schloss zur Erweiterung seines Hauses Nr. 34 nutzte. Alte Dokumente zeigen noch die Lage und die Umrisse des Schlosses. Leider ist außer dem Namen nichts davon erhalten geblieben.[13]

In dem von Joseph Wenzig und Johann Krejçi 1860 herausgegebenen Werk „Der Böhmerwald – Natur und Mensch“ wird das Schloss folgendermaßen beschrieben:

„[…] Überrascht wird man in dem mit dem farbigsten Wald- und Wiesengrün prangenden Außergefild dadurch, dass hier alles von Holz ist, nicht nur die Häuser, auch die Kirche, auch das von Graf Wurmbrand erbaute, jetzt dem hochverehrten Grafen von Thun-Hohenstein gehörige Schloss. Es ist in der Tat ganz aus Holz gezimmert, nach Schweizerart höchst zierlich und geschmackvoll angelegt, hat zwei Stockwerke und erhebt sich samt Park über einer Tiefe, durch welche der Schwarzbach (Moldau) rauscht. Ein genialer Gedanke war es, ein solches Schloss zu schaffen, das vielleicht nirgend seines Gleichen findet; zu bedauern ist nur, dass es bei der Höhe, zu welcher es mit seinen zwei Stockwerken, im Gegensatze zu den übrigen Wohnungen der Gegend, ansteigt, den Stürmen um desto mehr preisgegeben ist. […]“[31]

Der Teilort Wiederbruck

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Der Teilort Wiederbruck (auch „Widrabruck“ oder „Bruckhäuser“, tschechisch „Vidry most“) wurde an der Grenze zwischen Außergefild und Innergefild erbaut.[13] Obwohl die Siedlung unmittelbar das Dorf Innergefild anschließt, gehörte diese politisch zur Gemeinde Außergefild (ca. 5 km entfernt). Der Grund liegt in der seit Alters her bestehenden Grenze zwischen den beiden Gefilden, die der Gefilderbach (auch Hammerbach oder Widrabach genannt) darstellt. Der Name ist auf die dort bestehende Brücke zurückzuführen und deutet auf einen Ort hin, der an der Brücke über den Widrabach entstand. Kirchlich gehörte das Dorf zur seit 1765 bestehenden Kaplanei und späteren Pfarrei Außergefild.

Die Gründung des Ortes lässt sich auf eine an der Grenze zu Innergefild zwischen ca. 1765 und 1820 bestehende Glashütte zurückführen, welche „Bruckhäuserhütte“[14] genannt wurde und lange Zeit von der Familie namens „Fuchs“ betrieben wurde. Um die Hütte siedelten auf der durch Rodung freigewordenen Fläche zunächst aus Außergefild stammende Häusler. Diese waren nach der ursprünglichen Zählung (in Klammern die spätere Zählung): Hausnummer 37 (52): Hones; 38 (53): Praschl; 39 (50): Fuchs; 40 (54): Neuburger;41 (55): Mandl; 42 (49): Koch; (51) Fuchs, später Mandl. Nr. 51 wurde bis 1945 als Gasthaus betrieben.[14]

Die Bewohner lebten entweder von einer kleinen Landwirtschaft oder sie verdingten sich als Waldarbeiter. Auch spielte Heimarbeit eine Rolle (Herstellung von Holzschuhen oder andere Schnitzarbeiten). Da ihnen die Heimat oft nicht das nötige Auskommen bot, wanderten manche, zusammen mit Bewohnern der Gemeinde Außergefild, in die Bukowina (um 1840)[32] oder später in die nordböhmischen Industriegebiete ab.[33]

Das Dorf ist auf beiden Seiten vom sog. Seefilz umgeben, hier wurde zuweilen von den Bewohnern Torf als Heizmaterial abgebaut. Heute steht der Seefilz unter Naturschutz und ist Teil des Nationalparks Šumava. Neue Häuser dürfen auf Grund dessen nicht gebaut werden.[15]

Im Jahre 1946 wurden in Wiederbruck insgesamt 23 Häuser gezählt, die Einwohnerzahl betrug ungefähr 120 Personen. Die Bewohner deutscher Nationalität wurden wie die von Außergefild im Jahre 1946 ausgesiedelt. Bis auf 2 noch bestehende Gebäude sind nach 1948 alle Häuser verschwunden.[13]

Sehenswürdigkeiten

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Die Gemeinde Kvilda hat ein ähnliches Heimatmuseum im Rathaus eingerichtet, das wie die Museumsräume in Mauth vor allem an die Tradition des Ortes als Hochburg der Hinterglasmalerei, der Herstellung von Resonanzhölzern für Musikinstrumente und des Skisports und Fremdenverkehrs erinnert.

