Philippsreut

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Philippsreut
Philippsreut
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Philippsreut hervorgehoben
Koordinaten: 48° 52′ N, 13° 41′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Niederbayern
Landkreis: Freyung-Grafenau
Verwaltungs­gemeinschaft: Hinterschmiding
Höhe: 981 m ü. NHN
Fläche: 10,16 km²
Einwohner: 660 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 65 Einwohner je km²
Postleitzahl: 94158
Vorwahlen: 08550 (Philippsreut), 08557 (Mitterfirmiansreut)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: FRG, GRA, WOS
Gemeindeschlüssel: 09 2 72 139
Gemeindegliederung: 6 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Dorfplatz 23
94146 Hinterschmiding
Webpräsenz: www.philippsreut.de
Bürgermeister: Helmut Knaus (BP/FW)
Lage der Gemeinde Philippsreut im Landkreis Freyung-Grafenau
Landkreis Regen Landkreis Deggendorf Landkreis Passau Schöfweg Waldhäuserwald Schönbrunner Wald Schlichtenberger Wald Sankt Oswald Pleckensteiner Wald Philippsreuter Wald Mauther Forst Spiegelau Graineter Wald Annathaler Wald Zenting Waldkirchen Thurmansbang Spiegelau Schönberg (Niederbayern) Neuschönau Sankt Oswald-Riedlhütte Saldenburg Röhrnbach Ringelai Philippsreut Perlesreut Neureichenau Mauth Jandelsbrunn Innernzell Hohenau (Niederbayern) Hinterschmiding Grainet Grafenau (Niederbayern) Fürsteneck Freyung Eppenschlag Schöfweg Leopoldsreuter Wald Frauenberger u. Duschlberger Wald Haidmühle Österreich TschechienKarte
Über dieses Bild

Philippsreut ist eine Gemeinde im niederbayerischen Landkreis Freyung-Grafenau und Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Hinterschmiding. Sie ist ein staatlich anerkannter Erholungsort.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick vom Haidel auf Philippsreut
Die katholische Expositurkirche St. Karl Borromäus

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt in der Region Donau-Wald im unteren Bayerischen Wald direkt an der Grenze zu Tschechien (CZ) an der Glasstraße 15 km nordöstlich der Kreisstadt Freyung. Das auf dem Gemeindegebiet liegende Skizentrum Mitterfirmiansreut rund um den 1140 Meter hohen Almberg ist ein beliebtes Urlaubsziel. Durch die hohe Lage der Ortschaft auf einem freien Höhenrücken herrscht hier ein ziemlich raues Klima, welches besonders durch den kalten Nordostwind, von den Einheimischen Böhmwind genannt, beeinflusst wird.

Durch die Gemeinde verläuft die Wasserscheide zwischen Donau (Schwarzes Meer) und Moldau (Nordsee); auf die Wasserscheide verweist ein Denkmal kurz vor der Ortseinfahrt aus Richtung Freyung rechts.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt sechs Ortsteile[2]:

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort im ehemaligen Hochstift Passau wurde 1803 mit dem größten Teil des Hochstiftsgebietes zugunsten des Erzherzogs Ferdinand von Toskana säkularisiert und fiel erst 1805 mit den Friedensverträgen von Brünn und Preßburg an Bayern. Der Ort entstand aus einer Tränkstelle am ehemaligen „Mittleren Goldenen Steig“ oder „Winterberger Weg“, dem einst bedeutendsten Handelsweg Süddeutschlands. Der Ort wurde 1692 auf Anordnung des Passauer Fürstbischofs Johann PHILIPP von Lamberg (reg.1689–1712) als „Kleinphilippsreut“ gegründet. (Der Ort Mauth wurde früher Grossphilippsreut genannt).

Die Dörfer Vorder-, Mitter- und Hinterfirmiansreut wurden 1764 vom Passauer Fürstbischof Leopold Ernst Kardinal von Firmian (1763–1783) gegründet.

Am 1. Juli 1936 wurde die Gemeinde Kleinphilippsreut amtlich in Philippsreut umbenannt.[3]

Bis 1945 gehörte auch die ehemalige Glashüttensiedlung Schwarzenthal zur Gemeinde Philippsreut.

Schneekirche Mitterfirmiansreut

Im Jahre 1911 wurde der Ort bekannt, als mit dem Bau einer Kirche aus Schnee in Mitterfirmiansreut auf den seelsorglichen Notstand in der schneereichen Gegend hingewiesen wurde. Im Winter 2011/2012 wurde im Gedenken an diese Protestaktion neuerlich eine Schneekirche errichtet. Wegen Schneemangels verzögerte sich die Fertigstellung. Bis Anfang Februar 2012 wurden schon rund 10.000 Besucher gezählt.[4][5] Der Landesverband Bayern des Bundes Deutscher Architekten zeichnete die temporäre Kirche nachträglich, als sie schon geschmolzen war, mit dem BDA Preis Bayern 2013 in der Kategorie Soziales Engagement aus.[6]

Die Expositur Philippsreut wurde zum 1. Januar 1928 errichtet. Die ursprüngliche Expositurkirche wurde durch einen Granateneinschlag Ende April 1945 vollständig zerstört. Die heutige Kirche erbaute man in den Jahren 1946 bis 1950. Sie ist die einzige Kirche im Bistum Passau, die dem Heiligen Karl Borromäus, Bischof von Mailand, geweiht ist. Zum Pfarrsprengel gehören die Orte Philippsreut, Vorderfirmiansreut und Marchhäuser.

