Landkreis Habelschwerdt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Landkreis Habelschwerdt, 1905

Der Landkreis Habelschwerdt ist ein ehemaliger preußischer Landkreis in Schlesien, der von 1818 bis 1945 bestand.

Der Landkreis Habelschwerdt umfasste am 1. Januar 1945:

Heute gehört das Territorium des ehemaligen Landkreises, das wie eine Halbinsel nach Böhmen hineinragt, zum polnischen Powiat Kłodzki in der südwestpolnischen Woiwodschaft Niederschlesien.

Verwaltungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Königreich Preußen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 24. Januar 1818 wurde aus den Distrikten Habelschwerdt und Landeck des bisherigen Kreises Glatz der neue Kreis Habelschwerdt in der preußischen Provinz Schlesien, Regierungsbezirk Reichenbach gebildet. Dieser umfasste meist ländliche Gebiete um die Städte Habelschwerdt, Landeck und Mittelwalde. Das Landratsamt war in Habelschwerdt. Erster Landrat war Ernst von Pannwitz aus Altlomnitz[1].

Mit der Auflösung des Regierungsbezirks Reichenbach trat am 1. Mai 1820 der Kreis Habelschwerdt zum Regierungsbezirk Breslau.

Deutsches Reich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 1. Juli 1867 gehörte der Kreis zum Norddeutschen Bund und ab 1. Januar 1871 zum Deutschen Reich.

Zum 8. November 1919 wurde die Provinz Schlesien aufgelöst. Aus den Regierungsbezirken Breslau und Liegnitz wurde die neue Provinz Niederschlesien gebildet.

Zum 30. September 1929 fand im Kreis Habelschwerdt entsprechend der Entwicklung im übrigen Freistaat Preußen eine Gebietsreform statt, bei der alle bisher selbstständigen Gutsbezirke aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt wurden.

Am 1. Oktober 1932 wurde die Landgemeinde Neu Wilmsdorf aus dem Kreis Habelschwerdt in den Kreis Glatz eingegliedert.

Am 1. April 1938 wurden die preußischen Provinzen Niederschlesien und Oberschlesien zur neuen Provinz Schlesien zusammengeschlossen.

Zum 1. Januar 1939 führte der Kreis Habelschwerdt entsprechend der jetzt reichseinheitlichen Regelung die Bezeichnung Landkreis.

Zum 18. Januar 1941 wurde die Provinz Schlesien aufgelöst. Aus den bisherigen Regierungsbezirken Breslau und Liegnitz wurde die neue Provinz Niederschlesien gebildet.

Im Frühjahr 1945 wurde das Kreisgebiet von der Roten Armee besetzt. Im Sommer 1945 wurde es von der sowjetischen Besatzungsmacht gemäß dem Potsdamer Abkommen unter polnische Verwaltung gestellt. Nachfolgend wurde die deutsche Bevölkerung, soweit sie nicht schon vorher geflohen war, größtenteils vertrieben. Die neu angesiedelten Bewohner stammten teilweise aus Ostpolen, das an die Sowjetunion gefallen war.

Landräte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1818–0000: Sinnhold
1850–9999: Hermann von Hochberg (interim.)
1850–1853: Miketta
1853–1884: Hermann von Hochberg (1813–1884) (II. Amtszeit)
1884–0000: Friedrich Rudolf Christian Waldemar Graf Finck von Finckenstein
1918–1922: Achaz von Saldern (1881–1962)
1922–1932: Paul Beyer
1932–1933: Alfred Poppe
1933–1944: Richard Spreu (1896–1969)
1944–0000: Ernst Braeckow (kommissarisch)

Kommunalverfassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kreis Habelschwerdt gliederte sich zunächst in die Stadtgemeinden Habelschwerdt, Landeck und Mittelwalde, in Landgemeinden und selbstständige Gutsbezirke.

Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 gab es ab 1. Januar 1934 eine einheitliche Kommunalverfassung für alle preußischen Gemeinden. Die bisherigen Stadtgemeinden führten jetzt die Bezeichnung Stadt.

Mit Einführung der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 trat zum 1. April 1935 im Deutschen Reich eine einheitliche Kommunalverfassung in Kraft, wonach die bisherigen Landgemeinden nun als Gemeinden bezeichnet wurden.

Eine neue Kreisverfassung wurde nicht mehr geschaffen; es galt weiterhin die Kreisordnung für die Provinzen Ost- und Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Schlesien und Sachsen vom 19. März 1881.

Ortsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es kam zu folgenden Änderungen von amtlichen Ortsnamen:

  • Landeck → Bad Landeck i. Schl.
  • Mittelwalde → Mittelwalde (Schles.)

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Landkreis entsprach ungefähr der südöstlichen Hälfte der ehemaligen Grafschaft Glatz und hat etwa geografische Breite 50.1°- 50.3° sowie Länge 16½°- 17°. Er bildet mit dem nördlicher gelegenen ehemaligen Landkreis Glatz den Glatzer Kessel im Südwesten Schlesiens, der von Mittelgebirgen umgeben ist:

An der südlichen Grenze des Landkreises, am Eschenberg bei Thanndorf (Jodłow) im Glatzer Schneegebirge, einem Teil der Sudeten an der Grenze Polens zu Tschechien, entspringt die Glatzer Neiße. Sie durchfließt den Kreis in nördlicher Richtung auf die Stadt Glatz zu und mündet nahe bei Opole in die Oder (Odra).