Im Jahr 2001 legte der Prager Unternehmer und ehemalige Sportler Václav Vitovec in Kvilda den Grundstein für ein von ihm geplantes Museum für den Eisernen Vorhang, das an die bis 1989 von den kommunistischen Regimen Tschechiens und der Sowjetunion hermetisch abgeriegelte Grenze zu Westeuropa erinnern soll. Die Bauarbeiten für das Museum kamen bis 2006 allerdings nicht über die Grundsteinlegung hinaus.

Kvilda ist die erste Ortschaft am Oberlauf der Warmen Moldau. Das Dorf ist auch ein Thema in der sinfonischen Dichtung Die Moldau aus dem Zyklus Mein Vaterland des böhmischen Komponisten Bedřich Smetana (1824–1884). In einer Melodie werden die tanzenden Elfen in den Moldauauen und mit Tanzmusik (Polka) ein Fest der Menschen beschrieben, die Bauernhochzeit. Heute ist Kvilda Fremdenverkehrsort und touristisches Zentrum des tschechischen Biosphärenreservats Šumava.

Hinter der katholischen Pfarrkirche St. Stephan liegen Reste des Friedhofs, der Anfang der 1980er Jahre fast vollständig beseitigt wurde. Nachdem die Kirche in der Nachkriegszeit verfallen war, wurde sie nach der Wende von 1994 bis 1999 mit Hilfe deutscher Spenden renoviert. In der bayerischen Gemeinde Mauth, etwa 10 km von Kvilda entfernt, gibt es im örtlichen Rathaus ein kleines Heimatmuseum, das vor 1989 von der Gemeinschaft der ehemaligen Außergefilder eingerichtet wurde. Die Gemeinde Mauth richtet alle zwei Jahre ein Heimattreffen der ehemaligen Außergefilder aus, die über das ganze Bundesgebiet verstreut, überwiegend aber im Raum Schwandorf und Regensburg leben.

Kvilda bei Schnee

Wirtschaft und Infrastruktur

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Der Ort ist ganz auf Wintersport und Sommertouristik ausgerichtet. Von hier gibt es mehrere markierte Wanderwege und in Ortsnähe Skilifte. Daneben gibt es Besuchereinrichtungen des Nationalparks.

Von Kvilda aus führt der Weg über den Goldenen Steig nach Bayern. 1990 wurde zwischen Kvilda und der bayerischen Ortschaft Finsterau ein Fußgängerübergang eröffnet. Dort existiert auch ein Grenzübergang, der von Radfahrern und Fußgängern benutzt werden kann. Er ist in beiden Ländern durch Tourismusbuslinien angebunden.

Durch Kvilda treffen sich die Straßen 1. Ordnung I/167 von Horní Vltavice und I/169 von Rejštejn. Von diesen zweigt die Straße nach Modrava und Srní ab.

Kvilda (Außergefild) war nach 1950 Kulisse für mehrere aufwändige tschechische Filme[15]:

  • 1959 Král Šumavy, dt. Könige des Böhmerwaldes. In diesem Film geht es um eine Episode aus dem Jahr 1948. Der von den Deutschen 1946 verlassene Ort wird jetzt von der tschechischen Grenzarmee als Stützpunkt genutzt. Neben der Handlung wird der erbärmliche Zustand der einst blühenden deutschen Marktgemeinde deutlich.
  • Zwischen 1978 und 1980 entstand eine tschechische Filmtriologie mit Kvilda (Außergefild) und Umgebung wiederum als Filmkulisse. Inhalt ist jeweils der Ferienbesuch eines Jungen aus Prag bei seinem Großvater, einem Förster. Der Film zeichnet ein ganz anderes Bild der Gemeinde als der erstgenannte Film. Die Zerstörungen der Nachkriegszeit sind weitgehend beseitigt, eine militärische Präsenz ist nicht mehr wahrzunehmen, der Blick ist besonders auf die herrliche Natur des Böhmerwaldes gerichtet.
    • 1978 Pod Jezevčí skálou, dt. Unter dem Dachsfelsen
    • 1979 Na pytlácké stezce, dt. Auf der Spur des Wilderers
    • 1980 Za trnkovým keřem, dt. Hinter dem Dornenstrauch

Für die folgenden Filme war teilweise Kvilda Drehort[34]:

  • 1967 Markéta Lazarová
  • 1971 Černý vlk
  • 1976 Boty piné vody

Persönlichkeiten

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  • Johann Verderber (1793–1870), gründete 1818 gemeinsam mit seinem aus der Krain zugewanderten Vater Michael Verderber eine Werkstatt für Hinterglasmalerei
  • Josef Strunz (1823–1907), Gründer der Strunzwerke von Außergefild, Sägewerke, u. a. Herstellung von Tonholz für Instrumente
  • Msgr. Dr. Johann Praschl (1872–1939), Prof. der Theologie und Kunstgeschichte, Domkapitular der Diözese Budweis
  • Prof. Karl Degner (1879–1928), Priester, akad. Maler; *Teilort Wiederbruck, +Wien
  • Josef Degner (1913–1998), Holzbildhauer; *Teilort Wiederbruck, +Aidenbach b. Vilshofen
  • Karl Schuster: Ortsgeschichte von Außergefild, Karlsbad-Drahowitz 1937
  • Gustav Schuster u. a.: Gefild unter den schwarzen Bergen, Aalen 1978
  • Dr. Raimund Schuster, Hinterglasbilder aus Außergefild im Böhmerwald, Morsak Grafenau 1980
  • Jaroslava Vávrová: Kapitoly z minulosti Kvildy, Kvilda 2005
  • Franz W. Randak: Oben in den Gefilden im Herzen des Böhmerwaldes, Eigenverlag Pfarrgemeinde Außergefild 2010
  • Adolf Weishäupl: Die Gefilde, Eigenverlag 2023
Commons: Kvilda – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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  1. uir.cz
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2023 (PDF; 602 kB)
  3. uir.cz
  4. uir.cz
  5. uir.cz
  6. 1 2 Aussergefild, sudetendeutsche-familienforscher.de
  7. Příběhy ze Šumavy (Memento vom 20. Januar 2015 im Internet Archive)
  8. Todesmarsch Helmbrechts-Volary
  9. Informationszentrum Kvilda
  10. muzeumkvilda.cz
  11. Pavel Pechoušek: Kvilda už má připravený nejvyšší vánoční strom v České republice. Možná i na světě! In: npsumava.cz. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 13. April 2014; abgerufen am 13. April 2014 (tschechisch).
  12. David Nebor: Napadl ho kůrovec, a tak je z nejvyššího vánočního stromu v Kvildě socha. In: iDNES.cz. 10. August 2020, abgerufen am 4. Mai 2025.
  13. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 Gustav Schuster u. a.: Gefild unter den schwarzen Bergen, Aalen 1978
  14. 1 2 3 4 5 Verzeichnisse des Lokalkaplans Joseph Dont aus den Jahren 1793–1820 (Liber Status Animarum Localiae Ausergefildensis) über die Häuser und Bewohner der Kirchengemeinde von Außergefild, SokA Prachatice.
  15. 1 2 3 4 5 Jaroslava Vávrová: Kapitoly z minulosti Kvildy, Kvilda 2005
  16. Josef Blau, Die Glasmacher im Böhmer- und Bayerwald, 2 Bd., Reprint Grafenau 1984
  17. Kirchliche Matriken von Unterreichenstein, Archiv Pilsen
  18. Kirchliche Matriken von Zdikovec, Archiv Trebon
  19. Einwohnerverzeichnis des Kaplan Josef Dont, Archiv von Prachatitz 1793–1820
  20. 1 2 3 4 Pfarrchronik Außergefild 1765–1945, heute im Kreisarchiv im Prachatitz
  21. Jaroslava Vávrová: Kapitoly z minulosti Kvildy, Kvilda 2005
  22. Fritz Pimmer: Winterberg im Böhmerwald, Freyung 1987, S. 91 ff.
  23. Karl Schuster: Ortsgeschichte von Außergefild, Karlsbad-Drahowitz 1937
  24. Jaroslava Vávrová: Kapitoly z minulosti Kvildy, Kvilda 2005
  25. Josef Meßner, Hantierer im Böhmerwalde, Szenen aus dem Waldleben, Neuer illustrierter Volkskalender (Wien) 1856
  26. Dr. Raimund Schuster, Hinterglasbilder aus Außergefild im Böhmerwald, Morsak Grafenau 1980
  27. 1 2 Historický lexikon obcí České republiky - 1869 - 2011 Okres Prachatice
  28. Capacity of accommodation establishments by category 2012, czso.cz
  29. Capacity of accommodation establishments by category 2023, czso.cz
  30. Occupancy in collective accommodation establishments, czso.cz
  31. Joseph Wenzig und Johann Krejçi, Der Böhmerwald – Natur und Mensch, Prag 1860
  32. Adolf Weishäupl: Die Gefilde, Eigenverlag 2023
  33. Tief im Böhmerwald Innergefild Innergefilder Gemeindechronik
  34. Jaroslava Vávrová: Kapitoly z minulosti Kvildy, Kvilda 2005, S. 109