Seit 1930 besteht die Expositur Mitterfirmiansreut. Die Expositurkirche St. Josef wurde 1923 erbaut und 1932 durch das Presbyterium erweitert. Zum Sprengel der Expositur St. Josef Mitterfirmiansreut gehören die Orte Mitter- und Hinterfirmiansreut, Alpe und Neuhäusl.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1945 oder 1946 wurde ein Teil der aufgelösten Gemeinde Annathal eingegliedert.[7]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1970: 738 Einwohner
  • 1987: 715 Einwohner
  • 2000: 785 Einwohner
  • 2011: 711 Einwohner
  • 2014: 668 Einwohner

Im Ort selbst gab es früher viele Musikanten, die von Dorf zu Dorf und Fest zu Fest zogen. Für ein paar Pfennige spielten sie dort auf. Daher stammt der frühere Name im Volksmund Pfenniggeigerhäuser.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rathaus (Gemeindeamt) von Philippsreut

Die Gemeinderatswahl 2014 wurde für ungültig erklärt und muss wiederholt werden.[8]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister ist seit 1996 Alfred Schraml (CSU), der bei der Kommunalwahl 2008 im ersten Wahlgang mit 64,13 % gewählt wurde. 2. Bürgermeister ist seit Mai 2008 Christian Weishäupl (CSU), der bei der Kommunalwahl am 2. März 2008 die meisten Stimmen auf sich vereinen konnte. Er wurde bei der konstituierenden Sitzung am 9. Mai 2008 mit 7:2 Stimmen gegen Manfred Kellhammer (BP/FW) gewählt.

Die Gemeinde Philippsreut besteht seit 1946 in ihrer heutigen Form. Folgende Bürgermeister prägten die Gemeindegeschichte:

  • Josef Schrottenbaum aus Philippsreut 1946–1948
  • Franz Friedsam aus Philippsreut 1948–1954
  • Leopold Denk aus Mitterfirmiansreut 1954–1960
  • Johann Blöchl aus Philippsreut 1960–1970
  • Otto Damasko aus Philippsreut 1970–1996
  • Alfred Schraml aus Philippsreut 1996–2014
  • Helmut Knaus aus Hinterfirmiansreut seit 2014

Finanzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 1999 umgerechnet 212.000 €; davon betrugen die Gewerbesteuereinnahmen (netto) umgerechnet 29.000 €.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wappenbeschreibung lautet: Durch einen schmalen silbernen Wellenbalken geteilt von Rot und Grün; oben schräg gekreuzt zwei goldene Bischofsstäbe, unten drei aus dem Schildrand wachsende silberne Nadelbäume. Die Gemeinde führt das Wappen seit 1966.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindepatenschaften bestehen mit den heimatvertriebenen Böhmerwäldlern aus den Orten Obermoldau, Pfefferschlag, Neugebäu und Landstrassen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tussetkapelle in Philippsreut als originalgetreuer Nachbau der Kapelle am Tussetberg/CZ, Mittelpunkt der jährlich am 15. August stattfindenden Wallfahrt zum Gnadenbild der Gottesmutter von Tusset
  • 300-jährige Linde in Hinterfirmiansreut
  • Aussichtsfelsen auf dem Almberg
  • Pfarrkirche St. Karl Borromäus in Philippsreut
  • Expositurkirche St. Josef in Mitterfirmiansreut
  • Bruder-Konrad-Kapelle auf der Alm

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liste der Baudenkmäler in Philippsreut

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die größten Vereine der Gemeinde Philippsreut sind der Wintersportverein Mitterfirmiansreut e. V., die beiden Freiwilligen Feuerwehren Philippsreut und Mitterfirmiansreut, die Schützengilde Philippsreut, der Schützenverein Edelweiß-Alm Mitterfirmiansreut, die Bergwachtbereitschaft Wolfstein, der Sportverein Philippsreut, der Soldaten- und Kriegerverein Philippsreut, der Geflügelzuchtverein Vorderfirmiansreut sowie der Katholische Frauenkreis. Daneben gibt es weitere, kleinere Vereine.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 229. Im verarbeitenden Gewerbe (sowie Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden) gab es zwei Betriebe, im Bauhauptgewerbe keine Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 1999 36 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 204 ha. Davon waren 0 ha Ackerfläche und 204 ha Dauergrünfläche.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmal an der Wasserscheide zwischen Donau und Moldau