Heilbäder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das zum Landkreis gehörende Bad Landeck (Lądek Zdrój), dessen Quellen seit 700 Jahren bekannt sind, gehört zu den ältesten Kurorten Schlesiens. In dem 7 km südlich Habelschwerdt gelegenen Bad Langenau (Długopole Zdrój), das über drei kohlensäurehaltigen Quellen und Moorlager verfügt, begann der Kurbadebetrieb 1802. Zeitweise war auch Grafenort Kurort mit zwei Säuerlingen und einer Schwefelquelle.

Von Wölfelsgrund aus, das als Luftkurort bekannt ist, ist ein Aufstieg zum Glatzer Schneeberg möglich. Auch die Wallfahrtskirche Maria Schnee auf dem 850 m hohen Spitzigen Berg kann von Wölfelsgrund aus erreicht werden.

Städte und Dörfer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutsche Sudetenstrasse, Teilstrecke Brand - Seitendorf, 1919

Altgersdorf (Stary Gierałtów), Altlomnitz (Stara Łomnica), Altmohrau (Stara Morawa), Altwaltersdorf (Stary Waliszów), Altweistritz (Stara Bystrzyca), Aspenau (Topolice), Bad Landeck (Lądek Zdrój), Bad Langenau (Długopole Zdrój), Bielendorf (Bielice), Bobischau (Boboszów), Brand (Spalona), Ebersdorf (Domaszków), Freiwalde (Lesica), Friedrichsgrund (Piaskowice), Gläsendorf (Szklarnia), Glasegrund (Szklary), Glasendorf (Szklarka), Gompersdorf (Goszów), Grafenort (Gorzanów), Habelschwerdt (Bystrzyca Kłodzka), Hain (Gajnik), Hammer (Młoty), Heidelberg (Wrzosówka), Heinzendorf (Skrzynka), Herrnpetersdorf (Piotrowice) 1938 gebildet aus Herrnsdorf und Petersdorf, Herzogswalde (Nagodzice), Heudorf (Sienna), Hohndorf (Wyszki), Hüttenguth (Huta) mit Dintershöh (Opoczka), Johannesberg (Janowa Góra), Kaiserswalde (Lasówka), Kamnitz (Kamienica), Karpenstein (Karpno), Kieslingswalde (Idzików), Klessengrund (Kletno), Konradswalde (Konradów), Krotenpfuhl (Zabłocie), Kunzendorf a.d. Biele (Trzebieszowice), Langenbrück (Mostowice), Lauterbach (Goworów), Leuthen (Lutynia), Lichtenwalde (Poręba), Mariendorf (Marianówka), Marienthal (Niemojów), Martinsberg (Marcinków), Melling (Mielnik), Michaelsthal (Michałowice), Mittelwalde (Międzylesie), Mühlbach (Młynowiec), Neißbach (Potoczek), Neubatzdorf (Starkówek), Neubrunn (Szczawina) nach 1874 gebildet aus Sauerbrunn und Neuhain, Neugersdorf (Nowy Gierałtów), Neulomnitz (Nowa Łomnica), Neumohrau (Nowa Morawa), Neundorf (Nowa Wieś), Neuwaltersdorf (Nowy Waliszów), Neuweistritz (Nowa Bystrzyca), Neuwilmsdorf (Nowy Wielisław), Niederlangenau (Długopole Dolne), Oberlangenau (Długopole Górne), Olbersdorf (Stójków), Peucker (Poniatów), Plomnitz (Pławnica), Pohldorf (Paszków), Nesselgrund (Pokrzywno), Reyersdorf (Radochów), Rosenthal (Różanka), Rothflössel (Czerwony Strumień), Schönau bei Landeck (Orłowiec), Schönau bei Mittelwalde (Smreczyna), Schönfeld (Roztoki), Schönthal (Dolnik), Schreckendorf (Strachocin), Schreibendorf (Pisary), Seitenberg (Stronie Śląskie), Seitendorf (Gniewoszów), Spätenwalde (Zalesie), Steinbach (Kamieńczyk), Steingrund (Kamienna), Stuhlseiffen (Rudawa), Thanndorf (Jodłów), Urnitz (Jaworek), Verlorenwasser (Ponikwa), Voigtsdorf bei Habelschwerdt (Wójtowice), Voigtsdorf bei Landeck (Wójtówka), Weißbrod (Niedźwiedna), Weißwasser (Biała Woda), Wilhelmsthal (Bolesławów), Winkeldorf (Kąty Bystrzyckie), Wölfelsdorf (Wilkanów), Wölfelsgrund (Międzygórze), Wolmsdorf (Rogóżka).

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 210, Ziffer 24.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Groffschoaftersch Häämtebärnla, Jahrbuch 2009, S. 10