In der Gemeinde liegt das Skizentrum Mitterfirmiansreut-Philippsreut, das von einem Zweckverband zwischen dem Landkreis Freyung-Grafenau und der Gemeinde Philippsreut betrieben wird. Eine Doppelsesselbahn und mehrere Schlepplifte erschließen die Skipisten aller Schwierigkeitsgrade rund um den Almberg. Mit der Errichtung des Skizentrums wurde in den 1960er Jahren begonnen. Heute ist das Skizentrum Mitterfirmiansreut-Philippsreut das größte und modernste Skizentrum des Unteren Bayerischen Waldes. Neu investiert wurde in den letzten Jahren in den „Junior-Ski-Zirkus“ nahe dem Ortsteil Alpe. Im Skizentrum befinden sich mehrere Hotels, Restaurants und Beherbergungsbetriebe. Das Skizentrum und die Gastronomieeinrichtungen bieten, vor allem saisonbedingt, zahlreiche Arbeitsplätze. Das „Familienwinterland“ Mitterdorf ist ein beliebtes Urlaubsziel. Eine ebenso große Bedeutung hat es als Naherholungsgebiet. Die Kißlinger-Abfahrt ist eine von der FIS ausgezeichnete Rennstrecke, auf der wiederholt internationale Ski-Großveranstaltungen wie der Arnold-Lunn-World-Cup stattgefunden haben.

Seit dem Jahr 2008 besteht die Möglichkeit zu grenzüberschreitenden Wanderungen. Zwei Grenzübertrittspunkte stellen bei Vorder- und Hinterfirmiansreut einen Anschluss an das Wegenetz im Böhmerwald her. Dem Wanderer bieten sich dabei imposante Eindrücke von den abgegangenen deutschen Orten im Böhmerwald (Landstrassen, Ober-/Unterlichtbuchet u. a.).

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bundesstraße 12 führt quer durch das Gemeindegebiet zum sehr stark befahrenen Grenzübergang nach Strážný (Kuschwarda) in Tschechien, wo die Straße in die Schnellstraße 4 nach Prag übergeht. Nach dem EU-Beitritt Tschechiens zum 1. Mai 2004 nahm der Verkehr weiter zu; wegen der Zollfreiheit wurde der Personalbestand am Grenzübergang drastisch reduziert. Nach dem Inkrafttreten der Schengener Abkommen für die deutsch-tschechische Grenze am 21. Dezember 2007 wurde der Grenzübergang ganz aufgelassen. Die B 12 führt über eine neu errichtete Umgehungsstraße um den Ort herum direkt zum Grenzübergang. Auf der B 12 sind es rund 50 km nach Passau und in Gegenrichtung 165 km auf der R 4 in die tschechische Hauptstadt Prag.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 1999):

  • Kindergarten
  • Schulverbände mit Mauth und Haidmühle (Grundschule), Hohenau und Freyung (Hauptschule)
  • weiterführende Schulen (Realschule, Gymnasium) können in Freyung besucht werden

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Otto Damasko (†), Erster Bürgermeister von 1970 bis 1996, Ernennung zum Ehrenbürger
  • Dr. Ernst Dorn (†), Oberstudiendirektor a. D., Buchautor und Heimatforscher, Träger des Bundesverdienstkreuzes
  • Max Richtsfeld, langjähriger (40 Jahre) katholischer Ortspfarrer von Philippsreut und Mitterfirmiansreut bis 2006, Ernennung zum Ehrenbürger anlässlich seines 70. Geburtstages am 3. April 2004
  • Max Springer (†), verdienter Gemeindeschreiber
  • Karl Kißlinger (1926–2008), MdB a. D., ehemaliger Lehrer in Mitterfirmiansreut, Initiator des Skitourismus in Mitterfirmiansreut, Ehrenbürger seit 1965
  • Max Brandner (†), Expositus von 1944 bis 1950, Erbauer der Pfarrkirche St. Karl Borromäus, Ehrenbürger seit 1976

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Dorn: Heimat an der Grenze. ISBN 3-00-001354-7
  • Ernst Dorn: Herzogsreut, Philippsreut: Zwei Seelsorgsstellen im Hinteren Bayerischen Wald
  • Ernst Dorn: 300 Jahre Philippsreut
  • Pfarrei Philippsreut (Hrsg.): Philippsreut – Eine Seelsorgestelle im Bayerischen Wald: Ein Filmwerk über die Pfarrei

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Juli 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111213/145513&attr=OBJ&val=660
  3. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 595.
  4. 100 Jahre Schneekirche, abgerufen am 5. November 2011
  5. RP-online vom 6. Februar 2012: Die Schneekirche in Mitterfirmiansreut
  6. BDA Preis Bayern 2013. BDA Bayern, abgerufen am 23. September 2014.
  7. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 596.
  8. http://www.br.de/nachrichten/niederbayern/inhalt/wahlfaelschung-philippsreut-gemeinderat-neuwahl-100.html

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Philippsreut – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien